Die vorliegende Seminararbeit schließt an ein Hauptseminar im Wintersemester 2006/07 an, das sich mit Sprachvarietäten im Unterricht befasste. Das Seminar „Schüler, Lehrer, Sprachvarietäten“ widmete sich zunächst der Studie „Konfliktfeld Dialekt: das Verhältnis von Deutschlehrerinnen und Deutschlehrern zu Sprache und ihren regionalen Varietäten“ von Rupert Hochholzer (2004), die sich mit Sprachvarietäten in Mecklenburg-Vorpommern, Nordrheinwestfalen und Bayern in Bezug auf Sprechereinstellung, Lehrereinstellung und schulische Kommunikation befasst. Hierbei wurden die Kategorienbildung, die Korrelationstabellen und die gesamte Vorgehensweise Hochholzers kritisch untersucht. Anschließend entwarf das Seminar einen Fragebogen, der darauf abzielte die Präsenz und Problematik von drei verschiedenen Sprachvarietäten, nämlich "niederdeutscher Sprachgebrauch", "migrationgeprägter Sprachgebrauch" und "Jugendsprache" in Schulen Schleswig-Holsteins zu untersuchen. Hierbei wurde der Fokus auf mögliche Kommunikationsprobleme und Lernschwierigkeiten im Zusammenhang mit diesen, und die Einstellungen der Lehrer bezüglich dieser Sprachvarietäten gelegt. Die Konzeption des Fragebogens mündete in einer anonymen Umfrage, bei der 85 Lehrer von staatlichen Schulen in Schleswig-Holstein hinsichtlich eventueller Sprachvarietäten im Unterricht befragt wurden. Ich lege in dieser Arbeit den Fokus meiner Analyse auf die migrationbedingten Sprachvarietäten und die möglichen Probleme, die hieraus resultieren können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
2.1 Migration
2.2 Einstellung
3. Aktueller Forschungsstand/Empirie
3.1 PISA
3.2 Migration und Schule
4. Beschreibung der Untersuchung
5. Durchführung
6. Ergebnisse
6.1 Teil I
6.2 Teil II
6.3 Teil III
6.4 Teil IV
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Einstellungen von Lehrkräften an staatlichen Schulen in Schleswig-Holstein gegenüber migrationbedingten Sprachvarietäten und untersucht, ob und wie diese das unterrichtliche Handeln sowie die Wahrnehmung von Schülern beeinflussen.
- Wahrnehmung von Sprachvarietäten im schulischen Kontext
- Einfluss von Sprachkenntnissen auf den schulischen Erfolg
- Lehrereinstellungen zu muttersprachlichem und zusätzlichem Deutschunterricht
- Bedeutung der Lehrerausbildung und Fortbildungsmöglichkeiten
Auszug aus dem Buch
2.1 Migration
Unter Migration werden in den Sozialwissenschaften ganz allgemein alle Prozesse der räumlichen Bewegung von Gruppen und Individuen bezeichnet. Da diese Definition zu allumfassend und daher zu ungenau ist, möchte ich weitere Definitionen heranziehen, um den Begriff enger einzugrenzen. So schränkt Parnwell (1993) den Begriff weiter ein, und beschreibt Migration als einen permanenten, oder quasi-permanenten Wohnortwechsel einer Gruppe, oder eines Individuums von einer Lokalität zu einer anderen.
Vorübergehende Wohnortswechsel, wie etwa zwecks zeitlich begrenzter Beschäftigung in einem anderen Land, oder an einem anderen Ort, wären nach dieser Definition nicht unter dem Begriff Migration angesiedelt.
Migration ist nach Treibel (1990) ein „auf Dauer angelegter bzw. dauerhaft werdender, freiwilliger Wechsel in eine andere Gesellschaft bzw. in eine andere Region von einzelnen oder mehreren Menschen.“ An diese Definition knüpft auch die Begriffserklärung der Zusammenfassung der Pisa-Studie(2003) an, in der es heißt:
„Unter Migration versteht man das Phänomen, dass Menschen den Ort, an dem sie bisher gelebt und gearbeitet haben, verlassen und an einem anderen Ort eine neue Existenz zu gründen versuchen. Migranten stehen im Einwanderungsland vor besonderen Herausforderungen, u. a. müssen viele von ihnen eine neue Sprache erlernen...“.
Auch ich möchte mich im Folgenden auf diese Definition von Migration beziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den Anlass der Arbeit basierend auf einem Seminar an der CAU Kiel und beschreibt das Ziel, die Einstellung von Lehrern zu migrationbedingten Sprachvarietäten zu untersuchen.
2. Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Migration und Einstellungen als theoretische Grundlage für die nachfolgende Analyse.
3. Aktueller Forschungsstand/Empirie: Es werden Ergebnisse der PISA-Studie sowie die rechtlichen und schulischen Rahmenbedingungen für Schüler mit Migrationshintergrund in Schleswig-Holstein dargelegt.
4. Beschreibung der Untersuchung: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung des Fragebogens, die Kategorienbildung und die methodische Konzeption der Umfrage unter Lehrkräften.
5. Durchführung: Hier wird der Prozess der Datenerhebung an staatlichen Schulen in Schleswig-Holstein und die tabellarische Auswertung der Fragebögen beschrieben.
6. Ergebnisse: Das umfangreichste Kapitel analysiert die Daten in vier Teilen, von der Wahrnehmung sprachlicher Auffälligkeiten bis hin zu den persönlichen Daten und dem Fortbildungsinteresse der Lehrer.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, konstatiert ein mangelndes Fortbildungsangebot und fordert eine stärkere Sensibilisierung der Lehrkräfte für interkulturelle Themen.
Schlüsselwörter
Migration, Sprachvarietäten, PISA-Studie, Lehrereinstellungen, Deutsch als Zweitsprache, Schulleistung, Integration, Schulsystem Schleswig-Holstein, Mehrsprachigkeit, Ausländerpädagogik, Unterrichtsvorbereitung, Fortbildung, Schulkultur, Sprachförderung, Stereotype
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Einstellungen von Lehrkräften an staatlichen Schulen in Schleswig-Holstein gegenüber Schülern mit Migrationshintergrund und deren sprachlichen Varietäten im Unterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Auswirkungen von Mehrsprachigkeit auf den Lernerfolg, die pädagogische Einschätzung von Sprachvarietäten durch Lehrkräfte sowie das bestehende Fortbildungsinteresse im Bereich Integration.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie die Einstellungen der Lehrkräfte die Vermittlung von Unterrichtsinhalten bei Schülern mit Migrationshintergrund beeinflussen und welche Rolle dabei individuelle Vorurteile spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein Fragebogen entwickelt und an 85 Lehrkräften an staatlichen Schulen in Schleswig-Holstein angewandt, um durch indirekte Fragestellungen Einstellungen zu explorieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition theoretischer Begriffe, die Darstellung des PISA-Kontextes, die detaillierte Auswertung der Umfrageergebnisse zu Sprachkompetenz, Verständigungsschwierigkeiten und Förderwünschen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert auf Begriffe wie Migration, Sprachvarietäten, Lehrereinstellungen, Integration und Deutsch als Zweitsprache.
Wie bewerten die Lehrer den Einfluss der Muttersprache auf den Schulerfolg?
Die Mehrheit der Befragten (87,1%) vertritt die Ansicht, dass der häusliche Gebrauch einer anderen Sprache als Deutsch einen negativen Einfluss auf die schulischen Leistungen habe.
Wie steht es um die Vorbereitung der Lehrer auf multikulturelle Klassen?
Ein Großteil der Lehrer fühlt sich laut eigener Aussage unzureichend auf den Umgang mit sprachlicher Vielfalt vorbereitet, zeigt jedoch teilweise eine ablehnende Haltung gegenüber obligatorischen Fortbildungen.
- Arbeit zitieren
- Jana-Katharina Müftüoglu (Autor:in), 2006, Deutsch mit Migrationshintergrund: Reale Auffälligkeiten und Einstellung bezüglich dieser Sprachvarietät an Schulen Schleswig-Holsteins, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123159