Eine gelingende Lebensführung und Lebensbewältigung kann aufgrund der immer größer werdenden Komplexität und Individualisierung für eine Vielzahl von Menschen zu einem großen Problem werden, welches Hilfe von Fachkräften notwendig werden lässt. Die Forschungsgruppe um G.G. Voss
beleuchtete den Alltag der Menschen unter vielen verschiedenen Gesichtspunkten. Der Aufgabenstellung folgend wird das entstandene Konzept der Alltäglichen Lebensführung zunächst in seinen Grundzügen dargestellt. Im Anschluss folgt die Eignungsprüfung dieses Konzeptes für die Soziale Arbeit anhand der Arbeit in der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen, basierend auf persönlichen Erfahrungen, die während des Einführungspraktikums in der Diakonie am Thonberg in Leipzig gesammelt wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. LEBENSFÜHRUNG ALS TÄTIGKEITSZUSAMMENHANG
2. ALLTÄGLICHE LEBENSFÜHRUNG ALS AKTIVE KONSTRUKTION DES INDIVIDUUMS
3. PERSONALE, SOZIALE UND STRUKTURALE EIGENLOGIK DER ALLTÄGLICHEN LEBENSFÜHRUNG
3.1 PERSONALE EIGENLOGIK UND VERSELBSTÄNDIGUNG DES ALLTAGS
3.2 SOZIALE UND STRUKTURALE EIGENLOGIK
4. ZUSAMMENFASSUNG WESENTLICHER MERKMALE DES SYSTEMS DER ALLTÄGLICHEN LEBENSFÜHRUNG NACH G. G. VOß
5. EIGNUNGSPRÜFUNG ALLTÄGLICHER LEBENSFÜHRUNG ALS GEGENSTAND DER SOZIALEN ARBEIT MIT BEHINDERTEN MENSCHEN
5.1 KURZDARSTELLUNG DER EINRICHTUNG UND TÄTIGKEITEN DES BEGLEITENDEN SOZIALDIENSTES
5.2 GRUNDLEGENDE FRAGESTELLUNGEN ZUR AUSGANGSLAGE
5.3 ALLGEMEINE ERKENNTNISSE BEZÜGLICH ALLTÄGLICHER LEBENSFÜHRUNG BEHINDERTER MENSCHEN IN DER WERKSTATT
5.4 STRUKTURDIMENSIONEN AM BEISPIEL DES WERKSTATTALLTAGS UND JEWEILIGE AUFGABEN DES SOZIALDIENSTES
5.4.1 SINNHAFTE DIMENSION
5.4.2 RÄUMLICHE DIMENSION
5.4.3 ZEITLICHE DIMENSION
5.4.4 SOZIALE DIMENSION
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das soziologische Konzept der "Alltäglichen Lebensführung" nach G. G. Voss und prüft dessen Eignung für die Soziale Arbeit, insbesondere im Kontext einer Werkstatt für behinderte Menschen.
- Theoretische Fundierung des Konzepts der alltäglichen Lebensführung.
- Analyse der aktiven Konstruktion von Alltag durch das Individuum.
- Untersuchung der strukturalen, sozialen und personalen Eigenlogik des Alltags.
- Anwendung des Konzepts auf die Arbeit des Sozialdienstes in einer Werkstatt für behinderte Menschen.
- Reflexion der Rolle der Sozialen Arbeit bei der Förderung der Selbstbestimmung behinderter Menschen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Personale Eigenlogik und Verselbständigung des Alltags
Obwohl der Mensch seinen Alltag aktiv konstruiert, ist er dabei nur bedingt autonom, und ein gelingender Alltag ist nicht von ihm allein abhängig (vgl. Voß, 1995, S. 35). Der Mensch ist ein Gewohnheitsstier und durch das tägliche Tun und Machen entwickelt sich allmählich ein gewisser Alltagstrott, welcher sich meist völlig unbewusst einschleift. Viele Abläufe geschehen automatisch, ohne dass sich das Individuum diese noch einmal völlig bewusst macht. Und plötzlich wird festgestellt, dass sich diese Art und Weise der Lebensführung gar nicht so leicht ändern lässt. Nicht wenige Menschen befinden sich tagtäglich in einem Hamsterrad, arbeiten viel und übernehmen eine Aufgabe nach der anderen. Erst mit einem reflexiven Blick stellen sie verwundert oder gar verärgert fest, dass sich bestimmte Abläufe so manifestiert haben, dass es schwer fällt, diese wieder aufzubrechen, auch wenn sie als belastend empfunden werden.
Hat sich, allgemeiner formuliert, also eine gewisse Struktur verfestigt und stabilisiert, setzt eine Art Selbstverstärkung ein und einst locker fließende Tätigkeitskanalisierungen weichen einer relativ starren Struktur, die sich unabhängig von ihrem Erzeuger verobjektiviert hat (vgl. Voß, 1991, S. 274). Subjektiv gesehen, entfremdet sich das Individuum durch das Eigenleben der Lebensführung (vgl. Voß, 2001, S. 212). Wird diese Struktur als relativ unproblematisch, reibungslos oder gar angenehm empfunden, führt dies wiederum zu einer Verfestigung und somit zu einer emergenten Struktur der Alltagsbewältigung, die meist nicht bewusst hergestellt wurde und trotzdem durch das betreffende Individuum zu verantworten ist (vgl. Voß, 1991, S. 274). Diese relative Verselbständigung und Verobjektivierung des Alltags trotz seiner Gebundenheit an die Person ist jedoch eine wichtige Vorraussetzung für sein Funktionieren, weil dem Leben dadurch Kontinuität, Stabilität und auch Identität verliehen wird (vgl. Voß, 2001, S. 212).
Zusammenfassung der Kapitel
1. LEBENSFÜHRUNG ALS TÄTIGKEITSZUSAMMENHANG: Definiert den Begriff der alltäglichen Lebensführung als Gesamtheit aller praktischen Tätigkeiten und betont die Synchronie des Alltags.
2. ALLTÄGLICHE LEBENSFÜHRUNG ALS AKTIVE KONSTRUKTION DES INDIVIDUUMS: Erläutert, dass Lebensführung kein starres Gebilde ist, sondern durch das Individuum aktiv mitgestaltet wird, wenngleich innerhalb sozialer Rahmenbedingungen.
3. PERSONALE, SOZIALE UND STRUKTURALE EIGENLOGIK DER ALLTÄGLICHEN LEBENSFÜHRUNG: Analysiert die habituelle Verselbständigung des Alltags durch Routinen sowie die gesellschaftliche Einbindung des Individuums durch vertragsartige Arrangements.
4. ZUSAMMENFASSUNG WESENTLICHER MERKMALE DES SYSTEMS DER ALLTÄGLICHEN LEBENSFÜHRUNG NACH G. G. VOß: Fasst die Kernaussagen zusammen, insbesondere die funktionale Ausdifferenzierung und die entstehende Strukturträgheit durch eingespielte Lebensarrangements.
5. EIGNUNGSPRÜFUNG ALLTÄGLICHER LEBENSFÜHRUNG ALS GEGENSTAND DER SOZIALEN ARBEIT MIT BEHINDERTEN MENSCHEN: Überträgt das theoretische Modell auf die Praxis in der Behindertenhilfe und beleuchtet die verschiedenen Strukturdimensionen im Werkstattalltag.
6. FAZIT: Resümiert die Eignung des Konzepts für die Soziale Arbeit und betont die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Sichtweise der Fachkräfte auf die Kompetenzen der Klienten.
Schlüsselwörter
Alltägliche Lebensführung, G. G. Voss, Soziale Arbeit, Behindertenhilfe, Werkstatt für behinderte Menschen, Lebensbewältigung, Strukturträgheit, Soziale Eigenlogik, Empowerment, Alltag, Selbstbestimmung, Handlungsspielraum, Sozialpädagogik, Tätigkeitszusammenhang, Inklusion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Untersuchung des Konzepts der „Alltäglichen Lebensführung“ nach G. G. Voss und dessen praktischer Anwendung in der Sozialen Arbeit, speziell in einer Werkstatt für behinderte Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die soziologische Theoriebildung des Alltags, die aktive Gestaltung der Lebensführung durch den Menschen, die Herausforderungen durch Routinen sowie die konkrete Unterstützung behinderter Menschen durch Sozialarbeiter.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das Konzept der Alltäglichen Lebensführung darzustellen und dessen Eignung als methodischen Gegenstand für die Soziale Arbeit mit Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse soziologischer Fachliteratur und verknüpft diese mit eigenen praktischen Erfahrungen, die während eines Einführungspraktikums in der Diakonie am Thonberg gesammelt wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen nach Voss erläutert, gefolgt von einer detaillierten Eignungsprüfung für die Soziale Arbeit, unterteilt in verschiedene Strukturdimensionen (sinnhaft, räumlich, zeitlich, sozial).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Alltägliche Lebensführung, Soziale Arbeit, Behindertenhilfe, Empowerment und Alltagsbewältigung charakterisiert.
Warum spielt die „Strukturträgheit“ eine wichtige Rolle für behinderte Menschen?
Strukturträgheit bedeutet, dass sich eingespielte Routinen nur schwer ändern lassen. Für behinderte Menschen bietet diese Stabilität oft Sicherheit, kann jedoch gleichzeitig die Anpassung an neue Anforderungen erschweren.
Wie unterstützt der Sozialdienst den Alltag in der Werkstatt?
Der Sozialdienst bietet Kurse zur Alltagskompetenz an, begleitet die individuelle Förderplanung und hilft den behinderten Menschen dabei, ihre Ressourcen zu stärken, um eine zunehmend eigenständige Lebensführung zu ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Virginia Koch (Autor:in), 2008, Theorie der Alltäglichen Lebensführung nach G.G.Voss am Beispiel eines behinderten Menschen in der WfbM, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123374