Arbeitsteilung in Manufaktur und Industrie


Seminararbeit, 1994

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Über die verschiedenen Ursprünge der Manufaktur

III. Die heterogene und die organische Manufaktur als Grundformen der Manufaktur

IV. Die Teilung der Arbeit innerhalb der Manufaktur und innerhalb der Gesellschaft

V. Die nachteiligen Folgen der Arbeitsteilung

VI. Zusammenfassung

VII. Literatur

I. Einleitung

In dieser Arbeit will ich die sozialen Differenzierungen zeigen, die in den Manufakturen und in der Gesellschaft stattfinden. Es wird mehrmals ein Vergleich zwischen Manufakturen und Gewerben geführt. Es werden die Ursprünge der Manufaktur gezeigt, sowie die Übergangsphasen vom Gewerbe zur Manufaktur. Bei der Beschreibung der sozialen Differenzierungen ist schwer zwischen sozialen und wirtschaftlichen Bereichen zu teilen. Meiner Meinung nach, sind sie eng miteinander verbunden, und eine solche Unterscheidung ist zwischen den beiden Bereichen nicht nötig. Die Gründe für die Arbeitsteilung liegen im wirtschaftlichen Bereich, wo der Nutzen, die Konkurrenz und der Markt dem Kapitalisten diktieren, wie er die Produktivität der Arbeitskräfte steigert, und wie er den Produktionsprozeß optimiert. Der optimierte Produktionsprozeß und die gesteigerte Produktivität erlauben ihm andererseits, eine Position in der Wirtschaft zu erreichen, mit der er auch manches auf dem Markt diktieren kann. Die eigentliche Manufakturperiode dauerte von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum letzten Drittel des 18. Jahrhunderts. Später begann die sogenannte Industrieperiode, bei der die Entwicklung weiterging und eine Befreiung von einem auf dem Handwerkerprinzip beruhenden Produktionsprozeß stattfand.

II. Über die verschiedenen Ursprünge der Manufaktur

Marx entwickelte im Buch "Das Kapital" (Marx, Dietz, S. 356-359) seine Auffassung über die verschiedenen Ursprünge der Manufaktur. Die Manufakturen entstehen, seiner Meinung nach, auf zwei verschiedene Weisen.

1. Die Arbeiter in der Manufaktur waren vorher selbständige Handwerker, die in einer Werkstatt unter dem Kommando von einem Kapitalisten vereinigt waren. Die verschiedenen Handwerker in einer Manufaktur arbeiten einander gleichzeitig in die Hand und produzieren bestimmte Teile für das Endprodukt. Dabei steigerte sich die Produktivität. Das ist eine einfache Kooperation, die ihr Material an Menschen und Dingen vorfindet. Die verschiedenen Handwerker in einer Manufaktur beginnen, nach und nach die Fähigkeit zu verlieren, ihr altes Handwerk mit der ganzen Spannbreite zu betreiben. Die einseitigte Arbeit bekam die zweckmäßigste Form für die verengte Wirkungssphäre. Es kommt zu einer allmählichen Teilung in verschiedenen Sonderoperationen, wovon sich die Funktion eines Arbeiters kristallisiert.

2. Es gibt auch entgegengesetzte Wege für den Ursprung einer Manufaktur. Es existiert eine Kooperation in der einfachsten Form. Das ist die Manufaktur, in der es viele Handwerker gibt, die die gleiche Arbeit zusammen mit ihren Gesellen unter Führung desselben Kapitals ausführen. Sie produzieren die ganze Ware allein und bewahren das, was für den Handwerker typisch ist. Wenn es nötig wird, eine größere Menge zu liefern, wird die Arbeit geteilt. Die verschiedenen Arbeitsschritte, die ein Handwerker machte, werden voneinander isoliert, räumlich nebeneinandergestellt, und jeder Teil von der Arbeit wird einem anderen Handwerker zugewiesen. Die Arbeit wird dabei gleichzeitig ausgefüllt. Diese Teilung zeigt ihre Vorteile und wird zur systematischen Teilung. Jeder von den Handwerkern wird später nur eine und dieselbe Teiloperation ausfüllen. Das ist eine Manufaktur, wo die Operationen ineinanderfließen. Es besteht die Möglichkeit, größeren Mengen einer Ware zu produzieren.

Die Manufaktur entsteht einerseits aus der Vereinigung verschiedener, selbständiger Handwerker, in der sie nur noch einander ergänzende Teiloperationen im Produktionsprozeß ein und derselben Ware durchführen. Andererseits geht sie von der Kooperation gleichartiger Handwerker aus, zersetzt das individuelle Handwerk in unterschiedliche Operationen, isoliert und verselbständigt sie bis zur Funktion eines Arbeiters. Die Verrichtung des Arbeitsprozesses bleibt handwerksmäßig und daher abhängig von Kraft, Geschick und Schnelle des Einzelarbeiters in Handhabung eines Instrumentes. Das Handwerk bleibt Basis. Die beiden Ursprünge der Manufaktur führen am Ende zum gleichen Ergebnis. Das ist die Arbeitsteilung in der Manufaktur und die Vereinfachung der Rolle des Handwerkers zu einem Arbeiter oder sogar zu einem Teilarbeiter, der Sonderoperationen ausfüllt. Jeder Arbeiter macht in seiner Teilarbeit die gleichen Bewegungen, bis er sie automatisiert. Es kommt zu eine Virtuosität des Detailarbeiters die, wie wir später sehen werden, zu gewissen Nachteilen führt.

Marx zog einen Vergleich zwischen Zünften und Manufakturen (Marx, Dietz, S. 359-360). Die Aufteilung der Arbeit widerspricht dem Streben von Zünften und Gewerben nach einer bestimmten Hierarchie. Die Hierarchie ist hier mit fast natürlichen Bedingungen dem Kastenwesen verbunden. Die Variabilität des Individuums widerspricht der Erblichkeit der Kasten und damit der verbundenen Verfestigung dieser Schichten der Gesellschaft. Bei Handwerker ist die Virtuosität in der Arbeit, das Wechsel von Platz und Instrument und Genuß von der Abwechslung in der Arbeit entscheidend. Die Handwerksinstrumente sollen vollkommen sein, weil sie der Nützlichkeit dienen und vielfältigen der Instrumente oft innerhalb einem Prozeß genutzt werden. Marx gibt hier das Beispiel mit den Hämmern an, deren verschiedene Arten in England produziert werden. In der Manufaktur wechselt der Arbeiter seinen Platz oder sein Instrument nicht. Die Manufakturperiode vereinfacht die Instrumente. Es findet eine Anpassung an die Sonderfunktionen der Teilarbeiter statt. Dabei bleiben die Detailarbeiter und ihre Instrumente die einfachen Elemente einer Manufaktur.

III. Die heterogene und die organische Manufaktur als Grundformen der Manu-faktur

Marx teilt die Manufakturen in zwei Arten auf, die später in der Industrie verschiedene Rollen spielen werden (Marx, Dietz, S. 362-371). Bei der heterogenen Manufaktur werden alle Teile, dank der Arbeitsteilung getrennt produziert und am Ende zu einem Ganzen verbunden. Bei der organischen Manufaktur wird alles gleichzeitig angefertigt und jeder Teil ist Ausgangsprodukt für die nächste Phase der Arbeit. Jeder Arbeiter liefert das, was er hergestellt hat, zu dem anderen, der wiederum seine Tätigkeit ausführt und das Teilprodukt weitergibt bis, es zu einem Endprodukt wird. Alles wird gleichzeitig gemacht, und es wird die Möglichkeit geschaffen, größere Mengen vom gleichen Endprodukt anzufertigen. In der gleichen Zeit wird mehr fertige Ware produziert, wobei keine zusätzliche Arbeitskraft ausführt. Die Arbeit wird damit einförmig. Typisch für die Manufaktur ist die Abhängigkeit der Arbeiter voneinander. Der Prozeß läuft ununterbrochen ab, gleichzeitig und räumlich nebeneinander gestellt. Hier funktionieren die Gesetze der Gleichförmigkeit, der Regelmäßigkeit und der Ordnung.

Es gibt ein festes Verhältnis für den qualitativen Umfang. Wenn eine Teilarbeit mehr Zeit beansprucht, dann werden in Manufakturen mehrere Teilarbeiter angestellt, die die gleichen Funktionen ausfüllen. Die Anzahl von Arbeitern für eine Sonderoperation besteht aus homogenen Elementen und bleibt ein Organ des Gesamtmechanismus. Wenn ein Glied in diesem Organismus fehlt, ist der Organismus nicht mehr gesund (Marx, Dietz, S. 366). Die Manufaktur entwickelt sich zu Kombinationen verschiedener Manufakturen weiter. Die Verbindung zwischen den Manufakturen ist die gleiche, wie bei den Teilarbeitern in einer Manufaktur. Solche Manufakturen sind aber keine technischen Einheiten, das geschieht in den maschinenmäßigen Betrieben.

Die Verminderung der Arbeitszeit in der Manufakturperiode, die zur Warenproduktion notwendig ist, führt zu dem Gebrauch von Maschinen. Es werden Maschinen für die einfachsten Prozesse verwendet, die mehr Kraft beanspruchen, wie zum Beispiel in der Metallurgie zum Zerstoßen der Erze durch Pochmühlen. Die Maschinerie hat eine einfache Rolle, und das wurde schon von Adam Smith erkannt. Jedoch verstand er nicht richtig, als er sagte, daß die Teilarbeiter der Manufaktur selbsttätig waren bei der Maschinenerfindung (Marx, Dietz, S. 369). Laut Marx war das Arbeit für Gelehrte oder Handwerker. Ich glaube, hier beginnt die eigentliche Aufteilung zwischen geistiger Arbeit und Muskelarbeit. Schon im 17. Jahrhundert war die Mathematik Treibkraft für Mathematiker und Gelehrten, und damals wurde auch die Grundlage für die moderne Mechanik geschaffen. Die typische Maschinerie der Manufakturperiode bleibt der aus vielen Teilarbeitern kombinierte Gesamtarbeiter selbst. Nicht alle Teilarbeiter haben die notwendigen Eigenschaften für die bestimmten Teilarbeiten. Es findet eine Teilung, eine Klassifizierung und eine Gruppierung der Teilarbeiter statt (Marx, Dietz, S. 369- 370). Diese Teilung führt zu sozialen Differenzierungen auf verschiedenen Ebenen. Diese soziale Differenzierung wird nach Eigenschaften, Beruf und Ausbildung durchgeführt. Die Unterscheidung nach Eigenschaften, wie Geschick, Schnelle und Qualität der Arbeit, gibt dem einzelnen Teilarbeiter die Möglichkeit, bessere berufsgezielte Ausbildung zu bekommen. Soziale Differenzierung ist auch die Teilung in Meister und Arbeiter oder Teilarbeiter. Einerseits gibt es Beziehungen zwischen Meister und Arbeiter. Andererseits gibt es damit verbundene Teilung in guter Berufsausbildung und unzureichender Ausbildung. Außer diese Beziehungen gibt es Verhältnisse zwischen den einzelnen Teilarbeitern, die sowohl die gleichen Funktionen, als auch verschiedene Teiloperationen ausfüllen. Die Einseitigkeit und die Unvollkommenheit des Teilarbeiters werden zu einer Vollkommenheit als Glied des Gesamtarbeiters. Der Gesamtmechanismus zwingt ihn, mit der Regelmäßigkeit eines Maschinenteils zu wirken.

Die Manufaktur entwickelt eine Hierarchie der Arbeitskräfte, abhängig von der natürlichen und der erworbenen Geschicklichkeiten. Die Manufaktur erzeugt auch ungeschickte Arbeiter, die der Handwerksbetrieb streng ausschloß. Neben der Hierarchie gibt es geschickte und ungeschickte Arbeiter. Die Erlernungskosten sinken für die zum erstgenannten, weil sie eine einfache Funktion haben (im Vergleich mit dem Handwerksbetrieb), für die zweite fallen diese Kosten ganz weg. Das alles führt zur gemeinsamen Senkung der Arbeitskraft in der Manufaktur.

IV. Die Teilung der Arbeit innerhalb der Manufaktur und innerhalb der Gesellschaft

Die Teilung der Arbeit ist im Allgemeinen die Sonderung der Produktionsgattungen in Arten. Dies geht bis Teilung der Arbeit innerhalb einer Werkstatt. Marx betrachtet die Arbeitsteilung historisch innerhalb einer Familie, einem Stamm. Die Arbeitsteilung beginnt mit der Teilung nach Geschlechtsund Altersverschiedenheiten. Das nennt Marx psychologische Teilung (Marx, Dietz, S.371-373). Die Teilung der Arbeit beginnt mit dem Produktionstausch. Der Produktionstausch entspringt dort, wo Familien, Stämme, Gemeinwesen in Kontakt treten. Besonders wichtig ist der Übergang der Produkte zu Waren. Die Teilung der Arbeit entsteht durch den Austausch ursprünglich verschiedener, aber voneinander unabhängiger Produktionssphären. Mit dem Ausgangspunkt der psychologischen Teilung beginnt ein Warenaustausch mit fremden Gemeinwesen. Es kommt zu einem Zusammenhang der verschiedenen Arbeiten durch den Austausch der Produkte als Waren. Die Scheidung von Stadt und Land ist die Grundlage für den Warenaustausch, für eine neue Arbeitsteilung und für neue soziale Differenzierungen. Eine Voraussetzung für diese neuen sozialen Differenzierungen ist auch die Bevölkerungsgröße und ihre Bevölkerungsdichte. Die Dichte ist etwas Relatives z. B. Wenn die Kommunikationsmittel gut entwickelt sind, muß die Dichte auch nicht so groß sein.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Arbeitsteilung in Manufaktur und Industrie
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Sozial- und Arbeitssoziologie)
Veranstaltung
Soziale Differenzierungen
Note
1,7
Autor
Jahr
1994
Seiten
13
Katalognummer
V123205
ISBN (eBook)
9783640276226
ISBN (Buch)
9783640276318
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitsteilung, Manufaktur, Industrie, Soziale, Differenzierungen
Arbeit zitieren
Dr. Mariana Parvanova (Autor), 1994, Arbeitsteilung in Manufaktur und Industrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123205

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