Reaktionen auf das "Weißbuch Sport"


Seminararbeit, 2008

23 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Andere Dokumente der EU Kommission zum Themenkomplex Sport
2.1 Das Europäische Sportmodell (1999)
2.2 Der Helsinki-Bericht zum Sport (1999)

3. Das Weißbuch Sport (2007)
3.1 Die gesellschaftliche Rolle des Sports
3.2 Die wirtschaftliche Dimension des Sports
3.3 Die Organisation des Sports
3.4 Folgemaßnahmen

4. Reaktionen auf das Weißbuch Sport
4.1 Gesellschaftliche Rolle des Sports
4.2 Wirtschaftliche Dimension des Sports
4.3 Organisation des Sports

5. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der europäische Sport[1] steht im 21. Jahrhundert vor neuen Herausforderungen, Problemen und Mög­lichkeiten. Die Politik, hiermit meine ich insbesondere die der EU, beschäftigt sich mit dem kom­plexen Thema Sport intensiver als zuvor. Schon seit 1974 verfolgt die EU die Entwicklungen des Sports. Anfänglich jedoch meist nur aus wirtschaftlicher Sicht. Bisher ist der Sport auf EU Ebene nur durch eine Erklärung im Vertrag von Amsterdam berücksichtigt. Diese besagt, dass die gesellschaftliche Bedeutung des Sports anerkannt wird (vgl. Kom­mis­sion der Europäischen Gemeinschaften, 1999a, S. 1). Im noch nicht ratifizierten Lissabon-Vertrag werden der europäischen Politik erstmals Kom­petenzen im Bereich des Sports zugewiesen. Besonders in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Integration will die EU künftig mehr auf die Mög­lichkeiten, die der Sport bietet, eingehen (vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften, Zugriff am 22.09.2008 unter http://europa.eu/ lisbon_treaty /glance/better_life/ index_de.htm).

Am 11. Juli 2007 hat die Europäische Kommission (KOM) mit dem Weißbuch Sport ihre erste um­fas­sende Initiative im Sportsektor veröffentlicht. Zuvor gab es diverse Berichte der Kommission und anderen Institutionen, die sich mit Teilaspekten des Sports beschäftigten.

Im zweiten Kapitel möchte ich daher zwei Dokumente (Das Europäische Sportmodell und den Helsinki Bericht) der EU Kommission kurz vorstellen, die als Vorläufer des Weißbuchs von 2007 gesehen wer­­den können. Darauf aufbauend, wird im dritten Kapitel das Weißbuch Sport inhaltlich dar­ge­stellt. Gleichzeitig wird ein Blick auf die Intentionen der Kommission geworfen. Abschließend sollen im vierten Kapitel die Reaktionen, die das Weißbuch Sport bei diversen Verbänden und Organisationen hervorgerufen hat, anhand von drei ausgewählten Beispielen (DOSB, CEP und FIFA) analysiert und verglichen werden. Ein besonderes Augenmerk gilt es auf die rechtlichen Aspekte, wie Autonomie des Sportbereichs, Arbeitsrecht und Vereinbarkeit der Sportstrukturen mit dem gültigen Wettbewerbsrecht zu legen. Die größten Kritikpunkte sollen herausgestellt und bewertet werden.

2. Andere Dokumente der EU Kommission zum Themenkomplex Sport

Wie erwähnt, veröffentlichte die EU Kommission bereits mehrere Dokumente zum Sport. Die beiden, die im Zusammenhang mit dem Weißbuch Sport am wichtigsten erscheinen, werden an­schließend kurz skizziert.

2.1 Das Europäische Sportmodell (1999)

Das Dokument Das Europäische Sportmodell wurde 1999 von der EU Kommission als Diskussionspapier herausgegeben. In dem Dokument werden Organisation, Merkmale, jüngste Entwicklungen und Probleme des Sports in Europa erläutert. Inhaltlich ist es dreigeteilt. In Kapitel eins wer­den die Wesensmerkmale (z.B. der basisnahe Ansatz, die Subsidiarität und die nationale Identität), die Organisation (z.B. der pyramidale Aufbau, Vereine und Verbände), sowie die Bedeutung des Sports in Europa grundlegend dargestellt.

Das zweite Kapitel trägt die Überschrift „Sport und Fernsehen“. Hauptthemen sind die Ver­gabe der Übertragungsrechte (z.B. Vermarktung und Exklusivität), das Recht auf Infor­mation der EU-Bürger und die zukünftige Rolle der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Die Kommission spricht sich für den freien Empfang von Sport­großer­eig­nis­sen aus.

In Kapitel drei geht es um die Verknüpfung von Sport und Sozialpolitik. Der Zusammenhang von Sport und Erziehung wird erläutert, wie auch die Beziehung des Sports zu folgenden Themenkomplexen: Integration, Bekämpfung von Rassismus, Umweltschutz, öffentliche Gesundheit und der Kampf gegen Dopingsünder.

Zu allen Punkten finden sich diskussionsleitende Fragen, wie beispielsweise:

Hat es positive oder negative Folgen, wenn es keine Solidarität mehr gibt? Müssen öffentliche Mittel in Zukunft die Zuschüsse der Verbände ersetzen?“ (Vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften, 1999a, S. 12)

2.2 Der Helsinki-Bericht zum Sport (1999)

Auf dem Wiener Gipfel von 1998 hat der Europäische Rat die EU Kom­mission aufgefordert einen Bericht mit Hinblick auf den Schutz der sportlichen Strukturen Europas zu entwickeln.

Der Helsinki-Bericht zum Sport soll Antworten auf bestimmte negative Entwicklungen im Sport geben, die seine pädagogischen und sozialen Funktionen nachhaltig beeinträchtigen. Zu diesen zählen bei­spiels­weise Doping und die zunehmende Kommerzialisierung.

Das Dokument umfasst vier Schlüsselaspekte:

A. Die exzessive Kommerzialisierung
B. Der Schutz jugendlicher Sportler
C. Die Dopingbekämpfung
D. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Sports

Auf die Frage, ob die Kommission garantieren kann, dass die zurzeit im Sport zu be­ob­achtenden Ent­wicklungen nicht die derzeitigen Strukturen und die gesellschaftlichen Funktion des Sports in Frage stellen, antwortete die Kommission entschieden mit: nein (vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften, 1999b, S. 10) Da der EU Kom­mission vertraglich noch keine Kompetenzen eingeräumt wurden, ist sie nicht weisungs­befugt. Das Fazit des Hel­sinki-Be­­richts sagt aus, dass die EU Kom­mission neue Partnerschaften zwischen den europäischen In­sti­tu­tionen, den Mitgliedsstaaten und den Sportverbänden initiieren möchte. Laut der Kom­mis­­sion kann isoliertes Vorgehen in eine Sackgasse führen. Die EU, ihre Mitglieds­staaten und die Sport­­verbände müssen einen Sport fördern, der seiner sozialen Rolle treu bleibt und gleich­zeitig die Groß­konzerne mit einbindet, um an Fördermittel zu gelangen.

3. Das Weißbuch Sport (2007)

Laut Definition ist ein Weißbuch eine Sammlung von Vorschlägen zum Vorgehen in einem be­stim­­mten politischen Bereich. Im ursprünglichen Sinne ist es eine Dokumentensammlung, die von einer Regierung eines Staates veröffentlicht wird, um Orientierung über politische Fragen zu geben (vgl. Weber-Fas, 1995, S. 570).

Wird ein Weißbuch der EU Kommission von Rat und Parlament angenommen, kann aus ihm ein kon­­kreter Aktionsplan entstehen. Ein solcher Aktionsplan ist Teil der Intentionen, die die KOM mit dem Weißbuch Sport verfolgen. Der Aktionsplan („Pierre de Coubertin“), der aus dem Weiß­buch hervorgehen soll, umfasst 53 Aktionspunkte. Ein weiteres Ziel ist die Anregung einer stra­tegischen Diskussion zur Rolle des Sports in Europa. Die EU Kom­mission will generell Austausch und Dialog zwischen den Mitgliedsstaaten, den Verbänden und der EU fördern. Die Sicht­bar­keit des Sports in der EU soll erhöht werden. Informationen zur Anwendung des EU-Rechts auf den Sportsektor sollen bereitgestellt werden, um die Rechtslage zu entwirren (vgl. DOSB, 2007, S. 1).

Das Weißbuch Sport ist thematisch in die drei Teilgebiete Gesellschaft, Wirtschaft und Orga­nisation (umfasst EU-Recht) untergliedert. Abschließend werden noch einige „Folge­maß­nahmen“ er­läutert (vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften, 2007, S. 19-21).

In den nächsten Unterkapiteln (3.1 – 3.4) wird das Weißbuch inhaltlich vorgestellt.

3.1 Die gesellschaftliche Rolle des Sports

Die gesellschaftliche Rolle des Sports lässt sich grob in sechs Themenkomplexe gliedern:

(A) Verbesserung der Gesundheit durch körperliche Aktivität

Laut EU Kom­mission sollen bis Ende 2008 neue EU-Richtlinien zur Bekämpfung von Über­ge­wicht und Adipositas vorgestellt werden. Konkrete Informationen werden zu diesem Vor­haben nicht ge­geben. Die Kom­mission fordert die Mitgliedsstaaten auf, ihre Bildungs- und Berufsbildungs­systeme neu auszurichten. In diesem Zusammenhang setzt sich die EU Kom­mis­sion bei­spiels­weise dafür ein, den Schuls­port stärker zu fördern. Ausgehend von den Er­fahrungen des EJES 2004 (Euro­päisches Jahr der Er­ziehung durch Sport) sollen künftig mehr bewegungsfördernde Projekte aktiv unterstützt werden (vgl. Kommission der Europäischen Ge­mein­schaften, 2007, S. 4).

(B) Dopingbekämpfung

Die Kommission möchte Partnerschaften zwischen den Strafverfolgungsbehörden der EU-Länder, der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und Interpol fördern. Eine bessere Zu­sam­men­arbeit soll er­­möglichen, dass Verfahren, Daten und neue Erkenntnisse schnellst möglich aus­getauscht wer­den können. Die EU Kommission regt an, dass mit Dopingmitteln strafrechtlich ge­­nauso ver­fahren wird, wie mit illegalen Drogen. Außerdem fordert die EU Kom­mission die Sport­­­orga­ni­sationen auf, eigene Verhaltenskodexe zu erstellen, um präventiv gegen Doping­mis­s­brauch vor­zugehen (vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften, 2007, S. 5).

(C) Sport in der Bildungspolitik

An Schulen soll ein europäisches Siegel für besonderes Engagement im Sportbereich ein­ge­führt wer­den. Außerdem will die Kommission Schulen durch ein verbessertes Sportangebot attrak­tiver für die Schülerinnen und Schüler machen. Insgesamt soll an Schulen und Uni­ver­si­tä­ten mehr Zeit für Sport­an­ge­bote investiert wer­den. Die EU Kom­mission will die Mit­glieds­staaten dazu auf­fordern, sport­bezogene Maßnahmen im Rahmen ihrer Struktur­fonds zu be­rück­­sich­tigen. Im Bereich der nicht formalen Bildung will die Kommission Ehren­amt und aktive Bür­ger­­schaft för­dern. In diesem Bereich sind zum Beispiel Aus­tausch­pro­gram­me zwischen den EU Ländern an­gedacht (vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften, 2007, S. 5-7).

(D) Kampf gegen Rassismus und Gewalt

Die EU-Kommission testet, nach eigenen Angaben, neue Rechtsinstrumente und möchte im Zuge des­sen EU weit neue Standards zur Vermeidung von öffentlichen Ausschreitungen eta­blieren. Ent­sprechende Aktivitäten sollen auch in bereits bestehende Programme (z.B. DAPHNE III, Jugend in Aktion und Bürger für Europa) integriert werden. Die EU Kom­mission setzt sich für den Dialog zwischen den Mit­gliedsstaaten, internationalen Organisationen, Sportorga­ni­sa­tionen, Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den und anderen Akteuren, wie zum Beispiel Fan­clubs ein. Außer­dem möchte die Kommission, dass EU weite Polizeischulungen durch­ge­führt wer­den. Die Beamten der ver­schiedenen Länder sollen auf das gleiche Niveau ge­bracht wer­den, um besser kooperieren zu kön­nen. Desweiteren sollen, laut EU Kom­mission, be­währte Ver­­fahren ausge­tauscht werden (vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften, 2007, S. 9).

(E) Sport und nachhaltige Entwicklung

Europäische, aber auch internationale Sportorganisationen sollen aufgefordert werden, bei Groß­­veranstaltungen „Umweltmanagementsysteme“ einzusetzen, die dem Prinzip der Nach­haltig­keit entsprechen. Desweitern möchte die EU Kom­mission Um­weltzeichen für besonders um­­­welt­schonende Veranstalter vergeben (vgl. Kommission der Europäischen Ge­mein­schaften, 2007, S. 11).

[...]


[1] Wie die Autoren des Weißbuches Sport übernehme ich die Definition für „Sport“ des Europarates: „[Als Sport gilt] jegliche Form körperlicher Ertüchtigung, die innerhalb oder außerhalb von Vereinen betrieben wird, um die körperliche und seelische Verfassung zu verbessern, zwischenmenschliche Beziehungen zu ent­wickeln oder ergebnisorientierte Wettkämpfe auf allen Ebenen zu bestreiten.“ (Vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften, 2007, S. 2)

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Reaktionen auf das "Weißbuch Sport"
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Sport in Europa
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V123145
ISBN (eBook)
9783640288182
ISBN (Buch)
9783640691289
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reaktionen, Weißbuch, Sport, Europa, Sportpolitik, EU Politik
Arbeit zitieren
Bastian Einck (Autor), 2008, Reaktionen auf das "Weißbuch Sport", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123145

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