Die Kommunikation ist ein Prozeß der Mitteilung, bei dem Informationen der
verschiedensten Art ausgetauscht werden. Die Informationen können durch eine große
Anzahl von Kommunikationsmitteln übertragen werden. Diese Träger der
Informationen müssen nicht zwangsläufig Sprache oder Schrift sein. Diese Medien, also
Mittel der Informationsweitergabe, entwickelten sich zwangsläufig nach den
ursprünglichen Medien der Informationsweitergabe, der Gestik und der Mimik, die
jedoch einzeln als auch sprachbegleitend sein können. Nun stellt sich hier die Frage,
wann Gestik und Mimik als Medium der Kommunikation eingesetzt werden. Zuvor
sollen jedoch die Begriffe geklärt werden. Der Begriff Gestik hat seine Ursprünge im
lateinischen Wort gestus, was so viel wie die redebegleitende Gebärde bedeutet.
Besonders in der Antike wurde die actio der Kommunikation in die vox (
Stimmführung) und in die motus (Bewegung) unterteilt. Diese Bewegung wird von
Quintilian in vultus (Mimik) und gestus unterteilt.1 Die Mimik bezeichnet die
Bewegungen des Kopfes, des Gesichts, der Augenbrauen und der Augen, sowie der
Schultern. Ursprünglich bedeutet das Wort Mimik, das aus dem griechischen Wort
Μιμος entstanden ist, die darstellende, begleitende, erklärende und auch
nachahmende Bewegung. Die Gestik bezeichnet er als die Bewegung der Finger und
der Hände, wobei die Arme bei ihm weniger Bedeutung einnahmen. Das lateinische
Wort gestus wird nach der Wurzel von gero, gerere gebildet. Dies bedeutet tragen oder
machen. Aus dem Substantiv gestus wird das Verb gestire gebildet, das besonders im
Zusammenhang mit Gesten gebraucht wird, die ein Gefühl ausdrücken. Insbesondere in
römischer Zeit wurde das Gefühl der Freude mit dieser Vokabel ausgedrückt. Die
Bewegung (motus) als Oberbegriff von gestus und vultus kann die gleiche Bedeutung
wie gestus einnehmen. Hier wird die Körperbewegung gemeint (motus corporis). Im
Griechischen gibt es für beide Begriffe nur eine Entsprechung, nämlich das Wort
Κινησις (Bewegung).2 Die Wissenschaft, die sich mit der Bedeutung der
Körpersprache beschäftigt, wird auch Kinestik genannt. Hier spielt auch der Begriff der
Gebärde eine Rolle, da sie ähnlich wie die Gestik als Informationsübermittler dient,
sogar in mannigfaltiger Form. [...]
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Gründe und Bedeutung der nonverbalen Kommunikation
III. Gestik und Mimik in der Antike
IV. Die Bedeutung der Gestik im Mittelalter
V. Der Körper als Medium
VI. Schlußbemerkung
VII. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion von Gestik und Mimik als zentrales Medium der zwischenmenschlichen Kommunikation, ausgehend von der Antike bis hin zum Mittelalter. Es wird analysiert, inwiefern nonverbale Signale sowohl sprachbegleitend als auch als eigenständiger Ersatz für das gesprochene Wort fungieren und welche Rolle der menschliche Körper als Informationsträger im historischen Kontext einnimmt.
- Grundlagen und Definition der nonverbalen Kommunikation
- Die rhetorische und soziale Funktion von Gestik in der Antike
- Die Bedeutung von Gebärden und Gestik im Mittelalter
- Der menschliche Körper als Kommunikationsmedium in verschiedenen Epochen
- Vergleich zwischen sprachgebundener und nonverbaler Kommunikation
Auszug aus dem Buch
IV. Die Bedeutung der Gestik im Mittelalter
Die Gestik gewann im Mittelalter ungemein an Bedeutung. Stellte die Gestik in vorangegangener Zeit ein Mittel dar, mit dem Sachverhalte verdeutlicht oder auf einfache Weise dargestellt werden konnte, so kam der Gestik und der Gebärde im Mittelalter teilweise die Bedeutung von Gesetzen oder verbindlichen Versprechungen zu. Die Kultur des Mittelalters wird auch eine Kultur der Geste genannt, da den Gesten im Mittelalter eine enorme Bedeutung zukommen. Dies ist vor allen Dingen drauf zurückzuführen, daß im Mittelalter eine gewisse Unzulänglichkeit der Sprache herrschte.
Erst im 13. Jahrhundert gewinnt die Schriftsprache an Bedeutung und löst die Mündlichkeit als Träger von Verbindlichkeiten ab. Allerdings existierten beide Systeme nicht getrennt voneinander, sondern liefen in anderer Gewichtung nebeneinander parallel. Das ist auch in der Verbreitung der Schrift begründet. Die Bildung war eine Domäne der Kirche und somit war die Schrift der Verbreitung des Wort Gottes vorbehalten. Außerdem wurde auf Latein geschrieben, der Sprache der Bibel und somit war das Schriftliche nur einer kleinen Anzahl von Gebildeten zugänglich. Deshalb ist die Geste so bedeutungsvoll, da sie leicht verständlich und auch von weniger gebildeten Menschen zu verstehen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Definiert die Begriffe Gestik und Mimik, grenzt sie voneinander ab und führt in die wissenschaftliche Bedeutung der Körpersprache ein.
II. Gründe und Bedeutung der nonverbalen Kommunikation: Erläutert, warum Menschen nonverbal kommunizieren, und unterscheidet zwischen bewussten und unbewussten Signalen sowie dem Ersatz von Sprache.
III. Gestik und Mimik in der Antike: Analysiert den hohen Stellenwert von Gesten in der antiken Rhetorik, im sozialen Leben und im sakralen Kontext.
IV. Die Bedeutung der Gestik im Mittelalter: Untersucht die Funktion von Gesten als rechtsverbindliche Handlungen in einer Zeit, in der das geschriebene Wort weniger verbreitet war.
V. Der Körper als Medium: Reflektiert den Körper als universellen Informationsträger und vergleicht die Bedeutung nonverbaler Kommunikation über kulturelle und zeitliche Grenzen hinweg.
VI. Schlußbemerkung: Fasst zusammen, dass Kommunikation trotz des Wandels von Medien als unverzichtbarer Prozess besteht, wobei Gestik und Mimik zentrale Begleiter bleiben.
VII. Literaturverzeichnis: Listet die verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen auf.
Schlüsselwörter
Gestik, Mimik, Nonverbale Kommunikation, Körpersprache, Antike, Mittelalter, Rhetorik, Gebärden, Kommunikationstheorie, Kinestik, Informationsträger, Kulturgeschichte, Symbolik, Redekunst, Zeichensysteme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Rolle von Gestik und Mimik als wesentliche Kommunikationsmedien und untersucht deren Entwicklung und Funktionen im historischen Kontext von der Antike bis zum Mittelalter.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen die Definition von Körpersprache, die Bedeutung der Rhetorik in der Antike, die rechtliche und soziale Relevanz von Gesten im Mittelalter sowie die psychologischen Aspekte unbewusster nonverbaler Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie nonverbale Signale Informationen vermitteln, welche Rolle sie bei fehlender Schriftsprache spielten und warum der Körper ein unverzichtbares Medium der zwischenmenschlichen Verständigung ist.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die historische und kulturwissenschaftliche Quellen heranzieht, um die Entwicklung der Körpersprache und der rhetorischen Gestik theoretisch zu untermauern.
Welche Inhalte bilden den Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der rhetorischen Ausbildung in der Antike, die Rolle der Gebärde als rechtsverbindliches Mittel im Mittelalter und die Betrachtung des menschlichen Körpers als universelles Medium.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gestik, Mimik, nonverbale Kommunikation, Kinestik und die Unterscheidung zwischen sprachbegleitenden Gebärden und der Substitution des gesprochenen Wortes.
Warum wurde im Mittelalter der Gestik eine so hohe rechtliche Bedeutung beigemessen?
Da die Schriftsprache im Mittelalter nur einer kleinen Elite zugänglich war, fungierten Gesten als allgemein verständliche, öffentliche und sofort sichtbare Akte, die Versprechen und Verträge bekräftigten.
Inwiefern beeinflussten moderne Massenmedien die nonverbale Kommunikation?
Laut der Arbeit gewinnen Zeichen durch das Fernsehen und visuelle Kommunikationsmedien in der Neuzeit wieder an Bedeutung, da der Sender für den Empfänger sichtbar wird, was den rein verbalen Austausch ergänzt.
- Arbeit zitieren
- Martin Scherf (Autor:in), 2000, Gestik und Mimik als Medium der Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123289