Geographische Aspekte der Globalisierung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000
22 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Was ist Globalisierung?

III. Globalisierung und Sozialgeographie

IV. Globalisierung und Wirtschaft

V. Ökologische Dimensionen der Globalisierung
Durch die Anreicherung der Atmosphäre mit langlebigen Treibhausgasen, provoziert der

VI. Global cities

Schlußbetrachtung

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Globalisierung ist ein modernes Phänomen, das sich durch die Entwicklung neuer Techniken und gesellschaftliche Fortschritte entwickelt hat. Durch diese Weiterentwicklungen rückt die Welt enger zusammen und steuert einen Zustand globaler Verflechtungen an, der Globalität.

Es werden neue Kulturformen geschaffen, und die Welt kann als ein transnationaler sozialer Raum gesehen werden. Der Nationalstaat muß seine Souveränität aufgeben und kann sich nicht vor dem globalen System abschotten, wie es noch vor einigen Jahrzehnten möglich war. Teilweise verlieren die Staatssysteme enorm an Bedeutung, da sie nicht mehr zwingend notwendig sind. Somit ist der Prozeß der Globalisierung ein ökonomisches und gesellschaftliches Phänomen, das von der Politik maßgeblich mitgetragen wird. Die Geographie, besonders die Humangeographie, vereint alle diese Wissensgebiete in sich, und so ist es von Interesse, die Auswirkungen der Globalisierung aus dem Blickwinkel der Teilgebiete Sozialgeographie, Wirtschaftsgeographie und aus ökologischer Sicht zu beleuchten.

II. Was ist Globalisierung?

Als Globalisierung können die Prozesse beschrieben werden, die ökonomische, gesellschaftliche und auch ökologische Verhältnisse immer mehr von konkreten Räumen ablösen. Das heißt, bestimmt Prozesse sind nicht mehr räumlich gebunden, sondern weisen eine zunehmende Verflechtung auf. Der Raum an sich, der lange Zeit als der geographische Untersuchungsgegenstand galt, verliert an Bedeutung, da sich die Gesellschaft von diesem lösen kann. Weltweite lokale Gegebenheiten können verknüpft werden, und es entstehen transnationale Kulturen. Durch diese Intensivierung weltweiter Beziehungen werden entfernte Orte miteinander verbunden und können durch Vorgänge geprägt werden, die sich viele Kilometer weiter ereignen. Somit geht es bei der Globalisierung nicht nur um die Vergrößerung, Ausweitung und Entgrenzung, sondern auch die Rückwirkungen dieser Prozesse sind wichtig.[1] Somit ist die Globalisierung nicht nur der Prozeß, der zu einer borderless world führt, sondern statt der einfachen Aufhebung der Grenzen findet ein

Strukturwandel statt. Ob dies zu einer Vereinheitlichung der Welt oder zu einer neuen gesellschaftlichen Vielfalt führt, ist umstritten.[2]

Der Prozeß der Globalisierung konnte in den letzten Jahren nur deshalb so schnell vorangetrieben werden, da sich einige Faktoren in dieser Zeit maßgeblich entwickelt haben.

Zu diesen Faktoren zählen:

- Die Entwicklung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien. Dadurch ist eine stärkere Anbindung und Reaktionsmöglichkeit von Märkten und auch politischen Systemen gewährleistet. Durch die große Anzahl von Datennetzen und schnellen, sowie weitreichenden Kommunikationskanälen „schrumpft“ die Welt im Sinne der Erreichbarkeit. Wirtschaftlich und gesellschaftlich gesehen verlieren Begriffe wie Raum und Zeit enorm an Bedeutung, da man von diesen nicht mehr in diesem Maße abhängig ist wie in vorangegangen Zeiten.
- Die Mobilität von Gütern hat auch aufgrund des relativ billigen Preises enorm zugenommen, und auch der Personentransport hat an Schnelligkeit gewonnen. Distanz ist überbrückbar geworden und zwar zu relativ geringem Aufwand.
- Organisatorische Fähigkeiten haben sich enorm gesteigert, womit nahezu an jeder Stelle der Welt eine effiziente und präzise Produktion installiert werden kann.
- Die große Bandbreite technologischer Entwicklungen erfordern eine weltweite Kooperation, da keine Nation in allen Bereichen kompetent, geschweige denn führend sein kann.
- In den Kreis der bisher vorherrschenden Wirtschaftsmächte dringen neue aufsteigende Staaten vor, die als Wettbewerber durchaus ernst zu nehmen sind, wie zum Beispiel Staaten aus Südostasien und Osteuropa.
- Bildung und Entstehung einer Vielzahl von überstaatlichen Organisationen, da nur eine Staatengemeinschaft in den Zeiten der Globalisierung handlungs- und kontrollfähig ist.
- Es findet ein Wertewandel statt, der bisherige traditionelle Institutionen erodieren läßt.
- Durch das fortschreitende Bevölkerungswachstum entstehen neue Arten der Migration, da regulierende Raumbegriffe an Bedeutung verlieren.[3] Durch diese Entwicklungen, besonders durch die Entwicklung neuer Transport- und Informationstechniken, gewinnen die Begriffe

Raum und Zeit eine vollständig neue Bedeutung. Die Welt rückt zusammen und kann immer öfter als Ganzes angesprochen werden und nicht mehr als Konglomerat verschiedener Systeme. Der Nationalstaat verliert an Souveränität und muß sein Handeln vor der internationalen Gemeinschaft verantworten. Somit hat die Globalisierung enormen Einfluß auf die gesellschaftlichen und ökonomischen Strukturen, sowie eine Vielzahl ökologischer Auswirkungen. Globalisierung ist als Prozeß zu sehen, der seit den Anfängen der Menschheitsgeschichte in Gang gesetzt wurde und seitdem mit wachsender Intensität und zunehmender Geschwindigkeit abläuft, ebenso mit der Aufklärung und dem Kapitalismus zusammenfällt und in jüngster Zeit eine Beschleunigung erfahren hat. Globalisierung bildet für das postindustrielle Zeitalter den charakteristischen Kern und kann als zeitgenössisches Phänomen angesehen werden.[4] Nicht abzustreiten ist jedoch, daß das Phänomen der Globalisierung erst in unseren Tagen an Bedeutung gewinnt und zu einem zentralen Punkt geworden ist.

III. Globalisierung und Sozialgeographie

Betrachtet man die Globalisierung auf gesellschaftlicher Ebene, so erkennt man die Tendenz, die Welt als globales Dorf anzusehen. Die Gesellschaft befindet sich in einem Prozeß der Denationalisierung, der eine Ausdehnung über die Grenzen des Nationalstaates hinaus bedeutet.[5] Möchte man Globalisierung sozialgeographisch erfassen, so ist dies in erster Linie die: “...empirisch zu erforschende Konsequenz der Wirksamkeit von Entankerungsmechanismen.“[6] Das heißt, die Gesellschaft ist räumlich und zeitlich entankert . Das Verhältnis Mensch-Raum ist im Umbruch, da sich das alltägliche Handeln in größere Dimensionen ausweitet. Globalisierung bezeichnet also: “..das Potential und die Faktizität einer bisher nicht erreichten räumlichen und zeitlichen Ausgreifens sozialer Beziehungen, deren Bedingungen und Folgen.“[7] Lokales Wissen ist nun jeden Individuum zugänglich und kann unabhängig von Raum und Zeit abgerufen werden, damit ist ein Handeln über die Distanz notwendig und Austauschprozesse gewinnen enorm an Geschwindigkeit. Die Ausbreitung von Innovationen zum Beispiel kann sich innerhalb kürzester Zeit ändern und

auch das Umfeld einer „Lebensform“ (Werlen 1997), die zwar in einem lokalen Kontext lebt, erfährt eine Ausdehnung der räumlich-zeitlichen Spannweite. Ein wichtiger Punkt, der diesen

Vorgang ermöglicht, ist die stetige Entwicklung der Kommunikationstechniken. Wie in Kapitel II. schon ausgeführt, ist diese eine der grundlegenden Voraussetzungen, um den Vorgang der Globalisierung und die damit folgende „Entankerung“ des Individuum von Raum und zeitlichen Dimensionen zu erreichen. Durch diesen Aufschwung der Kommunikation und der neuen Medien sind Informationen an jedem Ort der Welt verfügbar, was ein ganz neues Verhalten gewährleistet. Das heißt unterschiedliche soziale Systeme befinden sich in einer sozialen Gleichzeitigkeit. Es gibt keine zeitliche und räumliche Barriere, die einen Informationsaustausch verhindert. Kulturen und soziale Systeme können somit enger zusammenrücken, und es kommt zu einer Intensivierung weltweiter sozialer Systeme.[8] Dies bedeutet aber auch, daß lokale Handlungen von Geschehnissen mitgeprägt werden, die sich an weit entfernten Orten ereignen. Dadurch wird Globalisierung zu einem multidimensionalen Vorgang. Dieser Vorgang hat als Folge, daß durch die Entwicklung der Kommunikation und auch des Transportes eine neue Wahrnehmung der Welt erzeugt wird. Die Welt unterliegt einem Schrumpfungsprozeß. Die bis dahin bestehende traditionelle Lebensform, die im folgenden kurz beschrieben wird, muß sich in eine andere Lebensform umwandeln, da andere Entwicklungs- und Interaktionsvoraussetzungen gegeben sind.

Traditionelle Lebensformen sind, anders als im Zeitalter der Globalisierung, fest in einem bestimmten Raum-Zeit-Verhältnis verankert. Dadurch ist bedingt, daß sich diese Lebensformen nur in einem sehr engen individuellen Rahmen bewegen können und auch in ihren Entscheidungen sind ihnen erhebliche Grenzen gesetzt. Die Vorstellung von erlaubten und nicht erlaubten ist klar vorgegeben. Die Position in der Gesellschaft ist der traditionellen Lebensform klar vorgegeben. Hierbei spielen solche Kriterien wie Geschlecht, Alter und auch Herkunft eine zentrale Rolle. Diese räumliche Abgrenzung und Verankerung ergibt sich aus dem technischen Stand der Fortbewegungs- und Kommunikationsmittel. Allein durch den niederen Standard an Kommunikationsmitteln ist die face-to-face Kommunikation dominierend. Somit ergibt sich eine Beschränkung der interregionalen Kommunikation. Weiter entfernte Geschehnisse nehmen wenig Einfluß auf lokale Gegebenheiten.

Im Gegensatz zu diesen traditionellen Lebensformen entwickelt sich im Zeitalter der Globalisierung eine post-moderne Lebensform, die sich hauptsächlich auf die schon

erwähnten Fortschritte in der Transport- und Kommunikationstechnik gründet. Die post-moderne Lebensform weist keinerlei Bindung zu Raum und Zeit auf. Man kann diese Art von

Gesellschaftsform als „entankert“ (Werlen) bezeichnen. Diese Art von Gesellschaft kann sich nicht mehr auf Traditionen stützen, sondern muß sich andere Orientierungsinstanzen suchen. Auch die bei der traditionellen Gesellschaft vorhandene Stabilität ist bei post-modernen Lebensformen nicht mehr vorhanden. Soziale Transformationsprozesse treten an deren Stelle. Eine räumliche Kammerung tritt nicht mehr auf und wird durch globale Lebenszusammenhänge ersetzt. Es kommt zu einem Auftreten globaler Kulturen, Lebensformen und Stile, die nicht von traditionellen Positionen festgelegt wurden und nicht von vornherein festgelegt sind. Die Schaffung abstrakter Systeme ermöglicht die Aufrechterhaltung von Beziehungen jeglicher Art über größere Distanzen hinweg. Dieses entstehende globale Dorf zeichnet sich allerdings durch eine gewisse Anonymität aus und bringt eine Vielzahl von Veränderungen mit sich, auf die später noch eingegangen werden soll. Nicht nur in räumlicher Hinsicht ergibt sich ein Stabilitätsverlust, sondern auch zeitlich gesehen. Alle auszuführenden Praktiken orientieren sich an globalen Mustern. Da sich diese an einem großen Maß von Mobilität aufzeigen, genießt die post-moderne Lebensform ein Höchstmaß an Fortbewegungs-, aber auch Niederlassungsfreiheit. Diese hat eine Vermischung ehemals lokaler Kulturen zur Folge, die sich auf engstem Raum begegnen können. Durch Loslösung von starren Gebilden ist die Aufrechterhaltung von Lebensstilen und Lebenspolitik einem ständigen Einfluß und Wechsel unterzogen. Das Individuum benötigt deshalb ein hohes Maß an Bewußtsein und Selbststeuerung, um sich diesen Tendenzen anzupassen.[9] Räumliche Anwesenheit ist in der letzten Instanz der post-modernen Lebensform nicht notwendig. Migration und Pendlerbewegungen, aber auch Standortfaktoren werden durch diesen Umstand maßgeblich beeinflußt. Gerade durch die Nutzung hoch entwickelter Kommunikationsformen ist persönliche Anwesenheit oft nicht notwendig. Videokonferenzen und die Nutzung des Internets sind Möglichkeiten, zwar in einem globalen Kontext zu arbeiten, aber dennoch nicht räumlich und zeitlich abhängig zu sein. So ist es möglich, zu jeder Tages- und Nachtzeit eine Vielzahl von Aktivitäten zu steuern, die in der traditionellen Lebensform wegen räumlicher und zeitlicher Grenzen nicht ausgeführt werden konnten. Auch können ganze Arbeitsschritte von ein und dem selben Punkt aus ausgeführt werden, das eine Fortbewegung zum Arbeitsplatz unnötig macht. Folgen dieser Entwicklung sind, konsequent gesehen, eine völlige Nichtbeachtung des Raumes, da dieser nicht mehr

genutzt werden muß, um bestimmte Tätigkeiten auszuführen. In manchen Berufssparten ist es durchaus möglich, seine gesamte Arbeit von zu Hause aus zu erledigen. Dies bedeutet der

Wegfall von Pendlerbewegungen und den Wegfall von großen Bürokomplexen, da teilweise diese nicht mehr von Nöten sind. Die Distanz Wohnstätte-Arbeitsstätte verliert enorm an Bedeutung, da diese nicht mehr täglich oder überhaupt nicht mehr zurückgelegt werden muß. Sollte man diese doch aufsuchen müssen, so stehen hoch entwickelte Transportmittel zur Verfügung.

Doch der Zugang zu diesem globalen Gebilde ist nicht ohne Entgelt und der entsprechenden Technik zu erlangen. Doch dieser Fortschritt und auch die finanziellen Mittel, um sich einer globalen Gesellschaft anzuschließen, sind nicht gleich verteilt. Denn Kommunikation und Transport sind Waren, die kapitalistisch erzeugt und vermarktet werden und deshalb Geld kosten. Auch die Nutzung moderner Kommunikationstechniken, wie zum Beispiel des Internets, bringt einen finanziellen Aufwand mit sich. Man muß ein Telefon besitzen, einen Internetzugang und schließlich müssen diese Dienste auch bezahlt werden. Da aber diese finanziellen Mittel nicht gleich verteilt sind, haben manche Individuen keinen Anteil an der Globalisierung, da sie sich noch in einer anderen Lebensform befinden. Damit schafft Globalisierung eine Kultur der Ungleichheit. So kann also der Prozeß, der ein Zusammenwachsen der Welt initiieren soll, zu einer genauen Gegenströmung führen. “Die Globalität verstärkt die Gefahren einer weiteren systematischen Brutalisierung, ist also auch ein Vehikel für neue Nationalismen und Chauvinismen, für neue Trennungen, wenn die alten hinweggefegt werden .“[10] Dies bedeutet, daß die von Werlen beschriebene post-moderne Gesellschaft nur dann entstehen kann, wenn die technischen und auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen gegeben sind. Ansonsten existieren beide Lebensformen, die traditionelle und die post-moderne, nebeneinander und sind weit davon entfernt, Globalität zu erreichen, nämlich den Zustand globaler Verflechtungen, in denen sich kein Staat abschotten kann.

[...]


[1] Vgl. Koitsch, Günther: Aspekte der Globalisierung. In: Ulmensien: Schrifetnreihe der Universität Ulm. 1999

[2] Vgl. Koitsch, Günther: Aspekte der Globalisierung. In: Ulmensien: Schrifetnreihe der Universität Ulm. 1999

3 Steger, Ulrich (Hrsg.): Globalisierung der Wirtschaft. Berlin/Heidelberg. 1996: S.4

[4] vgl. Werlen, Benno: Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierungen. Stuttgart.1997

[5] Beisheim, Marianne: Im Zeitalter der Globalisierung?. Baden-Baden. 1999: S. 18

[6] Werlen, Benno: Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierungen. Stuttgart.1997: S.237

[7] Werlen, Benno: Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierungen. Stuttgart.1997: S.234

[8] Werlen, Benno: Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierungen. Stuttgart.1997: S.235

[9] vgl. Werlen, Benno: Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierungen. Stuttgart.1997

[10] Altvater, Elmar: Grenzen der Globalisierung. Münster. 1996 :S. 49

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Geographische Aspekte der Globalisierung
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Geographie und Geoökologie)
Veranstaltung
Humangeographie
Note
2
Autor
Jahr
2000
Seiten
22
Katalognummer
V123288
ISBN (eBook)
9783640280476
ISBN (Buch)
9783640283873
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geographische, Aspekte, Globalisierung, Humangeographie
Arbeit zitieren
Martin Scherf (Autor), 2000, Geographische Aspekte der Globalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123288

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