Die Finanzierung der Kreuzzüge


Referat (Handout), 2005
2 Seiten

Gratis online lesen

Staatliche Finanzierung der Kreuzzüge

Die erste allgemeine Steuer für die Unterstützung der Kreuzzüge wurde 1166 in Frankreich (1%) und in England (2%) erhoben. Es war keine direkte Finanzierung eines Kreuzzuges. Die Einnahmen wurden nach Jerusalem geschickt, für Militärausgaben wie z.B. Söldnerlöhne und den Bau von Festungen.

Der Saladin-Zehnte von 1188 ist dagegen die erste Steuer, die explizit für einen Kreuzzug eingetrieben werden sollte. Alle Nicht-Kreuzfahrer sollten 10% ihrer Einnahmen und des Wertes ihrer beweglichen Eigentümer abgeben. In Frankreich waren die Fürsten, die an den Kreuzzügen teilnahmen, von der Steuer selbst befreit und konnten die Steuern, die von ihren Untergebenen zu bezahlen waren, einbehalten. Dies führte dazu, dass viele Fürsten zuerst angaben, bei den Kreuzzügen teilnehmen zu wollen, um so die Steuereinnahmen zu erhalten. Später erfüllten sie ihre Versprechen nicht.

Private Finanzierung der Kreuzzüge

Die Kreuzzüge, insbesondere im 12. und 13. Jh., wurden hauptsächlich privat finanziert. Die wenigsten Kreuzfahrer verfügten über genügend finanzielle Mittel, um ihre Reise zu finanzieren. Die häufigste Vorgehensweise war deswegen der Verkauf oder die Verpfändung von Eigentum (Grundstücke, Gebäude, Einnahmen, Werkzeuge, Rechte). Kreuzfahrer boten ihr Eigentum an, und religiöse Einrichtungen (Kirchen, Klöster etc.) boten im Gegenzug die Mittel an, die für den Kreuzzug benötigt wurden. Neben Geld konnte dies in Form von Ausrüstungen oder etwa Pferden geschehen. Die Kreuzfahrer waren dabei auch bereit, ihr Eigentum bei schlechten Konditionen zu verpfänden.

Um diese Prozesse noch weiter zu erleichtern und für die Kreuzfahrer attraktiver zu machen, wurden die Kreuzfahrer von Zinszahlungen befreit, und sie durften (anders als bis dahin) ihr Eigentum ohne Zustimmung ihrer Angehörigen oder Herrscher verkaufen, bzw. verpfänden. Die Zinsbefreiung war für die Geldverleiher jedoch kein größeres Problem, weil sie die Einnahmen aus den verpfändeten Objekten (z.B. Grundstücken) behalten durften, so dass die effektiven Zinsen bei etwa 7,5% lagen.

Die Kirchen ihrerseits verkauften ihre Schätze in Form von Gold, Silber und Edelsteinen, damit sie genug finanzielle Mittel hatten, um den Kreuzfahrern Darlehen gegen Pfand anzubieten. Die Kreuzzüge waren für Kirchen und Klöster eine günstige Gelegenheit, um Eigentum (z.B. Grundstücke) zu erwerben. Die Verträge waren oft so gestaltet, dass die verpfändeten Güter der Kirche zufielen, wenn der ehemalige Schuldner (ohne Nachkommen) starb, auch dann wenn die Schulden zurückbezahlt waren.

Die Kreuzfahrer fragten neben (Geld-)Mitteln für ihre Reise auch spirituelle Dienstleistungen nach. So haben die Kreuzfahrer für ihre Spenden an die Kirche die Zusicherung für Begräbnisse, Andachten, Gebete und Leichenrückführungen erhalten. Ein weiterer Grund für Spenden an die Kirche war die Sorge um Seelenheil und Erlösung. So haben Gläubige, die nicht in der Lage waren an den Kreuzzügen teilzunehmen, stattdessen gespendet.

Orden und Stiftungen

Die Kirche half nicht nur dabei, Kreuzfahrern die Mittel für ihre Reisen zur Verfügung zu stellen. Über zwei Orden (Templer und Johanniter) beteiligte sie sich in institutioneller Form militärisch an den Kreuzzügen. Die Orden bauten feste Kontingente im Osten mit Reserven in Europa auf.

Die Orden gründeten Stiftungen in Europa, um sich zu finanzieren. Die Stiftungen bekamen Almosen und Erbschaften von den Christen in Europa. Weiterhin leitete die Kirche die Spenden[1], die sie für den Kreuzzug erhielt, bald nur noch ausschließlich an diese Orden. Die Stiftungen verfügten so schnell über große Einnahmequellen (wie etwa Land, Felder, Wälder). Schließlich ermöglichte die Verbreiterung der Stiftungen in Europa und in den Kreuzfahrerstaaten, dass die Orden Geld verleihen und transferieren konnten. So konnte etwa in Jerusalem ein Darlehen gewährt werden, das dann in Frankreich zurückbezahlt wurde.

Nachwirkungen der Finanzierung der Kreuzzüge

Die alten Besitzverhältnisse wurden grundlegend geändert. Durch die privaten Formen der Finanzierung verloren feudale Adelige vielfach ihre Eigentümer. Kirchenschätze (Gold, Silber, Edelsteine) wurden in flüssige Geldmittel verwandelt, die Zirkulation von Kapital nahm zu. Durch die staatlichen Formen der Finanzierung wurden die zentralisierten finanziellen Verwaltungen vorangetrieben und Steuererhebungen wurden etabliert.

Literatur:

Constable, Giles: Monks, hermits and crusaders in Medieval Europe. London (1988), S.64-88

Cazel, Fred A.: Financing the Crusades, in: Setton, Kenneth M.: A History of the Crusades – Volume VI. Wisconsin (1989), S.116-149

[...]


[1] Die Spenden wurden gefördert, indem etwa im 13. Jh. die Absolution gegen Geldspende für die Kreuzzüge ermöglicht wurde.

2 von 2 Seiten

Details

Titel
Die Finanzierung der Kreuzzüge
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Die Zeit der Kreuzfahrerstaaten im Nahen Osten
Autor
Jahr
2005
Seiten
2
Katalognummer
V123012
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzierung, Kreuzzüge, Zeit, Kreuzfahrerstaaten, Nahen, Osten
Arbeit zitieren
Ismail Küpeli (Autor), 2005, Die Finanzierung der Kreuzzüge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123012

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Finanzierung der Kreuzzüge


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden