Schlagen sich der anglo-amerikanische Sprachgebrauch und die Debatte um geschlechtergerechte Sprache im Gebrauch deutscher Berufsbezeichnungen nieder?


Hausarbeit, 2017

25 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Ziele und Fragestellungen der Arbeit

2. THEORETISCHER TEIL
2.1. Sprachwandel im Kontext von Berufsbezeichnungen
2.2. Anglo-amerikanische Einflüsse auf Berufsbezeichnungen
2.2.1. Anglizismen
2.2.2. Globalisierung und zeitgeschichtliche Verhältnisse
2.2.3. Anglistische Berufsbezeichnungen
2.3. Geschlechtergerechte Berufsbezeichnungen
2.3.1. Die Debatte um geschlechtergerechte Sprache
2.3.2. Möglichkeiten geschlechtsneutralen Schreibens

3. ANALYTISCHER TEIL
3.1. Quellenauswahl und Datenerhebung
3.2. Anglizismen im Gebrauch von Berufsbezeichnungen
3.3. Der Gebrauch geschlechtergerechter Berufsbezeichnungen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Ziele und Fragestellungen der Arbeit

Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit stehen die Berufsbezeichnungen der gegenwärtigen deutschen Sprache. Dabei soll der Frage nachgegangen werde, ob sich der anglo-amerikanische Sprachgebrauch und die Debatte um geschlechtergerechte Sprache auch im Gebrauch der deutschen Berufsbezeichnungen niederschlagen. In diesem Zusammenhang widmet sich die Ausarbeitung zunächst dem Sprachwandel als theoretischer Grundlage. Darauf aufbauend soll zunächst der anglo-amerikanische Einfluss mit entsprechendem Kontext näher erläutert werden. Hier spielen Aspekte wie Globalisierung, Medien und zeitgeschichtlich-politische Verhältnisse (z.B. Europa) eine besondere Rolle. Im Rahmen der geschlechtergerechten Berufsbezeichnungen wird die Debatte um geschlechtergerechte Sprache die theoretische Grundlage schaffen und auch Möglichkeiten des geschlechtergerechten Schreibens sollen aufgezeigt werden. Nach dem theoretischen folgt dann der analytische Teil der Arbeit, in diesem soll zunächst die Quellenauswahl und Datenerhebung erläutert werden. Anhand verschiedener Beispiele und einer Betrachtung der Berufsfelder soll dann der anglistische Einfluss auf die Berufsbezeichnungen quantitativ und qualitativ analysiert werden, wobei der Ausdruck „Manager“ besonders im Vordergrund steht. Bei dem Gebrauch von geschlechtergerechten Berufsbezeichnungen wird ebenfalls eine quantitative Analyse der Datengrundlage erfolgen.

Berufsbezeichnungen dienen als Betitelung einer professionellen beruflichen Tätigkeit, dabei kann allerdings die Umgangssprache von der amtlichen Berufsbezeichnung abweichen, zum Beispiel: Müllmann – Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft (vgl. Glück 2010, 100/BA 20171 ). Diese Diskrepanz soll in der Analyse berücksichtigt werden, indem sowohl offizielle Betitelungen der Berufe, als auch der tatsächliche Sprachgebrauch berücksichtigt werden. Datengrundlage hierfür bieten sowohl überregionale Zeitungen, wie die Zeit und der Spiegel, als auch Stellenausschreibungen.

Die beiden zentralen Aspekte spielen in unserer heutigen Gesellschaft eine besondere Rolle und wirken sich auch auf die deutsche Sprache aus. Relevant ist es deshalb zu untersuchen, ob und in welchem Maß sprachpolitische Maßnahmen und internationale Einflüsse sich auf den tatsächlichen Gebrauch von Berufsbezeichnungen auswirken. Berufe nehmen einen zentralen Punkt im Leben der meisten Menschen in unserer Gesellschaft ein und ihre Bezeichnungen haben die Funktion ihre Tätigkeit zu beschrieben, Unterscheidungen zu ermöglichen und dabei sachlich und neutral zu bleiben. Zum Beispiel dürfen sie nicht diskriminierend gegenüber den betroffenen Personengruppen sein. Vermutet wird dennoch, dass ein gleichberechtigter Sprachgebrauch der Geschlechter in Berufsbezeichnungen (noch) nicht gegeben ist und dass zunehmende Vernetzung zu vermehrten anglo-amerikanischen Einflüssen führen.

2. THEORETISCHER TEIL

2.1. Sprachwandel im Kontext von Berufsbezeichnungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sprache und Gesellschaft beeinflussen sich gegenseitig (vgl. Wittemöller 1988, 1). Gesellschaftliche Veränderungen führen auch zu Änderungen in der Sprache der Menschen, die eine Gesellschaft bilden und in ihr leben, sowohl auf der Ebene des Sprachsystems, als auch auf der des Sprachgebrauchs (vgl. Samel 2000, 87). Verschiedenste Faktoren verändern Gesellschaft und Sprache, wie zum Beispiel „Neuprägungen in den Bereichen Politik, Technik oder Werbung, Anglizismen und Trendwörter“ (Samel 2000, 87). In diachroner Betrachtung ändern sich Moral, Sitten, Traditionen, Religiosität, Schönheits- und Wertvorstellungen (vgl. Keller 2003, 23). Sprache steht also in einem dynamischen System (siehe Abbildung 1). Dabei hat sie allerdings evolutiven Charakter und genauso wenig, wie die biologische Evolution, ein Ziel, somit kann auch sie nicht als intentional betrachtet werden (vgl. Keller 2003, S. 22ff.). Sprache ist ein kollektives Phänomen und geht nicht von dem einzelnen Individuum aus, dabei folgt dieses aber der Artikulationsökonomie (vgl. Keller 2003, 25ff.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sprache müsste sich nicht zwangsweise verändern, wenn sie nur eine Kommunikationsfunktion besitzen würde, um die Umwelt zu beschreiben und Gedanken auszutauschen (vgl. Keller 2003, 17ff.). Grund für den Sprachwandel ist, dass Kommunizieren vordergründig beeinflussend wirkt (vgl. Keller 2003, 20). Die sogenannte spontane Ordnung (vgl. Keller 2003, 9) der Sprache entsteht durch einen Sprachwandel der immer stattfindet (vgl. Samel 2000, 88). Voraussetzung für eine Veränderung in der Sprache, die auch nur Wortbedeutungen oder Konnotationen betreffen kann, sind immer „zwei alternativ zueinander stehende Verwendungsvarianten von Sprache [, die] nebeneinander bestehen“ (Samel 2000, 88). Von diesen beiden Varianten kristallisiert sich dann eine der beiden als die Besser im Sprachgebrauch der gesamten Gesellschaft heraus. Deshalb kann auch nicht von einem natürlichen Sprachwandel gesprochen werden, weil dieser von den Individuen abhängt, welche die Sprache benutzen und vielen anderen Einflussfaktoren, wie zum Beispiel dem Zugang zu Medien (vgl. Samel 2000, 88).

Doch was hat Sprachwandel mit Berufsbezeichnungen zu tun? Berufsbezeichnungen gehören zur deutschen Sprache und befinden sich ebenso wie andere Wörter und Wortbedeutungen in einem ständigen Wandel. Da Berufsbezeichnungen bestimmte Personengruppen bezeichnen, sollen sie möglichst nicht diskriminieren, sachlich beschreiben und einen professionellen Eindruck auf die gegenwärtige Berufswelt machen. Dabei stehen sie genauso, wie die gesamte Sprache unter vielen Einflussfaktoren. Von verschiedenen Autoren werden unterschiedliche Möglichkeiten aufgezeigt Sprachwandelphänomene, beispielsweise in den finalen, den nichtintendierten und den unbewussten Sprachwandel, zu kategorisieren (vgl. Samel 2000, 89). Berufsbezeichnungen lassen sich der Gruppe des finalen Sprachwandels zuordnen, da ihr Wandel zielgerichtet ist (vgl. Samel 2000, 89). Diese Zielgerichtetheit hat allerdings nicht ihren Ursprung in der Sprache selbst, sondern ist zumeist politisch motiviert (vgl. Samel 2000, 89). Die offiziellen Berufsbezeichnungen sollen somit die Sprache verändern und stehen als politisch initiierte Verwendungsvariante neben den alltäglichen Gebrauchsformen von Berufsbezeichnungen. Sie nehmen allerdings eine Sonderstellung in unserer Sprache ein, da sie aufgrund ihrer offiziellen Repräsentationsfunktion zum einen direkt unter sprachpolitischem Einfluss stehen und zum anderen sich auch in einem relativ schnellen Wandel befinden, zumindest auf der Seite der offiziellen Benennungen.

Aus den Berufsbezeichnungen haben sich im Spätmittelalter viele der heute noch bestehenden Familiennamen entwickelt, die ursprünglich als Beinamen verwendet wurden (Gottschald, Schützeichel 2006, 51). In ihnen spiegeln sich Wortbildungsmöglichkeiten und die Sprachlandschaft Deutschlands (Gottschald, Schützeichel 2006, 53). Von der Entstehungsgeschichte bis zu den heutigen Berufsbezeichnungen sind viele Bezeichnungen weggefallen (z.B. Wurzner, Wurzelsammler), neuentstanden oder verändert worden (z.B. Bauer – Landwirt/in) (Gottschald, Schützeichel 2006, 51/BA 2017). Sie sind im Allgemeinen gut geeignet um den Sprachwandel zu analysieren und den damit einhergehenden Phänomenen und Einflussfaktoren nachzugehen. Vor allem, weil Berufsbezeichnungen die Veränderungen in Arbeitswelt und Gesellschaft spiegeln (vgl. Eckkrammer 2000, 132).

2.2. Anglo-amerikanische Einflüsse auf Berufsbezeichnungen

2.2.1. Anglizismen

Anglizismen nehmen vermehrten Einfluss auf unsere Sprache, da sich unsere Gesellschaft verändert. Dabei scheint sich die Meinung ihnen gegenüber zu spalten: „Entweder man liebt Anglizismen oder man lehnt sie kategorisch ab“ (Kruff 2014, 1). Manche befürchten einen Verfall der deutschen Sprache, andere begegnen ihnen schon fast ehrfürchtig. Ein Blick zurück in die Geschichte Deutschlands führt zu der Umbruchzeit nach dem zweiten Weltkrieg, als eine geschichtliche Voraussetzung für den Diskurs um Anglizismen (vgl. Spitzmüller 2005, 107). Der nationalsozialistischen Ideologie wurde der Rücken gekehrt und gleichzeitig ist das Ansehen der USA, die als Siegermacht großen Einfluss auf die Gesellschaft genommen hat, enorm gestiegen (vgl. Spitzmüller 2005, 107). Andere Faktoren, wie „die Zunahme von Fremdsprachenkenntnissen, die Intensivierung des internationalen Verkehres und der Medienwandel“ (Spitzmüller 2005, 107) dürfen dabei allerdings nicht vernachlässigt werden.

Einen Sprachkontakt zwischen dem Englischen und dem Deutschen mit damit verbundenen Einflüssen gibt es schon seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts und mit dem Fremdworteinfluss geht auch die Fremdwortkritik einher (vgl. Kruff 2014, 9ff.). England hat eine Vorbildfunktion eingenommen und sich durch hohes Ansehen „zur neuen Wirtschafts- und Politiksprache“ (Kruff 2014, 17) entwickelt. Weltsprache wurde das Englische aufgrund verschiedener außersprachlicher Faktoren, nämlich der politischen, technischen, wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Vormachtstellung (vgl. Kruff 2014, 20f.). Durch die zunehmende technische Entwicklung und Vernetzung verbreiten sich Anglizismen wesentlich schneller und auch eine Verdrängung anderer Sprachen wird befürchtet (vgl. Kruff 2014, 21). Festgehalten werden kann also, dass Anglizismen, ihr Einfluss auf unsere Muttersprache und der Anglizismendiskurs eine steile Entwicklung, vor allem in den 90er Jahren, vollzogen haben und bis heute vollziehen (vgl. Spitzmüller 2005, 144).

Doch was genau sind eigentlich Anglizismen? Die Definition des Begriffs gestaltet sich als problematisch. Je nach Erklärung werden verschiedene Schwerpunkte gesetzt, welche die Grammatik, den Syntax und die Phonetik oft vernachlässigen und sich auf die lexikalische Ebene beschränken (vgl. Kruff 2014, 49). Allgemein wird unter Anglizismus aber eine „mehr oder weniger ins [Deutsche] integrierte Entlehnungen aus dem Engl[ischen]“ (Glück 2010, 43) verstanden, die ganz verschiedene Bereiche der Sprache betreffen kann. Die Kritik gegenüber dem Anglizismus führte unter anderem auch 1997 zur Gründung des Vereins deutscher Sprache (vgl. Glück 2010, 43/Kruff 2014, 31). Der Ausdruck Amerikanismus „bezeichnet neben Metasprachlichem […] auch Außersprachliches, nämlich eine positive Haltung gegenüber den USA […] sowie US-amerikanische Charakteristika aller Art“ (Spitzmüller 2005, 177). Wenn in dieser Arbeit von anglo-amerikanischen Einflüssen gesprochen wird, dann werden sowohl Einflüsse aus dem british english als auch aus dem american english im Kompositum zusammengefasst.

Aufgrund ihrer Wirkungsweise auf die Zielsprache können Anglizismen in die Funktionskategorien „ergänzend“, „differenzierend“ und „verdrängend“ eingeordnet werden (vgl. Kruff 2014, 34). Ergänzen Anglizismen einen Wortschatz, dann werden sie als Synonym zu dem schon vorhandenen Wort in der jeweiligen Sprache benutzt (vgl. Kruff 2014, 34). Differenzierend sind Anglizismen dann, wenn sie den Wortschatz ergänzen und deutsche Bezeichnungen erst noch zu bilden oder wiedereinzuführen sind (vgl. Kruff 2014, 34). Als verdrängend werden Anglizismen dann bezeichnet, wenn sie alte Bezeichnungen der Sprache ersetzen und für jeden allgemein verständlich sind (vgl. Kruff 2014, 34). Diese Gruppe von Anglizismen gerät am Meisten in die Kritik, da sie „die Weiterentwicklung der deutschen Sprache verhindern“ (Kruff 2014, S. 34). Die Sprachwissenschaft untersucht im Zusammenhang mit den Anglizismen unter Anderem wie und in welcher Art und Weise Anglizismen in die deutsche Sprache aufgenommen werden, zum Beispiel anhand verschiedener Entlehnungskategorien2 (vgl. Kruff 2014, 50).

Die Anglizismen werden versucht im Anglizismenwörterbuch (AWb) systematisch zu kategorisieren und zu erfassen, dieses kann aber mit der rasanten Entwicklung, insbesondere in den Berufsbezeichnungen, nicht mithalten (vgl. Kruff 2014, 64).

2.2.2. Globalisierung und zeitgeschichtliche Verhältnisse

Wie schon festgestellt, wandelt sich unsere Sprache durch Einflüsse, die auf unsere Gesellschaft wirken. Im Folgenden soll der Frage nachgegangen werden, welche Gründe dafür verantwortlich sind, dass Anglizismen vermehrten Einfluss auf das Deutsche nehmen. Einer der Hauptgründe scheint wohl zu sein, dass die Welt immer weiter zusammenrückt. Globalisierung, der Zugang zu schnellen und einfachen Kommunikationsmedien und auch andere Bereiche des Fortschritts tragen dazu bei, dass die Menschen, vor allem in Industrieländern, einen weltoffeneren Alltag bestreiten. Ein hervorzuhebendes Stichwort ist hier natürlich das Internet. Es ermöglicht schnelle Datenübertragung und eine Vernetzung, die vor gerade einmal 30 Jahren undenkbar war. Die rasante Entwicklung betrifft nicht nur aber vor allem die Wirtschaft und damit den Arbeitsalltag vieler Menschen. Es gibt allerdings noch viele weitere Faktoren, die zur Globalisierung beitragen: Zu nennen wären hier zum Beispiel die internationale Kooperation vieler Unternehmen, der vermehrte Zugang zu Medien, Fortschritte in den Bereichen Wissenschaft und Technik und viele mehr. Auch die Europapolitik hat eine internationale Zusammenarbeit der Länder gefördert und auch gefordert. Auch wenn die englische Bevölkerung durch den Brexit beschlossen hat, aus der EU auszusteigen, ist Englisch dennoch Weltsprache. Betrachtet man also nur die sprachlichen Einflüsse auf Deutschland und nicht die kulturellen Neuprägungen, dann geht der Anglo-Amerikanismus von der englischen Sprache als Weltsprache und nicht allein von Großbritannien und den USA aus.

2.2.3. Anglistische Berufsbezeichnungen

Von den Einflüssen, wie der Globalisierung auf unsere Gesellschaft und die deutsche Sprache ist die Gruppe der Berufsbezeichnungen in ganz besonderer Weise betroffen. Gerade die Zusammenarbeit vieler internationaler Unternehmen und die damit einhergehende Kommunikation auf Englisch gehören zum beruflichen Alltag vieler Menschen. Dabei bringen Anglizismen in Berufsbezeichnungen viele Vorteile mit sich. Sie wirken besonders professionell, ganz besonders auf internationale Partner und auch auf dem internationalen Arbeitsmarkt. Es ist keine Seltenheit, dass auch in deutschen Büros nur Englisch gesprochen wird, da Kollegen aus ganz unterschiedlichen Ländern zusammenarbeiten. Es ist deshalb kaum verwunderlich, dass immer mehr englische Begriffe in den Tätigkeitbezeichnungen der Berufe auftauchen.

Doch die Anglizismen in Berufsbezeichnungen sind nicht nur von der positiven Seite zu betrachten. Eine vermehrte Verwendung würde zwar dafür sprechen, dass Anglizismen eine positive Wirkung auf Arbeitsuchende haben, eine abschreckende Wirkung dieser wäre allerdings auch denkbar. Gerade wenn zum Beispiel ein Hausmeister zum Facility Manager (vgl. Kruff 2014, 227) wird, kann dies auf potentielle Angestellte, besonders mit einem niedrigeren Bildungsstand durchaus negativ wirken, da der Eindruck entsteht, dass gute Fremdsprachenkenntnisse im Englischen vorausgesetzt werden.

2.3. Geschlechtergerechte Berufsbezeichnungen

2.3.1. Die Debatte um geschlechtergerechte Sprache

Menschen kategorisieren ihre Umwelt und dabei spielt das Geschlecht in der Verortung eines Menschen im sozialen Gefüge neben dem Alter eine herausragende Rolle (vgl. Klann-Delius 2005, 1). Aus dem Englischen hat sich eine Unterscheidung in „sex“ und „gender“ durchgesetzt, um eine Differenzierung zwischen biologischem und sozialem Geschlecht zu ermöglichen (vgl. Ayaß 2008, 11). Die Kategorisierung und die damit projizierten typischen Eigenschaften auf Personen des Geschlechts „weiblich“ oder „männlich“ erzeugen verschiedene Bewertungen und einen Widerspruch zum Gleichheitsgrundsatz (vgl. Klann-Delius 2005, 1). Das Geschlecht wird dabei in der Gesellschaft von den Menschen selbst konstruiert, man nennt dies auch „doing gender“ (vgl. Ayaß 2008, 14). In der Gender-Debatte geht es vereinfacht gesagt darum, ob Frauen mitgemeint sind, wenn in der generischen Form, also beispielsweise „die Ärzte“ oder „der Lehrer“, gesprochen wird (vgl. Ayaß 2008, 27). Diese Ausdrücke sind geschlechtsindefinit, geschlechtsdefinit wären zum Beispiel „der Lehrer“ und „die Lehrerin“ (vgl. Ayaß 2008, 27). In der deutschen Sprache kann eine Differenzierung der Substantive und damit eine Anpassung an das Geschlecht der bezeichneten Person vorgenommen werden (vgl. Ayaß 2008, 27).

Die Debatte entwickelte sich in den 1970er Jahren im Rahmen der feministischen Bewegung und hat ihre Ursprünge in den USA (vgl. Gorny 1995, 518). Konsequenz aus der feministischen Bewegung ist die feministische Sprachkritik (vgl. Schoenthal 1989, 196). Dabei sind „politische und gesetzgeberische Maßnahmen“ (Schoenthal 1989, 198) Anlass der sprachkritischen Aktivitäten, die auch in kurzer Zeit zu einigen Erfolgen geführt haben. Unter Anderem gibt es seit 1976 den „Grundsatz der Gleichbehandlung von Männern und Frauen hinsichtlich des Zugangs zur Beschäftigung, Berufsbildung und zum beruflichen Aufstieg“ (Schoenthal 1989, 298) und seit 1980 sind geschlechtsneutrale Stellenausschreibungen für Arbeitsplätze gesetzlich vorgeschrieben (vgl. Schoenthal 1989, 198).

2.3.2. Möglichkeiten des geschlechtsneutralen Schreibens

Die praktische Umsetzung in der Textgestaltung bereitet allerdings einige Schwierigkeiten und ist Angriffspunkt vieler Kritiker der Gender-Debatte. Samel fasst die Möglichkeiten für geschlechtergerechtes Schreiben in drei Kategorien zusammen: Die Beidbenennung, die Neutralisation und das generische Femininum (vgl. Samel 2000, 71ff.). Ziel ist es Frauen auf der sprachlichen (Zeichen-) und der kognitiven (Bewusstseins-) Ebene sichtbar zu machen (vgl. Ayaß 2008, 32).

Frauen werden bei der Beidbenennung schriftlich sichtbar gemacht, indem neben den maskulinen Formen auch feminine Formen gebraucht werden (vgl. Samel 2000, 72). Hier gibt es verschiedene Schreibweisen, wie die Doppelform (Professorinnen und Professoren) und viele verschiedene Kurzschreibweisen: Den Schrägstrich (Professor/-in oder Professor/in), die Klammer (Professor(in)) und das Binnen-I (ProfessorInnen) (vgl. Samel 2000, 77). Mit der Neutralisation ist der Wegfall weiblicher Endungen, wie beispielsweise –in (Bäckerin) gemeint (vgl. Samel 2000, 73). Die dabei entstandenen ursprünglich generischen Formen sollen dann für beide Geschlechter in gleicher Weise verwendet werden, beispielsweise: „Sie ist eine gute Student. Ihre Leistungen sind beachtlich und ihre Professor ist sehr zufrieden mit ihr. Früher war sie übrigens Sekretär bei einer Architekt.“ (Pusch 1984, 64). Samel sieht diese Lösung als sehr wahrscheinlich für die Zukunft, mit der die Asymmetrie der Personenbezeichnungen im Deutschen aufgehoben werden würden (vgl. Samel 2000, 74). Das generische Femininum ist das Gegenteil des momentan oft anzutreffenden und von der feministischen Sprachwissenschaft kritisierte generische Maskulinum (vgl. Samel 2000, 75). Dabei bezieht sich die feminine Form auf beide Geschlechter (vgl. Samel 2000, 75).

Eine Einheitliche Einigung bezüglich der Möglichkeiten geschlechtergerechten Schreibens gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Im Wortfeld der Berufsbezeichnungen ist aber eine Geschlechtsneutralität in ganz besonderer Weise wichtig, da Berufsbezeichnungen die Gleichberechtigung von Frau und Mann in der Arbeitswelt gewährleisten müssen. Dies ist nicht zuletzt einer der Gründe, warum Berufsbezeichnungen schon von Beginn an Angriffspunkt der feministischen Sprachkritik gewesen sind.

3. ANALYTISCHER TEIL

3.1. Quellenauswahl und Datenerhebung

Grundlage der Analyse sind zum einen überregionale Stellenanzeigen und zum anderen eine Datengrundlage aus Berufsbezeichnungen, die in Artikeln aus überregionalen Zeitungen erhoben wurde.

[...]


1 Als Primärquelle für derzeitige amtliche Berufsbezeichnungen wird der Internetauftritt der Bundesagentur für Arbeit verwendet.

2 Die Entlehnung der Anglizismen soll hier nicht näher betrachtet werden, da die Arbeit das Ziel verfolgt zu untersuchen, inwieweit Anglizismen im tatsächlichen Gebrauch von Berufsbezeichnungen im kommunikativen Sinn angekommen sind.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Schlagen sich der anglo-amerikanische Sprachgebrauch und die Debatte um geschlechtergerechte Sprache im Gebrauch deutscher Berufsbezeichnungen nieder?
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,3
Jahr
2017
Seiten
25
Katalognummer
V1234616
ISBN (Buch)
9783346657329
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schlagen, sprachgebrauch, debatte, sprache, gebrauch, berufsbezeichnungen
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Schlagen sich der anglo-amerikanische Sprachgebrauch und die Debatte um geschlechtergerechte Sprache im Gebrauch deutscher Berufsbezeichnungen nieder?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1234616

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