"Big Brother is Watching You": Strategien der Kontrolle und Überwachung in ausgewählten englischen Dystopien


Magisterarbeit, 2008
126 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

B Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Dystopie im Kontext der utopischen Tradition
2.1. Die Quintessenz der Utopie
2.2. Die Fortschrittsskepsis als Motiv der Dystopie
2.3. Die Science Fiction als technologiebetonte Abenteuergeschichte

3. Herbert George Wells: The Time Machine (1895)
3.1. Synopsis von The Time Machine
3.2. Der Forschungsstand zu Kontrolle und Sexualität in The Time Machine
3.3. Kontrolle und Überwachung der Eloi durch die Morlocks
3.3.1. Konträre Hegemonie – Die Rache der Morlocks
3.3.2. Die Sphinx und die Antinomien als Überwachungssymbole
3.4. Liebe und Sexualität als Abbild der Kontrollstrategien in The Time Machine

4. Aldous Huxley: Brave New World (1932)
4.1. Synopsis von Brave New World
4.2. Der Forschungsstand zu Kontrolle und Sexualität in Brave New World
4.2.1. Der Forschungsstand zu Hypnopädie in Brave New World
4.2.2. Der Forschungsstand zu Liebe und Sexualität in Brave New World
4.3. Kontrolle und Überwachung durch Hypnopädie in Brave New World
4.3.1. Die Hypnopädie als Kontrollinstrumentarium – Leben nach Slogans
4.3.2. Manipulation mittels Hypnopädie am Beispiel von Lenina Crowne und Bernard Marx
4.3.3. John und die gescheiterte Rebellion
4.4. Liebe und Sexualität in Brave New World
4.4.1. Lieblose Promiskuität als Instrumentarium diktatorischer Macht
4.4.2. Lenina Crowne und Bernard Marx’ Verstöße gegen das Promiskuitätspostulat
4.4.3. John und Lenina Crownes missglückte Liebe

5. George Orwell: Nineteen Eighty-Four (1949)
5.1. Synopsis von Nineteen Eighty-Four
5.2. Der Forschungsstand zu Überwachung und Sexualität in Nineteen Eighty-Four
5.3. Kontrolle und Überwachung in Nineteen Eighty-Four - Leben im totalitären Überwachungsstaat
5.3.1. Big Brother als Symbol totalitärer Überwachung
5.3.2. Totalüberwachung mittels Telescreens – Leben ohne Privatsphäre
5.3.3. Totalitäre Kontrolle durch die Thought Police – Leben in ständiger Angst
5.4. Liebe und Sexualität in Nineteen Eighty-Four
5.4.1. Puritanische Sexualität – Lieben im totalitären Überwachungsstaat
5.4.2. Winston und Julias Liebesaffäre als erfolglose Revolte gegen das Regime

6. Synopse

7. Fazit

8. Anhang
8.1. Graphische Darstellung der Kastenhierarchie in Brave New World
8.2. Geographische Übersicht über die drei Superstaaten in Nineteen Eighty-Four
8.3. Schematische Darstellung der Sozialstruktur und Kontrollstrategien in Nineteen Eighty-Four

9. Bibliographie

B Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In dieser Arbeit werden Strategien der Kontrolle und Überwachung in drei klassischen Dystopien der englischen Literatur erforscht. Die Überwachungsthematik reicht bis in die griechische Mythologie zurück, in der Übeltäter von dem mehräugigen Argus beobachtet werden, und entwickelt sich im christlichen Weltbild des omnipotenten Gottes fort. Im einundzwanzigsten Jahrhundert ist die Furcht vor dem Überwachungsstaat berechtigt. Allein in Großbritannien (GB) wird das Ausmaß der Videoüberwachung auf vier Millionen Videokameras geschätzt, demzufolge die Tendenz alarmierend ist. Zudem sind Real- Fernseh-Projekte wie “Big Brother” längst kein Novum mehr. Auch der Lidl-Skandal, bei welchem Mitarbeiter bespitzelt und in ihrer Privatsphäre verletzt wurden, sowie die geplante Einführung des elektronischen Personalausweises verdeutlichen, dass die Überwachung tendenziell alle Lebensbereiche affektiert und aktueller ist als je zuvor.1 Am ergiebigsten wird die Überwachung in den modernen englischen Dystopien thematisiert. Der Erforschung der Kontrollstrategien in dieser Arbeit liegen Herbert George Wells’ (1866-1946) The Time Machine (1895) (TM), Aldous Leonard Huxleys (1894-1963) Brave New World (1932) (BNW) und George Orwells (Eric Blair) (1903-1950) Nineteen Eighty- Four (1949) (1984) zugrunde,2 da sie die bekanntesten “erstmalig in deutlich negativer

Form in Erscheinung tretende[n] literarische[n] Utopie[n]” sind,3 welche die

Überwachungsthematik besonders prägnant illustrieren und sich von der utopischen Tradition abgrenzen. BNW kann aufgrund der Parodierung von Wells’ Fortschrittsoptimismus als Reaktion auf Wells’ Men Like Gods (1923) gedeutet werden, was anhand von Huxleys Wortspiel “All ends well that ends Wells” evident wird.4 Auch wenn 1984 aufgrund von Orwells angeblichem Pessimismus als “flawed” kritisiert wurde, ist 1984 eine der renommiertesten Dystopien, die zum Überwachungssymbol wurde.5

Meine These lautet, dass die ausgewählten Dystopien als Archetypen der Dystopie bezeichnet werden können, da sie gattungshistorisch bedeutsam sind. Bezüglich der Überwachung wird die These untersucht, dass BNW eine sublime und latente Kontrolle thematisiert, mittels derer der Weltstaat eine bessere Welt vortäuscht, die faktisch die Bürger versklavt, wohingegen die Partei in 1984 eine terroristische und sichtbare Überwachung illustriert und Macht zum Selbstzweck ausübt. 1984 hat aufgrund der diktaturreichen Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts sowie der derzeitigen terroristischen Bedrohungen nichts an Relevanz verloren, wohingegen BNW die gegenwärtige latente Manipulation wie z.B. mittels Werbetrends reflektiert. Bezüglich TM wird die These diskutiert, dass TM keine vorsätzliche Kontrolle wie in BNW und 1984, sondern eine auf evolutionärer Basis fußende Überwachung veranschaulicht, demzufolge der Mensch nicht die Krone der Schöpfung bleiben muss. Bezüglich der Sexualität wird die These untersucht, dass in BNW und 1984 Sexualität als Unterdrückungsmittel beansprucht wird, wohingegen Sexualität in TM nicht als Kontrollinstanz, sondern der natürlichen Selektion dient.

Die Utopieforschung tangiert aufgrund der Interdisziplinarität der Utopie viele Wissenschaftszweige, wobei sich die Literaturwissenschaft erst seit den 1980er Jahren zunehmend mit der Utopie beschäftigt. Trotz der flexiblen Deutung des Utopiebegriffs, ist die literarische Utopie von philosophischen Modellen und Alltagsverwendungen zu differenzieren. Suvins (1979) Kategorisierung der Utopie als Subgattung der Science Fiction (SF) erklärt, dass die Utopie häufig synonym mit der SF verwendet wird.6 Im zweiten Kapitel dieser Arbeit wird die Utopie als Gattung in 2.1. definiert und die Dystopie in 2.2. als auch die SF in 2.3. von der Utopie abgegrenzt, wobei erklärt wird, warum BNW und 1984 als Dystopien und TM dagegen sowohl als SF als auch als Dystopie gelten kann.

Das dritte Kapitel, das die Kontrollstrategien in TM diskutiert, beginnt in 3.1. mit einer Synopsis von TM, gefolgt vom Forschungsstand zur Überwachungsthematik in TM in 3.2.7 TM fiktionalisiert Sujets wie Entropie8 und Zeitreisen, die nebst gattungsspezifischen

Attributen ausgiebig in der Forschungsliteratur diskutiert wurden. Bezüglich der Überwachungsstrategien sind Wells’ Radikalisierung von Charles Darwins (1809-1882) Evolutionstheorie, Thomas Henry Huxleys (1825-1895) Auslegung dieser Theorie sowie der Marxismus relevant.9 Ferner wird die Forschung bezüglich der Überwachungsthematik am Beispiel der Beziehung zwischen dem Zeitreisenden und der Eloi-Dame Weena reflektiert.10 In 3.3.1. werden die Kontrollstrategien der Morlocks bezüglich der Eloi untersucht, wobei die in dieser Arbeit aufgestellte These verifiziert wird, dass die Überwachung der Eloi auf einer konträren Hegemonie basiert, die aus darwinistischen und marxistischen Tendenzen hervorgeht. Wells’ Abkehr vom Fortschrittsoptimismus des neunzehnten Jahrhunderts evoziert die Möglichkeit der Evolution des neuen Menschen. Ferner wird in 3.3.2. die These diskutiert, dass die Sphinx und die Antinomien, welche das Verhältnis zwischen den Morlocks und Eloi definieren, die Überwachung der Eloi begünstigen. Populäre in TM entrierte SF-Sujets wie Zeitreisen können nicht diskutiert werden, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. In 3.4. wird die These diskutiert, dass die Beziehung zwischen dem Zeitreisenden und Weena die Überwachungsstrategien reflektiert.

Im vierten Kapitel werden die Kontrollstrategien in BNW erörtert. BNW fiktionalisiert Thematiken wie Fordismus11 und Eugenik, die aufgrund des gesetzten

Rahmens dieser Arbeit nicht berücksichtigt werden können. Nach einer Synopsis in 4.1. wird in 4.2.1. der Forschungsstand bezüglich der Überwachung mittels Verhaltenskonditionierung und Hypnopädie konturiert, den emphatischsten Manipulationsmethoden in BNW.12 Da der Weltstaat Sexualität als Kontrollmittel einsetzt, wird in 4.2.2. der Forschungsstand zu Liebe und Sexualität in BNW reflektiert, wobei die Kontrolle von Sexualität ein zentraler Aspekt vieler Dystopien ist.13

Huxley illustriert anhand von Hypnopädie, welche in 4.3.1. im Kontext des Weltstaates analysiert wird, dass “man is […] psychologically conditionable”.14 Im Anschluss daran wird in 4.3.2. die These untersucht, dass Hypnopädie ein effizientes Kontrollinstrument ist, welches jedoch alleine nicht ausreicht, um die Staatsstabilität zu garantieren. Diesbezüglich soll anhand von Lenina Crowne nachgewiesen werden, dass diese als systemkonforme Bürgerin die Manipulation mittels Hypnopädie veranschaulicht.

Ferner wird anhand von Bernard Marx und Helmholtz Watson erforscht, dass Alpha- Kasten das Potential zur Revolte aufweisen, jedoch in ihrem konformen Verhalten gefangen bleiben. In 4.3.3. wird untersucht, inwiefern John durch das Lesen von William Shakespeare (1564-1616), so wie die Kasten mittels Hypnopädie, konditioniert ist. Zudem wird Johns Rebellion gegen den Staat analysiert, da diese das Scheitern des Individuums am Staat und die Unterdrückung der Kasten belegt. BNW thematisiert die “euphemistische Erotik” der Moderne,15 weshalb in 4.4.1. erläutert wird, dass der Weltstaat Promiskuität zwecks Manipulation vorschreibt. Diesbezüglich wird in 4.4.2. verifiziert, dass Lenina aufgrund ihrer Vorliebe für lange Bindungen und Bernard bedingt durch seine Romantik vom Staat abweichen, jedoch in ihrer Konformität gefangen bleiben. Ebenso wird gezeigt, dass Johns Liebe zu Lenina die Hypnopädie-Kontrolle reflektiert.

Im fünften Kapitel werden die Kontrollstrategien in 1984 erörtert. Nach einer Synopse in 5.1. wird in 5.2. der Forschungsstand zu Überwachung und Sexualität in 1984 konturiert. Da 1984 vor dem totalitären Überwachungsstaat warnt,16 wird auch der Totalitarismus erläutert. In “Literature and Totalitarianism” (1941) bezeichnet Orwell das zwanzigste Jahrhundert als “age of the totalitarian state”,17 demzufolge Orwell in “Why I Write” (1946) annonciert, “every line […] that I have written since 1936 has been written […] against totalitarianism” (Emphase des Autors),18 woran die politische Relevanz von Orwells Position als Autor deutlich wird.19 Vor allem wird der Forschungsstand zu Big Brother (BB), den Telescreens und der Thought Police (TP) skizziert, den prägnantesten Überwachungsmitteln, gefolgt von der Sexualitätsthematik.

1984 behandelt Sujets wie die Pervertierung der Realität und permanente Kriegsführung als Kontrollstrategien.20 Meine Untersuchung stützt sich aufgrund des gesetzten Rahmens dieser Arbeit auf die Erforschung von BB als Überwachungssymbol in 5.3.1. und den Telescreens und der TP als Kontrollinstanzen in 5.3.2. und 5.3.3., demzufolge die These diskutiert wird, dass die Telescreens die Privatsphäre annullieren und die TP die Bürger gezielt auf Devianzen kontrolliert, wobei die Familie als Extension der TP fungiert. In 5.4.1. wird die Sexualität als Kontrollinstanz analysiert, woraufhin in 5.4.2. anhand der Liebesaffäre zwischen Winston und Julia veranschaulicht wird, dass diese die Überwachung verdeutlicht und Winston Sexualität als Rebellionsakt verfolgt, wohingegen Julia diese für ihr persönliches Wohl anstrebt.

In der Forschungsliteratur sind vor allem BNW und 1984, aber auch Wells’ Werke, bedingt durch ihre Analogien oft Gegenstand eines Vergleichs.21 Im sechsten Kapitel werden die Resultate bezüglich der Untersuchung der Kontrollstrategien und der Sexualitätsthematik kontrastiert. Abschließend werden im siebenten Kapitel die Ergebnisse dieser Arbeit kritisch rekapituliert, gefolgt von einer persönlichen Evaluation.

2. Die Dystopie im Kontext der utopischen Tradition

2.1. Die Quintessenz der Utopie

Die Dystopie entstand als Gegenmodell zur Utopie, weshalb zunächst die Quintessenz der Utopie erläutert wird. Zwar gilt Platons (ca. 427-347 v. Chr.) Dialog Politeia (4. Jh. v. Chr.) als Prototyp der Utopie, doch es war Sir Thomas Morus (1478-1535), der die Gattung 1516 mit seinem Werk Utopia taufte, das auf einer Insel angesiedelt ist und ein ideales Gemeinwesen beschreibt, in der es keine Privatsphäre gibt, dafür jedoch Bildung betont wird.22 Der Terminus “Utopie” ist ein Wortspiel auf zwei griechische Wörter, nämlich “eu-topos” und “ou-topos”. Demzufolge konstituiert sich der Terminus “Utopia” aus den griechischen Silben “eu”, d.h. “gut”, “ou”, d.h. “nicht”, und dem Substantiv “topos”, nämlich “Ort”. Daher bedeutet “Utopia” einerseits “guter Ort” und andererseits “Nicht-Ort” und “Nirgendwo”. So wie der “gute Ort” den Idealzustand der utopischen Gesellschaft verdeutlicht, spielt der “Nicht-Ort” auf die Isolation dieser Bevölkerung an.23 Morus prägte die Gattung der Utopie nebst der räumlichen Isolation und der Annullierung des Privateigentums durch Motive wie die Manipulation der Bevölkerung, die hierarchische Segmentierung der Gesellschaft sowie die Akzentuierung des Staates, weshalb die Utopie auch als Staatsroman verstanden wird. Vor allem hat die Utopie Analogien zur Satire24 und zum Ideenroman, da sie kritisch zu gesellschaftlichen Phänomenen ihrer Entstehungszeit Stellung nimmt und weltanschauliche Ideale thematisiert.25

Die Morus’sche Raumutopie wurde durch Louis-Sébastien Merciers (1740-1814) L’an deux mille quatre cent quarante (1770), der ersten Zeitutopie, die in der Zukunft angesiedelt ist und das Zeitreisemotiv in Form des Schlafes verwendet, abgelöst. Während TM zu den populärsten Zeitutopien zählt, dürfen auch BNW und 1984 als Zeitutopien bezeichnet werden, da sie die Handlung in die Zukunft verlegen.26 Wells’ “scientific romances”, zu denen TM zählt, die dystopische Züge mit denen der SF vereinen und daher auch als “dystopian SF” etikettiert werden, gelten nicht nur als Initiator der SF, sondern auch als Vorläufer der Dystopien, da sie die Dystopien des zwanzigsten Jahrhunderts wie

Jewgenij Samjatins (1884-1937) We (My) (1920), BNW und 1984 beeinflussten, wobei We als eine der ersten prägnanten Dystopien BNW und 1984 prägte. Im Folgenden wird das Wesen der Dystopie skizziert.27

2.2. Die Fortschrittsskepsis als Motiv der Dystopie

Die Dystopie kann als Kritik der Utopietradition seit Morus gedeutet werden, jedoch extrapoliert sie vordergründig negative Tendenzen der Gegenwart in die Zukunft und beleuchtet diese kritisch. Die Dystopie ist die Antithese der Utopie und wird daher auch als Anti-Utopie oder negative Utopie etikettiert.28 Der Terminus “Dystopie” indiziert den “schlechten Ort”, abgeleitet vom aus dem Griechischen stammenden Präfix “dys”, zu Deutsch “schlecht”. Demzufolge illustriert die Dystopie einen negativen Gesellschaftsentwurf, vor dem sie warnt. Mohr definiert den Terminus “Dystopie” als “non-existing bad place”, der erstmals 1868 von John Stuart Mill (1806-1873) in einer

Parlamentsrede verwandt wurde: “they ought rather to be called dys-top-ian, or cacotopians”.29 Negley spekuliert, dass der Begriff zuerst 1952 in J. Max Patricks The Quest for Utopia geprägt wurde.30 Zwar wird Joseph Halls (Mercurius Britannicuse) (1574-1656) Mundus Alter et Idem (ca. 1605) als eine der ersten Dystopien betrachtet, doch wird meist Samjatins We als die erste klassische Dystopie bezeichnet,31 da dieses erstmals einen totalitären Unterdrückungsstaat entwirft.32

Bis zum zwanzigsten Jahrhundert blieb die Utopie aufgrund ihrer Parallelen zu Morus’ Utopia eine verhältnismäßig eigenständige Gattung. Ende des neunzehnten Jahrhunderts thematisierten Utopien insbesondere den technologischen Fortschrittseifer. In den 1920er Jahren gab die zunehmende Skepsis gegenüber Wissenschaft und Technik, die fortan als potentielle, den Menschen versklavende Unterdrückungsinstrumentarien betrachtet wurden, Anlass zur Geburt der Dystopie, die gegen die positive Darstellung der Technologie und Forschung in der Utopie reagierte. Norbert Elias betont, dass Wells aufgrund seines Fortschrittspessimismus und seiner Warnung vor negativen Auswirkungen der Naturwissenschaft auf den Menschen den Umbruch in der utopischen Tradition entrierte,33 welcher sich am essentiellsten in TM, BNW und 1984 manifestiert hat. BNW und 1984 wurden zum Inbegriff der Gattung, da sie gattungstypische Attribute wie z.B. die Versklavung des Menschen durch die Wissenschaft und den Staat aufzeigen, weshalb sie zu den einflussreichsten Dystopien des zwanzigsten Jahrhunderts zählen. Repräsentative Charakteristika der Dystopie sind vor allem autoritäre Staatsentwürfe, der Anti- Individualismus, die Statik der Gesellschaft und die negative Idealität. Da BNW und 1984 kritisch zu ihrer Entstehungszeit Stellung nehmen, werden sie oft als satirische Dystopien bezeichnet. Das Florieren der Dystopien im zwanzigsten Jahrhundert ist in der Destruktion begründet, die mit den beiden Weltkriegen einherging, wohingegen nach dem Zweiten

Weltkrieg auch die Utopie in Form feministischer und ökologischer Utopien wieder in den Vordergrund trat.34

So wie die Utopie den technologischen Fortschritt preist, demonstriert die Dystopie vor allem die Gefahren, welche von der Technik und der uneingeschränkten Staatsgewalt ausgehen und das Leben unmenschlicher machen könnten. Die Dystopie projiziert wie die Utopie zeitgenössische Tendenzen in die Zukunft und beleuchtet diese kritisch, sie entwirft jedoch im Gegensatz zur Utopie eine negative Gesellschaftsform. Im Folgenden gilt es, zu skizzieren, worin sich die SF von der Dystopie unterscheidet.

2.3. Die Science Fiction als technologiebetonte Abenteuergeschichte

Ähnlich wie die Dystopie entwirft die SF eine negative Zukunftswelt. Der Terminus “Science Fiction” (SF) tauchte erstmals 1851 in William Wilson’s A Little Earnest Book upon a Great Old Subject auf. Gattungsspezifisch entstand er jedoch 1926 durch Hugo Gernsbacks (1894-1967) Begriffsprägung “scientifiction” bzw. “scientification”, die John W. Campbell, Jr. (1910-1971) in den gängigen Begriff der SF änderte. Die SF leitet sich von der “Gothic Romance” ab, die phantastische und übernatürliche Elemente akzentuiert, wohingegen die SF das Rationelle hervorhebt. Die Auswirkungen der Destruktivität der Wissenschaft auf den Menschen werden bereits in Mary Shelleys (1797-1851)

Frankenstein, or the Modern Prometheus (1818) thematisiert, welches daher als das erste SF-Werk betrachtet werden kann.35

Auch wenn die SF ihre Ursprünge bereits im achtzehnten Jahrhundert hat, gelten Jules Gabriel Verne (1828-1905) und Wells als Väter der SF.36 Daher wird Wells auch als

“the Shakespeare of Science Fiction” und “the English Jules Verne” etikettiert.37 Dies ist darin begründet, dass Wells’ Thematiken zu Standardthemen der modernen SF wurden, was insbesondere anhand von TM evident wird, da Wells in TM die erste Zeitmaschine der Literatur erfand, wohingegen es üblich war, via den Schlaf durch die Zeit zu reisen. Wells initiierte mit TM SF-Sujets wie den dystopischen Weltentwurf, das Vorkommen von Ungeheuern, kosmische Katastrophen und die Akzentuierung der Wissenschaft, weshalb Suvin TM als Angelpunkt der SF-Tradition betrachtet.38

Obwohl sich die SF mit der Dystopie gattungsspezifisch überschneidet, z.B. in der zeitlichen Isolation der Gesellschaft, gibt es essentielle Differenzen. Im Gegensatz zur Dystopie akzentuiert die SF nicht den Staat, sondern eine Vielfalt an Thematiken, wie z.B. extraterristische Lebensformen oder kosmische Naturkatastrophen. Während in der Dystopie die Idee dominiert, steht in der SF die Handlung im Vordergrund. Eine weitere signifikante Differenz besteht in der Thematisierung der Auswirkung der Technik auf die Gesellschaft in der Dystopie, welcher der Fokus auf die Technik als solche in der SF gegenübersteht. Deshalb kann die SF auch als technologiebetonte Abenteuergeschichte etikettiert werden. TM ist eigentlich der SF einzuordnen, da TM SF-Merkmale wie die vordergründige Handlung und die Technik als solche akzentuiert, enthält jedoch auch dystopische Attribute wie die zeitliche Isolation und die kritische Extrapolation zeitgenössischer Phänomene.39

Nachdem die Unterschiede der drei Gattungstypen der Utopie, Dystopie und SF festgestellt wurden, werden diese anhand von Romanbeispielen in den folgenden Kapiteln weiter ausgeführt, in denen auf die drei dieser Arbeit zugrunde liegenden Dystopien eingegangen wird.

3. Herbert George Wells: The Time Machine (1895)

It was very large, for a silver birch-tree touched its shoulder. It was of white marble, in shape something like a winged sphinx, but the wings, instead of being carried vertically at the sides, were spread so that it seemed to hover. The pedestal, it appeared to me, was of bronze, and was thick with verdigris. It chanced that the face was towards me; the sightless eyes seemed to watch me; there was the faint shadow of a smile on the lips. (H. G. Wells: The Time Machine)

3.1. Synopsis von The Time Machine

The Time Machine (TM) beginnt im viktorianischen London mit einer Rahmenhandlung. Nachdem der Ich-Erzähler, der anonyme Dinnergast, die Theorie reflektiert, welche der Zeitreisende über die Zeit als vierte Dimension darlegt, nach welcher es möglich sei, sich wie durch den Raum auch durch die Zeit zu bewegen, wird die vom Protagonisten erfundene fahrradähnliche Zeitmaschine demonstriert. Als der Zeitreisende von einem achttägigen Zukunftsabenteuer zurückkehrt, referiert dieser seine Erlebnisse, und die eigentliche Erzählung beginnt.

Der Zeitreisende begibt sich in das Jahr 802,701, in welchem er eine pastorale Wildnis des Flusstales der Themse vorfindet. Er erblickt eine alles überwachende Sphinx und lernt die erste der zwei Arten kennen, zu welcher sich die Menschheit entwickelt hat. Die grazilen und intellektuell degenerierten Eloi leben auf der Erdoberfläche und fürchten die Nacht. Als die Zeitmaschine verschwunden ist, gerät der Protagonist in Panik und ahnt, dass die Sphinx diesbezüglich etwas verberge. Als der Zeitreisende die Eloi-Dame Weena vor dem Ertrinken rettet, entsteht eine erotisch-familiäre Beziehung zwischen ihnen.

Bei der Entdeckung des Protagonisten eines unterirdischen Ventilatorensystems stellt er die Theorie auf, dass die wohlhabenden Eloi die zweite Menschenrasse der Zukunft, die unterirdisch lebenden, affenähnlichen Morlocks als Arbeitssklaven halten. Er verdächtigt die Morlocks, seine Zeitmaschine gestohlen zu haben und erkundet ihr Unterreich. Unter Zuhilfenahme des von den Morlocks gefürchteten Feuers entkommt der Zeitreisende den nach ihm trachtenden Morlocks und beschließt, Weena mit in seine Zeit zu nehmen. Als der Zeitabenteurer nachts am Lagerfeuer eines Waldrandes Attacken der Morlocks pariert, verliert er Weena. Schließlich versteht er die Welt der Zukunft. Die Eloi werden von den Morlocks als Mastvieh gehalten, welches sie nachts jagen und erlegen. Als der Zeitreisende zur Sphinx zurückkehrt, ist diese geöffnet, und in ihrem Inneren entdeckt er seine von den Morlocks geölte Zeitmaschine.

Der Zeitreisende entkommt dem Hinterhalt der Morlocks und reist dreißig Millionen Jahre in die Zukunft, in welcher die Erde bar jeglichen Lebens aufgehört hat zu rotieren. Entgeistert kehrt er zurück in das viktorianische London und liefert seinen Gästen nebulöse Blumen aus der Zukunft als Indiz seines Abenteuers. Schließlich verschwindet der Zeitreisende in das Unergründliche ohne zurückzukehren.

3.2. Der Forschungsstand zu Kontrolle und Sexualität in The Time Machine

Die Erforschung der Kontroll- und Überwachungsstrategien, wie sie in TM auftauchen, kann nicht auf einen Gesichtspunkt reduziert werden, da sie aus evolutionären und marxistischen Dispositionen hervorgehen, die zunächst erörtert werden müssen. Bezüglich der Sphinx besteht die Theorie, dass diese den Existenzkampf zwischen den Morlocks und Eloi akzentuiere, da erstere ihr Nahrungsbedürfnis nicht mehr befriedigen können.40 Wie unter 3.3.2. erläutert wird, kann die Sphinx vor allem als Überwachungssymbol gedeutet werden. Ebenso sind die Antinomien essentiell, welche das Verhältnis der Eloi und Morlocks definieren, da diese es den Morlocks ermöglichen, die Schwächen der Eloi zu ihrem Vorteil auszunutzen, wobei die Morlocks die Eloi u.a. durch das Nutzen von Technologie und Dunkelheit kontrollieren. Hamblock bezeichnet das Verhältnis der Eloi und Morlocks auch als “schaurig[e] Symbiose”.41 Bezüglich der Präferenz der Morlocks für die Dunkelheit, die in der Lichtaversion der Morlocks begründet ist, kritisierte der Spectator, dass die Morlocks sicherlich eine “lichtabweisende Brille” erfunden hätten, um die Eloi auch tagsüber zu jagen.42

Bezüglich der Zeitreisethematik, die aufgrund des gesetzten Rahmens dieser Arbeit nicht diskutiert wird, bleibt hinter dem Aspekt der Kontrolle in TM erwähnenswert, dass der Zeitraffer während des Fluges der Zeitmaschine die Auswirkungen der Evolution visualisiere. Das Entschwinden und Wiederauftauchen der Silhouetten von Behausungen während der Zeitreise seien demnach die Evolutionsvorgänge: “I saw huge buildings rise up faint and fair, and pass like dreams”.43

Favorisierte Forschungstheorien besagen, dass das Verhältnis des Zeitreisenden zu den Morlocks die Angst der Kapitalisten vor dem Proletariat artikuliere, und dass die bürgerlichen Eloi die proletarischen Morlocks ausbeuten, woraufhin die Morlocks revoltieren, um das Machtverhältnis umzukehren,44 was an den Marxismus erinnert, der, begründet von Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895), ein System politischer, ökonomischer und sozialer Theorien darstellt, das die Emanzipation des Menschen debütiert. Marx ging davon aus, dass der Kapitalismus durch ungerechte Distribution der Produktionsverhältnisse heterogene Lebenschancen evoziere. Die marxistische Analyse ist demnach eine soziologische Betrachtungsweise zur Analyse sozialer Differenzen. Dabei entstehe die Diskrepanz zwischen der Bourgeoisie, die allein das Kapital besitze, und dem Proletariat, das nach Marx als unterprivilegierte Klasse zu ihrer Benachteiligung den Reichtum der Kapitalisten produziere.45

Auch Darwins On the Origin of Species by Means of Natural Selection (1859) beeinflusste die spätviktorianischen Dystopien, da Darwins Theorie als Erklärung der Entstehung der Vielfalt des Lebens neue Perspektiven für die Entwicklung der Gesellschaft einleitete. Darwins Theorie fokussiert die Neuentstehung der Arten durch Vererbung, natürliche Selektion und Mutation.46 Stehen bei traditionellen Utopien staatliche Idealbilder im Vordergrund, wird dies bei Wells anhand der “unaufhaltsam vorwärts stürmenden Evolution” novelliert.47

T. H. Huxley,48 Darwins “Bulldogge”,49 gilt als bedeutendster Advokat von

Darwins Evolutionstheorie. Im Gegensatz zu Darwin evoziert Huxley die Eventualität der Rückentwicklung der Menschheit zu primitiveren Lebensformen, welche in TM radikalisiert wird. Auch Huxleys Dogma, dass der Mensch keine Zukunft haben werde, da es ihn aufgrund der Evolution nicht mehr geben werde, wird in TM fiktionalisiert. Wells’ Artikel “The Extinction of Man” (1895) attackiert das Ideal des Menschen als ultimatives

Wesen der Schöpfung,50 demzufolge der Mensch die Erde nicht ewig beherrsche. Dies wird in TM anhand der in zwei atavistische Rassen mutierten Menschheit veranschaulicht. Wells’ Reversion des biologisch Vorherrschenden zum Beherrschten definiert daher seinen Evolutionsgedanken. Darauf baut Suvins (1979) These auf, dass in TM aus einer Klassen- eine Rassenseparation entstanden sei. Dies lässt sich anhand des Sozialdarwinismus explizieren, der Darwins Deszendenztheorie auf den Gesellschaftsprozess projiziert und den biologischen mit dem sozialen Daseinskampf gleichsetzt.51

Auch wenn die Beziehung zwischen dem Zeitreisenden und der Eloi-Dame Weena als redundant und abträglich kritisiert wurde, hat sie diverse Funktionen in TM. Bergonzi kritisiert dieses Verhältnis als “biggest flaw in the narrative”, da es nicht überzeuge und den Leser indigniere.52 Weena wurde als “stupid, child-like Eloi” charakterisiert, demzufolge ihre Sexualität durch “personal affection, a thoughtless, nearly canine, barely sexual fidelity” definiert werde.53 Jedoch betont Hamblock, dass Erotik in der Dystopie ein in TM erstmals auftauchendes Element sei, und beschreibt die Beziehung zwischen dem Zeitreisenden und Weena als solche, die zwischen Sinnlichkeit und liebevollem Beistand oszilliere. Demzufolge gebe es in Wells’ Romanen überall “meisterhafte kleine Lustspielszenen”.54 Zwar dominiert Liebe in Zeitreisegeschichten das Geschehen, doch fungiert sie in TM eher als Katalysator der Handlung. Insbesondere helfe sie dem Zeitreisenden, sich in der neuen Welt zu orientieren und seinen Hass gegenüber den Morlocks zu motivieren. Ob intensivere Erotik aufgrund der Artendifferenz zwischen dem Zeitreisenden und Weena möglich wäre, bleibt unberücksichtigt. Hamblock und Jansing beleuchten Weenas Tod sowie den Aspekt, dass der Zeitreisende die Geliebte nicht, wie in der Romanze, gewinnen könne.55 Im Folgenden werden nebst der Überwachungs- und Sexualitätsaspekte die für die Kontrollthematik relevanten marxistischen und darwinistischen Tendenzen diskutiert.

3.3. Kontrolle und Überwachung der Eloi durch die Morlocks

3.3.1. Konträre Hegemonie – Die Rache der Morlocks

In TM bauen Kontrolle und Überwachung auf einer durch evolutionäre und marxistische Tendenzen verursachten, konträren Hegemonie auf, einem umgekehrten Herrschaftsverhältnis. Daher gilt es, dieses Verhältnis zu diskutieren, um anschließend auf die Überwachungssymbole einzugehen. Die Eloi, die Kinder der Menschheit und erste der zwei Rassen, in welche die Menschheit mutierte, versklavten die Morlocks, die zweite

Rasse des Menschentums, in einem zum Vorteil der Eloi kapitalistischen System als Arbeitstiere.56 Diese Gesellschaftsstruktur wurde jedoch durch Mutation und Revolte der Morlocks gestürzt.

Der Zeitreisende stellt das kapitalistische Verhältnis zwischen den Eloi und Morlocks wie folgt dar: “above ground you must have the Haves, pursuing pleasure and comfort, and beauty, and below the Have-nots, the Workers getting continually adapted to the conditions of their labour”.57 Demnach vermutet der Zeitreisende, dass die Morlocks für den Wohlstand der Eloi arbeiten: “[…] to assume that it was in this artificial Under- world that such work as was necessary to the comfort of the daylight race was done?” (Wells TM 55). Der Protagonist sieht die Ursache dieser ökonomischen Ausbeutung in seiner eigenen Zeit begründet: “[…] the gradual widening of the present merely temporary and social difference between the Capitalist and the Labourer was the key to the whole position” (56). Die soziale Diskrepanz zwischen den Eloi und Morlocks könnte als Wells’ Kritik an der Ausbeutung der Proletarier durch die Kapitalisten gedeutet werden.

Ebenso gibt das Biotop der Eloi Aufschluss über den elitären Status der Eloi. Die Umwelt der Eloi vermittelt das Bild eines urwaldartigen Paradieses: “My general impression of the world I saw over their heads was of […] a long-neglected and yet weedless garden” (28; Kap. 4). Hamblock sieht in Englands “klassische[r] Pastorallandschaft” im Viktorianismus die “Spielwiese der Reichen”, und definiert die Eloi daher als “Konkretisierungen eines ästhetisch bestimmten Antiindustrialismus”.58 Die üppige Wildnis des Flusstals der Themse des Jahres 802,701, Lebensraum der Eloi, ist daher das Abbild ihres privilegierten und pastoralen Lebensstandards, welcher sich von industrieller und kommerzieller Urbanität distanziert.

Zur Ankunft des Zeitreisenden im Jahre 802,701 herrschen die Morlocks über die Eloi. Suvin erklärt, dass das Verhältnis der Eloi zu den Morlocks die Inversion des viktorianischen Klassenverhältnisses spiegelt, in welchem nun die Unter- über die Oberklasse walte.59 Das Herausbilden dieses neuen Herrschaftsverhältnisses liegt eingangs in dem Überschreiten eines Idealzustandes: “[…] the balanced civilization that was at last attained must have long since past its zenith, and was now far fallen into decay” (TM 57;

Kap. 5). Metaphorisch wird dies vom Zeitreisenden als “sunset of mankind” abgebildet, welcher in folgender Entwicklung gipfelte: “the true civilizing process […] had gone steadily on to a climax” (34-35; Kap. 4). Daher revidiert der Zeitreisende seine Theorie über die Morlocks als Sklaven der Eloi:

The Upper-world people might once have been the favoured aristocracy, and the Morlocks their mechanical servants; but that had long since passed away. The two species that had resulted from the evolution of man were sliding down towards […] an altogether new relationship. (67; Kap. 7).

Das Verhältnis hat sich infolgedessen durch die Revolte der Morlocks und aufgrund der Evolution gewandelt: “Ages ago […] man had thrust his brother man out of the ease and sunshine. And now that brother was coming back – changed !” (sic, eigene Emphase, 67). Die Eruierung, dass die Morlocks “changed” zurückkommen, betont die animalische Entartung der Morlocks.

Die Klassenspaltung wird von Wells radikalisiert, indem er die Klassen in unterschiedliche Rassen entarten lässt. Alpers behauptet, dass aus den “Klassen der Reichen […] und der Arbeiter […] die Eloi und Morlocken […], zwei eher tierartige Rassen”, entstanden seien.60 Dies wird direkt bei Ankunft des Zeitreisenden in der Zukunftswelt antizipiert: “What if in this interval the race had lost its manliness, and had developed into something inhuman […]?” (TM 24; Kap. 3). Diese Prolepse wird realisiert als der Zeitreisende bemerkt, dass er und die Eloi nicht alleine sind: “There were other signs of removal about, with queer narrow footprints like those I could imagine by a sloth” (43; Kap. 5).61 Da Evolution das Entstehen einer neuen Art impliziert,62 bestünde theoretisch die Eventualität, dass die Menschheit in zwei unterschiedliche Rassen mutiert. Folglich würde der Mensch der Zukunft nicht mehr homo sapiens, sondern “homo eloii” und “homo morlockius” getauft werden.63

MacKenzie akzentuiert, dass Wells Darwins Evolutionsprozess umkehre, indem Wells Huxleys Gedanken der rückläufigen Evolution anwende, nämlich “Huxley’s belief that evolution was just as likely to result in regression as in progression”.64 Daher kann Evolution in TM als regressive Progression verstanden werden, welche die umgekehrte Hegemonierelation indiziert. Jansing weist darauf hin, dass die “Nachfahren des Menschen in den Naturzustand des Primitiven zurückgesunken” seien.65 Das prähistorische Panorama der Zukunft suggeriert eine anarchistische Gesellschaftsform, welche die aristokratische Klassengesellschaft substituierte. Es herrscht das Gesetz der Natur, in welcher das Diktat des Stärkeren gilt. Durch die zu Gunsten der Morlocks entschiedene Evolution überstehen diese den degenerierten Eloi, demzufolge das Leben der Eloi durch die Morlocks beherrscht wird.

Bedingt durch die regressive Progression degenerierten die Eloi zu fragilen Wesen, da sich ihre Körper sowie ihr Intellekt aufgrund ihrer gefahrlosen Luxusgesellschaft zurückentwickelten: “The too-perfect security of the Upper-worlders had led them to a slow movement of degeneration, to a general dwindling in size, strength, and intelligence” (TM 57; Kap. 5). Auch Philmus teilt die Ansicht, dass die Eloi zu “physisch und geistig schwachen Geschöpfen” degenerierten, da sie “in der von ihnen geschaffenen” Umwelt keinen Gefahren mehr ausgeliefert waren.66 Die Fragilität der Eloi wird vor allem durch ihre Größe visualisiert, denn sie sind “four feet high”, “slight”, “very beautiful […] but indescribably frail” (TM 25; Kap. 3). Daher stellen die Eloi als “this fragile thing out of futurity” leichte Beute für die Morlocks dar (26; Kap. 4).

Die Entartung der Morlocks kommt eher einer Mutation gleich. Im Gegensatz zu den fragilen Eloi wurden die Morlocks herkulischer und intelligenter, da sie den inhumanen Arbeitskonditionen ausgesetzt wurden. Hillegas (1961) akzentuiert dementsprechend, dass die Diskrepanz zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie, die sich im Zuge der Evolution zur “Rassenspaltung” manifestierte, “das Aufbegehren der

Morlocks bedingt”.67 Bezüglich dieses regressiven Evolutionsprozesses spekuliert der Zeitreisende, dass “the survivors would become as well adapted to the conditions of underground life, […], as the Upper-world people were to theirs” (TM 57; Kap. 5). Die überlebenden Morlocks passten sich unterirdisch, so wie die Eloi überirdisch, an die neuen Lebenskonditionen an. Die Entartung der Morlocks in stärkere Wesen ermöglicht ihnen, die unterlegenen Eloi leichter überwachen und jagen zu können.

Auch der Name “Morlock” verdeutlicht die Überlegenheit der Morlocks, welcher in “Mor” und “lock” aufgeteilt werden kann. Das Verb “to lock” spielt auf die unterirdische und isolierte Lebensweise der Morlocks an. Der Begriff “Mor” lässt sich mit Humusschicht übersetzen.68 Infolgedessen leben die Morlocks in “these tunnelings” (TM 55, Kap. 5), nämlich “an extensive system of subterranean ventilation” (46), “the habitat of the new race” (55).69

Der Zeitreisende nimmt die Morlocks als Untiere wahr: “You can scarce imagine how nauseatingly inhuman they looked – those pale, chinless faces and great, lidless, pinkish-grey eyes!” (64; Kap. 6).70 Die Morlocks, “these inhuman sons of men!”, sind selbst “less human and more remote than our cannibal ancestors of three or four thousand years ago” (72; Kap. 7), weshalb die Morlocks vom Zeitreisenden durch Animalisierungen wie “human rats” (86; Kap. 9), “carnivorous” (63; Kap. 6), “a human spider” (53; Kap. 5), sowie “ant-like” (72) charakterisiert werden. Auch Bergonzi und Jansing verifizieren, dass die Morlocks durch das “Animalisch-Unheimliche” charakterisiert werden.71 Lehnert- Rodiek etikettiert die Morlocks als animalisches Ungeziefer sowie als Untiere und gescheite Arbeiter.72

Die Assoziationen der Morlocks mit dem Tierischen wie z.B. Spinnen, Ratten und Ameisen können als Kernaussagen über das Wesen der Morlocks gedeutet werden. Die

Spinne symbolisiert im europäischen Kontext einerseits den Teufel, “ein umklammerndes und aussaugendes Monster”,73 was auf die Morlocks zutrifft, welche sich von den Eloi ernähren und ihnen das Leben aussaugen. Andererseits verkörpert die Spinne bei einigen Naturvölkern ein Menschen schaffendes Urtier, was die Morlocks als neue Menschenrasse hervorhebt. Die Ratte symbolisiert “vernichtende Fressgier”,74 was auf die Verzehrung der Eloi durch die Morlocks anspielt. Zudem sind die Morlocks geschickt wie Ameisen, die bedachte Vorratshaltung symbolisieren.75

Der Zeitreisende charakterisiert die Morlocks ferner als Lemuren: “these unpleasant creatures from below, these whitened Lemurs, this new vermin that had replaced the old” (TM 59; Kap. 6). Ein Lemur ist ein aus Madagaskar stammender “Halbaffe mit dichtem, weichem Fell, langem Schwanz” und “langen Hinterbeinen”,76 wodurch das Aussehen der Morlocks präzise beschrieben wird. Der Zeitreisende kennzeichnet die Morlocks, “queer little ape-like figure[s]”, wie folgt: “[…] it was a dull white, and had strange large greyish- red eyes; also that there was flaxen hair on its head and down its back” (TM 53; Kap. 5).

Bei den Morlocks handelt es sich demzufolge um “greyish animal[s]”, “ghosts”, “white, ape-like creature[s]” und “some white animal” (51, 41). Der Affe symbolisierte im antiken Griechenland menschliche Mangelhaftigkeit,77 was die Morlocks als animalische Kreaturen hervorhebt.

Dem Zeitreisenden fällt es aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu Bestien schwer, die Morlocks als Nachfolger der Menschheit zu akzeptieren: “But it was impossible, somehow, to feel any humanity in the things” (TM 78; Kap. 8). Da die Eloi, “these pretty little people”, “confidence” und “child-like ease” ausstrahlen (26; Kap. 4), sympathisiert der Protagonist mit den Eloi, und teilt ihre Aversion gegen die Morlocks: “the Eloi, whose disgust of the Morlocks I now began to appreciate” (59; Kap. 6); “Instinctively I loathed them” (66; Kap. 7). Doch Lehnert-Rodiek akzentuiert auch die Analogie des Zeitreisenden zu den Morlocks.78 Demgemäß spiegelt das Verhalten des Zeitreisenden etwas

Animalisches, das wie die Morlocks töten und barbarisch agieren wolle: “And I longed very much to kill a Morlock or so. Very inhuman, you may think, to want to go killing one’s own descendants! […]. […] I began to slake my thirst for murder […]” (TM 78; Kap. 8). Der Zeitreisende sehnt sich geradezu danach, Morlocks zu erlegen und bedauert, seine Eisenstange nicht einsetzen zu können: “I threw my iron bar away, almost sorry not to use it” (92; Kap. 10). Auch der im Zeitreisenden schlummernde Kannibalismus offenbart sich, als er Fleisch verlangt: “I’m starving for a bit of meat” (15; Kap. 2).79 Während die Morlocks dem Tier ähneln, haben die Eloi mehr mit dem Menschen gemein: “the Eloi had kept too much of the human form” (TM 73; Kap. 7).

Durch die Animalisierungen der Morlocks wird der tierische Überlebensinstinkt deutlich, welcher sich im Kannibalismus der Morlocks äußert. Die Morlocks halten die Eloi als Schlachtvieh, von dem sie sich ernähren.80 Es ist ironisch, dass die tierartigen die menschenähnlichen Nachkommen als Herde züchten, wodurch die Umkehrung natürlicher Ordnungsverhältnisse radikalisiert wird. Demgemäß definiert Lehnert-Rodiek die Eloi als “geistloses Mastvieh”, welches die Morlocks “mästen, um es […] Nachts […] zu schlachten”.81 Der Zeitreisende gelangt zur Erkenntnis über das wahre Wesen der Morlocks, “These Eloi were mere fatted cattle, which the ant-like Morlocks preserved and preyed upon” (TM 72; Kap. 7), und gewinnt Klarheit über die Welt von 802,701:

I understood now what all the beauty of the over-world people covered. Very pleasant was their day, as pleasant as the day of the cattle in the field. Like the cattle they knew no enemies and provided against no needs. And their end was the same. (90; Kap. 10).

Somit ist der erste Eindruck des Zeitreisenden nichtig: “Indeed, I found afterwards that horses, cattle […] had followed the Ichthyosaurus into extinction” (30; Kap. 4). Diese Annahme ist aufgrund der Funktion der Eloi als Schlachtherde der Morlocks ein Trugschluss. Die Eloi sind zu apathisch, um sich gegen die Morlocks zu wehren. Der Hypothese, dass die Eloi in einer Art Stammesgemeinschaft leben, welche der einer Herde ähnelt, da keine Notwendigkeit “for an efficient family” bestehe (33; Kap. 4), kann kein Glauben geschenkt werden, da die Morlocks die Eloi absichtlich auf diese Weise halten, um sie zwecks Zucht perfekt zu überwachen. Die Überwachung der Eloi mit dem Ziel der Mästung der Eloi als Nahrungsquelle macht ein Entkommen der Eloi undenkbar.

Auch die erste Komponente des Namens “Morlock”, nämlich “Mor”, verdeutlicht den Kannibalismus der Morlocks, welche Jagd auf die Eloi machen. Da Humus aus dem Zersetzen abgestorbener Substanzen entsteht, spielt dieser auf die Tötung der Eloi durch die Morlocks an, welche erlegte Eloi verspeisen. Ihr Kannibalismus kann dadurch erklärt werden, dass den Morlocks einst die Nahrung ausging: “Clearly, at some time in the Long- Ago of human decay the Mor-locks’ food had run short” (72; Kap. 7). Daher gingen sie auf die Eloi als Nahrungsquelle über: “And when other meat failed them, they turned to what old habit had hitherto forbidden” (91; Kap. 10).

Demgemäß werde der von den Eloi zu ihren Gunsten entschiedene ‘struggle for the means of enjoyment’ wieder zum ‘struggle for existence’.82 Auch wenn der Zeitreisende anfangs keine Anzeichen eines “struggle for survival” bemerkt, “there were no signs of struggle, neither social nor economical”, diskutiert er die Möglichkeiten der natürlichen Selektion, nämlich “conditions under which the active, strong, and subtle survive and the weaker go to the wall” (TM 36; Kap. 4). Diesem “struggle for existence” werden die Eloi ausgeliefert, indem sie sich gegen die Morlocks bewähren müssen.

Ein weiterer Hinweis auf den Kannibalismus der Morlocks besteht in der Beobachtung des Zeitreisenden, dass es zwischen den Eloi keine alten Wesen gibt: “that aged and infirm among this people there were none” (47; Kap. 5). Die Ursache dafür könnte darin zu finden sein, dass die Eloi zu ihrer Blütezeit von den Morlocks geschlachtet werden. Aufmerksam wird der Zeitreisende auf den Kannibalismus der Morlocks jedoch erst im Schacht, der zum Unterreich der Morlocks führt:

[…] the faint halitus of freshly shed blood was in the air. Some way down the central vista was a little table of white metal, laid with what seemed a meal. The Morlocks at any rate were carnivorous! Even at the time, I remembered wondering what large animal could have survived to furnish the red joint I saw. (63; Kap. 6).

Zwar weiß der Zeitreisende nicht, dass die Keule die Überreste eines geschlachteten Eloi sind, doch er erkennt schon kurze Zeit später, was dies zu bedeuten hat: “[…] for the first time […] came the clear knowledge of what the meat I had seen might be. Yet it was too horrible!” (71; Kap. 7). Auch der Zeitreisende wird zum Gejagten der Kannibalen, als er gegen Morlocks kämpft (vgl. 64; Kap. 6): “I felt teeth nipping at my neck” (86; Kap. 9).

Es kann festgehalten werden, dass die Morlocks aufgrund ihrer Revolte und der zugunsten der Morlocks entschiedenen Entartung die grazilen Eloi perfekt überwachen. Als nächstes gilt es, die Sphinx und die Antinomien als Kontrollstrategien zu erörtern.

3.3.2. Die Sphinx und die Antinomien als Überwachungssymbole

Den Morlocks ist die Überwachung der Eloi durch das umgekehrte Machtverhältniss in die Wiege gelegt. Doch insbesondere die Sphinx, die in TM eine zentrale Symbolik einnimmt, kann als Überwachungssymbol der Morlocks gedeutet werden. Vor allem nutzen die Morlocks die Antinomien aus, welche es ihnen ermöglichen, die Eloi zu kontrollieren. Bergonzi und Hamblock definieren Antinomien als eklatante Gegensätze, welche das Wechselverhältnis zwischen den Eloi und Morlocks diktieren. Demnach determinieren Oppositionen wie Pastoralität und Technologie, sowie Licht und Dunkelheit die Relation zwischen den Eloi und Morlocks.83 Kontrolle findet insbesondere durch das Ausnutzen der

Morlocks der Sphinx84 und der Nacht statt.

Die Sphinx, “a white or silvery figure in the waste garden of the earth” (TM 34; Kap. 4), drückt die Überwachung, Omnipräsenz und Superiorität der Morlocks aus. Dies wird daran deutlich, dass die Sphinx den Zeitreisenden beobachtet, wodurch vor allem evident wird, dass sie ein Überwachungsinstrumentarium der Morlocks darstellt: “[…] the face was towards me; the sightless eyes seemed to watch me; there was the faint shadow of a smile on the lips” (eigene Emphase, 23; Kap. 3). Ähnlich wird dies wie folgt einprägsam: “[…] and so I was led past the sphinx of white marble, which had seemed to watch me all the while with a smile at my astonishment […]” (eigene Emphase, 28; Kap. 4). So wie das Lächeln der Sphinx die Gerissenheit und Dominanz der Morlocks expliziert, spielen die “sightless eyes” auf die Blindheit der Morlocks an. Obwohl diese blind sind, überwachen sie die Eloi nahezu perfekt, wodurch die Intensität der Überwachung akzentuiert wird. Gleichsam könnten die “sightless eyes” auf den latenten Charakter der Macht der Morlocks hindeuten, da diese im Schutze der Nacht jagen.

[...]


1 Vgl. Markus Grill et al., “Die Lidl-Stasi”, Stern, ed. Andreas Petzold, Nr. 14. ([o. A.], 27.03.2008) 44-56.

2 Der Originaltitel lautet The Time Machine: An Invention (vgl. The H. G. Wells Society, H. G. Wells, A Comprehensive Bibliography, London: Lowe and Brydone, 1966 [2nd ed. 1968], 2). Der deutsche Titel von BNW lautete zunächst “Welt – wohin?” und “Wackere neue Welt” (1950), bis er 1953 in “Schöne neue Welt” übersetzt wurde (vgl. Hans Joachim Alpers, Werner Fuchs, und Ronald M. Hahn, eds., Reclams Science Fiction Führer, Stuttgart: Reclam, 1982, 215).

3 Frank Veddermann, Von der ambivalenten Utopie zur utopischen Ambivalenz, Auf dem Wege zur ‘kritisch- konstruktiven Dystopie’, Diss. (Bochum: Ruhr-Universität Bochum, 1998) 9.

4 Theo Schumacher, Aldous Huxley mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (Reinbek: Rowohlt, 1987) 49.

5 Erika Gottlieb, The Orwell Conundrum, A Cry of Despair or Faith in the Spirit of Man? (Ottawa: Carleton UP, 1992) 1-3. Vgl. Brian Ash, Who’s Who in Science Fiction (London: Elm Tree Books, 1976) 122. Kathleen Ellenrieder, Lektüreschlüssel, George Orwell 1984 (Suttgart: Reclam, 2005) 61. Willi Erzgräber, Utopie und Antiutopie in der englischen Literature, Bd. 1 (München: Wilhelm Fink, 1980) 134. Hiltrud Gnüg, Utopie und utopischer Roman (Stuttgart: Reclam, 1999) 10. Francisco Reto Klauser, Die Videoüberwachung öffentlicher Räume, Zur Ambivalenz eines Instruments sozialer Kontrolle (Frankfurt, N.Y.: Campus, 2006) 14, 87. Bernd-Peter Lange, George Orwell: “1984” (München: Fink, 1982) 20, 25, 95, 100. Wulf Randhahn, Polizeiliche Videoüberwachung: Mittel der Kriminalprävention für die staatliche Sicherheitsgewähr auf öffentlichen Straßen und Plätzen, Diss., (Hennef: Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 2006) 4, 6, 243. Michael Sherborne, York Notes Advanced, Nineteen Eighty-Four, George Orwell, rev. ed. (London: York Press, 2005 [2001]) 6, 8. Ronald T. Sion, Aldous Huxley: Literary Prophet, A study of six of his novels (S.I.: XLibris, 2000) 85.

6 Vgl. Sonja Fielitz, Roman: Text & Kontext (Berlin: Cornelsen, 2001) 162. Gnüg 10. Richard Saage, Utopieforschung, Eine Bilanz, Erträge der Forschung, Bd. 289 (Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1997) 2, 5, 37. Hans Ulrich Seeber, Walter Bachem, “Aspekte und Probleme der neueren Utopiediskussion in der Anglistik”, Utopieforschung, Interdisziplinäre Studien zur neuzeitlichen Utopie 1, ed. Wilhelm Voßkamp, et al. (Stuttgart: Metzler, 1982) 143, 148, 149, 179. Bernd Schulte-Middelich, “Möglichkeiten Utopischen Denkens – Das Erbe Platons”, Alternative Welten, ed. Manfred Pfister, et al. (München: Fink, 1982) 42. Wolfgang Weiß, “Verkehrte Welt, Schlaraffenland und Tausendjähriges Reich. Utopische Entwürfe in der englischen Literatur des Mittelalters”, ed. Pfister 81.

7 1960 wurde die “H. G. Wells Society” gegründet, die sich jährlich versammelt und seitdem Beiträge zum aktuellen Forschungsstand liefert (vgl. The H. G. Wells Society 70).

8 Die Entropie bezeichnet den Wärme- bzw. Kältetod der Erde und das zweite Gesetz der Thermodynamik (vgl. Peter Freese, Hg., Vom apokalyptischen zum entropischen Ende: Thermodynamik, Informatik und Literatur, Paderborner Universitätsreden, Paderborn: Universität Paderborn, 2006, 10, 27; André Thess, Das Entropieprinzip, Thermodynamik für Unzufriedene, München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2007, 63).

9 Wells gilt als einer der ersten, der den Darwinismus in die Literatur einführte und wurde durch T. H. Huxley, dem Verfechter der Evolutionstheorie, beeinflusst (vgl. Robert Scholes, Eric S. Rabkin, eds., Science Fiction, History, Science, Vision, N.Y., Oxford UP, 1977, 17, 20).

10 Die Eloi werden in Kapitel 3.1., der Synopse von TM, definiert (S. 12).

11 Der “Fordismus,” standardisierte Massenproduktion, geht auf Henry Ford (1863-1947) zurück, der 1908 das T-Modell und 1914 das automatische Fließband einführte (vgl. Robert Southwick, ed., introduction, Brave New World, von Aldous Huxley, 11th ed., Harlow: Longman, 1998 [1991], viii-ix; “Fordism”, David Macey, The Penguin Dictionary of Critical Theory, London: Penguin Books, 2000, 132-133).

12 Vgl. Ludwig Borinski, Meister des modernen englischen Romans (Heidelberg: Meyer, 1963) 255.

13 Vgl. Schulte-Middelich, ed. Pfister 40. Dieter Hamblock, Hg., “Nachwort”, The Time Machine, von H. G. Wells (Stuttgart: Reclam, 1984) 158. Ferdinand Seibt, Utopica, Modelle Totaler Sozialplanung, 1. Aufl. (Düsseldorf: Schwann, 1972) 296.

14 Peter Edgerly Firchow, The End of Utopia, A Study of Aldous Huxley’s Brave New World (London, Toronto: Associated UP, 1984) 39.

15 Borinski 230. Vgl. E. F. Bleiler, ed., Science Fiction Writers, Critical Studies of the Major Authors from the Early Nineteenth Century to the Present Day (New York: Charles Scribner’s Sons, 1982) 104. Hannelore Ploog, Im Netz der Manipulierung, Aldous Huxley und seine “Brave New World”., ed. Manfred Buhr (Frankfurt [Main]: Marxistische Blätter, 1979) 91.

16 Vgl. Gottlieb 11. Lange 8. Roger Fowler, The Language of George Orwell, (Houndmills et al.: MacMillan Press, 1995) 185. Peter Davison, George Orwell, A Literary Life (Houndmills et al.: MacMillan, 1996) 138.

17 George Orwell, “Literature and Totalitarianism”, The Collected Essays, Journalism and Letters of George Orwell, eds. Sonia Orwell and Ian Angus, Vol. II., 1940-1943, (London: Secker & Warburg, 1968) 135.

18 J. R. Hammond, A George Orwell Companion, A guide to the novels, documentaries and essays (London: MacMillan P, 1982) 75. Maria-Felicitas Herforth, Königs Erläuterungen und Materialien zu George Orwell 1984, Bd. 108, 3. Aufl. (Hollfeld: Bange, 2007) 21.

19 Vgl. Stephen Greenblatt, ed., et al., The Norton Anthology of English Literature, 8th ed., 2 vols. (New York, London: Norton & Company, 2006) 2: 1840. Lange 31, 34, 92. Ansgar Nünning, Der englische Roman des 20. Jahrhunderts, 1. Aufl. (Stuttgart et al.: Klett, 1998) 69-71. Hans Ulrich Seeber, ed., Die englische Literatur in Text und Darstellung, 20. Jahrhundert I, Bd. 9 (Stuttgart: Reclam, 1984) 412.

20 Vgl. Ellenrieder 48. Hans-Joachim Lang, George Orwell Eine Einführung (München: Artemis, 1983) 118.

21 Vgl. Ronald Carter, John McRae, The Routledge History of Literature in English, Britain and Ireland (London and N.Y.: Routledge, 1997) 433. Herforth 109. Michael Sherborne, York Notes Advanced, Brave New World, Aldous Huxley, rev. ed. (London: York Press, 2005 [2000]) 6.

22 Thomas Morus’ Familienname “More” wurde in “Morus” latinisiert (vgl. Isabella Ackerl, Die bedeutendsten Staatsmänner, Wiesbaden: Marix, 2006, 177). Der latinisierte Originaltitel lautet De optimo reipublicae statu, deque nova insula Utopia (vgl. Gnüg 29). Das Suffix “ia” von “U-top-ia” erfolgte als Angleichung an die damaligen Ländernamen, die oft mit “ia” endeten (vgl. Hubertus Schulte Herbrüggen, Utopie und Anti-Utopie, Von der Strukturanalyse zur Strukturtypologie, Bochum-Langendreer: Pöppinghaus, 1960, 4).

23 Herbrüggen erklärt, dass die Prinzipien der Utopie vor allem “Isolation, Selektion und Idealität” sind (114).

24 Die Bezeichnung “Satire” kommt aus dem Lateinischen, “satira”, beginnt mit Aristophanes (ca. 448-380 v. erary Terms and Literary Theory, London: Penguin Books, 1999, 780), und florierte mit Jonathan Swift (1667-1745) im achtzehnten Jahrhundert (vgl. Fielitz 162). Sie wird auch “Zwillingsschwester” der Utopie genannt (Gnüg 12).

25 Vgl. “Utopia”, Cuddon, 957. Fielitz 161-163. Gnüg 8, 10-12, 20-28. Karl Mannheim, “Utopie”, Utopie, Begriff und Phönomen des Utopischen, ed. Arnhelm Neusüss et al., 3. Aufl. (Frankfurt [M.], N.Y.: Campus Verlag, 1986) 113. Dunja M. Mohr, “Worlds Apart? Dualism and Transgression in Contemporary Female Dystopias”, Critical Explorations in Science Fiction and Fantasy, Bd 1., eds. Donald Palumbo and C. W. Sullivan III (Jefferson and London: McFarland, 2005) 11. Peter Plener, “Wider das Nichts des Spießerglücks, Zu Begriffen, Theorien und Kennzeichen (nicht nur) literarischer Utopien”, Vom Zweck des Systems, Beiträge zur Geschichte literarischer Utopien, eds. Árpád Bernáth, Endre Hárs and Peter Plener et al. (Tübingen: Narr Francke Verlag, 2006) 208-211. Burghart Schmidt, “Utopie ist keine Literaturgattung”, Literatur ist Utopie, ed. Gert Uedinger, et al., 1. Aufl. (Frankfurt [Main]: Suhrkamp, 1978) 17, 19, 20. Schulte-Middelich, ed. Pfister 40, 43, 44, 50-51. Sherborne BNW 105. “Utopie”, Gero von Wilpert, Sachwörterbuch der Literatur, 7th ed. (Stuttgart: Kröner, 1989) 986.

26 Für 1984 gilt dies, sofern das Jahr 1984 vom Standpunkt der Entstehung von 1984 (1948) betrachtet wird.

27 Vgl. Robert S. Baker, Brave New World, History, Science, and Dystopia (Boston: Twayne Publishers, 1990) 25. E. A. Bennett, “Wells and His Work”, Arnold Bennett and H. G. Wells, A Record of a Personal and a Literary Friendship, ed. Harris Wilson (Urbana: U of Illinois P, 1960) 260. Gnüg 118-126, 182-186. Mark R. Hillegas, The Future As Nightmare, H. G. Wells and the Anti-utopians (N.Y.: Oxford UP, 1967) 5, 10, 12. Gertrud Lehnert-Rodiek, Zeitreisen, Untersuchungen zu einem Motiv der erzählenden Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, ed. Erwin Koppen, Bd. 3 (Rheinbach-Merzbach: CMZ-Verlag, 1987) 35. Ulrike Mühlheim, ”Utopie, Anti-Utopie und Science Fiction”, ed. Pfister 320. Vera Nünning, Der englische Roman des 19. Jahrhunderts, 1. Aufl. (Stuttgart et al.: Ernst Klett Verlag, 2000 [2004]) 150.

28 Ferner kann die Dystopie auch als “Kakotopie”, “Gegen-Utopie”, “Mätopie”, “schwarze Schreckutopie” oder “inverted utopia” tituliert werden (vgl. Mohr 28; Mühlheim, ed. Pfister 315; Veddermann 13).

29 Mohr 28.

30 Glenn Negley, introduction, Utopian Literature, A Bibliography (Kansas: Regents P, 1977) xiii.

31 Schulte-Middelich behauptet, dass Aristophanes’ Komödie Ekklesiazusen (Weibervolksversammlung) (392 v. Chr.), welche die Staatsübernahme durch Frauen thematisiert, als die erste Dystopie bezeichnet werden könnte (vgl. ed. Pfister 46). Herbrüggen betont, dass Ignatius Donnelly (1831-1901) der eigentliche Schöpfer der angelsächsischen Dystopie sei, da er den ausschlaggebenden Umbruch in der utopischen Tradition erzielte (vgl. Herbrüggen 122, 123, 125).

32 Vgl. Cuddon 959. Gnüg 182-186. Herbrüggen 119-120, 199. Richard Saage, Politische Utopien der Neuzeit (Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1991) 270, 297, 335, 337. von Wilpert 986-988.

33 Vgl. Saage Bilanz 89.

34 Vgl. Heinz Arnold, Lektüreschlüssel, Aldous Huxley Brave New World, (Stuttgart: Reclam, 2005) 5. Cuddon 796, 959. Erzgräber 15. Fielitz 164. Guinevera A. Nance, “Creating the Plot”, Readings on Brave New World, eds. Katie de Koster, Bruno Leone and Bonnie Szumski (San Diego: Greenhaven P, 1999) 97. Harry Levin, “Science and Fiction”, Bridges to Science Fiction, eds. George E. Slusser, George R. Guffey and Mark Rose, et al. (Carbondale and Edwardsville: Illinois UP, 1980) 16-17. Saage Bilanz 77, 158. Saage, Utopie heute I, Zur aktuellen Bedeutung, Funktion und Kritik des utopischen Denkens und Vorstellens, eds. Beat Sitter-Liver und Thomas Hiltbrunner (Freiburg, Stuttgart: Academic P Fribourg / Kohlhammer Stuttgart, 2007) 8. Scholes und Rabkin 28, 34. Martin Schwonke, “Die Bedeutung von Naturwissenschaft und Technik für die Entwicklung der Utopie vom ‘Idealstaat’ zum Leitbild des Handelns’”, Der Utopische Roman, eds. Rudolf Villgradter und Friedrich Krey, et al. (Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1973) 202, 209.

35 Vgl. Hans Joachim Alpers , “Verne und Wells – Zwei Pioniere der Science Fiction?”, Science Fiction, Theorie und Geschichte, ed. Eike Barmeyer, et al. (München: Fink, 1972) 244. Brian W. Aldiss, David Wingrove, Trillion Year Spree, The History of Science Fiction (London: Victor Gollancz, 1986) 16, 18. Eva Nicoleta Burdusel, Aldous Huxley’s Cultural Context (Sibiu: LBUS P, 2005) 77. “SF”, Cuddon 791. Mohr 38, 40. Scholes 6. Peter O. Stummer, “Science Fiction zwischen Wissenschaftsgläubigkeit und Gesellschaftskritik”, ed. Pfister 333, 334;

36 Salewski behauptet dagegen, dass aufgrund der Gentechnologie, welche zu einem der größten Sujets der modernen SF wurde, weniger Wells als Huxley der Vater der modernen SF sei (vgl. Michael Salewski, Zeitgeist und Zeitmaschine, Science Fiction und Geschichte, München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1986, 143).

37 Aldiss and Wingrove 133. Ash 204. Bennett, ed. Wilson 261. Norman and Jeanne MacKenzie, The Life of H. G. Wells, The Time Traveller, rev. ed. (London: The Hogarth P, 1987) 117.

38 Vgl. Alpers 446. Alpers, ed. Barmeyer 244-245. Lehnert-Rodiek 93, 94, 105. Paul J. Nahin, Time Machines, Time Travel in Physics, Metaphysics, and Science Fiction (N.Y: American Institute of Physics, 1993) 98. Elmar Schenkel, “Maschine und Droge”, Raum- und Zeitreisen, Studien zur Literatur und Kultur des 19. und 20. Jahrhunderts, eds. Hans Ulrich Seeber und Julika Griem, et al. (Tübingen: Niemeyer, 2003) 89. Scholes and Rabkin 200. Darko Suvin, Poetik der Science Fiction, Zur Theorie und Geschichte einer literarischen Gattung, Bd. 31., 1. Aufl. (Frankfurt [Main]: Suhrkamp, 1979) 278, 279. Thomas T. Tabbert, Menschmaschinengötter, Künstliche Menschen in Literatur und Technik, Fallstudien einer Artifizialanthroplogie (Hamburg: Artislife P, 2004) 623. Donald H. Tuck, The Encyclopedia of Science Fiction, 3 Vols. (Chicago: Advent Publishers, I: 1974, II: 1978) 449.

39 Vgl. Broich, ed. Pfister 353. Cuddon 791, 792. Herbrüggen 10. Hartmut Heuermann, Bernd-Peter Lange, eds., et al., Die Utopie in der angloamerikanischen Literatur, Interpretationen, 1. Aufl. (Düsseldorf: Schwann-Bagel, 1984) 7. Hillegas 12. Mohr 21, 39. Mühlheim, ed. Pfister 320, 326. Saage Bilanz 38, 40. Seeber und Bachem, ed. Voßkamp 144, 149.

40 Helmut Jansing, Die Darstellung und Konzeption von Naturwissenschaft und Technik in H. G. Wells’ “scientific romances” (Frankfurt [Main], Bern: Lang, 1977) 68.

41 Hamblock 157.

42 Ebd. 153.

43 H. G. Wells, The Time Machine (N.Y.: Signet Classic, 2002) 21; Kap. 3.

44 Vgl. Bernard Bergonzi, The Early H. G. Wells, A Study of the Scientific Romances (Manchester: UP, 1961) 53, 56. Hamblock 158. Jansing 67.

45 Vgl. Manfred Buhr, András Gedö, Über die historische Notwendigkeit des ideologischen Klassenkampfes, Von der bürgerlichen Philosophie zum Marxismus, Zur Kritik der bürgerlichen Ideologie 75 (Berlin: Akademie-Verlag, 1976) 5-6, 9-11. Wolfgang Kaschuba, Einführung in die Europäische Ethnologie (München: Beck, 1999) 148-150, 152. “Marxism”, Macey 240-242.

46 Vgl. Günter Altner, ed., et al., Der Darwinismus, Die Geschichte einer Theorie (Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1981) 95-99. Richard Morris, Darwins Erbe, Der Kampf um die Evolution (Hamburg, Wien: Europa Verlag, 2002) 55-66. Vera Nünning, Der englische Roman des 19. Jahrhunderts, 1. Aufl. (Stuttgart, Düsseldorf, Leipzig: Ernst Klett Verlag, 2000 [2004]) 148. Wolfgang Schaumann, Charles Darwin, Leben und Werk, Würdigung eines großen Naturforschers und kritische Betrachtung seiner Lehre (Landsberg / Lech: ecomed-Verl.-Ges., 2002) 61-62, 79.

47 Herbrüggen 127.

48 Im gesamten dritten Kapitel dieser Arbeit bezieht sich der Name “Huxley” auf T. H. Huxley. Ansonsten wird der Name verwendet, um auf Aldous Huxley zu verweisen.

49 Vgl. Gavin de Beer, ed., Charles Darwin, Thomas Henry Huxley, Autobiographies (Oxford, N.Y: Oxford UP, 1983) xiii. Gerhard Herber, Einleitung, Zeugnisse für die Stellung des Menschen in der Natur, ed. T. H. Huxley, übers. Gerhard Heber (Stuttgart: Fischer, 1963) 3. MacKenzie 53. H. G. Wells, Julian S. Huxley und G. P. Wells, The Science of Life (N.Y.: The Literary Guild, 1934) 430.

50 Vgl. Hamblock 159. MacKenzie 121.

51 Vgl. Alpers 446. Hamblock, 146, 147. Jansing 65. Salewski 136, 151. Seeber und Bachem, ed. Voßkamp 182. Suvin 300.

52 Bergonzi 50.

53 Scholes and Rabkin 201.

54 Borinski 114.

55 Vgl. Hamblock 158. Jansing 76. Lehnert-Rodiek 202.

56 Vgl. Hamblock 156. Scholes and Rabkin 201.

57 H. G. Wells, The Time Machine (N.Y.: Signet Classic, 2002) 56-57; Kap. 5.

58 Hamblock 156.

59 Vgl. Suvin 298.

60 Alpers, ed. Barmeyer 255.

61 Die Technik des Entdeckens von Fußabdrücken erinnert an Daniel Defoe’s (ca. 1660-1731) Robinson Crusoe (1719).

62 Vgl. Wells The Science of Life 426.

63 Suvin 297.

64 MacKenzie 123.

65 Jansing 69.

66 Ebd. 59.

67 Ebd. 59.

68 “Humus”, Werner Scholze-Stubenrecht, et al., Duden, Das Fremdwörterbuch, Bd. 5., Erw. Aufl. (Mannheim, Wien, Zürich: Dudenverlag, 1997) 333.

69 Die Idee der Morlocks als unterirdisch existierende Geschöpfe tritt bereits in Bulwer Lyttons (1803-1873) The Coming Race (1871) auf, wo es ebenfalls eine Ober- und Unterwelt gibt (Vgl. Bergonzi 47; Vera Nünning 148). Wie die Morlocks leben auch die Seleniten in The First Men in the Moon (1901) unter der Erde und sind imstande, Maschinen einzusetzen (vgl. Hamblock TM 149; MacKenzie 65), wodurch die Figur des parasitären Außenseiters in Wells’ Gesamtwerk weiterentwickelt wird.

70 Die “Känguruh- und Tausendfüssler”-Episode von The Chronic Argonauts wurde in TM weggelassen, da der Erzählrhythmus sonst unterbrochen worden wäre (vgl. Suvin 288). Diese beschreibt die “‘puny greyish things, like half-grown kangaroos’ upon which enormous centipedes subsisted” als Nachfahren der Menschheit (The Wells Society 2), welche an die Morlocks erinnern.

71 Jansing 69. Vgl. Bergonzi 53.

72 Vgl. Lehnert-Rodiek 106, 107.

73 “Spinne”, Fritz Glunk, Das große Lexikon der Symbole (Bindlach: Gondrom Verlag, 1997) 237.

74 “Ratte”, ebd. 234.

75 Vgl. “Ameise”, edb. 215.

76 “Lemur”, Scholze-Stubenrecht 470.

77 Vgl. “Affe”, ebd. 227.

78 Vgl. Lehnert-Rodiek 107.

79 Vgl. Hamblock 155.

80 Vgl. Alpers 447. Bergonzi 58. Hamblock 157. Nahin 99. Suvin 269.

81 Lehnert-Rodiek 106, 108.

82 Jansing 67.

83 Vgl. Bergonzi 61. Hamblock 158.

84 Im zweiten Part seines Gedichts Howl (1956) verwendet Allen Ginsberg (1926-1997) die Metapher der Sphinx als etwas Negatives: “What sphinx of cement and aluminum bashed open / their skulls and ate up their brains and imagination?” (Allen Ginsberg, “Howl”, The Norton Anthology of American Literature, ed. Nina Baym, et al., 6th ed., 5 vols., N.Y.: Norton & Company, 2003, E: 2870. Ferner erinnert die Sphinx an Oscar Wildes (1854-1900) Gedicht “The Sphinx” (1894).

Ende der Leseprobe aus 126 Seiten

Details

Titel
"Big Brother is Watching You": Strategien der Kontrolle und Überwachung in ausgewählten englischen Dystopien
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Anglistik und Amerikanistik / FB 10)
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
126
Katalognummer
V123102
ISBN (eBook)
9783640280056
ISBN (Buch)
9783640283606
Dateigröße
1585 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brother, Watching, Strategien, Kontrolle, Dystopien, 1984, The Time Machine, Brave New World, Orwell, Wells, Huxley
Arbeit zitieren
M.A. Oliver Baum (Autor), 2008, "Big Brother is Watching You": Strategien der Kontrolle und Überwachung in ausgewählten englischen Dystopien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123102

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