Die Zunahme internationaler Migrationsbewegungen ist eines der wichtigsten Phänomene
des ausgehenden 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts. In den vergangenen Jahrzehnten stieg die Anzahl von Menschen, die sich längerfristig außerhalb ihres Geburtslandes aufhielten, von 82 Mio. im Jahr 1975 über 175 Mio. im Jahr 2000 auf annähernd 200 Mio. Im Jahr 2005, was einem Anteil von 3 Prozent an der Weltbevölkerung entspricht. Neben dieser quantitativen Veränderung internationaler Migrationsprozesse ist jedoch auch eine qualitative Veränderung in den Voraussetzungen, Verläufen und individuellen Organisationsformen von Migration auszumachen: Parallel zu der lange Zeit dominierenden Form internationaler Migration als einmaligem und endgültigem Mobilitätsvorgang entwickelte sich eine transnationale Form der Migration, die geprägt ist durch mehrfache Verlagerungen des Wohnsitzes über internationale Grenzen hinweg und durch die Aufrechterhaltung intensiver sozialer Bezüge zwischen Herkunfts- und Ankunftsort. Unter Transnationalität versteht man grenzüberschreitende Prozesse von Migranten/Migrantinnengruppen, deren soziale Beziehungen und Praktiken mindestens zwei oder mehrere Staaten verbinden. Sie sprechen oft zwei Sprachen, fühlen sich mehreren Heimaten zugehörig, bewegen sich zwischen verschiedenen Kulturen und verfolgen oft politische, wirtschaftliche und kulturelle Interessen, die sich auf zwei Länder bedingen.
Mit Fatima (Name vom Verfasser geändert) habe ich eine Biographin gefunden, die die Voraussetzungen der Transnationalität erfüllt. Anhand des narrativen Interviews und der darauffolgenden Analyse möchte ich Erkenntnisse über die Problematiken der Gruppe von Menschen gewinnen, die in zweiter Generation in Deutschland aufgewachsen sind. Ein großes Interesse bilden für mich die Faktoren, die das Zugehörigkeitsgefühl der Migrantenkinder beeinflussen können. Wichtige Faktoren werden hier vermutlich die Familie, Freunde, Bildung etc. sein. Wie diese gewichtet sind und inwiefern sie überhaupt eine Rolle spielen, werde ich hoffentlich nach der Auswertung des Interviews beantworten können.
Zunächst möchte ich noch auf die Art der Analyse und das Forschungsdesign eingehen, dass ich für die Auswertung gewählt habe und dieses kurz vorstellen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 1.1 Theoretischer Hintergrund
- 1.2 Forschungsdesign
- 2. Hauptteil
- 2.1 Analyse der biografischen Daten und der erlebten Lebensgeschichte
- 2.2 Text und thematische Feldanalyse mit ersten Annahmen zur erlebten Lebensgeschichte
- 2.3 Analyse des Nachfrageteils und weitere Hypothesenbildung zur erlebten und erzählten Lebensgeschichte hinsichtlich des Hauptthemas
- 2.4 Sequenzielle Feinanalyse ausgewählter Textstellen
- 3. Schluss
- 3.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit untersucht die Zugehörigkeitsprobleme von Migrantenkindern der zweiten Generation in Deutschland. Die Arbeit analysiert ein narratives Interview, um Erkenntnisse über die Faktoren zu gewinnen, die das Zugehörigkeitsgefühl dieser Gruppe beeinflussen.
- Analyse der biografischen Daten und der erlebten Lebensgeschichte einer Migrantin zweiter Generation.
- Untersuchung der erzählten Lebensgeschichte und der Selbstpräsentation der Interviewten.
- Hypothesenbildung und -prüfung anhand des narrativen Interviews und sequenzieller Textanalyse.
- Identifizierung von Einflussfaktoren auf das Zugehörigkeitsgefühl (Familie, Freunde, Bildung etc.).
- Transnationale Aspekte der Migration und deren Auswirkungen auf die Identität.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1: Einleitung legt den theoretischen Hintergrund dar und beschreibt das Forschungsdesign, welches auf einem narrativen Interview basiert. Kapitel 2: Hauptteil beginnt mit der Analyse der biografischen Daten der Interviewten. Es folgt eine Text- und thematische Feldanalyse, die die Selbstpräsentation der Interviewten im Interview untersucht. Ein weiterer Abschnitt analysiert den Nachfrageteil des Interviews, um weitere Hypothesen zu generieren. Schließlich werden ausgewählte Textstellen sequenziell analysiert.
Schlüsselwörter
Migrantenkinder, zweite Generation, Zugehörigkeit, narratives Interview, qualitative Sozialforschung, biografische Fallrekonstruktion, Transnationalität, Identität, Integration, Lebensgeschichte, Familie, Bildung.
Häufig gestellte Fragen
Was sind die Hauptprobleme der Zugehörigkeit bei Migrantenkindern zweiter Generation?
Herausforderungen liegen oft in der Identitätsfindung zwischen zwei Kulturen, dem Gefühl, weder im Herkunftsland der Eltern noch im Geburtsland Deutschland vollständig dazuzugehören.
Was versteht man unter Transnationalität?
Transnationalität bezeichnet soziale Beziehungen und Praktiken, die Migranten über Staatsgrenzen hinweg pflegen, wodurch sie sich oft mehreren Heimaten gleichzeitig zugehörig fühlen.
Welche Rolle spielt die Familie für das Zugehörigkeitsgefühl?
Die Familie ist ein zentraler Faktor, da sie Werte und Traditionen vermittelt, aber auch Konflikte zwischen den Erwartungen der Eltern und der hiesigen Gesellschaft entstehen können.
Was ist ein narratives Interview in der Sozialforschung?
Es ist eine Methode, bei der die befragte Person ihre Lebensgeschichte frei erzählt, um tiefe Einblicke in subjektive Erlebnisse und Identitätskonstruktionen zu ermöglichen.
Wie beeinflusst Bildung die Integration der zweiten Generation?
Bildung gilt als Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe und Anerkennung, kann aber auch zu Distanzierungsprozessen gegenüber dem familiären Milieu führen.
- Quote paper
- Bastian Sadlowski (Author), 2008, Migrantenkinder in zweiter Generation und deren Probleme der Zugehörigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123118