Pflege von Familienangehörigen

Auswirkungen der Pflege von Familienangehörigen auf das Leben der Pflegenden unter Beachtung geschlechtsspezifischer Unterschiede


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Pflege von Familienangehörigen
1. Die Pflegesituation in Deutschland
2. Übergreifende Einflussfaktoren auf die Pflegepersonen
2.1 Kulturelle Einflüsse
2.2 Geographische Faktoren
3. Pflegetätigkeit und deren Auswirkung auf die Pflegepersonen unter Betrachtung geschlechtsspezifischer Differenzen
3.1 Geschlechtsunterschiede bei den Pflegetätigkeiten
3.2 Geschlechtsspezifisch unterschiedliche Auswirkungen der Erbringung von Pflegeleistungen
3.3 Copingstrategien der Pflegepersonen
4. Fokus: Der männliche Umgang mit der Pflege von an Demenz erkrankten Partnern
4.1 Der männliche Umgang mit den Herausforderungen der Pflege
4.2 Copingstrategien der Männer

III. Diskussion

IV. Literaturverzeichnis

I. Einführung

Abseits von Altenheimen und Pflegeheimen findet die Pflege und Betreuung von pflegebedürftigen Familienangehörigen vielfach zuhause statt. Das Pflegen von Familienangehörigen ist eine Tätigkeit, die zumeist unendgeldlich erfolgt. Zwar gibt es von staatlicher Seite im Rahmen der Pflegeversicherung Zuschüsse, allerdings sind diese meist auf basale Tätigkeiten beschränkt und decken den notwendigen Bedarf kaum ab (Mayer 2006, 12).

Da die Wahrscheinlichkeit der Pflegebedürftigkeit mit zunehmendem Alter steigt, sind vor allem Haushalte mit älteren Personen betroffen. Vor dem Hintergrund steigender Lebenserwartung wird sich der proportionale Anteil der betroffenen Haushalte in Zukunft erhöhen. Nach Mayer (2006) wird besonders in den Jahren zwischen 2030 und 2050 die Anzahl unterstützungsbedürftiger Menschen ansteigen. Dies bedeutet, dass bei der Tendenz hin zu sinkender sozialer Absicherung durch den Staat immer mehr Pflegetätigkeiten durch Familienangehörige geleistet werden müssen. Die Pflege von Familienangehörigen wird zunehmend zu einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen. Die Hauptlast liegt dabei im Moment bei den Frauen. Diese Verteilung wurde in Zeiten traditioneller Rollenzuschreibungen ohne Weiteres hingenommen und auch in jüngerer Zeit dadurch legitimiert, dass Männern die notwendige Pflegekompetenz abgesprochen wurde. Eine derartige Legitimation scheint aber durchaus fragwürdig zu sein. Neuere Forschungen zeigen, dass Männer nicht schlechter, sondern schlicht anders mit der Pflegeaufgabe umgehen (Russel 2001, 2007).

Vor diesem Hintergrund wird im Folgenden das Thema ‚Pflege von Familienangehörigen’ unter besonderer Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede aufgearbeitet. Nach einem kurzen Überblick über die Pflegesituation in Deutschland, werden anhand quantitativer Studien neben der unterschiedlichen Aufgabenverteilung von Frauen und Männern im Pflegealltag, zunächst kulturelle und strukturelle Parameter vorgestellt, die einen Einfluss auf die Pflegeleistung haben. Daran anschließend werden Studien aufgegriffen, die sich mit den Auswirkungen der Pflegetätigkeit auf die Gesundheit der Pflegenden beschäftigen. Außerdem wird in einem Exkurs die Situation von männlichen Pflegepersonen von an Demenz erkrankten Partnerinnen kurz beleuchtet. Ein besonderes Augenmerk liegt hier auf einer spezifisch männlichen Herangehensweise. Grundlage dieses letzten Abschnittes sind qualitative Studien.

II. Pflege von Familienangehörigen

1. Die Pflegesituation in Deutschland

Nach den Ergebnissen der Pflegestatistik 2007, die vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht wird (Statistisches Bundesamt 2008) wurden im Jahr 2007 in Deutschland 2,25 Mio Menschen als pflegebedürftig eingestuft. Die Altersverteilung liefert ein klares Bild, so sind 83% „65 Jahre oder älter “ und immerhin „35% 85 Jahre oder älter“ (Statistisches Bundesamt 2008, 4). Von der Gesamtmenge aller Fälle wurden mehr als 1,5 Mio Pflegebedürftige zuhause und ca. 700 000 Personen in Pflegeeinrichtungen versorgt. Die häusliche Pflege leisten dabei zum großen Teil Angehörige. So erhielten 67% der Pflegebedürftigen lediglich Pflegegeld und wurden durch Familienangehörige versorgt, während nur 33% der noch zuhause lebenden Personen Pflegedienste in Anspruch nahmen (Statistisches Bundesamt 2008). Der Aufwand, der insgesamt von den informellen Pflegenden betrieben wird, ist enorm, vor allem, wenn man bedenkt, dass sich die Statistik nur auf die Bedürftigen bezieht, die auch als Pflegefälle eingestuft worden sind.

Die Ziffer derjenigen Personen die Angehörige pflegen, die keiner der drei Pflegestufen zugeordnet worden sind, ist noch höher. Nach vorsichtigen Schätzungen sind über 1,2 Mio Menschen in Deutschland in die Pflege von Familienangehörigen eingebunden. Die Hauptlast wird von Personen im Alter zwischen 40 und 64 Jahren (54%) geleistet. Aber auch die älteren Pflegenden (über 65 Jahre) machen mit 32% einen großen Anteil aus. Dabei fällt besonders in der Altersgruppe der Pflegenden zwischen 65 und 79 Jahren „die Verteilung der Pflegeleistungen zu Ungunsten der Frau auf“ (Mayer 2006, 18). Nach Angaben des BMFSFJ sind 73% Prozent der Pflegepersonen in diesem Alter weiblich und nur 27% männlich. Folglich werden auch weit mehr Männer (39%) in diesem Alter zuhause von ihren Ehefrauen betreut. Frauen dieses Alters werden hingegen nur zu etwa 22% von ihren Ehemännern gepflegt (Schneekloth 2005, 77). Noch gravierender sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede außerhalb von Ehen. Hier werden Männer in Deutschland noch weit seltener als Pflegepersonal für Familienangehörige aktiv. Wie Mayer (2006) unter Bezugnahme auf Gräßel (1998) berichtet könnte als mögliche Ursache hierfür das Rollenverständnis in der deutschen Gesellschaft gesehen werden. Dieses sieht ganz im Geiste der ‚klassischen Arbeitsteilung’ die Aufgabe des Mannes in der materiellen Ausstattung der Familie und schreibt ihm „Aktivitäten und Anerkennung außerhalb des Hauses zu“ (zit. nach Mayer 2006, 18). Dieses Rollenverständnis ist jedoch nicht spezifisch deutsch. Auch in anderen Kulturen, war bzw. ist eine ähnliche Rollenzuschreibung vorhanden.

2. Übergreifende Einflussfaktoren auf die Pflegepersonen

2.1 Kulturelle Einflüsse

Der Einfluss der Kultur auf das Ausüben von Pflegeleistungen für Personen aus dem familiären Umfeld ist weitreichend. Tarry und Kollegen (2007) identifizieren in ihrer Metaanalyse zu kulturellen Einflüssen auf die Pflegetätigkeit fünf Sektoren auf denen sich Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen ergeben. Ihre Beobachtungen beziehen sich dabei auf Forschungen zu Unterschieden zwischen Amerikanern afrikanischer, hispanischer und europäischer Herkunft.

Die Unterschiede manifestieren sich u.a. in den Familienverhältnissen bzw. -verständnissen. So leben beispielsweise ältere Amerikaner europäischer Herkunft seltener in Großfamilien als Amerikaner afrikanischer oder hispanischer Herkunft. Folglich stehen den beiden letztgenannten auch größere Verwandtenkreise zur Verfügung, die die Pflegetätigkeit ausüben können. So werden beispielsweise die ‚Hispano-Amerikaner’ oft nicht von ihrem Gatten/ ihrer Gattin gepflegt, sondern von anderen Familienmitgliedern (Tarry et al. 2007, 24). Daneben tragen ein breiteres Familienverständnis, das nicht nur genetisch Verwandte beinhaltet, und ein offeneres Rollenverständnis vor allem beobachtet bei jungen afroamerikanischen Männern, dazu bei, dass sich die Kreise der Pflegenden zwischen den Kulturgruppen unterscheiden (ebd., 25).

Weitere Unterschiede zwischen den Ethnien ergeben sich bezüglich des Gesundheitszustandes der Pflegepersonen, des soziökonomischen Status, kulturell wichtiger Werte und bezüglich der Stress und Coping Prozesse (Tarry et al. 2007). So weisen z.B. pflegende afroamerikanische Ehepartner eine schlechtere Gesundheit auf als pflegende europäischstämmige Amerikaner (zit. nach Tarry 2007, 25). Außerdem haben sie durchschnittlich niedrigere Bildungsabschlüsse, woraus sich im Mittel niedrigere Haushaltseinkommen ergeben, was eine formale Betreuung der pflegebedürftigen Personen erschwert. Hinsichtlich des Einflusses kultureller Werte ist besonders der bei den ‚Hispano- Amerikanern’ ausgeprägte Wert familism zu erwähnen. Dieser wird von Tarry und Kollegen als „feeling of loyalty and reciprocity towards one’s family“ (ebd., 26) beschrieben und führt dazu, dass die Pflegetätigkeit als weniger belastend wahrgenommen wird, als dies bei den europäischen Amerikanern der Fall ist. Der Einfluss dieses Phänomens variiert allerdings mit dem kulturellen Umfeld zwischen den Hispanics (Losada et. al. 2006).

Die Wahrnehmung einer geringeren Belastung korrespondiert jedoch nicht mit einem generell niedrigeren Stresslevel bei Minderheiten wie ‚Hispano-Amerikanern’. Wie Tarry et al. (2007) ableiten, resultiert bei Minderheiten eine seltenere Zugriffsmöglichkeit auf formale Unterstützung aus dem Mangel an finanziellen Ressourcen. Hierdurch geraten sie vermehrt unter Stress, den sie mit unterschiedlichen Coping-Strategien bekämpfen. Hier sind bei Afroamerikanern im Vergleich zu europäischen Amerikanern verstärkt emotional-based Copingstrategien verbreitet (Tarry et. al. 2007, 26).

[...]

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Details

Titel
Pflege von Familienangehörigen
Untertitel
Auswirkungen der Pflege von Familienangehörigen auf das Leben der Pflegenden unter Beachtung geschlechtsspezifischer Unterschiede
Hochschule
Universität Mannheim  (Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Qualitative und Quantitative Perspektiven der Alter(n)sforschung
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V123353
ISBN (eBook)
9783640280834
ISBN (Buch)
9783640336623
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Dozenten: Insgesamt eine sehr runde Arbeit, Note: 1,0.
Schlagworte
Pflege, Familienangehörigen, Qualitative, Quantitative, Perspektiven, Alter(n)sforschung
Arbeit zitieren
Christian Franke (Autor), 2009, Pflege von Familienangehörigen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123353

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