Die kubanische Alphabetisierungskampagne 1961

Bildung und / oder politische Bewusstseinsbildung?


Hausarbeit, 2007
30 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die kubanische Revolution
2.1 Der gescheiterte Anfang
2.2 Der zweite Versuch
2.3 Der Weg zum Sieg
2.4 Fidel Castro an der Macht
2.5 Die sozialistische Revolution
2.6 Zusammenfassung

3. Die kubanische Revolution und ihre idealistischen Hintergründe
3.1 Die Tradition José Martís
3.2 Marxismus-Leninismus
3.3 Das Volk und der ‚Neue Mensch
3.4 Zusammenfassung

4. Bildungspolitik unter Fidel Castro
4.1 Bildungspolitische Maßnahmen zwischen 1959-1961
4.1.1 Der Zeitraum der Befreiungskämpfe
4.1.2 Der Zeitraum der Revolution
4.1.3 1961 - ‚el Año de la Educación’
4.2 Die Alphabetisierungskampagne
4.2.1 Die Mobilisierung der Freiwilligen
4.2.2 Die freiwilligen Lehrer
4.2.3 Das Schulmaterial

5. Die Alphabetisierungskampagne: Bildung und/oder politische Bewusstseinsbildung?

6. Fazit und Ausblick

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang
8.1 Brief 1
8.2 Brief 2

1. Einleitung

Das Jahr 1961 wurde von Fidel Alejandro Castro Ruz, im Zuge der neuen Zeitrechnung, als ‚el Año de la Educación’ erklärt. 2 Jahre zuvor hatte Fidel Castro die kubanische Staatsführung übernommen. Von der kubanischen Revolution aus sollte eine neue Zeitrechnung ausgehen, weswegen jedes Jahr einen Namen erhielt, der zugleich für die politischen Maßnahmen, die besonders in diesem Jahr vollzogen wurden, stand.[1]

‚El Año de la Educación’ wird in vielen Texten als das ‚Jahr der Erziehung’[2] übersetzt, bzw. auch interpretiert, obwohl ‚Educación’ nicht nur Erziehung, sondern auch Bildung bedeutet. Unter diesem Aspekt wird in dieser Arbeit ‚el Año de la Educación’ näher untersucht, wobei eine Maßnahme, die Alphabetisierungskampagne, das Hauptmerkmal bildet.

Wenn eine Regierung zum Anfang ihrer Macht-Übernahme solch eine Kampagne, sowie gravierende Maßnahmen in der Bildungspolitik, durchführt, stellt sich die Frage, welchen Nutzen, in Anbetracht der Politik und Ideologie der Regierung, diese Bildungsmaßnahmen mit sich tragen, bzw. mit sich tragen sollen. Handelt es sich bei den bildungspolitischen Maßnahmen, speziell der Alphabetisierungskampagne, die das ganze Land einschloss, um die Verbreitung von Bildungsgut oder Erziehung, im Sinne von politischer und ideologischer Erziehung.

So werden im folgenden Verlauf dieser Arbeit die historischen, ideologischen und politischen Hintergründe der kubanischen Revolution erläutert und die Bildungsmaßnahmen, speziell die Alphabetisierungskampagne, dargelegt und untersucht, welchen Nutzen sie bezüglich Bildung und Erziehung, bzw. politischer Bewusstseinserziehung, darstellten.

2. Die kubanische Revolution

2. 1 Der gescheiterte Anfang

Der Anfang der Revolution kann nicht im Jahre 1959 datiert werden, auch wenn in diesem Jahre, exakt am 2. Januar, Fidel Castro und die Guerilleros in Santiago de Cuba und La Habana einmarschierten und die Batista-Diktatur niederschlugen. Schon 1953 hatte Fidel Castro eine Anti-Batista-Gruppe um sich gesammelt, die sich als Aktivisten für das kubanische Volk, sowie als Erben des José Martí Bewegung und Märtyrertums, und gegen die Diktatur verstanden. Die Ausführung des Plans, der vorsah, am 26. Juli 1953 die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba zu überfallen und die Stadt in ein befreites Territorium zu verwandeln, scheiterte. Somit blieb auch die Volksrevolution nach dem Vorbild der Revolution 1895 im östlichen Teil Kubas, angeführt von José Martí, Anonio Guiteras und Antonio Maceo, aus.

Auch wenn die Gruppe um Fidel Castro Tote einbüssen musste und Fidel Castro und 27 seiner Gefährten zu langjährigen Freiheitsstrafen auf der ‚Isla de Pinos’ verurteil wurden, hatten sie ein Zeichen gesetzt und Fidel Castro wurde als die Personifikation des romantisch-patriotisches Todes-, Selbstmord- und Opferkultes nach José Martí bekannt.

1954 gewann Batista dank Manipulation die Wahlen und die Anhänger Castros nutzten das traditionelle Verfahren bei einer Wahl der Amnestie-Forderung für die ‚Moncadistas’, welche sie im Mai 1955 erreichten. Fidel plante seinen Aufstand im Exil, in Mexiko, zu organisieren, für den er Gruppen, die seine Idee vertraten, mit sich zog. Die zurückgebliebenen Anhänger, wie z.B. Frank País, arbeiteten vor Ort weiter. In Mexiko wurde der Movimiento 26 de Julio (M-26-7) gegründet. Neben der Organisation und Koordination des Aufstandes, wurde ein militärisches Training durchgeführt. Weitere Anhänger, sowie Ernesto Guevara (el Ché), stießen zum M-26-7 dazu. Finanzielle Beihilfe erhielt Castro bei einer Propagandareise von den Exil-Kubanern in den USA.[3]

2.2 Der zweite Versuch

Der Plan, einen Freiheitskrieg in Kuba herbeizuführen, wurde dann am 25. November 1956 durchgeführt, konnte allerdings nicht vollendet werden, denn die Jacht ‚Granma’ samt Rebellen, die in Santiago de Cuba anlegen sollte, um dort den Aufstand auszuführen, verfuhr sich und landete an der Küste, in der Nähe eines Mangrovensumpfs bei ‚Los Cayuelos’, im östlichen Teil von Kuba. Die Rebellen flohen Richtung ‚Sierra Maestra’, wurden aber bei ‚Alergría de Pío’ von der Batista-Armee und Marinefliegern überrascht. 15 der 82 Männer, darunter Fidel Castro, sein Bruder Raúl Castro und Ernesto Che Guevara, erreichten die Sierra Maestra. Die Guerilleros blieben in der Sierra Maestra und setzten dort ihren Kampf fort. In den Städten operierten Zellen von Aktivisten des M-26-7.

Die anarchistischen Regeln in der ‚Sierra’ machten die Durchsetzung der sozialen und militärischen Ziele der Guerilleros nicht einfach. Allerdings konnten sie durch den engen Kontakt zu den Bauern, der Verteidigung dieser gegen das Batista-Militär, durch soziale Maßnahmen wie Verteilung von gestohlenem Rind der Großbesitzer, sowie durch eigene erfolgreiche Militäraktionen gegen die Batista-Diktatur, ihre Stellung in der Sierra Maestra behaupten. Somit wuchs die Guerillabewegung unter dem militärischen Kommando Fidel Castros.[4]

Im April 1958 rief der M-26-7 einen Generalstreik aus, der durch mangelnde Anteilnahme scheiterte, denn die städtischen Zellen hatten einen eher konspirativen Charakter und standen in zu geringen Bezug zu den sozialistischen Organisationen und dem Proletariat. Durch den gescheiterten Generalstreik wurde die ‚bergische’ Bewegung unter Fidel Castro, dann auch durch Mitglieder der M-26-7, gestärkt, die der Taktik Castros, seiner bewaffneten Bewegungen von der ‚Sierra’ aus gegenüber der ‚Massenaktionen’ der M-26-7, Vorrang gaben. Fidel Castros militärische Guerillabewegung konnte nach dem Generalstreik den Vorteil genießen, dass Batista durch einige Niederlagen bei Guerilla-Angriffen, sowie durch seine Repression gegen Oppositionelle, keine Unterstützung der USA mehr erhielt, die ihre Waffenlieferungen ab März 1958 einstellten. Das hatte zur Folge, dass die Batista-Armee gegenüber den Guerilleros immer mehr einbüsste. Infolgedessen stellte sich Fidel Castro mit seiner Guerillabewegung im Laufe des Jahres 1958 als führende Gruppe gegen die Diktatur heraus, obwohl sie zu den größten Teilen der Bevölkerung keine enge Verbindung hatten, wie zu den Bewohnern der ‚Sierra’. Trotz alledem führte der Führungsstil von Castro, die klare Intention gegen das Batista-Regime, sowie die militärischen Erfolge zu hohem Prestige seiner Person und Unterstützung Gleichgesinnter.[5]

2.3 Der Weg zum Sieg

Fidel Castro, als ‚Comandante en Jefe’, ernannte seinen Bruder Raúl Castro, Ernesto Che Guevara, Juan Almeida und Camilo Cienfuegos aus der Führungsgruppe der Guerillaarmee zu ‚Commandantes’ und erteilte ihnen den Befehl über eigene Einheiten, die dann Mitte 1958 die ‚Sierra’ Richtung Zentralkuba verließen. Castro und sein Bruder Raúl kämpften mit ihren Einheiten im östlichen Teil von Kuba, konnten dort fast alle Städte einnehmen und Santiago de Cuba belagern.

Weitere Unterstützung erhielten die Guerilla-Truppen durch die Führungsübernahme einer ‚Zweiten Nationalen Front’, die sich im Escambray Gebirge aus der M-26-7, einer Einheit der PSP und einer Splittergruppe der ‚Directorio Revolucionario Estudantil’, gebildet hatte. Unter diesen Gruppen kam es zu Konflikten, so dass die Guerillaeinheiten von ‚Che’ und ‚Camilo’ Abkommen mit ihnen abschlossen, um einen einheitlichen Kampf gegen das Batista-Militär vornehmen zu können und einen militärischen Konflikt unter diesen Gruppen zu vermeiden.

Die Guerilleros kämpften sich durch viele Erfolge gegen die Batista-Armee im Laufe des Jahres 1958 bis zum Zentrum Kubas vor, so dass Ende 1958 nur noch die viertgrößte Stadt Kubas, Santa Clara, in den Händen der Batista-Gruppen lag, die für die Guerilleros eine kriegsentscheidende Rolle spielte, da sie die Verbindung zu Ost und West darstellte und den Weg zum Angriff auf La Havanna bildete.

Ende Dezember kam es dann zum ausschlaggebenden, schweren Kampf bei der Offensive um Santa Cruz, die für die Guerilleros erfolgreich ausging. Die Armee Batistas zog sich immer mehr aus der Stadt zurück. Batista erklärte Silvester 1959 seinen Rücktritt und floh aus dem Land.

Nachdem General Cantillo, der die Befehlsgewalt über die Batista-Armee von Batista übertragen bekommen hatte und Castro den Plan einer Militärdiktatur vorschlug, den er ablehnte, rief Fidel Castro die Bevölkerung zum Generalstreik auf, um einen Militärputsch der Batista-Generäle zu verhindern. ‚Ché’ und ‚Camillo’ rückten laut Befehl Castros nach La Havanna vor, um dort die Batista-Stützpunkte zu übernehmen.

Am 2. Januar zog Castro in Santiago de Cuba ein und erklärte die Stadt bei einer Massenkundgebung zur provisorischen Hauptstadt Kubas. Zur gleichen Zeit wurden die wichtigsten Generäle Batistas in La Havanna gefangen genommen. Am 5. Januar begann der Prozess gegen 70 Vertreter des Batsista-Regimes, die zum Tode verurteilt und anschließend hingerichtet wurden. Das bedeutete die Legitimation des endgültigen Sieges der Revolution, die ihren Anfang bei dem Angriff auf die Moncada-Kaserne 1953 hatte.[6]

Fidel Castro und die Guerillabewegung hatten ihr politisches Ziel erreicht: den Untergang der Diktatur. Was sollte nun aus Kuba und der Gesellschaft werden?

2.4 Fidel Castro an der Macht

Die Staatsform nach der Diktatur erinnerte an eine Republik. So kam es im Januar 1959 zur Bildung einer Koalitionsregierung, in der Oppositionspolitiker hohe Regierungsposten einnahmen. Manuel Urrutia wurde zum Staatspräsident ernannt. Castro blieb zunächst Oberkommandierender der bewaffneten Kräfte und Chef des M-26-7. Allerdings löste die Regierung kurz danach die alten Strukturen auf, sprich den Kongress und alle darin vertretenden Parteien. Zugelassen waren nur noch der M-26-7, der ‚Direccotorio Estudiantil’ und der ‚Partido Socialista Popular’, also die Parteien, die während der Revolution für dasselbe Ziel gekämpft hatten. Im Februar 1959 wurde die Verfassung reformiert, was zur Folge hatte, dass die Macht bei der Exekutive angelegt und die Autonomie der kommunalen Ebene entzogen wurde.[7]

Fidel Castro, der der ‚eigentliche Steuermann’ der Politik war, aber über keine wirkliche Amtsmacht verfügte, ließ sich zum Premierminister benennen und erließ das erste Agrarreformgesetz vom 17. Mai 1959: Der Grundbesitz wurde auf 400 Hektar beschränkt, alles darüber hinaus wurde verstaatlicht. Ausländische Firmen konnten größere Flächen bewirtschaften, wenn es den nationalen Interessen förderlich war, allerdings konnten Ausländer keinen neuen Landbesitz erwerben. Das verstaatlichte Land wurde zu Genossenschaften zusammengefasst oder in Stücken an Kleinbauern vergeben.[8]

Dieser Eingriff hatte innen- und außenpolitische Konflikte zur Folge: Zum einem waren die USA gegen die Reform, da sie Sorge um die Verstaatlichung des Besitzes der nordamerikanischen Zuckergesellschaften hatten, also die USA an Macht und Geld verlieren könnte, so dass sie mit Sanktionen drohten. Außerdem stellten sich die Repräsentanten der Großgrundbesitzer gegen das Gesetz, da der kleinbäuerliche Sektor gestärkt wurde.[9]

Die Leitprinzipien der Wirtschaftspolitik in den ersten Jahren der Revolution waren landwirtschaftliche Diversifikation, Industrialisierung und Gewinnung neuer Handelspartner.

Im März 1959 verstaatlichte die Regierung die Telefongesellschaften und senkte die Tarife, außerdem halbierte sie die Mieten all jener, die weniger als hundert Dollar pro Monat zahlten und leitete Bauprojekte ein. Als Folge dieser Schritte stieg die Kaufkraft. Landwirtschaft und Industrie reagierten auf die Nachfrage mit einem Wachstum der Produktionen.[10]

Innerhalb der ersten revolutionären Übergangsregierung kam es zur ersten Krise, die sie in eine gemäßigte und radikale Fraktion bezüglich des sozialen Programms und des USA-Konfliktes aufteilte. Präsident Urrutia, Anhänger der gemäßigten Fraktion, strebte eine Rücknahme der sozialen und kommunistischen Zielsetzung, sowie einen Kompromisslösung bezüglich der USA, an. Die Radikale Fraktion, darunter Castro, lehnte dies strikt ab. Die Regierung Urrutia wurde durch die Mobilisierung der sozial unterprivilegierten Klassen zum Rücktritt gezwungen. Fidel Castro übernahm alle wichtigen Regierungsämter. Zudem wurde der Staatsapparat auffallend verkleinert, parallel militarisiert und freie Wahlen für das erste aufgeschoben. Die ‚Gobierno Revolucionario Cubano’ war entstanden.

1960, wurde ‚el Año de la Reforma Agraria’, mit der Gründung des ‚Instituto Nacional de Reforma Agraria (INRA)’ eingeleitet und der Grundbesitz wurde auf 67 Hektar begrenzt. Das verstaatlichte Eigentum wurde zum Agraranbau und zur urbanen Bebauung genutzt. Zudem bekam das ‚INRA’ das Monopol der Kreditvergabe und verdrängte somit private Kreditinstitute und Banken.[11]

Überdies ging Kuba in diesem Jahr ein Handels- und Kreditabkommen mit der UdSSR ein und schloss Handelsabkommen mit anderen sozialistischen, aber auch kapitalistischen Ländern ab, um eine völlige Unabhängigkeit von den USA zu erreichen. Somit hatte Kuba finanzielle Unterstützung und Wirtschaftseinnahmen, um den Verstaatlichungs-Kurs weiterzuführen.[12]

Kritische Medien, wie Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehstationen wurden geschlossen und Medien, die pro-revolutionäre Inhalte verbreiteten, gegründet. Der Schlachtruf ‚Patria o Muerte, Venveremos’, den Fidel Castro geprägt hatte, war somit im ganzen Land wahrnehmbar.

Für die USA stellte diese Entwicklung eine internationale Zuspitzung des kalten Krieg dar, so dass sie mit der Reduzierung der Zuckerquote, dann mit einem Exportstop und letztendlich mit einem endgültigen Embargo Oktober 1960 reagierten. Die kubanische Regierung erwiderte diesen Schritt mit der Verstaatlichung aller Banken und Betriebe mit mehr als 25 Beschäftigten, sowie der Konfiszierung des Besitzes der Zuckergesellschaften. Diese Schritte bedeuteten nicht nur die Verstaatlichung sämtlichen US-Besitzes, sondern auch die völlige Abschaffung der Marktwirtschaft und der Klassenstruktur. Viele Teile der Bourgeoisie, der Mittelklasse und der Großgrundbesitzer, zum größten Teil fachlich qualifizierte Menschen, verließen das Land.[13]

2.5 Die ‚sozialistische Revolution’

Anfang Januar 1961 brach Präsident Eisenhower die diplomatischen Beziehungen zu Kuba ab und beauftragte die CIA mit der Planung einer Invasion. Unter dem neuen Präsidenten Kennedy startete der militärische Angriff, der am 15. April ein Vorzeichen mit der Bombardierung von drei kubanischen Flughäfen setzte. Es sollte der Anschein einer Gegenrevolution erweckt werden. Der seitens der USA erhoffte Volksaufstand nach der ‚Boden-Invasion der Schweinebucht’ am 17. bis zum 19. April blieb aus. Das Rebellenheer und die Milizen, sowie die kubanische Führungsgruppe zerschlugen die Invasion. Die USA verlor extrem an Ansehen in der Bevölkerung, dagegen wuchs Fidel Castros Prestige und seine Anti-Imperialismus Politik gewann an Legitimation.[14]

Am 16. April 1961 erklärte Fidel Castro die kubanische Revolution zu einer sozialistischen Revolution. Was nicht bedeutete, dass die politische Macht und Kontrolle über die verstaatlichten Produktionen und Verteilung in die Hände des Volkes, also des Proletariats, zusammen mit den sozial unterprivilegierten Klassen, gelegt wurde. Die revolutionäre Regierung hatte die Macht in diesen Belangen. Soziale und politische Oppositionen wurden neutralisiert und ausgeschaltet. So löste sie den Konflikt mit dem gewerkschaftlichen Industrieproletariat, die die radikalen Agrarreformen nicht billigte, indem die Gewerkschaften zerschlagen wurden und in eine politisch loyale Staatsgewerkschaft transformiert wurde.

Die Regierung wurde von den unterprivilegierten Klassen gestützt, hatte sich aber über sie als neuer zentralistischer, politischer und wirtschaftlicher Machtapparat gestellt.[15]

„Mit Hilfe der zentralisierten, staatlichen Entscheidungsgewalt ging die revolutionäre ‚Avandgarde’ nun daran, ihr nationales, auf sozialer Umverteilung basierendes Entwicklungsprojekt in Form eines verstaatlichten Entwicklungsprojektes von oben […] durchzusetzen. Die politischen Organisationen und Institutionen, die in den folgenden Jahren gegründet wurden, wurden diesem Erfordernis funktionell zugeordnet.“[16]

Der Personenkult um Fidel Castro wuchs. Die bewusste Nutzung der Massenmedien trug dazu bei. Wenn er nicht auf Reisen oder Massenveranstaltungen zu seinem Volk sprach, tat er es über das Radio oder das Fernsehen. Dadurch, dass er die privaten Medien verstaatlicht hatte, hatte er sich ein eigenes Kommunikationsnetz geschaffen, welches ihn ‚näher’ an die Bevölkerung Kubas brachte, die so das Gefühl von Teilnahme empfing: „Eine politische Kultur der Demokratie, im Sinne der erfahr- und erlebbaren Beteiligung jedes Einzelnen an politischen Prozessen und des Egalitarismus, breitete sich aus.“[17]

2.6 Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Bewegung um Fidel Castro das grundständige Ziel verfolgte, die Bevölkerung Kubas von der Diktatur zu befreien. Dazu wurden andere Gruppen und Organisationen, die dasselbe Ziel verfolgten, für sich gewonnnen, sowie Teile der Bevölkerung für den Kampf mobilisiert. Die Guerilleros führten einen militärischen Kampf gegen die Diktatur und für die Revolution, aber eine Militärdiktatur nach ihrem Sieg lehnten sie ab.

[...]


[1] vgl. Zeuske, Michael: Insel der Extreme. Kuba im 20. Jahrhundert. Zürich: Rotpunktverlag 2000, S. 102

[2] z.B.: Zeuske, Michael: Insel der Extreme. Kuba im 20. Jahrhundert. Zürich: Rotpunktverlag 2000, S. 102; Franzbach, Martin (Hrsg.): Kuba. Materialien zur Landeskunde. 3. aktualisierte u. erw. Aufl., Frankfurt/M.: Vervuert 1988, S. 111; Fuentes, Norberto: Die Autobiographie des Fidel Castro. München: Verlag C.H. Beck oHG 2006, S. 729

[3] vgl. Zeuske 2000 (wie Anm. 1), S. 76f

[4] vgl. Zeuske 2000 (wie Anm. 1), S. 80f

[5] Kaller-Dietrich, Martina; Mayer, David: Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20 Jahrhundert. Ein

historischer Überblick. 2003:

http://www.lateinamerika-studien.at/content/geschichtepolitik/geschichte/pdf/sozbewegungen.pdf , S. 24f

[6] vgl. Zeuske 2000 (wie Anm. 1), S. 84fff

[7] vgl. Zeuske 2000 (wie Anm. 1), S. 92f

[8] vgl. Bourne, Peter G.: Fidel Castro. >Maximo Lider< der kubanischen Revolution. München: Heyne Verlag

1990, S. 331f

[9] vgl. Sevilla, Rafael; Rode, Clemens (Hrsg.): Kuba. Die isolierte Revolution? Unkel/Rhein, Bad Honnef:

Horlemann Verlag 1993, S. 74

[10] vgl. Sweezy, Paul M.; Hubermann, Leo: Sozialismus in Kuba. Frankfurt/M.: Suhrkamp Verlag 1970, S. 56

[11] vgl. Zeuske 2000 (wie Anm. 1), S. 94, 97

[12] vgl. Sweezy; Hubermann 1970 (wie Anm. 10), S. 58

[13] vgl. Zeuske 2000 (wie Anm. 1), S. 98

[14] vgl. Zeuske 2000 (wie Anm. 1), S. 101

[15] vgl. Sevilla; Clemens 1993 (wie Anm. 9), S. 76

[16] ebd.

[17] Zeuske 2000 (wie Anm. 1), S. 104

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Die kubanische Alphabetisierungskampagne 1961
Untertitel
Bildung und / oder politische Bewusstseinsbildung?
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltung
Politik und Kultur / Kulturpolitik in Lateinamerika
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
30
Katalognummer
V123059
ISBN (eBook)
9783640279890
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alphabetisierungskampagne, Politik, Kultur, Kulturpolitik, Lateinamerika
Arbeit zitieren
Kahtrin Gabur (Autor), 2007, Die kubanische Alphabetisierungskampagne 1961, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123059

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