Außerordentlicher Wert liegt in dieser Arbeit auf den kapitalmarktorientierten Discounted Cash Flow-Methoden. Darunter zählen die Bruttoverfahren wie WACC, APV und TCF also auch das Nettoverfahren. Als Einstieg werden die Charakteren dieser einzelnen Verfahren dargelegt. Allen Methoden ist die zentrale Stellung der Zukunftserfolge gemeinsam. Sie ist neben dem Diskontierungssatz die ausschlaggebende Determinante für den Unternehmenswert. Jedoch müssen diese erwarteten Erfolge ermittelt und geschätzt werden. Unterschiedliche Einflussfaktoren wirken auf die Erfolge ein. Für eine zuverlässige und plausible Schätzung sind in erster Linie die nachhaltigen Ergebnisbestandteile von durchschlagender Wichtigkeit. Um an diese Basiselemente für die weiteren Schätzungen zu gelangen, ist die Analyse des Jahresabschluss notwendig. Von besonderem Interesse ist der Jahresabschluss nach den IFRS. In welcher Weise diese in der Suche nach nachhaltigen Erfolgsbestandteilen unterstützend wirken, ist u. a. die Problematik des zweiten Teiles. Besonderes Augenmerk liegt auf der Erfolgsspaltung. Dabei stellt sich die Frage, ob die zur Verfügung stehenden Pflichtinformationen aus der Gewinn- und Verlustrechnung sowie den Angaben im Anhang für eine gute Erfolgsspaltung ausreichend sind. Die erst kürzlich seitens des IASB veröffentlichten Neuerungen des IAS 1 für eine bessere und eindeutigere Erfolgsdarstellung bestätigen die bis dato spärliche Informationslage. Weitere Veränderungen sind in Arbeit und deren vielversprechender Inhalt gibt berechtigte Hoffnung auf zusätzliche Verbesserungen, um als Externer den Erfolg leichter und sicherer begreifen und analysieren zu können. Doch ob damit endlich alle Probleme behoben sein werden ist fraglich. Die Bedeutung der Erfolge und einer guten Darstellung wurden erkannt und werden kontinuierlich verbessert. Im weiteren Verlauf wird auf die zuvor ermittelten nachhaltigen Erfolgsbestandteile aufsetzend die Prognose der Cash Flows erläutert. Anhand dessen wird die fundamentale Stärke der Basiserfolge für die Bewertung deutlich. Doch nicht nur die Discounted Cash-Flow-Methoden greifen auf die Gewinn- und Verlustrechnung und den Anhang als Informationsquellen für die Berechnungen zurück. Auch für die Multiplikatorverfahren ist eine aussagekräftige Erfolgspräsentation von Interesse. Dadurch wird eine fundierte Aussage erst möglich. Der Sinn und Zweck der Multiplikatormethode für die Unternehmensbewertung wird abschließend dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Teil I: Die Unternehmensbewertung – Theorie
2.1 Anlässe und Bedeutung einer Unternehmensbewertung
2.2 Methoden der Unternehmensbewertung mit Fokus auf DCF-Verfahren
2.2.1 Einzelbewertungsverfahren und Gesamtbewertungsverfahren
2.2.2 Bewertungsformen mit Blick in die Zukunft
2.2.2.1 WACC-Ansatz
2.2.2.2 APV-Ansatz
2.2.2.3 TCF-Ansatz
2.2.2.4 Equity-Ansatz
2.2.2.5 Würdigung des WACC-Verfahrens
2.3 Notwendige Daten für die Bewertung
2.3.1 Bestimmung des Diskontierungssatzes WACC
2.3.1.1 Eigenkapitalgewicht
2.3.1.2 Fremdkapitalgewicht
2.3.2 Ermittlung des Free Cash Flow
2.3.3 Informationen aus dem Segmentbericht
2.3.4 Bedeutung des Anhangs
2.4 Betrachtung des Unternehmensumfeldes und dessen Einflussfaktoren
3. Teil II: Erfolgsdarstellung nach IFRS als Basis für die Ermittlung von Zukunftserfolgen
3.1 Erfolgsdarstellung nach IFRS
3.2 Anforderungen an die Erfolgsdarstellung nach IFRS
3.3 Nachhaltigkeit – Ermittlung des „richtigen“ Erfolges nach IFRS
3.3.1 Bedeutung der Nachhaltigkeit für die Bewertung
3.3.2 Darstellung des Erfolges nach IAS 1
3.3.3 Feststellung von nachhaltigen Erfolgen durch Aushebeln bilanzpolitischer Kalküle
3.3.3.1 Betriebszugehöriges Ergebnis
3.3.3.2 Betriebsfremdes Ergebnis
3.3.3.3 Außerordentliches Ergebnis
3.4 Forderung nach einem besseren und übersichtlicheren Erfolgsausweis
3.5 Aktuelle Ansätze zur Verbesserung der Informationslage
3.5.1 Management Commentary
3.5.2 Financial Statement Presentation
4. Teil III: Erfolg als Basis für verschiedene Bewertungsmethoden
4.1 Bestimmung und Prognose der Zukunftserfolge
4.1.1 Schritte der Prognose
4.1.2 Vergangenheitsanalyse
4.1.2.1 Betrachtung des Unternehmens
4.1.2.2 Einordnung des Unternehmens in seine Umwelt
4.1.3 Planung und Prognose – Bestimmung des Zukunftserfolges
4.1.3.1 Detailprognosezeitraum
4.1.3.2 Terminal Value
4.2 Erfolgsrechnung als Basis für die Multiplikatormethode
4.2.1 Methodik
4.2.2 Earnings-Per-Share
4.2.3 Kurs-Gewinn-Verhältnis
4.2.4 Kurs-Cash Flow-Verhältnis
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Eignung der Erfolgsberichterstattung nach IFRS als Grundlage für die Ermittlung von Zukunftserfolgen im Kontext der Unternehmensbewertung kritisch zu analysieren. Dabei wird insbesondere untersucht, inwieweit die bestehenden Rechnungslegungsvorschriften des IASB ausreichend sind, um für Analysten eine verlässliche Datenbasis zur Prognose nachhaltiger Erträge und zur Durchführung gängiger Bewertungsverfahren, wie dem Discounted Cash Flow (DCF)-Modell oder Multiplikatoren, bereitzustellen.
- Analyse kapitalmarktorientierter DCF-Verfahren (WACC, APV, TCF, Equity-Ansatz)
- Untersuchung der Aussagekraft von Segmentberichten und Anhängen für die Prognose
- Kritische Würdigung der Erfolgsdarstellung nach IFRS und Identifikation von Bilanzpolitik
- Diskussion aktueller IASB-Projekte wie Financial Statement Presentation und Management Commentary
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Einzelbewertungsverfahren und Gesamtbewertungsverfahren
Die Einzelbewertungsverfahren sehen – wie der Name bereits erahnen lässt – eine Bewertung einzelner Gegenstände, wie sie in der Bilanz aufgeführt sind, vor. So wird quasi der Wert der „greifbaren“ Substanz des Unternehmens taxiert. In der Literatur werden dabei Liquidationswert und Rekonstruktionswert voneinander abgegrenzt. Die Gesamtbewertungsverfahren dagegen spalten das Unternehmen nicht in seine Einzelteile auf, sondern betrachten es als Ganzes und ermitteln den Wert für die komplette Einheit.
Dazu stehen die verschiedenen Verfahrenstechniken Zukunftserfolgswert, strategisches Verfahren und Vergleichsverfahren (auch: Multiplikatorverfahren) zur Verfügung. Anmerkend sei gesagt, dass weder die jeweiligen Einzelbewertungsverfahren noch die Multiplikatorverfahren im Bereich der Gesamtbewertungsmethoden für eine detaillierte und aussagekräftige Bewertung geeignet sind. Dies liegt darin begründet, dass beim Substanzwertverfahren wichtige Werttreiber, wie immaterielle Vermögensgegenstände oder qualitative Faktoren wie Know-how der Mitarbeiter in der Bewertung außen vor gelassen werden. „So ist ein Unternehmen i.d.R. mehr wert als die Summe seiner Teile.“
Daher ist von einem Anwenden dieser Methode abzusehen. Zu einem ähnlichen Schluss gelangt man bei den Multiplikatorverfahren. Vergleichswerte wie zum Beispiel der Gewinn je Aktie oder der Cash Flow je Aktie werden ins Verhältnis zum Kurs der Aktie selbst gesetzt (KGV bzw. KCV). Die errechnete Kennzahl stellt so ein Vielfaches der Basisgröße dar und wird auf die Bezugsgröße des zu bewertenden Unternehmens übertragen. Dazu ist es jedoch notwendig, zwei oder mehrere ähnliche Unternehmen (gleiche Branche, gleiches Risiko, etc.) oder zeitnahe Transaktionen für eine Analyse heranzuziehen. Ansonsten verleitet diese Methode leicht zu Fehlinterpretationen, da Annahmen nur auf dem Vergleichsunternehmen basieren und damit der errechneten Kennzahl inhärent sind. Ein entsprechend vergleichbares Unternehmen mit äquivalenten Parametern zu finden, ist in der Realität ein schwieriges Unterfangen, so dass ein trivialer Übertrag des Multiplikators nicht so ohne weiteres möglich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verdeutlicht die Komplexität der Unternehmensbewertung und führt in die zentrale Bedeutung der Zukunftserfolgsprognose sowie der IFRS-Rechnungslegung für Bewertungszwecke ein.
2. Teil I: Die Unternehmensbewertung – Theorie: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Unternehmensbewertung, inklusive verschiedener DCF-Verfahren und der für eine Bewertung notwendigen Datenquellen aus dem Jahresabschluss.
3. Teil II: Erfolgsdarstellung nach IFRS als Basis für die Ermittlung von Zukunftserfolgen: Der zweite Teil untersucht kritisch die Erfolgsdarstellung nach IFRS, insbesondere die Problematik der Nachhaltigkeitsbestimmung und die Notwendigkeit zur Korrektur bilanzpolitischer Einflüsse.
4. Teil III: Erfolg als Basis für verschiedene Bewertungsmethoden: Das letzte Hauptkapitel verbindet die Ergebnisse der Erfolgsanalyse mit der praktischen Durchführung von Bewertungsmethoden, wobei der Schwerpunkt auf Prognoseschritten und der Anwendung von Multiplikatoren liegt.
5. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass eine strukturierte Erfolgsanalyse für eine fundierte Bewertung unerlässlich ist und zukünftige Standardisierungen des IASB weiter zur Transparenz beitragen müssen.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, IFRS, Discounted Cash Flow, WACC, Zukunftserfolg, Jahresabschluss, Erfolgsspaltung, Nachhaltigkeit, Multiplikatorverfahren, Segmentbericht, Bilanzpolitik, Kapitalkosten, Gewinn je Aktie, Finanzanalyse, IASB.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Frage, wie die Erfolgsberichterstattung nach IFRS als Informationsgrundlage für die Unternehmensbewertung genutzt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die DCF-Methoden zur Unternehmensbewertung, die Identifikation nachhaltiger Erfolgsbestandteile in IFRS-Abschlüssen sowie die Anwendung von Multiplikatorverfahren.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, ob die aktuelle Rechnungslegung nach IFRS ausreichend transparente Informationen liefert, um verlässliche Zukunftserfolge für eine fundierte Unternehmensbewertung zu prognostizieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Analyse der theoretischen Bewertungsliteratur und eine kritische Auseinandersetzung mit den IFRS-Standards zur Erfolgsdarstellung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung der Bewertung, die Analyse der Erfolgsdarstellung im IFRS-Abschluss sowie die praktische Verknüpfung der Erfolge mit verschiedenen Bewertungsmethoden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Unternehmensbewertung, IFRS, Zukunftserfolge, DCF-Verfahren, Multiplikatoren, Erfolgsspaltung und Nachhaltigkeit.
Warum ist das "Zirkularitätsproblem" beim WACC-Ansatz relevant?
Es ist relevant, weil der WACC zur Bestimmung des Marktwertes des Eigenkapitals benötigt wird, dieser Marktwert aber gleichzeitig die Basis für die Eigenkapitalgewichtung innerhalb des WACC darstellt.
Welchen Einfluss haben bilanzpolitische Maßnahmen auf die Unternehmensbewertung?
Bilanzpolitische Maßnahmen können das ausgewiesene Ergebnis verzerren, weshalb eine Bereinigung um nicht nachhaltige Sondereffekte durch den Analysten für eine korrekte Prognose zwingend erforderlich ist.
Welche Rolle spielt der Anhang (Notes) bei der Bewertung?
Der Anhang dient als entscheidende Informationsquelle, um bilanzpolitische Spielräume zu identifizieren und qualitative Erläuterungen zu den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden zu erhalten.
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- Diplomkauffrau Caroline Stross (Author), 2008, Die Erfolgsberichterstattung nach IFRS als Basis für die Unternehmensbewertung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123050