1. Einleitung
Der in der vorliegenden Hausarbeit thematisierte Fall ist frei erfunden und entspringt
meiner Phantasie. Allerdings arbeite ich – wie der Pfleger P. – in einem
gerontopsychiatrischen Pflegeheim und verspüre große Angst, selbst einmal in
die im Sachverhalt geschilderte Situation zu geraten.
Aufgrund dessen habe ich mich für die Bearbeitung des folgenden ethischmoralischen
Entscheidungskonfliktes entschieden.
2. Vorstellung des Falles
2.1 Sachverhalt
Der Pfleger P. arbeitet in einem gerontopsychiatrischen Heim auf einer Station
für schwerstpflegebedürftige demenzkranke Menschen.
Er ist auf dem Weg zu Frau T., um diese zu lagern. Laut Pflegeplanung hat die
Umlagerung mindestens alle zwei Stunden zu erfolgen, aus zeitlichen Gründen
ist er heute bereits nach eineinhalb Stunden vor Ort.
Frau T. ist eine 90jährige Frau, die seit 13 Jahren an einer Demenz vom Alzheimer
Typus erkrankt ist. Sie ist bettlägerig, inkontinent und auf umfassende
Hilfestellung bei sämtlichen lebensnotwendigen Aktivitäten angewiesen.
Ihre Umwelt – inklusive Pflegepersonal und ihre Angehörige – nimmt Frau T.
kaum noch wahr und reagiert äußerst selten auf auf sie einwirkende Umweltreize.
Als der Pfleger P. das Zimmer betritt, bemerkt er, dass sich der Brustkorb von
Frau T. ein letztes Mal hebt und sie daraufhin völlig regungslos in ihrem Bett
liegt. Er kontrolliert unverzüglich Frau T.`s Vitalzeichen und stellt fest, dass sie
weder atmet noch über einen spürbaren Puls verfügt.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung des Falles
2.1 Sachverhalt
2.2 Fragestellung
2.3 Informationen zum Krankheitsbild von Frau T.
2.3.1 Demenz
2.3.2 Demenz vom Alzheimer Typus
3. Analyse
3.1 Beteiligte
3.2 Rollen
3.3 Beziehungsstruktur
3.4 Die Gesetzeslage
4. Bewertung
4.1 Klientenwohl
4.2 Gemeinwohl
4.3 Gerechtigkeit
4.4 Effizienz
5. Beurteilung
5.1 Utilitarismus
5.2 Deontologischer Ansatz
6. Konstruktion/Handlungsplan
6.1 Pfleger P. leitet lebensrettende Sofortmaßnahmen ein
6.2 Pfleger P. unternimmt keinen Versuch der Wiederbelebung
6.3 Wie würde ich mich entscheiden?
7. Resumé
8. Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den ethisch-moralischen Entscheidungskonflikt einer Pflegekraft in einer gerontopsychiatrischen Einrichtung, der bei der Entdeckung eines regungslosen, demenzkranken Patienten entsteht. Ziel ist es, die Handlungsoptionen – lebensrettende Maßnahmen oder Sterbebegleitung – auf Basis ethischer Theorien und rechtlicher Rahmenbedingungen kritisch zu beleuchten.
- Ethische und rechtliche Analyse von lebensrettenden Sofortmaßnahmen in der Altenpflege.
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Klientenwohl, Gemeinwohl, Gerechtigkeit und Effizienz.
- Vergleichende Beurteilung durch utilitaristische und deontologische Ansätze.
- Reflektion über die eigene professionelle Haltung und berufsethische Verantwortung.
Auszug aus dem Buch
3.4 Die Gesetzeslage
Betrachtet man die Beziehungen der beteiligten Personen aus einem juristischen Blickwinkel, so treten mehrere gesetzliche Grundlagen zu Tage, die in dieser Situation von Belang sind.
Dabei ist zunächst das Grundgesetz als Basis unseres Rechtssystems zu nennen, auf dem alle weitere Kodifikationen aufbauen.
Gemäß Art.2 II 1 GG hat jeder das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. In Verbindung mit dem in Art.2 I GG genannten allgemeinen Persönlichkeitsrecht und der in Art.1 I 1 GG verankerten Unantastbarkeit der Menschenwürde bedeutet das für medizinische Behandlungen wie beispielsweise Wiederbelebungsmaßnahmen, dass diese nur rechtmäßig sind, wenn der Patient dem Eingriff einwilligt (vgl. May et al 2002: 26).
Hier stellt sich für den vorliegenden Fall die Frage, ob sich Frau T. lebensrettende Sofortmaßnahmen wünscht, oder ob es ihr Wunsch wäre, in Ruhe zu versterben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den erfundenen Fall als Basis für die ethische Reflexion über die eigene Angst vor derartigen Entscheidungssituationen im Pflegealltag vor.
2. Vorstellung des Falles: In diesem Kapitel werden der Sachverhalt, die Forschungsfrage sowie medizinische Grundlagen zur Demenz vom Alzheimer-Typus definiert.
3. Analyse: Es erfolgt eine detaillierte Betrachtung der Beteiligten, ihrer Rollen, der komplexen Beziehungsgeflechte und der geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen.
4. Bewertung: Die Arbeit prüft die Handlungsoptionen anhand der gesellschaftlich anerkannten Werte Klientenwohl, Gemeinwohl, Gerechtigkeit und Effizienz.
5. Beurteilung: Die Handlungsoptionen werden mittels normativer Ethik, konkret dem Utilitarismus und dem deontologischen Ansatz nach Kant, bewertet.
6. Konstruktion/Handlungsplan: Hier werden zwei hypothetische Szenarien des Fallausgangs sowie die persönliche Handlungsentscheidung des Autors dargelegt.
7. Resumé: Das Fazit unterstreicht die theoretische Natur der Überlegungen und betont die Wichtigkeit der vorherigen Auseinandersetzung mit solchen Konflikten für die eigene Professionalität.
8. Literaturangaben: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Demenz, Alzheimer, Pflegeheim, lebensrettende Sofortmaßnahmen, Entscheidungskonflikt, Ethik, Utilitarismus, Deontologie, Klientenwohl, rechtliche Rahmenbedingungen, Sterbehilfe, Patientenverfügung, Fürsorgepflicht, Berufsrolle, Moral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Es geht um den ethisch-moralischen Entscheidungskonflikt einer Pflegekraft, die bei einer demenzkranken Patientin ohne Vitalzeichen vor der Wahl zwischen Wiederbelebung und Unterlassung der Maßnahmen steht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen ethische Entscheidungsfindung, rechtliche Grundlagen in der Pflege, das Krankheitsbild Demenz sowie das professionelle Selbstverständnis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Soll die Pflegekraft lebensrettende Sofortmaßnahmen einleiten oder den Versuch der Wiederbelebung unterlassen?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die normative Ethik (Utilitarismus und Deontologie) und eine rechtliche Analyse, um den Sachverhalt auf Basis von Fachliteratur theoretisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die rechtliche Lage, bewertet die Situation anhand zentraler Werte und führt eine ethische Beurteilung beider Handlungsoptionen durch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen unter anderem Demenz, ethischer Konflikt, Patientenwohl, Grundgesetz, Utilitarismus und professionelle Verantwortung.
Wie unterscheidet der Autor zwischen utilitaristischer und deontologischer Sichtweise im Fall?
Der Utilitarismus bewertet die Handlung nach dem größtmöglichen Nutzen für die Betroffenen, während der deontologische Ansatz fragt, ob die Handlung als allgemeines Gesetz für alle gelten könnte, wobei die Autonomie der Patientin im Vordergrund steht.
Welchen persönlichen Lösungsansatz schlägt der Autor vor?
Der Autor entscheidet sich für eine dritte Alternative: Den Tod als Teil des Lebens zu akzeptieren und der Patientin in ihren letzten Momenten durch Beistand und Anteilnahme zu begleiten, anstatt rein technisch zu handeln.
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- Volker Harm (Author), 2008, Lebensrettende Sofortmaßnahmen im Pflegeheim – ein ethisch-moralischer Entscheidungskonflikt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122968