Das Medienimperium des Silvio Berlusconi

Italienische Medien zwischen Autonomie und Diktatur


Hausarbeit, 2005

20 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Telekratie - warum ein italienisches Problem?
1.1 Was bedeutet Telekratie?
1.2 Italien - eine Fernsehnation
1.3 Konsequenz des italienischen Konsumverhaltens: Die Meinungsmacher . .

2 Die Erfolgsgeschichte des Bauunternehmers, der auszog, die Medien zu be- herrschen
2.1 Die Jugend des Silvio B
2.2 Sein unaufhaltsamer Aufstieg - Wege, Helfer und ungeklärte Geldquellen
2.2.1 Der Wegbereiter
2.2.2 Die Geheimloge P2
2.2.3 Der gute Freund Craxi
2.2.4 Fininvest und die Wahlen 1994 und 2001 - zwei hart erarbeitete Siege
2.2.5 Die Mafia - oder : Die unsichtbare helfende Hand

3 Wie kann ein Einzelner eine Mediendiktatur ausüben?
3.1 Das italienische Mediensystem
3.2 Berlusconi: vom Medienzar und zum Ministerpräsident
3.3 Politisierung der Medien - Mediatisierung der Politik
3.3.1 Die Vermarktung des Produkts Berlusconi
3.3.2 Der Weg zur maßgeschneiderten Justiz

4 Pressefreiheit contra Medienmonopol - die Zukunft der italienischen Medien
4.1 Das umstrittene Legge Gasparri
4.2 Die europäische Zukunft Itlaiens - ein potentielles Gegenmittel?

5 Schlusswort

Literatur

0 Einleitung

Viele Länder dieser Welt stützen ihre Staatsgewalt auf die drei Säulen der Demokratie: gesetzgebende, ausführende und rechtsprechende Gewalt. In unserer modernen Gesell- schaft scheint es aber noch eine vierte Staatsgewalt zu geben: die Medien, die eigenständig und unabhängig als Relativierungs- und Kontrollinstanz funktionieren, gewinnen immer mehr an Bedeutung - sie tragen zur Meinungsbildung bei, bestimmen die Wirklichkeitswahrnehmung der Konsumenten und bieten ihnen leicht erreichbare Informationsmöglichkeiten. Wir leben heute in einer Mediengesellschaft.

Soweit zur Theorie. Doch was passiert tatsächlich täglich vor unseren Augen und Ohren - was ist wirklich, was fiktiv? Können wir den Medien noch blind vertrauen? Passen sich die (Massen-)Medien an die Bedürfnisse der Menschen an oder manipulieren sie diese? Wovon und zu welchem Zweck werden Medien beeinflusst? In dieser Hausarbeit zum Thema Das Medienimperium des Silvio Berlusconi - Die italienischen Medien zwischen Autonomie und Diktatur möchte ich im Folgenden auf diese brisanten Fragen anhand des Beispiels von Italien eingehen.

Zunächst möchte ich einführend auf das Phänomen der T elekratie zu sprechen kommen. Anschließend werde ich die zentrale Persönlichkeit Silvio Berlusconi von verschiedenen Standpunkten beleuchten, bevor ich dann die Konsequenzen des Machtmonopols Berlus- conis in Politik und Medien aufzeige. Als zentrales Problem meiner Abhandlung stelle ich die Frage, wie es überhaupt möglich ist, dass in einer modernen Demokratie eine Einzel- person eine derartige, nahezu absolutistische Mediendiktatur ausüben kann und beschreibe danach die Art und Weise, wie Berlusconi seine politische und wirtschaftliche Macht zum Ausbau seiner Herrschaft gebraucht. Nachfolgend gebe ich einen kurzen Ausblick auf die Zukunft der italienischen Medien. Zum Abschluss meiner Arbeit gebe ich im Schlusswort meine persönliche Einschätzung zur zuvor geschilderten Sachlage.

1 Telekratie - warum ein italienisches Problem?

1.1 Was bedeutet Telekratie?

Das Wort ” T elekratie” stammt aus dem Griechischen, bedeutet soviel wie ”Fernherrschaft” und ist in Analogie zu Bür okratie, Demokratie, Oligarchie etc. gebildet. Mit diesem Begriff bezeichnet man die politische Fernsteuerung der Gesellschaft durch das Fernsehen. Die Bezeichnung gelangte in die öffentliche Diskussion vor allem durch die Wahl des Medienzaren Silvio Berlusconi1 zum Ministerpräsidenten Italiens. [1]

1.2 Italien - eine Fernsehnation

Italien ist seit jeher ein kontrastreiches Land, betrachtet man die politischen, kulturellen und vor allem sprachlichen Entwicklungen in den zahlreichen Regionen des Landes.

Eine erste Errungenschaft des Fernsehens besteht darin, dass erst mit der Entstehung und Verbreitung von Massenmedien wie Presse, aber vor allem des Fernsehens in der Mitte des 20.Jahrhunderts, die Standardsprache Italienisc h Realität wurde. Noch rund Hundert Jahre nach der Einigung zum Nationalstaat im Jahre 1861 sprachen die Menschen in Umbrien, Kampanien und Sizilien ganz verschieden. Der prozentuale Anteil der Analpha- beten lag bei 80% - einzig das Fernsehen vermochte es, Standarditalienisch in kürzester Zeit landesweit zu etablieren und das italienische Volk zu alphabetisieren. [2]

Einen weiteren wichtigen Effekt erzielt das Fernsehen als Bildungsträger.

Da dieses Medium gemeinsames Wissen um die eigene Geschichte und politische sowie gesellschaftliche Neuerungen unter die Leute bringt, funktioniert es gleichzeitig als kol- lektives kulturelles Gedächtnis. Zuvor wurde diese Aufgabe nur notdürftig durch Schule und Literatur erfüllt - ohnehin lesen nur wenige Italiener regelmäßig und ausführlich in der Presse.

Die Massenmedien prägen maßgeblich die Wahrnehmung der Italiener aus dem einfachen Volk.2 Der Fernsehapparat ist ständig in Betrieb; das TV-Programm bestimmt die Gesprächsthemen in Familien, wird eifrig konsumiert und stellt eine fast ausschließliche Informationsquelle dar. In Italien schätzt man die Zahl der Bürger, die ’aufmerksam’ sind, wenn es im Fernsehen um politische Themen geht, auf 20 %, 50 % gelten als ’mäßig aufmerksam’ und ganze 30 % als ’desinteressiert’. [3]

Nun wird ersichtlich, welche umfassende Bedeutung das Fernsehen in der durchschnitts- italienischen Gesellschaft hat und dass man in diesem Falle zweifellos von einer Telekratie sprechen kann.

Wer oder was diese Herrschaft durch das Fernsehen ausübt und mit welcher Absicht, möchte ich im folgenden Punkt erläutern.

1.3 Konsequenz des italienischen Konsumverhaltens: Die Meinungsmacher

Wie im vorangegangenen Kapitel beschrieben, haben die Italiener eine ganz eigene Beziehung zum Fernsehen.

Gerade weil das TV ihre einfachste Informationsmöglichkeit ist, wären Italiener folglich stark beeinflussbar, sollte ihnen eine grundlegende Fähigkeit zur Kritik fehlen. Betrachtet der aufmerksame Beobachter die Realität, wird er keine Zweifel an der Richtigkeit dieser Behauptung haben.

In diesem Zusammenhang muss man auf die Neigung der Italiener zum Starkult eingehen. Denn tatsächlich sind sie so fixiert auf öffentliche Persönlichkeiten im TV (Moderatoren, Entertainer, Sportler etc.), dass deren ständige Bildschirmpräsenz die Zuschauer in ihrer Meinungsbildung manipuliert. Das kann bedeuten, dass im Extremfall ein großer Teil des Publikums die Ansichten eines einzigen Moderators annehmen kann. Sollte es der Fall sein, dass diese Persönlichkeit selbst nur Sprachrohr einer bestimmten Interessengruppe ist, eröffnet sich sofort eine ganz neue Dimension, die Unabhängigkeit und Unvoreinge- nommenheit der Medien betreffend - kurzum: es stellt sich das Problem der Telekratie. Das scheint die italienischen Zuschauer jedoch nicht übermäßig zu stören. Wahrscheinlich ist eher, dass die meisten Italiener sich gar nicht bewusst sind, wie sie durch die Medien gezielt beeinflusst werden.

Als ”Meinungsmacher” ohne Gleichen kann man wohl den Ministerpräsidenten Italiens bezeichnen - auf das Phänomen Silvio Berlusconi möchte ich ausführlicher im nächsten Abschnitt eingehen.

2 Die Erfolgsgeschichte des Bauunternehmers, der auszog, die Medien zu beherrschen

In diesem Kapitel werde ich den Werdegang Berlusconis vom einfachen Mittelschichtskind bishin zum einflussreichsten Mann Italiens abhandeln. Ausgehend von seiner Kindheit und Jugend werde ich anschließend seinen Aufstieg darlegen und auflisten, wem und welchen Umständen er seinen Erfolg zu verdanken hat.

2.1 Die Jugend des Silvio B.

Silvio Berlusconi wurde am 29. September 1936 am Rande von Mailand geboren und wuchs in einem kleinbürgerlichen Elternhaus auf. Der Vater war Bankangestellter, seine Mutter Hausfrau, demnach reifte ihr Sohn in einer aufstiegsorientierten Umgebung heran. Seine Eltern erwarteten von ihm, dass er sich im Leben bewährt, sie investierten gleichzeitig in seine Bildung. Als externer Schüler in einem katholischen Internat erhielt er eine Erziehung, die auf Disziplin und gute Manieren ausgerichtet war. Nach Angaben eines seiner damaligen Lehrer sei Berlusconi ein aufgeweckter Junge gewesen, selbstsicher und mit der Neigung, sich in Szene zu setzen. [16] Einstige Mitschüler erinnern sich an seine ausgeprägte Geschäftstüchtigkeit; der junge Silvio habe sich mit Bonbons bezahlen lassen, wenn er einem Banknachbarn vorsagte. Unübersehbar war damals auch schon sein Talent, sich sicher und präzise ausdrücken zu können und stets zu verstehen, den Posten des Anführers einzunehmen - ob bei Schulaufführungen oder in seinem Freundeskreis.

Nachdem Berlusconi die Schule beendet hatte, begann er ein Jura-Studium an der Universität zu Mailand. Er verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Staubsaugern oder als Alleinunterhalter auf Kreuzfahrtschiffen. Hierbei lernte er, sich als Entertainer beliebt zu machen und das Publikum für sich zu begeistern - als zukünftiger Politiker war dies sicher eine nachhaltige Erfahrung.

In dieser Zeit eignete er sich nicht nur die Fähigkeit an, sich gekonnt in Szene zu setzen, sondern machte auch Bekanntschaft mit Freunden, die ihm später als Manager oder ähnlich hohen Posten in seinen Unternehmen zur Seite stehen sollten.

[...]


1 Ausführlicher siehe ab 2 der Gliederung.

2 Von einer dünnen intellektuellen Schicht wird hierbei und auch im Laufe der Abhandlung abgesehen.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Das Medienimperium des Silvio Berlusconi
Untertitel
Italienische Medien zwischen Autonomie und Diktatur
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Seminar: Italien verstehen
Note
3,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V123444
ISBN (eBook)
9783640290437
Dateigröße
746 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dies war meine erste Hochschul-Hausarbeit überhaupt, daher sind noch einige Schnitzer drin, wie z.B. die fragliche Literaturliste. Generell aber gut zu lesen und informativ, da eher investigativ als wissenschaftlich geforscht wurde!
Schlagworte
Medienimperium, Italien, italienische Kulturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Kulturpolitik, Korruption, Medienmacht, Silvio Berlusconi, Landeskunde, Italianistik, Medien, Mafia
Arbeit zitieren
BA Carolin Behrens (Autor), 2005, Das Medienimperium des Silvio Berlusconi, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123444

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