Anfänge deutscher Schriftlichkeit – eine Analyse des Althochdeutschen


Hausarbeit, 2008

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriff, Zeit und Sprachraum des Althochdeutschen
2.1 Zum Begriff Althochdeutsch
2.2 Der Zeitraum
2.3 Der Sprachraum

3. Soziokulturelle Voraussetzungen des Althochdeutschen

4. Die wichtigsten althochdeutschen Schreiborte und Hauptwerke
4.1 Klösterliche Überlieferungsorte
4.2 Die Sprachquellen des Althochdeutschen
4.2.1 Inschriften
4.2.2 Glossen
4.2.3 Übersetzungstexte

5. Notker der Deutsche
5.1 Notkers Anlautgesetz
5.2 Notkers Auslautgesetz

6. Althochdeutsche Hauptwerke
6.1 Bairisch
6.2 Alemannisch
6.3 Ostfränkisch
6.4 Südrheinfränkisch
6.5 Rheinfränkisch
6.6 Mittelfränkisch

7. Geschichte des Schreibens

8. Monastisches Schreiben

9. Exklusive Schriftlichkeit

10. Die deutsche Alphabetschrift und ihre Ausbildung im Althochdeutschen

11. Fazit

12. Bibliografie
12.1 Sammelbände
12.2 Monographien und Aufsätze

1. Einleitung

Die ältere Geschichte der deutschen Sprache basiert auf den erhaltenen althochdeutschen Schriftdokumenten. Somit ist die Sprachgeschichte des Deutschen vor allem eine Schriftgeschichte.

Die vorliegende Arbeit stellt nun das Althochdeutsche (Ahd.) in einen kurz gefassten Gesamtüberblick auf dem Hintergrund der umfassenden Fachliteratur und der vielfältigen Quellen zum ältesten Deutsch dar. Dabei wird zunächst auf die Begrifflichkeit sowie auf en Zeit- und Sprachraum des Althochdeutschen eingegangen. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die soziokulturellen Voraussetzungen des Althochdeutschen kurz dargestellt, die wichtigsten althochdeutschen Schreiborte und Hauptwerke herausgearbeitet und das Schaffen einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der ahd. Sprache und Literatur hervorgehoben.

Neben den genannten Aspekten wird anschließend die Geschichte des Schreibens thematisiert und dabei das monastische Schreiben besonders hervorgehoben. Abschließend wird ein Überblick über die Ausbildung der deutschen Alphabetschrift im Althochdeutschen ermöglicht und die wichtigsten Merkmale aufgezeigt.

2. Begriff, Zeit und Sprachraum des Althochdeutschen

2.1 Zum Begriff Althochdeutsch

In der sprachwissenschaftlichen Forschung wird der Begriff „Althochdeutsch“ durch verschiedene Kriterien unterschiedlich erfasst. Als althochdeutsch bezeichnen wir seit Jacob Grimms Deutscher Grammatik I aus dem Jahr 1819 die älteste Stufe deutscher Sprache vom 8. bis ins 11. Jahrhundert[1]. Dabei erfasst Grimms Bezeichnung allein die „hochdeutschen“ Stammesdialekte, welche die 2. Lautverschiebung mitgemacht haben[2].

H. Moser (1965, 100f.) geht von der „sozialen Geltung und Schichtung des Deutschen aus“ und plädiert für den Terminus „frühmittelalterliches Deutsch“ oder „Frühdeutsch“[3].

Zur Vereinfachung des Begriffes schließen wir uns hier dem Vorschlag aus dem Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung an, der unter „althochdeutsch“ „die frühmittelalterliche Volkssprache der hochdeutschen Dialekte vom Beginn ihrer schriftlichen Überlieferung bis ins 11. Jahrhundert in räumlicher Abgrenzung zu den sie umgebenden niederdeutschen und nicht – deutschen Mundarten“, versteht[4].

2.2 Der Zeitraum

Auch zeitlich gesehen existiert keine einheitliche Erfassung, wobei hier der neuere Vorschlag von St. Sonderegger hervorzuheben ist. Er versteht unter „althochdeutsch“ das frühmittelalterliche Deutsch von den Anfängen einer schriftlichen Überlieferung im 6./7. Jahrhundert inschriftlich und im 8. Jahrhundert handschriftlich bis gegen Ende des 11. Jahrhunderts[5]. Datiert man die untere zeitliche Grenze mit dem Aufkommen der ersten schriftlichen Textzeugnisse in die 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts, so ergibt sich von der hochdeutschen Lautverschiebung „um 600“[6] bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts eine Phase, die Sonderegger als frühalthochdeutsch bezeichnet[7], weil sie sprachgeschichtlich durchaus dem Althochdeutsch zuzuschreiben ist.

Die obere zeitliche Grenze des Althochdeutschen wird durch das Übersetzungswerk des St. Galler Mönches Notker (genannt „der Deutsche) gekennzeichnet, dessen Sprache nach Sonderegger bereits als „lautlich-morphologisches Mittelsystem zwischen dem Althochdeutschen und dem Mittelhochdeutschen betitelt werden kann[8]. Um 1050 beginnt dann eine neue, nun mittelhochdeutsche Schriftliteratur, deren Ersteller von ihren althochdeutschen Vorgängern fast nichts mehr wussten[9].

2.3 Der Sprachraum

Es ist festzuhalten, dass das Althochdeutsche keine einheitliche Sprachform darstellt, sondern aus einer Reihe von mehr oder weniger deutlich voneinander abgegrenzten Dialekten bestand, die unter diesem Oberbegriff zusammengefasst werden[10]. Folglich gab es im Althochdeutschen auch keine einheitliche Schreib- oder Schriftsprache bzw. klar abgrenzbare Dialekträume. Man orientiert sich deshalb an Schreiblandschaften und Schreiborten (Klöstern und Bischofssitzen), dabei kristallisieren sich vor allem das Fränkische und Oberdeutsche als große Sprachgruppen in dieser Zeit heraus[11].

Das Mittelfränkische teilt sich in zwei Bereiche auf: Zum einen das Ripuarische (von lat. ripa „Ufer“), die Sprache der besonders organisierten „Uferfranken“, die vor allem im Raum um Aachen und Echternach vorzufinden waren[12]. Zum anderen der Dialekt der Franken, die als „Moselfranken“ im Raum um Trier und Koblenz siedelten[13].

Das Bairische (Freising, Wessobrunn, Passau, Salzburg etc.) und das Alemannische (Reichenau, St. Gallen, Murbach[14] ) werden als Oberdeutsch bezeichnet, und die fränkischen Dialekte am Rhein als Mitteldeutsch. Das Ostfränkische, in den Räumen um Würzburg, Bamberg und Fulda[15] zeigt Merkmale beider Dialektgruppen, so dass es nicht eindeutig zugeordnet werden kann und manchmal auch als eigenständiger Dialekt klassifiziert wird.

Innerhalb des Hochdeutschen werden außerdem nach phonologischen Merkmalen noch zwei Dialektarten unterschieden: Die oberdeutschen Dialekte (Verschiebung von pp und mp: Apfel, Kopf, Strumpf) Schwäbisch- Alemannisch, Bairisch- Österreichisch, Ostfränkisch und die mitteldeutschen Dialekte (keine Verschiebung von pp und mp: Appel, Kopp, Strump) Mittelfränkisch, Rheinfränkisch, Thüringisch, Obersächsisch, Lausitzisch[16].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Sprachgruppen in althochdeutscher Zeit: Schreiblandschaften und -orte[17]

3. Soziokulturelle Voraussetzungen des Althochdeutschen

Aus der geschichtlichen Betrachtung ist das Frühdeutsche zeitlich im Frühmittelalter anzusiedeln.

In dieser Zeit findet die Konsolidierung der Stammesherrschaften durch Landnahme, die Verschmelzung von Sippenverbänden, die Ausbildung einer politischen Organisation und weitere Expansion statt.[18].

Die politisch-sozial und kulturell-sprachlichen Verhältnisse sind vor allem durch drei Faktoren beeinflusst, die Christianisierung, die Reichs- und Kulturpolitik Karl des Großen und die Ostkolonisation.

Im Frankenreich vollzog sich durch die Christianisierung ein Verknüpfungsprozess des Germanentums, des Christentums und der Antike, der um 500 unter Chlodwig I. beginnt.

Daraus ergab sich eine Kirchenherrschaft des Königs und eine Art fränkische Landeskirche, die jedoch noch keine feste Bindung zum römischen Papsttum hatte. Es begann eine Missionierung der Gebiete jenseits des Rheins durch irische und angelsächsische Mönche. Daraus resultierten zahlreiche neu gegründete Klöster, die sich vor allem durch eine hohe Schreib- und Lesekultur auszeichneten[19].

Für einen kulturellen und literarischen Aufschwung ist vor allem die Herrschaft Karl des Großen verantwortlich. So versuchte er das Bildungsniveau und die Seelsorge der Klöster zu verbessern, mit dem Ziel die Volkssprache nachhaltig zu verbessern. Zum einen sollte dadurch eine Hilfe geschaffen werden das Latein zu erlernen und zum anderen sollten dadurch die Glaubenswahrheiten der Volkssprache zugänglich gemacht werden[20].

Die Politik zielte dabei auf eine Ordnung und Einheitlichkeit sowohl im kirchlichen als auch im weltlichen Bereich ab. Auf diese Weise entstand u. a. das „Admonitio generalis“(789), eine Regelung der Pflichten der Kleriker, der volkssprachlichen Bildung und des Verhaltens der Untertanen im Alltag. Die karolingische Renaissance gilt als Anfang einer abendländischen Kulturgemeinschaft und eines nationalen Selbstbewusstseins der Deutschen[21].

4. Die wichtigsten althochdeutschen Schreiborte und Hauptwerke

4.1 Klösterliche Überlieferungsorte

Das althochdeutsche Schrifttum wird in räumlicher wie mundartlicher Streuung vorwiegend von den klösterlichen Überlieferungsorten bestimmt. Dabei zählen die Städte bzw. Ortschaften wie Fulda, Trier, Mainz, Lorsch, Weißenburg, Murbach, Reichenau, St. Gallen, Regensburg, Wessobrunn und Ebersberg als Hauptorte der althochdeutschen Überlieferung[22].

4.2 Die Sprachquellen des Althochdeutschen

Die noch erhaltenen Sprachquellen stellen nur einen Bruchteil dessen dar, was tatsächlich geschrieben wurde. Dadurch erhält man nur einen Ausschnitt aus dem Gesamtbild der althochdeutschen Sprache[23]. Im Einzelnen unterscheidet man folgende Sprachquellen:

4.2.1 Inschriften

Sie stellen die älteste Sprachschrift dar, die durch den ganzen ahd. Zeitraum vertreten ist. Unterteilt werden sie in Runen und Inschriften in lateinischer Schrift. Charakteristisch für die Runenschriften des 6.- 8. Jahrhundert sind ihre noch teilweise altertümliche (festlandrunisch, vor- oder frühahd.) bzw. ihre christliche Sprachform. Inschriften in lateinischer Schrift sind aus ahd. Zeit nur zwei bekannt, eine aus Köln (9.Jh.) und eine aus Rheinessen (Grabinschrift 10.Jh., jetzt in Mainz)[24].

4.2.2 Glossen

Am reichsten sind die Glossen überliefert. Hierbei handelt es sich um Übersetzungen lat. Wörter, die in die lat. Handschriften eingeschrieben wurden. Sinn und Zweck dieser Übersetzungen war das bessere Verständnis des Lateinischen[25].

Man unterscheidet diese Glossen nun nach Umfang und Form in Kontextglossen, die in den lat. Text eingefügt sind, Interlinearglossen, die zwischen den Zeilen stehen, Marginalglossen, die am Rand stehen und Glossare, die nach Sachgruppen oder alphabetisch nach dem lat. Wort geordnet sind[26].

4.2.3 Übersetzungstexte

Diese Textsorte stellt eine ganz besondere Bedeutung für das Ahd. dar. In keiner anderen altgermanischen Sprache findet man eine so große Menge an Übersetzungstexten, die vor allem aus der Auseinandersetzung mit dem Lateinischen erwächst. Man unterscheidet dabei fünf hauptsächliche Übersetzungsschichten Interlinearversionen, interlinearartige Übersetzungen, freie Übersetzungen, Umdichtungen und Mischtexte[27].

[...]


[1] Vgl. Sonderegger 1974: 11

[2] Vgl. Grimm; Deutsches Wörterbuch 1854: 273

[3] Vgl. Wolff 1994: 52

[4] Vgl. Besch, W.; Betten, A.; Reichmann, O.; Sonderegger 2000: 1144

[5] Vgl. Wolff 1994: 52

[6] Vgl. Braune 1987: 1/83

[7] Vgl. Sonderegger 1987: 46

[8] Vgl. Besch, W.; Betten, A.; Reichmann, O.; Sonderegger 2000: 1145

[9] Vgl. Hübner 2006: 16

[10] Vgl. Ernst 2005: 76

[11] Vgl. Wolff 1994: 52

[12] Ebd.: 53

[13] Vgl. Ernst 2005: 77

[14] Vgl. Wolff 1994: 53

[15] Ebd.: 53

[16] Ebd.: 59

[17] Wolff: 53

[18] Vgl. Wolff 1994: 54

[19] Ebd.: 56

[20] Vgl. Hübner 2006: 22

[21] Vgl. Wolff 1994: 57

[22] Vgl. Sonderegger 1974: 49/50

[23] Vgl. König 2005: 67

[24] Vgl. Sonderegger 1975: 58

[25] Vgl. König 2005: 67

[26] Vgl. Sonderegger 1975: 59

[27] Ebd.: 60/61

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Anfänge deutscher Schriftlichkeit – eine Analyse des Althochdeutschen
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V123477
ISBN (eBook)
9783640290802
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anfänge, Schriftlichkeit, Analyse, Althochdeutschen
Arbeit zitieren
Tobias Rohmann (Autor), 2008, Anfänge deutscher Schriftlichkeit – eine Analyse des Althochdeutschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123477

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