Frauen im Ost- und Westteil Deutschlands


Hausarbeit (Hauptseminar), 1995
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Ein kleiner historischer Überblick über die Lage der Frauen in der DDR und in der BRD
1. Die Frauenwirklichkeit in der DDR
2. Die Frauen in der BRD

III. Die Frauen in Deutschland nach der Wende

IV. Zusammenfassung

V. Verzeichnis der Tabellen und der Abbildungen

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Ich habe dieses Thema gewählt, weil es eines der größten sozialen Probleme der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft betrifft. Obwohl ich Ausländerin bin, gehöre ich zurzeit auch zu dieser Gesellschaft. Alle Probleme, die heute vor den deutschen Frauen stehen, sind in anderen Maßstäben auch für mich gültig. Ich habe die gute Möglichkeit als Studentin in Deutschland, alle Veränderungen als Zuschauer zu beobachten und gleichzeitig vieles selbst zu erleben. Deshalb bin ich nicht nur rein wissenschaftlich, sondern auch persönlich an diesem Thema interessiert. Die Prozesse der Veränderung und des Umformens nach der Wende berühren alle Sphären des sozialen Lebens. Mein Thema beschäftigt sich nur mit einigen von ihnen. Ich behandle die Erwerbsbeteiligung der Frauen sowohl in der früheren DDR und in der BRD, als auch habe ich versucht das Selbe für Deutschland nach der Wende zu machen. Das Wichtigste ist für mich die Arbeitslosigkeit der Frauen gewesen. Ich habe die Gründe dafür gesucht und ich konnte nicht an solchen Problemen wie Bildung / Ausbildung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Einrichtungen für familienergänzende Kinderbetreuung und auch die festgewordenen "Hausfrau" Vorstellungen vorbei gehen. Ich habe mich vielleicht ein bißchen mehr, als das notwendig war, mit dem Frauenzustand in der ehemaligen DDR und in der BRD beschäftigt. Das ist damit verbunden, daß ich diese Probleme nicht persönlich erlebt habe, daß ich mich jetzt damit vertraut machen mußte, und daß ich diese Probleme für wichtig halte. Ich habe versucht auch einen Vergleich, zwischen Frauen und Männern zu führen. Ich wollte die Positionen und die Tendenzen in der Gesellschaft zeigen, die die beiden Geschlechter haben. Ich habe versucht mir, die Zukunft der Frauen im vereinten Deutschland vorzustellen.

II. Ein kleiner historischer Überblick über die Lage der Frauen in der DDR und in der BRD

1. Die Frauenwirklichkeit in der DDR

Die Frauen nahmen in der Familienpolitik der DDR einen herausragenden Platz ein. Sie hatten zwei schwer miteinander zu vereinbarende gesellschaftspolitische Zielsetzungen - kontinuierliche Erwerbsarbeit möglichst vieler Frauen und steigende Geburtenraten. Das erste ist die berühmte Vereinbarkeit von Beruf und Mutterschaft gewesen, die typisch für die DDR und für andere sozialistische Länder war. Die Frauen mußten sich am Erwerbsprozeß beteiligen. Damit man einen höheren Frauenbeschäftigungsgrad erreichen konnte, wurden vom Staat die notwendigen Voraussetzungen dafür erfüllt. Es wurden staatliche Kinderbetreuungseinrichtungen geschaffen. "Die Bedingungen waren auf die Vereinbarkeit von Kindererziehung und Berufstätigkeit ausgerichtet. So hatten erwerbstätige Mütter (in besonderen Fällen auch Väter) das Recht, sich für eine meistens ausreichend lange Zeit freistellen zu lassen, wenn Kinder unter 14 Jahren krank waren." (Schulz 1990:576) Die tägliche Arbeitszeit war verkürzt. Es bestand die Möglichkeit für Teilzeitarbeit. "Zwar gaben im Juni 1990 über 25% der erwerbstätigen Frauen in der früheren DDR (Bundesrepublik Deutschland über 30% bei aber insgesamt niedrigerer Erwerbstätigkeit) an, teilzeitbeschäftigt zu sein." (Engelbrech 1992:480) Es wurde das Babyjahr eingeführt. Parallel mit dem Babyjahr existierten auch andere Vergünstigungen, die die Anzahl der Geburten stimulierten. Die jungen Ehepaare bekamen günstigere, zinslose Kredite. Sie waren bevorzugt beim Verleih von Wohnungen, und der Staat gab für jedes Kind monatliches Kindergeld und Geburtenbeihilfe als einmalige Leistung. Es war vorteilhaft, Kinder bereits während oder kurz nach der Ausbildungsphase zur Welt zu bringen. Das führte dazu, daß die größte Anzahl von Kindern in der DDR von Frauen der jüngeren Altersgruppe geboren wurde.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine Erscheinung der 50er und 60er Jahre gewesen. Nach dem Krieg war die Anzahl von Männern gering, und die Frauen mußten den Mangel an Arbeitskräften decken. Allmählich ist die Erwerbstätigkeit der Frauen zu einer normalen Erscheinung geworden. Das gehörte zum Alltag. "Für die in der DDR geborenen oder groß gewordenen Frauenund Mädchengenerationen war es durchweg selbstverständlich, ein Leben lang berufstätig zu sein." (Gysi / Meyer 1993:141) Wenn die Erwerbsarbeit vorher auch durch das niedrigere Realeinkommen begründet war, und die Frauen zum Haushaltseinkommen von Paaren beigetragen haben, ist die Erwerbsarbeit später zum Bedürfnis geworden. Kaum eine Frau wollte nur "Hausfrau" sein. Die Berufsarbeit bedeutete für die Frauen Selbstbestätigung, Lebenssinn, finanzielle Unabhängigkeit von dem Mann, und die Chance, die eigene Lebensform frei zu wählen und soziale Kontakte und Kommunikationen zu haben. Der Versuch, berufliche und häusliche Aufgaben zu vereinbaren, blieb ein Problem, das die Frauen in den meisten Fällen allein zu lösen hatten. "Rund 80% aller häuslichen Pflichten blieben den Frauen überlassen, und viele reagierten auf die ständige Überforderung mit unerwünschte Kompromissen: Teilzeitarbeit und / oder Beschränkung der Kinderzahl." (Helwig 1993:15)

Tabelle 1: Zeitlicher Aufwand für Hausarbeit an Wochentagen nach Angaben der Frauen (in %)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Familienleben in der DDR. Zum Alltag von Familien mit Kindern, Berlin 1989, S 158, Zitiert nach: Frauen in Deutschland 1945 - 1992, Bonn 1993, S. 158

An der Verteilung der Hausund Familienarbeit hat sich kaum etwas geändert. Die Geschlechtsspezifik blieb im Grunde festgeschrieben. Viele Frauen empfanden die Berufstätigkeit und die Hausarbeit als eine Arbeit in zwei Schichten. Die arbeitenden Frauen stellten deswegen neue Forderungen an ihre Partner für mehr Entlastung und Hilfe für alle häuslichen Arbeiten.

2. Die Frauen in der BRD

Seit der Nachkriegszeit hat sich die Einstellung der Frauen in der Bundesrepublik gegenüber Familie und Berufstätigkeit verändert. Wenn früher Heirat und Familie die oberste Priorität hatten, ist das mittlerweile nicht so deutlich. Für die BRD war in den 50er und 60er Jahren die traditionelle Familie (Ehepaar und Kinder), wo die Frau eine Hausfrau war, typisch. Diese Lage war nicht nur politisch und ideologisch bedingt, sondern sie war auch durch die relativ hohen Haushalteinkommen bedingt. Das Erwerbseinkommen der Männer in Westdeutschland war häufig hoch genug, um den Lebensunterhalt der Ehefrau zu decken. Diese Tatsache führte dazu, daß die Kinder überwiegend von ihren Müttern betreut waren. Die Frauen betreuten ihre Kinder auch, weil in der BRD nicht genug außerhäusliche Kinderbetreuungseinrichtungen existierten. Eine solche Betreuung war für viele Frauen unmöglich. Die Form der individuellen Betreuung war damals auch von den meisten Menschen bevorzugt und sie bedeutete für die Frauen Verzicht auf die Erwerbstätigkeit. "Mütter mit kleinen Kindern sollten nach öffentlich überwiegender Meinung keiner außerhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen." (Helwig 1993:13) Die Hausfrauenehe war in erheblichem Umfang gefördert durch finanzielle Vorteile. Es gab Steuererleichterungen mit einem erheblich größeren Gewicht als die direkt auf den Tatbestand "Kinder" gerichteten Leistungen. Die zusammenversicherten Eheleute bekamen kostengünstigere Krankenund Rentenversicherungen. Die Frauen, deren Einkommen des Mannes zum Unterhalt der Familie nicht ausreichte waren erwerbstätig, genau so wie die alleinerziehenden Frauen und die Frauen von den oberen Einkommensklassen. Ihre Erwerbstätigkeit kann man mit der Erwerbstätigkeit der DDR-Frauen vergleichen.

Die Betreuung der Kinder von den Frauen bedeutete nicht nur Abbrechen der Erwerbstätigkeit für kurze Zeit, sondern oftmals Verzicht auf die Erwerbstätigkeit für immer. Die Frauen, deren Kinder genug groß waren, wollten oft wieder erwerbstätig werden. Nach einer langen Familienphase aber war (es ist auch heute so) die Rückkehr in den Beruf aufgrund fortgeschrittenen Alters und dequalifizierter Ausbildung nicht mehr möglich.

Die Ehe und die Familie sind heute nicht mehr für alle Frauen erstrebenswert. Viele Frauen streben eine ökonomische Unabhängigkeit an. Sie sind Berufstätig oder sie setzen ihre Ausbildung fort. Wegen der Arbeitslosigkeit sind immer mehr Frauen bereit unterqualifizierte Arbeit anzunehmen und immer mehr Frauen als früher wollen erwerbstätig sein. Immer mehr junge Frauen verschieben die Zeit des Heiratens und die Geburt des ersten Kindes auf eine spätere Zeit.

III. Die Frauen in Deutschland nach der Wende

Nach der Wende in Deutschland mußte man Gesellschaftsund Wirtschaftssysteme von beiden ehemaligen Ländern angleichen. In vielen Bereichen fand und findet eine Übertragung des westdeutschen Musters auf die neuen Bundesländer statt. Zusammen mit allen Veränderungen kommen auch viele Probleme, die für die ehemalige DDR unbekannt waren. Eines der wichtigsten Probleme von heute ist die Arbeitslosigkeit und die veränderte Arbeitsmarktsituation. Von der Arbeitslosigkeit sind sowohl die Männer als auch die Frauen betroffen. Insbesondere sind dadurch die Frauen betroffen.

Es bilden sich unterschiedliche Perspektiven in der Rolle und den Chancen am Arbeitsmarkt zwischen den Frauen und Männern. Besonders bemerkbar sind diese Unterschiede zwischen den ostdeutschen Frauen und Männern. Für fast alle ostdeutschen Frauen war ununterbrochene Erwerbstätigkeit in ihrem Lebenskonzept fest verankert. Die Arbeit gehörte einfach zu ihrem Leben. Sie war selbstverständlich und war eine Möglichkeit der Selbstverwirklichung gewesen. Der Erfolg im Beruf war besonders wichtig für das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Frauen und der Männer. Die Arbeitslosigkeit heute bedeutet nicht nur Verlust der Arbeit, sondern sie ist mit Verlust des Lebensinhaltes und Verletzung der Menschenwürde für viele Menschen verbunden. "Die Frauen in Ostdeutschland sind im Unterschied zu westlichen Staaten in besonderer Weise psycho-sozialen Belastungen durch Arbeitslosigkeit ausgesetzt.

[...]

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Details

Titel
Frauen im Ost- und Westteil Deutschlands
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Regionale Soziologie)
Veranstaltung
Regionale Ungleichheiten in der Bundesrepublik
Note
1,0
Autor
Jahr
1995
Seiten
18
Katalognummer
V123204
ISBN (eBook)
9783640276219
ISBN (Buch)
9783640276301
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauen, Ost-, Westteil, Deutschlands, Regionale, Ungleichheiten, Bundesrepublik
Arbeit zitieren
Dr. Mariana Parvanova (Autor), 1995, Frauen im Ost- und Westteil Deutschlands, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123204

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