Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Fertilitätsrückgang in den Entwicklungsländern nach 1950 sowie deren Dynamik, Ursachen und regionaler Differenzierung. Bei der Betrachtung der Dynamik werden die Phasen der Fertilitätsentwicklung von 1950 bis heute betrachtet und dargestellt. In einem weiteren Schritt wird die Beziehung von Fertilität zu den drei Faktoren Wirtschaft, Modernisierung und Familienplanung erläutert. Abschließend wird anhand eines ausgewählten Beispiels (Afrika) die regionale Differenzierung betrachtet und analysiert. Wichtig ist die Betrachtung des Fertilitätsrückganges nicht nur hinsichtlich der Bedeutung wirtschaftlicher und sozialer Folgen für die Entwicklungsländer, sondern auch im Bezug auf die weltweite Tragfähigkeitsdebatte. Auffällig ist dabei, dass die Entwicklung der Fertilitätsrate (TRF) nicht nur zwischen den Entwicklungsländern unterschiedlich ausgebildet ist, sondern auch innerhalb der einzelnen Länder eine starke Differenzierung aufweist. Ursachen und Folgen dieser Entwicklungen sollen in der Folge betrachtet, visualisiert und analysiert werden. Grundlegend ist zu Beginn die Definition des Begriffs Fertilität sowie der daraus abgeleiteten Fertilitätsrate.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. FERTILITÄT: GRUNDLAGEN, DEFINITION
3. DYNAMIK: FERTILITÄTSENTWICKLUNG IN DEN ENTWICKLUNGSLÄNDERN (1950-2008)
4. URSACHEN FÜR DEN FERTILITÄTSRÜCKGANG
4.1 FERTILITÄT UND WIRTSCHAFTLICHE FAKTOREN
4.2 FERTILITÄT UND MODERNISIERUNGSINDIKATOREN
4.3 FERTILITÄT UND FAMILIENPLANUNGSPROGRAMME UND KONTRAZEPTIVA
5. REGIONALE DIFFERENZIERUNG: DAS BEISPIEL AFRIKA UND ENTWICKLUNGSPERSPEKTIVEN
6. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Fertilitätsrückgang in Entwicklungsländern seit 1950, wobei sie die Dynamik, die zentralen Ursachen sowie regionale Differenzierungen am Beispiel Afrikas analysiert, um Zusammenhänge zwischen ökonomischen, sozialen und demographischen Faktoren aufzuzeigen.
- Dynamik der Fertilitätsentwicklung zwischen 1950 und 2008
- Einfluss wirtschaftlicher Faktoren und Theorien (Wealth-Flows, Kosten-Nutzen)
- Bedeutung von Modernisierungsindikatoren und der Rolle der Frau
- Wirkung von Familienplanungsprogrammen und Kontrazeptiva
- Regionale Fallstudie: Demographische Entwicklung Afrikas
Auszug aus dem Buch
4.1 Fertilität und wirtschaftliche Faktoren
Fertilität und wirtschaftliche Faktoren finden verschieden starke Beachtung in der Literatur; teilweise als wirtschaftwissenschaftliche Betrachtungen oder in Form von knappen Überblicken über bekannte Theorien. In der Folge soll sowohl ein Blick auf die „wealth-flows-Theorie“ (CADWELL 1982:333f), als auch auf die „Kosten-Nutzen-Theorie“ (CAIN 1983:689ff) und ihre Auswirkungen geworfen werden. Die Ausführungen werden zusätzlich durch angegebene Sekundärliteratur ergänzt.
Die „wealth-flows-Theorie“ beinhaltet den Transfer von Geld, Gütern, Dienstleistungen und sozialen Bindungen (z.B. Emotionen) zwischen den Generationen. Verläuft dieser Transfer von der älteren zur jüngeren Generation, ändert sich nach CADWELL das vorherrschende generative Verhalten in den Entwicklungsländern nicht. Stabile Bedingungen und hohe Fertilität sind die Folge. Erst bei einer Umkehr des Transfers erfährt das generative Verhalten eine Änderung. Aus Großfamilien werden so genannte konsumorientierte Familien (vgl. BÄHR 2004:201). Die Kinder werden in der Folge nach ihrem Kosten und Nutzen beurteilt.
Dieser Ansatz findet sich in der „Kosten-Nutzen-Theorie“, die davon ausgeht, dass Fertilität als Entscheidungsvariable gesehen werden kann. Kinder beanspruchen nach der ökonomischen Theorie sowohl Zeit- als auch Geldressourcen. Bei der Kosten-Nutzen-Abwägung entscheiden die Eltern, ob die Opportunitätskosten für oder gegen Kinder sprechen. „Gesellschaften, in denen kein familienunabhängiges soziales Sicherungssystem existiert“ (JOBELIUS 1996:67) nutzt die Kinder als Existenzsicherung. Dabei werden die Kinder gerne als Produktivkraft oder Risikoschutz eingesetzt. Werden Kinder als Produktivkraft gesehen, wird abgewogen, ob ihre Arbeitskraft zum Haushalteinkommen beiträgt, oder ob sie dem Einkommen entgegenwirken (Abnahme des Investitionsnutzens). Bei Kindern als Risikoschutz geht es den Familien darum, Vorsorge für bestimmte Risiko-Fälle zu betreiben. Die Kinder sind hier zum Einkommensverlust-Ausgleich (z.B. bei Arbeitslosigkeit) zuständig und stellen die Alters- und Krankenversicherung dar (vgl. JOBELIUS 1996:79 ff).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik des Fertilitätsrückgangs in Entwicklungsländern seit 1950 und Darlegung des methodischen Vorgehens der Arbeit.
2. FERTILITÄT: GRUNDLAGEN, DEFINITION: Klärung des Fertilitätsbegriffs und Vorstellung der totalen Fertilitätsrate (TFR) als wesentliche demographische Kennziffer.
3. DYNAMIK: FERTILITÄTSENTWICKLUNG IN DEN ENTWICKLUNGSLÄNDERN (1950-2008): Analyse der zeitlichen Entwicklung der Geburtenraten mit Fokus auf die unterschiedlichen Phasen der demographischen Transition in verschiedenen Weltregionen.
4. URSACHEN FÜR DEN FERTILITÄTSRÜCKGANG: Untersuchung ökonomischer Modelle, Modernisierungsprozesse und familienplanerischer Maßnahmen als treibende Kräfte für sinkende Kinderzahlen.
5. REGIONALE DIFFERENZIERUNG: DAS BEISPIEL AFRIKA UND ENTWICKLUNGSPERSPEKTIVEN: Detaillierte Betrachtung der afrikanischen Demographie unter Berücksichtigung soziokultureller und infrastruktureller Rahmenbedingungen.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der Ergebnisse zur globalen Fertilitätsentwicklung und Reflexion über notwendige politische sowie gesellschaftliche Voraussetzungen für einen nachhaltigen Rückgang.
Schlüsselwörter
Fertilität, Fertilitätsrückgang, Entwicklungsländer, Demographische Transition, Totale Fertilitätsrate, TFR, Familienplanung, Modernisierung, Bevölkerungswachstum, Afrika, Sozioökonomischer Wandel, Kontrazeptiva, Kosten-Nutzen-Theorie, Wealth-Flows-Theorie, Säuglingssterblichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Dynamik, die Ursachen und die regionale Differenzierung des Rückgangs der Fertilitätsraten in den Entwicklungsländern im Zeitraum von 1950 bis 2008.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die demographische Transition, der Einfluss ökonomischer Theorien auf das generative Verhalten, die Rolle von Modernisierungsindikatoren sowie die Bedeutung von Familienplanungsprogrammen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die komplexen Ursachen für den Fertilitätsrückgang zu identifizieren und aufzuzeigen, warum dieser Prozess regional so unterschiedlich verläuft.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es handelt sich um eine geographische Analyse, die auf der Auswertung demographischer Statistiken, der Anwendung theoretischer Erklärungsmodelle (z.B. Kosten-Nutzen-Theorie) und dem Vergleich spezifischer Fallbeispiele basiert.
Welche Inhalte werden schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der zeitlichen Entwicklung, die theoretische Herleitung der Fertilitätsursachen (Wirtschaft, Modernisierung, Familienplanung) und eine detaillierte Fallstudie zu Afrika.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fertilitätsrückgang, demographische Transition, Familienplanung, Modernisierung und regionale Differenzierung geprägt.
Welche Rolle spielt die Bildung der Frau bei der Fertilitätsentwicklung?
Bildung ermöglicht Frauen einen Autonomiegewinn, führt zu späterem Heiratsalter und reduziert die Abhängigkeit von traditionellen Strukturen, was wiederum direkt zur Senkung der Fertilitätsraten beiträgt.
Warum wird das Beispiel Afrika als besonders relevant für die Analyse angeführt?
Afrika ist aufgrund seiner demographischen Einzigartigkeit, der hohen Fertilitätsraten trotz globaler Trends und der besonderen soziokulturellen Herausforderungen das ideale Beispiel für die regionale Ausdifferenzierung der Thematik.
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- B.A. Ina Bartels (Author), 2008, Fertilitätsrückgang in den Entwicklungsländern seit 1950, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123395