Bei der Arbeit geht es um die Theorien und Konzepte Judith Butlers, die auf einem Videobeispiel angewandt werden. Hierfür wird das Coming-out-Video von dem Content Creator Eugene Lee Yang beobachtet und ferner analysiert, um Parallelen in einer modernen Umsetzung der Theorien herauszustellen. Eugene Lee Yang ist ein sehr bekannter und aktiver Videoregisseur, der schon in früheren Jahren die Plattform YouTube für sich entdeckt hat und seither sehr viele verschiedene Videos veröffentlicht hat. Videos wie “Wedding dresses around Asia” und viele weitere rund um seine Herkunft und die LGBTQ+-Community konnte er während seiner Laufbahn als Regisseur schon umsetzen. Doch bis vor zwei Jahren versteckte er sich, wenn es um seine Sexualität ging. Am 15. Juni 2019 war er nun bereit, sich der Welt mit einer vollständig inszenierten Performance zu öffnen. "I am Gay" war das Video, mit dem er sich seinen Zuschauern erklärte. So möchte ich also Eugene Lee Yang und sein Coming-out-Video als Hauptgegenstand meiner Arbeit verwenden, um über die Misshandlung von sexuellen Minderheiten, hier gay, zu sprechen und wie diese einen Teil in unserer Gesellschaft einnehmen und das völlig außer Frage, ob sie in ihrem Wohlbefinden akzeptiert oder verstoßen werden.
Hierfür orientiere ich mich an Butler und Foucault, die einen poststrukturalistischen Diskurs geben über den Ort und die Konstruktion der sozialen Wirklichkeit. An Butlers Überlegungen „zur Subjektwerdung als Unterwerfungsprozess in machtdurchzogenen, diskursiven Strukturen“, werde ich anknüpfen und darüber hinaus die Frage nach dem Verhältnis eines einzelnen Individuums und ihrer sozialen Akzeptanz klären. Bezogen auf mein ausgewähltes Beispiel werde ich also genauer beobachten und analysieren, wie Eugene Lee Yang seinen Weg bis zum Outing portraitiert und mit welchen Hürden er zu kämpfen hat, bis er zum jetzigen Zeitpunkt ankommt. Dabei werde ich verschiedene Aspekte im Video ansprechen, wie beispielsweise die Farbkonstellation, die Requisiten und Bewegungen der Mitwirkenden und wie diese zu der Vermittlung seiner Kritik beitragen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theorien und Konzepte von Judith Butler
2. Beobachtungen zum Video
3. Analytische Betrachtung
4. Zusammenführung von Theorie und praktischer Umsetzung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Coming-out-Video "I am Gay" von Eugene Lee Yang aus einer medien- und kulturwissenschaftlichen Perspektive. Ziel ist es, mithilfe der poststrukturalistischen Theorien von Judith Butler und Michel Foucault die gesellschaftliche Konstruktion von Geschlechternormen zu hinterfragen und aufzuzeigen, wie das Video als Subversion bestehender Machtstrukturen fungiert, um soziale Veränderung anzuregen.
- Analyse der Konstruktion von Geschlechternormen durch Judith Butler und Michel Foucault
- Medienwissenschaftliche Dekonstruktion der audiovisuellen Aspekte des Videos "I am Gay"
- Untersuchung von Identitätsfindung und internalisiertem gesellschaftlichem Druck
- Diskussion über die Rolle des Individuums gegenüber hegemonialen, binären Geschlechterbildern
- Aufzeigen von Wegen zur sozialen Akzeptanz und Veränderung für sexuelle Minderheiten
Auszug aus dem Buch
Analytische Betrachtung
In „The Red Scene (Nature)“, was allgemein auch die allererste Szene des Videos ist, trägt der Protagonist des Geschehens nicht nur seine rote Kleidung und Schminke, sondern passt perfekt zu der verzierten Halle, welche extrem in roten Farben gehalten wird. Dadurch geht er in gewisser Weise unter und vermischt sich mit dem Hintergrund, als würde er nicht wirklich von seiner Umgebung wahrgenommen werden. Dennoch zeigt er sich in einer widerspruchsvollen Erscheinung, die nicht an seine Familie angepasst ist. Seine Familie guckt in alle Richtungen, aber niemand schaut Eugene an, der zentral positioniert ist. Er selbst bricht die vierdimensionale Wand auf und schaut den Zuschauern sozusagen direkt in die Augen.
Sein Blick ist starr und emotionslos. Die männlichen Akteure schauen zur rechten Seite und die Frauen nach links. Dies zeigt, dass jedes Geschlecht seine vorgeschriebene Rolle einnimmt. Eugene bleibt außen vor, weil er sich keinem Geschlecht direkt zuordnet und weil er sich mit beiden Richtungen emanzipieren kann. Dadurch wird ihm hier kein konkretes Geschlecht zugeschrieben, sondern er hat vielmehr seine eigene Perspektive. Sobald der Auftakt zu hören ist schaut die Gruppe in die Kamera, aber Eugene rebelliert, indem er sich ihnen nicht anpasst. Vielmehr scheint er seinen eigenen Weg zu verfolgen und er schaut nach oben als die Musik intensiv einschlägt. Erst ab dieser Sekunde (00:00:18) fängt die tatsächliche Performance im künstlerischen Ausdruckstanz an.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsfrage, die sich auf das Coming-out-Video von Eugene Lee Yang und die Analyse missbräuchlicher Geschlechternormen konzentriert.
Theorien und Konzepte von Judith Butler: Erläuterung der poststrukturalistischen Ansätze von Butler zu Geschlechternormen, Performativität und Machtstrukturen sowie deren Relevanz für sexuelle Minderheiten.
Beobachtungen zum Video: Detaillierte deskriptive Analyse der verschiedenen Szenen des Musikvideos unter Berücksichtigung audiovisueller Aspekte und der Kameraführung.
Analytische Betrachtung: Tiefgehende Untersuchung der im Video dargestellten symbolischen Handlungen und Identitätskonflikte vor dem Hintergrund der theoretischen Grundlagen.
Zusammenführung von Theorie und praktischer Umsetzung: Synthese der Butler’schen Identitätstheorie mit der künstlerischen Darstellung der Coming-out-Erfahrung von Eugene Lee Yang.
Fazit: Zusammenfassende Einschätzung des Videos als Mittel zur Kritik am binären Geschlechtersystem und zur Förderung gesellschaftlicher Akzeptanz.
Schlüsselwörter
Judith Butler, Eugene Lee Yang, Coming-out, Geschlechternormen, Heteronormativität, LGBTQ+, Gender Politics, Poststrukturalismus, Identität, Performativität, Diskurs, soziale Konstruktion, Subversion, Diskriminierung, Machtstrukturen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Coming-out-Video "I am Gay" des Regisseurs Eugene Lee Yang, um die Mechanismen gesellschaftlicher Ausgrenzung und die Konstruktion von Geschlechternormen kritisch zu untersuchen.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Die zentralen Felder umfassen kulturwissenschaftliche Identitätstheorien, die Dekonstruktion von Geschlechterbinaritäten sowie die mediale Inszenierung von Sexualität und Minderheitenrechten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Publikation?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Video durch eine bewusste Performance gesellschaftliche Normen untergräbt und den schmerzhaften Prozess der Selbstakzeptanz für homosexuelle Menschen sichtbar macht.
Welche wissenschaftlichen Theorien dienen als methodische Basis?
Die Autorin stützt sich primär auf die poststrukturalistischen Diskurse von Judith Butler (insbesondere aus "Undoing Gender") und Michel Foucault zur Analyse von Macht, Subjektwerdung und gesellschaftlichen Normen.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Beobachtung der einzelnen Videoszenen und eine anschließende theoretische Analyse, bei der das Verhalten des Protagonisten und der ihn umgebenden Gruppen gedeutet wird.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Performativität, Geschlechterkonstruktion, LGBTQ+-Identität, hegemoniale Machtstrukturen und Widerstand gegen diskriminierende gesellschaftliche Ideale.
Welche Rolle spielt die Herkunft von Eugene Lee Yang im Kontext der Arbeit?
Die Arbeit betont, dass Yang durch seinen Hintergrund in einer konservativen, südkoreanischen Migrationsfamilie den Druck, harten und strengen Männlichkeitsbildern zu entsprechen, besonders intensiv erfahren hat.
Warum wird das Video als "zweischneidiges Schwert" bezeichnet?
Dies bezieht sich auf die zwiespältige Wirkung von Akzeptanz: Während das Video zum einen der Community Sichtbarkeit und Gemeinschaft verleiht, thematisiert es gleichzeitig die schmerzhaften Schattenseiten von Ablehnung und strukturellem Hass.
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- Anonym (Author), 2021, Das Coming-out-Video "I'm Gay" von Eugene Lee Yang. Eine Subversion der Gesellschaft über das Unbehagen der Geschlechter und die Frage nach einer sozialen Veränderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1235080