Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Die Bedeutung des Wetters in Max Frischs "Homo Faber"

Titel: Die Bedeutung des Wetters in Max Frischs "Homo Faber"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2001 , 18 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Antje Wulff (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Zahlreiche Analysen des „Homo Faber“ haben sich bereits mit Aspekten wie der Wechselbeziehung zwischen Technik und Mensch oder der Schuldproblematik und ihren mythologischen Hintergründen befaßt.
Diesen soll hier ein Ansatz entgegen und/oder zur Seite gestellt werden, der sich auf die Darstellung des Wetters in Fabers „Bericht“ konzentriert. Wettergeschehen bildet einen kaum wegzudenkenden Teil des Romans; es wird häufig und mit wechselnder Intensität geschildert und scheint eine Vielzahl von Funktionen zu erfüllen. Diese näher zu beleuchten, ist das Ziel der vorliegenden Arbeit. Dabei soll zum einen auf die Bedeutung eingegangen werden, die das Wetter für Fabers Gesellschaft hat, zum anderen sollen aber auch eventuell bestehende Beziehungen zwischen Fabers Persönlichkeitsentwicklung und dem Wetter aufgedeckt werden. Ein solches Vorgehen könnte im Bestfall als ein Weg dienen, den Roman einmal aus anderer Perspektive aufzuschlüsseln und so vielleicht auch Zusammenhänge in den Vordergrund zu rücken, die bislang weniger
Beachtung gefunden haben.

[...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedeutung des Wetters für Fabers technische Welt

2.1 Wetter als das berechenbare „Übliche“

2.2 Wetter als unberechenbarer Störfaktor der technischen Welt

2.3 Wetter als Bedrohung für Körper, Geist und Seele

3. Wetter als symbolischer Spiegel und Katalysator von Fabers Entwicklungsprozeß

3.1 Die Fruchtbarkeitssymbolik

3.2 Motive von Vergänglichkeit und Tod

3.3 Blindheit und Sehen, Dunkelheit und Licht

4. Wetter als (strafende) Schicksalsmacht

5. Schluß

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die zentrale Rolle des Wetters in Max Frischs Roman „Homo Faber“. Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Wettergeschehen nicht nur die technische Welt des Protagonisten stört, sondern auch seinen inneren Reifeprozess vom rationalen Ingenieur zum erkenntnisfähigen Menschen symbolisch begleitet und vorantreibt.

  • Die Darstellung des Wetters als Spiegel des rationalen Selbstbildes von Walter Faber.
  • Wettererscheinungen als unvorhersehbare Störfaktoren für die moderne Zivilisation.
  • Die symbolische Verknüpfung von Wetter mit Fruchtbarkeit, Vergänglichkeit und Tod.
  • Die Entwicklung Fabers durch Licht- und Dunkelheitssymbolik im Wettergeschehen.
  • Die Deutung des Wetters als strafende Schicksalsmacht im Kontext von Fabers Schuld.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Fruchtbarkeitssymbolik

Walter Faber ist ein Mensch, der alles, was in irgendeiner Weise mit organisch-körperlichen Prozessen in Verbindung steht, am liebsten aus seinem Lebenshorizont verbannen würde. Das zeigt sich an seinem Rasierzwang ebenso wie an dem Verleugnen der Krankheit bis zuletzt und seinem Idealbild des Roboters (75). Da verwundert es wenig, daß er auch zu Fruchtbarkeit und Fortpflanzung ein gespaltenes Verhältnis hat. „Menschen sind keine Kaninchen, Konsequenz des Fortschritts: wir haben die Sache selbst zu regeln“ (105), argumentiert er beispielsweise für die Abtreibung und empfindet „Verwunderung“ und „Schreck“ (93) angesichts der Vorstellung, „wie Mann und Weib sich paaren“ (93). Der Dschungel von Guatemala führt ihm dann jedoch ein solches Übermaß an Fruchtbarkeit vor Augen, daß er es nicht mehr ausblenden kann. Die „schleimigen“ Himmelskörper, die „klebrige Luft“ (34), die extreme Hitze und Feuchtigkeit, die Stille und das allgegenwärtige Wetterleuchten schaffen eine Umgebung, die Assoziationen an die Ursuppe aufkommen läßt, in der alles Leben seinen Anfang nahm. „Es stinkt nach Fruchtbarkeit“ (51) und „wo man hinspuckt, keimt es!“ (51) Ein einziges Gewitter erschafft „Tümpel von schmutzigem Blut, Monatsblut, Tümpel voller Molche, nichts als schwarze Köpfe mit zuckenden Schwänzchen wie ein Gewimmel von Spermatozoen“ (68). Sogar Faber selbst wird, zumindest auf symbolischer Ebene, Teil dieses klimatischen Schöpfungszyklus: Auf der Rückfahrt von Palenque werden er und Marcel nachts von einem sintflutartigen Regenguß am Weiterfahren gehindert, dessen Ende sie im Innern des Landrovers abwarten. Die völlige Dunkelheit ringsum und der alles verschluckende Regen, der die Dschungelpflanzen glänzen läßt „wie Eingeweide“ (69), lassen die Wartezeit im schützenden Jeep wie eine Art „uterines Eingeschlossensein“ erscheinen. Dem entspricht auch, daß die Morgenröte den Blick auf zwei Menschen freigibt, die „naß von Schweiß und Regen und Öl, schmierig wie Neugeborene“ (69) sind. Kein Wunder also, daß Faber Ekel vor dem Wasser empfindet (69) und „froh [ist], nicht allein zu sein“ (69). Die klimatischen Bedingungen des Dschungels offenbaren ihm auf eindringliche Weise den Lebensursprung, dessen Erkennen als Teil des ewigen Kreislaufs des Lebens wesentlich sein wird für seine eigene „Wiedergeburt“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie das Wetter als bisher wenig beachtetes, aber zentrales Element im Roman „Homo Faber“ fungiert.

2. Bedeutung des Wetters für Fabers technische Welt: Dieses Kapitel beleuchtet, wie das Wetter das rationale und technikgläubige Weltbild Fabers stört und in Frage stellt.

2.1 Wetter als das berechenbare „Übliche“: Untersuchung der distanzierten, als kontrollierbar betrachteten Sichtweise Fabers auf meteorologische Phänomene.

2.2 Wetter als unberechenbarer Störfaktor der technischen Welt: Analyse von Wetterereignissen als Gegenspieler zur menschlichen Technik, besonders im Dschungel.

2.3 Wetter als Bedrohung für Körper, Geist und Seele: Darstellung der physischen und psychischen Auswirkungen extremer Klimabedingungen auf Faber.

3. Wetter als symbolischer Spiegel und Katalysator von Fabers Entwicklungsprozeß: Dieses Kapitel zeigt den Wandel Fabers durch die Wechselwirkung mit Wetterphänomenen auf.

3.1 Die Fruchtbarkeitssymbolik: Analyse der Dschungelumgebung als Konfrontation mit organischem Leben und dem Lebensursprung.

3.2 Motive von Vergänglichkeit und Tod: Untersuchung der symbolischen Bedeutung von Schnee und Wind im Kontext des nahenden Endes.

3.3 Blindheit und Sehen, Dunkelheit und Licht: Deutung der Lichtsymbolik als Metapher für Fabers fortschreitende Selbsterkenntnis.

4. Wetter als (strafende) Schicksalsmacht: Analyse der Wetterphänomene als Instanz, die Fabers Schuld widerspiegelt und die Sühne vorantreibt.

5. Schluß: Fazit über das facettenreiche Spektrum der Wetterbedeutungen und deren Bedeutung für die Entwicklung der Hauptfigur.

Schlüsselwörter

Max Frisch, Homo Faber, Walter Faber, Wettersymbolik, Technikgläubigkeit, Schicksal, Erkenntnisprozess, Vergänglichkeit, Tod, Fruchtbarkeit, Rationalismus, Blindheit, Lichtsymbolik, Dschungel, Lebenszyklus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die vielfältige Bedeutung und Funktion des Wettergeschehens in Max Frischs Roman „Homo Faber“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind das Spannungsfeld zwischen Technik und Natur, Fabers persönliche Entwicklung, die Konfrontation mit dem Tod sowie die Symbolik von Licht und Dunkelheit.

Was ist das primäre Ziel der Analyse?

Ziel ist es, den Roman durch die Perspektive der Wetterdarstellung neu zu erschließen und aufzuzeigen, wie Wetter als Spiegel und Katalysator für Fabers Wandel fungiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text auf Motive, Symbolik und die Entwicklung der Hauptfigur hin untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Wetters als Störfaktor der Technikwelt, als Spiegel von Fabers Reifeprozess sowie als schicksalhafte, strafende Macht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Wettersymbolik, Selbsterkenntnis, Entropie, Technikgläubigkeit und schicksalhafte Schuld.

Wie verändert sich die Wahrnehmung von Wetter durch den Protagonisten?

Faber beginnt als Ingenieur, der Wetter als rein berechenbare, untergeordnete Größe sieht, lernt jedoch im Verlauf der Handlung, sich auf die irrationale und elementare Macht der Natur einzulassen.

Welche Rolle spielt der Dschungel in der Analyse?

Der Dschungel fungiert als ein Ort extremer klimatischer Bedingungen, der Fabers rationales Weltbild durch die Konfrontation mit unkontrollierbarer Fruchtbarkeit und Verwesung nachhaltig erschüttert.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Bedeutung des Wetters in Max Frischs "Homo Faber"
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Hauptseminar: Der Held und sein Wetter
Note
1,0
Autor
Antje Wulff (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2001
Seiten
18
Katalognummer
V123321
ISBN (eBook)
9783640280605
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung Wetters Frischs Homo Faber Hauptseminar Held Wetter Thema Homo Faber
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Antje Wulff (Autor:in), 2001, Die Bedeutung des Wetters in Max Frischs "Homo Faber", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123321
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  18  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum