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Elementarteilchen - Chiffre unserer Gegenwart

Konzepte für eine dramaturgische Adaption

Title: Elementarteilchen - Chiffre unserer Gegenwart

Term Paper (Advanced seminar) , 2000 , 36 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Magister Artium Daniel Kasselmann (Author)

Theater Studies, Dance
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Summary Excerpt Details

Ein Skandal ist eine öffentliche Auseinandersetzung, inder es teilweise
auch polemisch hergeht und in dem es mindestens zwei Parteien gibt -
den Auslöser und dessen Angreifer -, deren Meinung~n meist diametral
entgegengesetzt an den verschiedenen Enden der Meinungsskala angelegt
sind und die jeweils aufs Heftigste versuchen, die Öffentlichkeit
von ihrer Version von Wahrheit zu überzeugen. Damit die Angreifer jedoch
überhaupt den entschiedenen Handlungsbedarf bemessen, muß
ihnen der Auslöser dafür schon einen derartigen meinungspolitischen
Zündstoff in die Hand liefern, an dem sie sich unproblematisch entzünden
und explodieren können, ohne dabei Gefahr zu laufen, allein mit ihrer
Meinung dazustehen; kurz einem richtigen Skandalauslöser ist bereits
die extreme Position inhärent; Mittelmaß vermag hingegen nicht,
eine Öffentlichkeit derart vorausberechenbar und quasiautomatisch in
zwei Lager zu spalten.
Als Michel Houellebecqs zweiter Roman unter dem französischen Originaltitel
"Les particules elementaires" 1998 im Pariser Verlag Flammarion,
und ein Jahr später in der deutschen Übersetzung unter dem Titel
"Elementarteilchen" beim Kölner DuMont Buchverlag, erschien, brauchten
die Leser nicht lange nach den skandalträchtigen Elementen zu suchen;
bereits alle Träger des genetischen Y-Chromosoms konnten sich
heftigst auf den Schlips und vielmehr noch sonstwohin getreten fühlen,
denn was in dem Satz: "aber seit Jahrhunderten erfüllten die Männer offensichtlich so gut wie gar keinen Zweck mehr" 1 eine Hauptfigur des Romans,
Michel, reflexiv zusammenfaßt, wird am Lebenslauf der zweiten
Hauptfigur Bruno dahingehend konkretisiert, daß Männer zur wahrer liebe
gänzlich unfähige, in ihrem pathologischen Libidinal-Hedonismus
untherapierbar gefangene, Perverse sind, die die sinnvolle Fortentwicklung
des Menschen nur bremsen und - da es keinerlei rettende Ausnahmen
unter ihnen gibt - deswegen abgeschafft werden müssen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. EINLEITUNG

1. Einführung in Thema, Ziele und Aufbau dieser Arbeit

2. Das Presseecho auf den Roman im deutschsprachigen Raum

3. Der Sioterdijk-Skandal anläßlich der Elmauer Rede

II. DIE THEMEN DES ROMANS „ELEMENTARTEILCHEN“

1. Der Individualismus der 68er als unreine Moral

2. Brunos pathologischer Libidinal-Hedonismus

3. Die Todesproblematik

4. Liebesunfähigkeit in Zeiten des medialen Konsumterrors

5. Der ORT als Symbol des Scheiterns kommunistischer Utopie

6. Individualismus führt in letzter Konsequenz zum Ritualmord

7. Am Ende: Wir klonen uns eine glückliche Gesellschaft

III. DER STIL DES ROMANS „ELEMENTARTEILCHEN“

1. Die wissenschaftlichen Passagen

2. Ist einfache Schreibweise Mangel künstlerischen Könnens?

IV. KONZEPTE FÜR EINE DRAMATURGISCHE ADAPTION

1. Der Schauplatz der Handlung

2. Die Figuren des Romans

3. Die Rolle des Chores

4. Konzepte für ein neues Ende

5. Beispielseequenz

V. VERSUCH EINES RESÜMEES

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Michel Houellebecqs Roman „Elementarteilchen“ hinsichtlich seiner Eignung für eine dramaturgische Adaption, indem sie die inhaltlichen Themen und den sprachlichen Stil analysiert und dabei auf den gesellschaftlichen Kontext sowie zeitgenössische Debatten reflektiert.

  • Analyse der gesellschaftskritischen Themen im Roman (Individualismus, Hedonismus, Konsumkritik).
  • Untersuchung des Stils und der wissenschaftlichen Passagen als Teil der Romanstruktur.
  • Entwicklung von Konzepten für eine moderne, postdramatische Theateradaption.
  • Diskussion des Scheiterns utopischer Entwürfe in der Gegenwart.
  • Erstellung einer exemplarischen dramaturgischen Sequenz.

Auszug aus dem Buch

3. Die Todesproblematik

Doch weitere Konzepte der 68er sind nicht eingelöst worden; auch das Konzept, in einer religionsfreien Gesellschaft die Problematik des Todes mit dem Konzept der ewigen Jugend und dem Körperkult zu besiegen:

Als junger Mann hatte Michel verschiedene Romane gelesen, die sich um das Thema des Absurden, der existentiellen Verzweiflung, der beständigen Leere der tage drehten; diese extremistische Literatur hatte ihn nur teilweise überzeugt..( ... ) Das war gegen Ende der 70er Jahre gewesen; er und Bruno waren zwanzig und fühlten sich schon alt. und das sollte so weitergehen: Sie sollten sich immer älter fühlen und sich dessen schämen. ihre Epoche würde bald eine noch nie erfolgte Wandlung vollziehen: Das tragische Gefühl des Todes sollte in der allgemeineren, etwas verschwommeneren Empfindung des Alterns aufgelöst werden.

Einerseits erinnert diese verschwommene Todesempfindung an Marguerite Duras:

Die Krankheit Tod. Worin liegt das Tödliche an der Krankheit Tod? Darin, daß der, der von ihr befallen ist, nicht weiß, daß er sie in sich trägt, ihn, den Tod. Und auch darin, daß er stirbt, ohne ein durch das Sterben im voraus geweihtes Leben gelebt zu haben, ohne irgendein Bewußtsein von Tod, in gleichwelchem Leben.

Doch gerade das Problem des bewußten Alterns, was hier von Michel in noch relativ harmloser Form reflektiert wird, bedeutet für die Anhänger der 68er das Scheitern am eigenen Ideal:

Sie gehörten einer Generation an, die - zum erstenmal in solchem Ausmaß - die Überlegenheit der Jugend über das reife Alter proklamiert hatte, und durften sich daher kaum wundern, ihrerseits von der Generation, die dazu bestimmt war, sie zu ersetzen, verachtet zu werden. Und der Körperkult schließlich, zu dessen Entfaltung sie maßgeblich mit beigetragen hatten, konnte sie, je mehr ihr Fleisch erschlaffte, nur dazu bringen, einen zunehmenden Ekel vor sich selbst zu empfinden.

Zusammenfassung der Kapitel

I. EINLEITUNG: Dieses Kapitel führt in das Thema ein, skizziert das Ziel der Arbeit, die dramaturgische Adaption, und beleuchtet das mediale Echo auf Houellebecqs Roman sowie Parallelen zur Sloterdijk-Debatte.

II. DIE THEMEN DES ROMANS „ELEMENTARTEILCHEN“: Hier werden die zentralen inhaltlichen Motive des Romans, wie der Individualismus, der Libidinal-Hedonismus und der Jugendkult, vor dem Hintergrund ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen analysiert.

III. DER STIL DES ROMANS „ELEMENTARTEILCHEN“: Dieses Kapitel untersucht die literarische Form des Romans, insbesondere den Einsatz wissenschaftlicher Passagen und die Kontroverse um die vermeintlich einfache Schreibweise.

IV. KONZEPTE FÜR EINE DRAMATURGISCHE ADAPTION: Hier werden konkrete ästhetische und strukturelle Ansätze für eine theatrale Umsetzung entworfen, inklusive Szenenbild, Figurencharakterisierung und einer Beispielsequenz.

V. VERSUCH EINES RESÜMEES: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und reflektiert über die Schwierigkeiten und Möglichkeiten einer dramaturgischen Transformation des Stoffes.

Schlüsselwörter

Michel Houellebecq, Elementarteilchen, Dramaturgie, Adaption, Individualismus, Hedonismus, Konsumgesellschaft, Jugendkult, Literaturwissenschaft, Theaterwissenschaft, Postdramatik, Utopie, Eugenik, Medialität, Gesellschaftskritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Michel Houellebecqs Roman „Elementarteilchen“ und entwickelt auf dieser Basis Konzepte für eine moderne, dramaturgische Adaption für das Theater.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit behandelt Themen wie die gesellschaftlichen Folgen des Individualismus, die Auswüchse des Hedonismus, den jugendzentrierten Körperkult und die Kritik an einer konsumorientierten, medial geprägten Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu prüfen, ob und wie die im Roman behandelten zeitgenössischen Phänomene und der spezifische Stil künstlerisch in eine zeitgemäße, postdramatische Theaterform übertragen werden können.

Welche wissenschaftliche Methodik wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine literatur- und theaterwissenschaftliche Untersuchung, die auf der Analyse des Primärtextes, einer Rezensionssynopse und der Anwendung dramaturgeschichtlicher Theorien (z. B. Marianne van Kerkhoven) basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Analyse der Themen des Romans, eine stilistische Untersuchung der Romanstruktur (insbesondere der wissenschaftlichen Passagen) und die Entwicklung szenischer Konzepte für die Bühne.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Houellebecq, Dramaturgie, Individualismuskritik, Konsumgesellschaft und postdramatisches Theater definieren.

Wie steht der Autor zur Darstellung der wissenschaftlichen Passagen im Roman?

Die Arbeit bewertet die wissenschaftlichen Passagen als kalkuliertes stilistisches Mittel, das die Kälte der dargestellten Welt widerspiegelt, und weist den Vorwurf reiner Langeweile zurück.

Warum wird das Klon-Ende des Romans für die Bühnenadaption abgelehnt?

Das Klon-Ende wird als dramaturgisch schwach und den Zuschauer bevormundend abgelehnt; stattdessen wird nach einem offeneren, konstruktiveren Ende gesucht.

Welche Rolle spielt die Medienkritik in diesem Konzept?

Medienkritik ist zentral; sie wird durch einen „medialen Chor“ aus Fernsehmonitoren auf der Bühne dargestellt, der den Konsumzwang und die wissenschaftlichen Diskurse der Vorlage rezitiert.

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Details

Title
Elementarteilchen - Chiffre unserer Gegenwart
Subtitle
Konzepte für eine dramaturgische Adaption
College
Ruhr-University of Bochum  (Institut für Theaterwissenschaft in der Fakultät für Philologie)
Grade
1,3
Author
Magister Artium Daniel Kasselmann (Author)
Publication Year
2000
Pages
36
Catalog Number
V123223
ISBN (eBook)
9783640276257
ISBN (Book)
9783640276370
Language
German
Tags
Elementarteilchen Chiffre Gegenwart Houellebecq Dramaturgische Adaption
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magister Artium Daniel Kasselmann (Author), 2000, Elementarteilchen - Chiffre unserer Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123223
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