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Dantes Konzept des "contrapasso" unter besonderer Berücksichtigung von "Inferno XXXIII"

Title: Dantes Konzept des "contrapasso" unter besonderer Berücksichtigung von "Inferno XXXIII"

Bachelor Thesis , 2021 , 42 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Simone Filzmaier (Author)

Romance Studies - Italian and Sardinian Studies
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Summary Excerpt Details

Wie in der vorliegenden Arbeit ersichtlich wird, ist der "contrapasso" als Modell der Vergeltung keineswegs eine Erfindung des padre della lingua italiana, wie Dante Alighieri liebevoll genannt wird. Vielmehr handelt es sich um ein schon lange in der Gesellschaft verankertes Konzept, dessen Etymologie in dieser Arbeit thematisiert wird.

Weiters wird verdeutlicht, dass der Schmerz, den die Sünder des Inferno dantesco erleiden, nicht auf ein einziges Leid zurückzuführen ist, das sie quält. Vielmehr ist es ein ganzes Paket an Martern, das den Schatten auf ewig zusetzt. Unter der Pein der Sinne, die poena sensus, fallen die dem Leser offensichtlichen und grausam beschriebenen Leiden der Sünder, die ein wesentlicher, den Leser belehrender, Bestandteil des Inferno sind. Was die Innerlichkeit eines Schattens der Hölle betrifft, wird in der Arbeit klar hervorgehoben, dass auch hier in mehrfacher Hinsicht gelitten wird. Neben der poena damnis, der Entziehung Gottes, ist es in den meisten Fällen die immer wiederkehrende Erinnerung an das irdische Leben mitsamt den dort verrichteten Schandtaten, die den Seelen ewige Unruhe und Unzufriedenheit beschert.

Die Sünde eines Schattens zeichnet sich, wie mehrmals unterstrichen, in der Realisierung des contrapasso ab. Hierbei schließt sich der Kreis, wenn gesagt wird, dass es die Strafe als Spiegelbild oder zumindest im engen Verhältnis zur Sünde selbst ist, die eine Seele aber und abermals an das erinnert, was ihr unendliche Qualen bereitet: ihre eigene Verfehlung. Bezüglich Dantes Methoden der Umsetzung des contrapasso wird unter dem Punkt 3.2. eine grobe, aber relevante, Unterscheidung vorgenommen: die Distinktion der contrapassi per analogia von den contrapassi di contrasto. Besonders das letzte Kapitel (ab Punkt 4) soll bestmöglich Aufschluss darüber geben, zu welchen Methoden der Autor in den konkreten Fällen greift, um die Evidenz der Sünde in der Vergeltung zu gewährleisten. Die Verbildlichung des Vergehens mithilfe von Metaphern hat es Dante Alighieri ermöglicht, das nicht Darstellbare mit Worten so genau zu beschreiben, dass der Leser beinahe dazu gezwungen ist, sich das Szenario bildlich vorzustellen. Das Zusammenspiel von verschiedenen untereinander abhängigen Strafen, wie am Beispiel von Ugolino und dem Erzbischof Ruggieri, ergibt einen funktionierenden Kreislauf, demnach die Strafe des einen gleichzeitig die Strafe des anderen ergibt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Il contrapasso

2.1. Das Talionsprinzip der Bibel als Modell der Vergeltung

III. Inferno: das Leiden in seiner Mannigfaltigkeit

3.1. La Tenebra, sofferenza e nudità

3.2. Der contrapasso der Analogie und der Antithese

3.3. Le pene nell’Inferno

3.4. Vergeltung und Belohnung in den weiteren cantiche

3.4.1. Purgatorio

3.4.2. Paradiso

IV. Dantes Darstellung des contrapasso im nicht-theoretischen Rahmen

4.1. Die Körperlichkeit der Schatten als Merkmal in der Commedia

4.2. Die contrapassi in konkreten, ausgewählten Fällen

4.2.1. Canto V: Francesca e Paolo

4.2.2. Canto XXVIII: Bertran de Born

4.2.3. Canto XXXIII: l’episodio e contrapasso di Ugolino Della Gherardesca

V. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Bachelorarbeit analysiert das Konzept des contrapasso als zentrales Vergeltungsprinzip in Dantes Divina Commedia. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie der Autor Dante dieses Gesetz anwendet, um Sünden und Strafen metaphorisch miteinander zu verknüpfen und welche künstlerischen Freiheiten er sich bei der Ausgestaltung der infernalen Gerechtigkeit nimmt.

  • Etymologie und theoretische Herleitung des Begriffs contrapasso basierend auf aristotelischen und thomistischen Grundlagen.
  • Untersuchung der poena damni und poena sensus im Inferno.
  • Differenzierung der Strafformen in Analogie und Antithese anhand ausgewählter Fallbeispiele.
  • Vertiefende Analyse der narrativen Darstellung des contrapasso, insbesondere am Beispiel des Canto XXXIII (Ugolino und Ruggieri).

Auszug aus dem Buch

3.1. La Tenebra, sofferenza e nudità

Wenn auch vorerst keine Verbindungen zwischen diesen vorangegangenen Begriffen und den Verdammten in der Hölle geknüpft worden sind, haben sie dennoch (allein und noch stärker in ihrer Kombination) das Potenzial, aufgrund ihrer Bildhaftigkeit, Unbehagen auszulösen. Steno Vazzana nennt die Dunkelheit, das Leiden und die Nacktheit als Bedingungen, denen alle Seelen in der Hölle ausgesetzt sind. Wie bereits erläutert, dient die Bestrafung in der Hölle nicht als Rache oder Revanche, sondern vielmehr als Fortführung des eigenen Willens und der eigenen Entscheidungen auf der Erde. Vazzana bringt die zu Lebzeiten begangene Sünde mit der Dunkelheit, la tenebra, in Zusammenhang und argumentiert wie folgt: „PERCHÉ IL PECCATO È TENEBRA? PERCHÉ È SCONOSCEZA DELLA VIA, CIOÈ DELL’INSEGNAMENTO DI CRISTO.“ Im Evangelium nach Johannes (12: 35) ist jene Stelle zu finden, die diese Haltung von Vazzana noch zusätzlich stärkt.

Mit dem Erlöschen des wegweisenden Lichtes entfernt sich auch die Vernunft eines Menschen (von Vazzana als CECITÀ DI RAGIONE bezeichnet), der infolge im Dunkeln umherirrt und blind handelt. Bereits im canto I wird der Leser mit einem solchen Ort voller Dunkelheit, einem dunklen Wald, konfrontiert. Dante selbst positioniert sich in Gestalt des Pilgers in dieser selva oscura und vermittelt dadurch, dass er an einem bestimmten Zeitpunkt seines Lebens das Licht (Metapher für Gott) aus den Augen verloren und dadurch den Platz eines orientierungslosen Blinden eingenommen hatte. Die Rettung Dantes kam in Form des Schattens Vergils, geschickt von Beatrice, welche wiederum von Lucia und Maria dazu bewegt wurde, zu helfen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Gerechtigkeit im Inferno ein und definiert den contrapasso als wesentliches Modell der infernalen Vergeltung, das im weiteren Verlauf der Arbeit untersucht wird.

II. Il contrapasso: Dieses Kapitel klärt die etymologischen Wurzeln des Begriffs contrapasso und zeigt dessen Abhängigkeit von aristotelischen und theologischen Quellen wie Thomas von Aquin auf.

III. Inferno: das Leiden in seiner Mannigfaltigkeit: Das Kapitel behandelt die allgemeinen Bedingungen in der Hölle, wie Dunkelheit und Nacktheit, und differenziert zwischen verschiedenen Arten der Bestrafung sowie deren Fortführung in Purgatorio und Paradiso.

IV. Dantes Darstellung des contrapasso im nicht-theoretischen Rahmen: Dieser Hauptteil analysiert die literarischen Strategien Dantes, insbesondere den Einsatz von Metaphern, um das vergeltende Prinzip des contrapasso in konkreten Szenen für den Leser nachvollziehbar zu machen.

V. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Erkenntnisse, wobei die Erkenntnis überwiegt, dass der contrapasso eine individuelle Fortführung der menschlichen Entscheidungen im Jenseits darstellt.

Schlüsselwörter

Dante Alighieri, Divina Commedia, Inferno, Contrapasso, Vergeltung, Sünde, Strafe, Metapher, Aristoteles, Thomas von Aquin, Poena sensus, Poena damni, Unterwelt, Ugolino della Gherardesca, Gerechtigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit dem Vergeltungsprinzip des contrapasso in Dantes Inferno und untersucht, wie dieses Konzept als gerechtes System für die Bestrafung der Sünder im Werk fungiert.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?

Im Zentrum stehen die theoretische Herleitung des Begriffs, die Anwendung der Strafformen (Analogie und Antithese) sowie die erzählerische Umsetzung dieses Konzepts in ausgewählten Gesängen der Commedia.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit zielt darauf ab zu ergründen, welchen Darstellungsmöglichkeiten sich der Autor Dante bedient, um das Gesetz des contrapasso als roten Faden mit kreativem Spielraum auf die individuellen Sünden der Verdammten anzuwenden.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär genutzt?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär textbasiert arbeitet und dabei auf Sekundärliteratur, historische Kontexte des Mittelalters sowie theologisch-philosophisches Fachwissen zurückgreift.

Was wird im theoretischen Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des contrapasso, seiner Einordnung in die scholastische Philosophie und der praktischen Anwendung in der poetischen Struktur der Unterwelt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Bachelorarbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind contrapasso, Dante, Inferno, Vergeltung, Sünde, Metapher und scholastische Philosophie.

Warum spielt das Konzept des "Luftkörpers" für das Verständnis der Strafen eine Rolle?

Das scholastische Konzept des Luftkörpers erklärt für den Leser, warum die Schatten im Jenseits physische Schmerzen empfinden können, obwohl sie immateriell sind, was die Wirksamkeit der Grausamkeiten im Inferno erst ermöglicht.

Inwiefern ist das Schicksal von Graf Ugolino im Canto XXXIII ein besonderes Beispiel für den contrapasso?

Ugolino und der Erzbischof Ruggieri verkörpern eine wechselseitige Strafe, bei der ihre irdischen Taten (Verrat und Hunger als Waffe) direkt in eine ewige, metaphorische Bestrafung (Kannibalismus im Eis) überführt werden, was die Unausweichlichkeit ihrer vorherigen Entscheidungen verdeutlicht.

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Details

Title
Dantes Konzept des "contrapasso" unter besonderer Berücksichtigung von "Inferno XXXIII"
College
Klagenfurt University  (Romanistik)
Grade
2,0
Author
Simone Filzmaier (Author)
Publication Year
2021
Pages
42
Catalog Number
V1234794
ISBN (PDF)
9783346666222
ISBN (Book)
9783346666239
Language
German
Tags
Dante Alighieri Inferno Ugolino della Gherardesca Gesang XXXIII Gesang 33 contrapasso contrappasso poena sensus poena damnis Talionsprinzip
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Simone Filzmaier (Author), 2021, Dantes Konzept des "contrapasso" unter besonderer Berücksichtigung von "Inferno XXXIII", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1234794
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