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Über die Relevanz des Asebievorwurfes gegenüber Sokrates in den platonischen Schriften „Apologie“ und „Phaidon“

Titel: Über die Relevanz des Asebievorwurfes gegenüber Sokrates in den platonischen Schriften „Apologie“ und „Phaidon“

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2008 , 25 Seiten , Note: 1,6

Autor:in: Janina Funk (Autor:in)

Philosophie - Philosophie der Antike
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In dieser Arbeit soll nun zunächst auf die platonische Schrift „Apologie des Sokrates“ im Hinblick auf den Vorwurf der Asebie eingegangen werden und dieser explizit untersucht werden. Die Relevanz des Asebievorwurfes, dessen Aussagekraft zur Zeit des Prozesses mitunter ausschlaggebend war für das Todesurteil, soll kritisch hinterfragt werden und auf Teile des platonischen Dialogs „Phaidon“ kontrastiv entwickelt werden. Augenscheinlich stellt uns Platon in der späteren Schrift „Phaidon“ einen zutiefst religiösen und gottesfürchtigen Menschen Sokrates vor. Es soll herausgestellt werden, inwiefern der damalige Anklagepunkt Asebie, eventuell ein unzureichender, wenn nicht sogar ein unzutreffender gewesen sei.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung Asebie

3. Die religiöse Haltung der Athenischen Bürger zur Zeit des Prozesses, im Hinblick auf die Fragwürdigkeit des Asebievorwurfes

4. Apologie des Sokrates

4.1 Beginn der Verteidigungsrede

4.2 Die „frühere“ Anklage

4.3 Verteidigung gegen die „frühere“ Anklage mit Bezug auf das delphische Orakel

4.4 Sokrates’ philosophische Tätigkeit im Auftrag des Gottes

4.5 Motivation der Athener, Sokrates der Asebie wegen zu verurteilen

5. „Phaidon“

5.1 Pythagoreeisches Gedankengut im „Phaidon“

5.2 Die Darstellung des frommen, zutiefst religiösen Sokrates im „Phaidon“ - Theseusvergleich

5.3 Sokrates’ Dichtung – letzte Möglichkeit den Forderungen seines Schutzgottes zu entsprechen

5.4 „Apologie“ des Sokrates im „Phaidon“

5.4.1 Verbot des Selbstmordes

5.4.2 Warum strebt der Philosoph dem Tod entgegen?

5.4.3 Asketische Lebensweise als philosophische Lebensweise und als ein „Einüben in den Tod“

6. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz und Berechtigung des Asebievorwurfes (Gottlosigkeit) gegenüber Sokrates, wie er in Platons Schriften „Apologie“ und „Phaidon“ dargestellt wird, um kritisch zu hinterfragen, ob die Anklage tatsächlich auf einer religiösen Verfehlung basierte oder als politisches Mittel diente.

  • Analyse des Asebievorwurfes in der „Apologie“ des Sokrates.
  • Kontrastive Untersuchung des Sokrates-Bildes im Dialog „Phaidon“.
  • Die Rolle des delphischen Orakels und des göttlichen Auftrags.
  • Religiöse Kontexte und die politische Situation im Athen des 5. Jahrhunderts v. Chr.
  • Die asketische Lebensweise des Philosophen als „Einüben in den Tod“.

Auszug aus dem Buch

5.3 Sokrates’ Dichtung – letzte Möglichkeit den Forderungen seines Schutzgottes zu entsprechen

Nachdem es Platon gelungen ist, durch die Erzählung von der Ankunft des Schiffes Sokrates in direkten Bezug zu dessen Schutzgottheit Apollon zu bringen, gelingt es ihm nun, auf die Frömmigkeit seines Meisters hinzuweisen und dessen Vorbereitung auf den nahenden Tod im Geiste Apollons zu schildern. Sokrates beginnt die philosophische Diskussion, indem er von der Interdependenz von Lust und Schmerz zu sprechen beginnt. Dabei spricht er von der Verquickung der beiden und dass darüber der Aisopos wohl eine Fabel verfasst hätte haben können. Dies ist nun seinem Schüler Kebes Anlass, sich nach der schriftstellerischen Tätigkeit zu erkundigen, der Sokrates seit seinem Aufenthalt im Gefängnis nach zu gehen scheint. In der Tat hat dieser wohl die Fabeln des Aisopos in Verse gesetzt und auch ein Prooimion, einen Lobgesang auf Apollon gedichtet. Mit seinem späten literarischen Schaffen wolle er aber auf keinem Fall den wirklichen Dichtern Konkurrenz machen, sondern es handele sich dabei um eine göttliche Aufforderung im Traum, welcher Sokrates schon seit längerem folge. Der Gott habe ihn schon seit geraumer Zeit dazu aufgefordert, „den Musen zu dienen“ und Musik zu treiben, doch möchte ich ihn an dieser Stelle aus dem „Phaidon“ zitieren und somit selbst sprechen lassen:

„Sage ihm denn, sprach er, o Kebes, die Wahrheit, dass ich es nicht tue, um etwa gegen ihn und seine Gedichte aufzutreten, denn das, wüsste ich wohl, wäre nicht leicht, sondern um zu versuchen, was wohl ein gewisser Traum meine, um mich vor Schaden zu hüten, wenn etwa dies die Musik wäre, die er mir anbefiehlt. Es war nämlich dieses: es ist mir oft derselbe Traum vorgekommen in dem nun vergangenen Leben, der mir bald in dieser, bald in jener Gestalt erscheinend immer dasselbe sagte: O Sokrates, sprach er, mach und treibe Musik. Und ich dachte sonst immer, nur zu dem, was ich schon tat, ermuntere er mich und treibe mich noch mehr an, wie man die Laufenden anzutreiben pflegt, so ermuntere mich auch der Traum zu dem, was ich schon tat, Musik zu machen, weil nämlich die Philosophie die vortrefflichste Musik ist und ich diese doch trieb. Jetzt aber, seit das Urteil gefällt ist und die Feier des Gottes meinen Tod noch verschoben hat, dachte ich doch, ich müsse, falls etwa der Traum mir doch beföhle, mit dieser gewöhnlichen Musik mich zu beschäftigen, auch dann nicht ungehorsam sein, sondern es tun. Denn es sei doch sicherer, nicht zu gehen, bis ich mich auch so vorgesehen und Gedichte gemacht, um dem Traum zu gehorchen. So habe ich denn zuerst auf den Gott gedichtet, dem das Opfer eben gefeiert wurde [...].“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Bedeutung des Todes des Sokrates und führt in den Vorwurf der Asebie als zentrales Thema der Arbeit ein.

2. Begriffserklärung Asebie: Dieses Kapitel erläutert den antiken Begriff der Asebeia als Verletzung der Ehrfurcht vor den Göttern und den politischen Kontext der entsprechenden Gesetzesgrundlage von 432 v. Chr.

3. Die religiöse Haltung der Athenischen Bürger zur Zeit des Prozesses, im Hinblick auf die Fragwürdigkeit des Asebievorwurfes: Hier wird die angespannte sittlich-religiöse Situation im Athen des 5. Jahrhunderts v. Chr. dargestellt, in der wissenschaftlicher Fortschritt und traditioneller Glaube kollidierten.

4. Apologie des Sokrates: Dieses Kapitel untersucht die Verteidigungsrede des Sokrates im Hinblick auf den Vorwurf der Asebie und analysiert seine Berufung auf den göttlichen Auftrag.

5. „Phaidon“: Das Kapitel analysiert den Dialog „Phaidon“ hinsichtlich der Darstellung des Sokrates als frommen Menschen und der Bedeutung seiner asketischen Lebensweise.

6. Schluss: Der Schluss zieht das Resümee, dass der Asebievorwurf primär ein Mittel zur Ausschaltung eines als unbequem empfundenen Philosophen war und das von Platon gezeichnete Bild des gottesfürchtigen Sokrates hervorhebt.

Schlüsselwörter

Sokrates, Asebie, Platon, Apologie, Phaidon, Philosophie, Religion, Staatsgötter, Gottlosigkeit, Todesurteil, asketische Lebensweise, Athen, Prozess, Antike, Apollon.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?

Die Hausarbeit befasst sich mit dem Vorwurf der Asebie (Gottlosigkeit) gegenüber Sokrates und untersucht anhand der platonischen Schriften „Apologie“ und „Phaidon“, inwieweit diese Anklage inhaltlich gerechtfertigt war oder als politisches Instrument gegen den Philosophen diente.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die religiöse Situation in Athen zur Zeit des Sokrates, die Rolle des delphischen Orakels, das Selbstverständnis des Philosophen als Beauftragter des Gottes Apollon sowie die Bedeutung der philosophischen Askese als Vorbereitung auf den Tod.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel der Arbeit ist es, den Asebievorwurf kritisch zu hinterfragen und zu zeigen, dass Platon Sokrates als zutiefst religiösen und gehorsamen Menschen darstellt, womit die Anklage der Gottlosigkeit als unzutreffend entlarvt werden soll.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt die Analyse und Interpretation der platonischen Dialoge „Apologie“ und „Phaidon“ sowie den Vergleich mit aktueller philosophischer Sekundärliteratur, um das Bild des Sokrates im Kontext des Asebievorwurfes zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der „Apologie“ hinsichtlich der Verteidigung gegen den Vorwurf der Asebie und eine eingehende Analyse des „Phaidon“, in der die asketische Lebensweise und die Todesbereitschaft des Philosophen als Ausdruck tiefster Frömmigkeit interpretiert werden.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Die wichtigsten Schlüsselbegriffe sind Sokrates, Asebie, Platon, Gottlosigkeit, philosophische Askese, Todesbereitschaft, religiöse Haltung, Athener Prozess und Apollon.

Welche Rolle spielt das delphische Orakel für die Argumentation des Sokrates?

Das Orakel fungiert als zentrale Instanz, durch die Sokrates sein philosophisches Wirken als göttlichen Auftrag legitimiert; indem er das delphische Urteil über seine Weisheit prüft, stellt er sich in den Dienst Apollons.

Wie interpretiert der Autor den Theseusvergleich im Dialog „Phaidon“?

Der Vergleich dient dazu, Sokrates als „Retter Athens im Logos“ zu stilisieren, der den athenischen Nachwuchs durch kritisches Hinterfragen vor unrechter Lebensführung bewahrt, ähnlich wie Theseus die Stadt vor dem Minotaurus rettete.

Warum erscheint der Vorwurf der Asebie nach der Interpretation im „Phaidon“ als unzutreffend?

Weil Platon Sokrates als einen Menschen darstellt, der selbst angesichts des nahenden Todes strikt nach göttlichen Geboten handelt und sich als Beauftragter des Gottes sieht, was im starken Kontrast zum Bild des gottlosen Frevlers steht.

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Details

Titel
Über die Relevanz des Asebievorwurfes gegenüber Sokrates in den platonischen Schriften „Apologie“ und „Phaidon“
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Der Tod des Sokrates als paradigmatisches Ereignis
Note
1,6
Autor
Janina Funk (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
25
Katalognummer
V123047
ISBN (eBook)
9783640279852
ISBN (Buch)
9783640283484
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Relevanz Asebievorwurfes Sokrates Schriften Sokrates Ereignis
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Janina Funk (Autor:in), 2008, Über die Relevanz des Asebievorwurfes gegenüber Sokrates in den platonischen Schriften „Apologie“ und „Phaidon“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123047
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Leseprobe aus  25  Seiten
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