Der Film "Die fabelhafte Welt der Amélie" zeichnet sich durch mehrere Besonderheiten aus. Ob es nun die spezielle Farbgebung betrifft oder wiederkehrende Textelemente, der Film schafft seine ganz eigene Stimmung und Atmosphäre. Nun stellt sich die Frage, welcher Zweck, Botschaft oder einfach nur Wirkung mit den eingesetzten Mitteln erzeugt werden soll. Die These hierzu bezieht sich darauf, dass der Film die Individualität des Menschen hervorhebt und die Zuschauenden dadurch ihre eigene Einzigartigkeit erkennen. Das persönliche Balance-Streben der ICH-Identität kann für den Moment aufgehoben werden, weshalb der Film als angenehm empfunden wird. Anhand des Einsatzes von Großaufnahmen soll im Folgenden analysiert werden, wie diese spezielle Wirkung erzielt wird
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Hintergründe
2.1 THEORETISCHE ANNAHMEN ZUR MENSCHLICHEN INDIVIDUALITÄT
2.2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN ZUR GROßAUFNAHME
3 Wirkung Der Großaufnahmen Bei „Amélie“
3.1 BEDEUTUNG DER GROßAUFNAHMEN VON NEBENCHARAKTEREN
3.2 BEDEUTUNG DER GROßAUFNAHMEN VON AMÉLIE
4 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie das filmische Mittel der Großaufnahme in „Die fabelhafte Welt der Amélie“ dazu beiträgt, die menschliche Individualität hervorzuheben und den Zuschauenden die eigene Einzigartigkeit näherzubringen, um ein Ungleichgewicht zwischen sozialer Konformität und persönlicher Identität zu mildern.
- Analyse der Bedeutung von Großaufnahmen im Kontext filmtheoretischer Annahmen
- Die Rolle der Identitätstheorie nach George Herbert Mead für die Charakterzeichnung
- Wirkungsweise von Großaufnahmen bei Nebenfiguren zur Spiegelung individueller Differenz
- Die psychologische Dimension der Großaufnahme bei der Protagonistin Amélie
- Der Einfluss von filmischen Mitteln auf die Selbsterkenntnis des Zuschauers
Auszug aus dem Buch
3.1 BEDEUTUNG DER GROßAUFNAHMEN VON NEBENCHARAKTEREN
Zunächst lässt sich feststellen, dass sämtliche Personen, die vorgestellt werden auch fast immer mit einer Großaufnahme gezeigt werden. Die Individualität des Einzelnen wird also durch das Hervorheben des Gesichts abgerundet und hervorgehoben. Die Diversität der Figuren und ihrer persönlichen Vorlieben zeigt sich somit nicht nur in der Beschreibung des Erzählers, sondern auch in der Unterschiedlichkeit der Gesichtszüge, der Mimik, dem Ausdruck. Das Gesicht wird also hierbei auch als Spiegel zum Inneren des Menschen benutzt. Der Zuschauende erkennt durch die Präsenz der Unterschiedlichkeit auch seine eigene Individualität, was ihn in seiner Personalen Identität bestärken kann.
Auffällig ist hierbei, zu welchen Zeitpunkten die Großaufnahmen eingesetzt werden. Einerseits werden Großaufnahmen gezeigt um die persönliche Nähe oder Bedeutung der Personen in Amélies Leben darzustellen und andererseits werden Großaufnahmen in Momenten gezeigt, wenn Personen sich im Dialog persönlich öffnen. Ersteres wird zum Beispiel deutlich, indem Amélies Eltern, ihre Kollegin Gina oder auch Nino noch während der Vorstellung ihrer Person in einer Großaufnahme gezeigt werden. Auch bei Monsieur Dufayel, Vater Collignon oder Lucien ist dies der Fall. Es wird also durch den Blick in das Gesicht der Personen auch die Sympathie oder persönliche Verbundenheit, die Amélie in Bezug auf diese Personen aufweist verdeutlicht. Persönliche Nähe steht hier in Verbindung mit Individualität, da sich Amélie bei diesen Personen nicht so stark ihrer Sozialen Identität beugen muss, sondern sie selbst sein kann bzw. ihre Besonderheit und Individualität akzeptiert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die These, dass der Film die menschliche Individualität durch Großaufnahmen hervorhebt und so den Zuschauenden zur Selbstreflexion anregt.
2 Theoretische Hintergründe: Dieses Kapitel verknüpft handlungstheoretische Ansätze zur Identität nach Mead mit filmtheoretischen Definitionen der Großaufnahme als Spiegelmetapher.
2.1 THEORETISCHE ANNAHMEN ZUR MENSCHLICHEN INDIVIDUALITÄT: Es wird der Unterschied zwischen sozialer Identität (Konformität) und personaler Identität (Einzigartigkeit) erörtert.
2.2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN ZUR GROßAUFNAHME: Diese Sektion erläutert die Großaufnahme als affektives Mittel, das Intimität schafft und den Blick in das Innere der Figuren ermöglicht.
3 Wirkung Der Großaufnahmen Bei „Amélie“: Hier wird der theoretische Rahmen auf das konkrete Filmbeispiel angewendet, um die Wirkung der Kameraeinstellungen zu analysieren.
3.1 BEDEUTUNG DER GROßAUFNAHMEN VON NEBENCHARAKTEREN: Die Analyse zeigt, wie Nebenfiguren durch Großaufnahmen in ihrer Individualität gestärkt werden und als Identifikationspunkte fungieren.
3.2 BEDEUTUNG DER GROßAUFNAHMEN VON AMÉLIE: Dieser Teil betrachtet die Reise der Protagonistin zur Akzeptanz ihrer Identität und die Spiegelung dieser Reise auf den Zuschauenden.
4 Ausblick: Der abschließende Teil deutet weitere Analysepunkte wie Märchenmotive und Heldenreisen an, die für zukünftige Forschungsarbeiten relevant sein könnten.
Schlüsselwörter
Großaufnahme, Individualität, Identitätsbildung, Amélie, Filmtheorie, soziale Identität, personale Identität, Spiegelmetapher, Charakterentwicklung, Mimik, psychologische Wirkung, filmische Analyse, George Herbert Mead, Intimität, Selbstreflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Funktion und psychologische Wirkung des filmischen Mittels der Großeinstellung im Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ im Hinblick auf das Streben des Menschen nach individueller Identität.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Hauptfelder sind die Identitätstheorie (nach G.H. Mead), filmtheoretische Grundlagen der Großaufnahme sowie deren praktische Anwendung in der Charakterinszenierung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie der Film durch gezielte Einstellungen das Ungleichgewicht zwischen dem gesellschaftlichen Konformitätsdruck und dem Bedürfnis nach gelebter Individualität thematisiert und ausgleicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Filmanalyse, die theoretische Ansätze aus der Rollentheorie mit filmgestalterischen Kriterien verknüpft.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Großaufnahmen bei Nebencharakteren Diversität und Nähe erzeugen und auf welche Weise die Kameraführung die innere Entwicklung der Figur Amélie spürbar macht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Großaufnahme, Individualität, Identitätsbildung, soziale Konformität, Spiegelmetapher und emotionale Intimität.
Welche Rolle spielt der Begriff der „Spiegelmetapher“ in der Analyse?
Die Großaufnahme fungiert als Spiegel, in dem der Zuschauer die Individualität der Figuren erkennt und diese Erkenntnis auf seine eigene Identität überträgt.
Wie unterscheidet sich die Wirkung bei Nebencharakteren im Vergleich zur Protagonistin?
Bei Nebenfiguren dient die Großaufnahme vor allem der Sichtbarmachung ihrer Einzigartigkeit und Sympathie; bei Amélie dokumentiert sie zudem ihre innere Reise zur Selbstakzeptanz.
Warum wird im Fazit/Ausblick auf Märchenmotive verwiesen?
Die Autorin stellt fest, dass Märchenanspielungen und archetypische Rollenbilder (wie der Mentor) weitere Ebenen der Identitätssuche im Film unterstützen.
- Arbeit zitieren
- Amelie Schnell (Autor:in), 2018, Die Wirkung von Großaufnahmen in "Die fabelhafte Welt der Amélie", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1234868