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Sozioökonomische „Verwundbarkeit“ durch Globalisierung: Beispiele aus Lateinamerika

Title: Sozioökonomische „Verwundbarkeit“  durch Globalisierung: Beispiele aus Lateinamerika

Bachelor Thesis , 2007 , 46 Pages , Grade: 1

Autor:in: MSc Alex Glas (Author)

Geography / Earth Science - Regional Geography
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Welche Auswirkungen global ablaufende Prozesse auf die Menschen in Lateinamerika und andere Entwicklungsländer haben, ist nicht eindeutig empirisch belegbar. Bevölkerungsgruppen oder Regionen in Gewinner und Verlierer einzuteilen wird der Komplexität der ablaufenden Prozesse jedoch nicht gerecht. Während die Globalisierungsfolgen auf Volkswirtschaften noch relativ gut statistisch erfasst werden können, erfordert die Untersuchung der Auswirkungen auf Individuen (mikroökonomische Ebene) extrem langwierige und interdisziplinär angelegte Forschungen.
Der quantitative Zugang zu Verwundbarkeit und sozialer Ausgrenzung erweist sich als sehr schwierig, Verwundbarkeit ist ein mehrdimensionaler und dynamischer Prozess (Dittrich 2004). Zur Beurteilung von Verwundbarkeit ist die Verknüpfung von externen Verursachungsfaktoren und internen Reproduktionsbedingungen der verwundbaren Gruppen notwendig (Neuburger 2003). Aber auch die Reproduktionsverhältnisse von ausgegrenzten Menschen sind komplex und wandeln sich permanent. Die neuen Formen der Armut lassen sich auch deshalb nur schwer erfassen, weil sie sich wie der Begriff Exklusion schon vermuten lässt im informellen Sektor, in der Subsistenzproduktion oder in der Illegalität abspielen.
Um ein wenig Licht ins Dunkel der komplexen globalen Zusammenhänge zu bringen, werden im ersten Teil der Arbeit die multidimensionalen Prozesse Globalisierung und Verwundbarkeit (Vulnerabilität)einzugrenzen versucht.
Anschließend werden die Auswirkungen der Globalisierung im lateinamerikanischen Kontext von zwei Seiten erörtert. Zum einen anhand der sozioökonmischen Folgen von Teilbereichen der wirtschaftlichen Globalisierung wie Liberalisierung des Handels und der Finanzmärkte, Privatisierung, internationale Arbeitsteilung. Zum anderen werden Globalisierungszusammenhänge konkret an aktuellen Beispielen vorgestellt.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Globalisierung

2.1. Begriffsbestimmung: Globalisierung

2.2. Scheingewinner und Überflüssige

2.3. Der informelle Sektor

2.4. Globalisierung in Lateinamerika

3. Sozioökonomische Verwundbarkeit

3.1. Definition „Verwundbarkeit“

3.2. Das Sustainable Livelihoods Konzept

3.2.1. Livelihood Aktivitäten und Strategien

3.2.2. Livelihood Ressourcen

3.2.3. Institutionen, Organisationen und Makroökonomie

3.2.4. Verwundbarkeitszusammenhänge

3.2.5. Ergebnisse der Lebenssicherung

4. Sozioökonomische Verwundbarkeit in Lateinamerika

4.1. Verwundbarkeit durch Liberalisierung der Finanzmärkte

4.2. Verwundbarkeit durch internationale Arbeitsteilung

4.3. Verwundbarkeit durch Liberalisierung des Welthandels

4.4. Verwundbarkeit durch Privatisierung

5. Beispiele sozioökonomischer Verwundbarkeit aus Lateinamerika

5.1. Weshalb Chile und Brasilien?

5.2. Bergbau in Chile

5.3. Anbau von Tafeltrauben in Chile

5.4. Fragmentierung und Segregation in lateinamerikanischen Städten

5.4.1. Segregation

5.4.2. Ursachen der multifragmentierten Stadt

5.4.3. Resultat der Segregation

5.4.4. Condominios

5.4.5 Zusammenfassende Beurteilung der stadträumlichen Entwicklung

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die sozioökonomischen Auswirkungen von Globalisierungsprozessen auf die Verwundbarkeit der Bevölkerung in Lateinamerika. Dabei wird analysiert, wie wirtschaftliche Liberalisierung und strukturelle Veränderungen zur räumlichen Fragmentierung und sozialen Ausgrenzung beitragen.

  • Sozioökonomische Verwundbarkeit durch Globalisierung
  • Informeller Sektor und Überlebensstrategien
  • Strukturwandel der lateinamerikanischen Landwirtschaft
  • Sozialräumliche Segregation und Condominios
  • Wirtschaftliche Liberalisierung und ihre Folgen für die Armut

Auszug aus dem Buch

3.1. Definition „Verwundbarkeit“

Das Konzept der gesellschaftlichen Verwundbarkeit basiert auf der Einsicht, dass die Gefährdung der Lebensgrundlagen alleine mit der wirtschaftlichen Situation nicht erklärt werden können. Auch Naturkatastrophen sind nicht allein für die für Überlebenskrisen verantwortlich. Während Armut das Ausmaß eines Zustandes beschreibt, beinhaltet Vulnerabilität auch eine vorhersagbare Qualität. Die Frage „Was passiert mit bestimmten Menschengruppen unter dem Einfluss verschiedener Risiken und Katastrophen?“ wurde in ein Konzept gefasst.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger von 1998 Amartya K. Sen bemerkte durch die Analyse der indischen Hungersnot 1993, dass Hunger nicht durch die Verringerung des tatsächlichen Nahrungsmittelangebotes entsteht, sondern wenn Menschen keine Möglichkeit haben, die vorhandenen Nahrungsmittel zu erwerben. Er stellte fest, dass Verfügungsrechte (entitlements), die den Zugang zu Ressourcen ermöglichen, sehr unterschiedlich sein können: Landbesitz und der eigene Anbau von Nahrungsmitteln fallen ebenso darunter, wie die Möglichkeit, subventionierte Nahrungsmittel zu kaufen. Dazu kommt ausreichend entlohnte Beschäftigung, die Menschen in die Lage versetzt ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen, und ein soziales Sicherungssystem.

Ressourcen, die ein Individuum tatsächlich besitzt, werden als Kapitalien/ Aktiva oder endowments/assets bezeichnet, Darunter fallen materielle Güter wie Land, Vieh, Produktionsmittel, ebenso wie etwa Wissen und Fähigkeiten, Arbeitskraft und die Zugehörigkeit zu sozialen Netzwerken. Krisen treten nach Sen dann auf, wenn sich das Verhältnis zwischen endowment set (Ressourcenausstattung) und dem entitlement set (Bündel an Verfügungsrechten) verschlechtert, d.h.: wenn sich die Möglichkeit der Menschen verringert ihre Ressourcen in Waren und Dienstleistungen umzuwandeln.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die komplexe Verflechtung von Globalisierung und Verwundbarkeit in Lateinamerika dar und umreißt den methodischen Zugang der Arbeit.

2. Globalisierung: In diesem Kapitel werden die ökonomischen Dimensionen der Globalisierung definiert, deren Einfluss auf die Entstehung von Scheingewinnern diskutiert und die Rolle des informellen Sektors beleuchtet.

3. Sozioökonomische Verwundbarkeit: Hier wird das theoretische Konzept der Verwundbarkeit fundiert und das Modell der nachhaltigen Lebensabsicherung (Sustainable Livelihoods) eingeführt.

4. Sozioökonomische Verwundbarkeit in Lateinamerika: Dieses Kapitel untersucht konkret die Auswirkungen von Finanzmarktliberalisierung, internationaler Arbeitsteilung und Privatisierung auf die Lebensgrundlagen der lateinamerikanischen Bevölkerung.

5. Beispiele sozioökonomischer Verwundbarkeit aus Lateinamerika: Die Fallstudien zum Bergbau, zum Anbau von Tafeltrauben in Chile sowie zur städtischen Segregation veranschaulichen die theoretischen Konzepte in der Praxis.

6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die neoliberale Gestaltung der Globalisierung die soziale Ungleichheit in Lateinamerika eher vertieft als beseitigt hat.

Schlüsselwörter

Globalisierung, Lateinamerika, Verwundbarkeit, Vulnerabilität, Sozioökonomische Disparitäten, Fragmentierung, Segregation, Informeller Sektor, Sustainable Livelihoods, Neoliberalismus, Condominios, Armut, Ressourcenausstattung, Wirtschaftsliberalisierung, Marginalisierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die negativen sozioökonomischen Folgen globaler wirtschaftlicher Prozesse für die Bevölkerung in Lateinamerika und betrachtet insbesondere die Entstehung neuer Armutsformen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Felder umfassen den informellen Sektor, den Einfluss der Globalisierung auf den Agrarsektor und die Industrie sowie die räumliche Trennung in lateinamerikanischen Städten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen makroökonomischen Liberalisierungsmaßnahmen und der individuellen Verwundbarkeit (Vulnerabilität) der Menschen aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Herleitung des Verwundbarkeitskonzeptes, kombiniert mit regionalen Fallbeispielen aus Chile und Brasilien.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil analysiert Mechanismen wie Privatisierung und internationale Arbeitsteilung sowie spezifische räumliche Ausdrucksformen von Ungleichheit, etwa gated communities (Condominios).

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie sozioökonomische Fragmentierung, Vulnerabilität, nachhaltige Lebensabsicherung und soziale Segregation beschreiben.

Was genau sind Condominios in diesem Kontext?

Condominios sind abgesperrte, privat bewachte Wohnviertel, die als extremste Form der sozialen Segregation dienen und den Wunsch der Oberschicht nach räumlicher Isolation widerspiegeln.

Welche Rolle spielt die Privatisierung für die Verwundbarkeit?

Die Privatisierung von Grundleistungen wie Wasser, Strom und öffentlichen Verkehrsmitteln entzieht einkommensschwachen Gruppen lebensnotwendige Subventionen und verschärft deren Armut.

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Details

Title
Sozioökonomische „Verwundbarkeit“ durch Globalisierung: Beispiele aus Lateinamerika
College
University of Salzburg
Grade
1
Author
MSc Alex Glas (Author)
Publication Year
2007
Pages
46
Catalog Number
V123269
ISBN (eBook)
9783640280360
ISBN (Book)
9783640283828
Language
German
Tags
Sozioökonomische Globalisierung Beispiele Lateinamerika
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
MSc Alex Glas (Author), 2007, Sozioökonomische „Verwundbarkeit“ durch Globalisierung: Beispiele aus Lateinamerika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123269
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