Puritanische versus moderne Sexualität

Inwiefern können die Sexualitätsvorstellungen der Puritaner heute wieder gefunden werden?


Hausarbeit, 2006

19 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sexualitätsvorstellungen des Puritanismus und der Moderne
2.1. Puritanismus und seine Sexualität
2.2. Moderne Sexualität

3. Puritanische Sexualität versus moderne Sexualität

4. Schluss

5. Bibliographie

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit sollen Zusammenhänge zwischen den Sexualitätsvorstellungen der Puritaner und denen der Moderne dargelegt werden. Des Weiteren möchte ich hiermit meiner Meinung, dass Züge des Puritanismus noch heute in einigen Gesellschaften existieren, Ausdruck verleihen und diese belegen. Da trotz radikaler Wandlungen in der Einstellung bezüglich Sexualität, wie ich in der abschließenden Untersuchung zeigen werde, Merkmale des Puritanismus noch in der heutigen Gesellschaft auftreten, halte ich es für wichtig, dieses Thema zu analysieren.

Der Puritanismus hat im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert das alltägliche Leben in allen Lebensbereichen, vor allem in der Sexualität, stark beeinflusst. Seine Wichtigkeit kann daran gemessen werden, dass verschiedene Ideale des Puritanismus selbst die Umbrüche seit dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts bis in die heutige Zeit teilweise überstanden haben, und noch einige Charakteristika wieder zu erkennen sind. Besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika nimmt religiöser Glaube noch einen wichtigen Platz ein, wobei puritanisches Gedankengut von Vertretern des Methodismus und Fundamentalismus weiter getragen wird.

Dabei werde ich zunächst den Puritanismus und seine wesentlichen Richtlinien kennzeichnen, um dann auf die Sexualitätsvorstellungen dieser Zeit zu sprechen zu kommen. Anschließend wird die moderne Sexualität, die sich mit dem Ende des Viktorianismus am Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts herausgebildet und bis ins einundzwanzigste Jahrhundert entwickelt und radikal gewandelt hat, dargestellt.

Bezüglich des Puritanismus beziehe ich mich auf seine Entstehungs- und Blütezeit im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert. Der Puritanismus, der seinen Ursprung 1550 in England hat und 1620 durch die Kongregationalisten nach Amerika gebracht wurde, war eine englische Reformbewegung, die beabsichtigte, sich aufgrund von Missständen in der Anglikanischen Kirche von dieser zu separieren. Er setzt sich aus folgenden Denominationen zusammen: Presbyterianismus, Kongregationalismus, Theokratie, Protestantismus als auch Kalvinismus, und ist Teil des Christentums.[1]

Im Hauptteil erfolgt ein Vergleich zwischen beiden Sexualitätsvorstellungen sowie die Untersuchung, inwiefern der Puritanismus die Moderne beeinflusst hat, wobei letzteres auf Beispielen aus der amerikanischen Gesellschaft basiert. Sexualität wurde im Puritanismus lediglich in der Ehe legitimiert und diente primär Fortpflanzungs- und Beistandszwecken sowie Vermeidung von Sünde, jedoch waren die Puritaner Vergnügen nicht abgeneigt, solange es in Maßen erschien. Diese Forderung der Puritaner nach Beständigkeit in allen Lebensbereichen steht der sexuellen Radikalität, Permissivität, Emanzipation, und Lustbetontheit des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts als krasser Gegensatz gegenüber.

Im Schlussteil werde ich die Erkenntnisse der Untersuchung resümieren und eine Prognose bezüglich des weiteren Fortbestehens des Puritanismus aufstellen.

2. Sexualitätsvorstellungen des Puritanismus und der Moderne

In diesem Abschnitt erfolgen nun die Darstellung der Sexualitätsideale der Puritaner sowie die Veranschaulichung der wesentlichen Charakteristika des Puritanismus, und die anschließende Beschreibung moderner Sexualität, auf denen der spätere Vergleich und die Untersuchung aufbauen.

2.1. Puritanismus und seine Sexualität

Der Begriff „Puritanismus“ wird im Duden als eine „streng kalvinistische Richtung im England des 16. und 17. Jahrhunderts“ definiert, das Adjektiv „puritanisch“ wird im Sinne von „sittenstreng; bewusst einfach, spartanisch“ verwendet und weist auf „Purität“ als Term für „[Sitten]reinheit“ hin.[2]

Ursprünglich wurde der Begriff des Puritanismus jedoch von Anhängern der Anglikanischen Kirche verwendet, um Abtrünnige des vorherrschenden römisch-katholischen Glaubens, die versuchten die Anglikanische Kirche zu purifizieren, dadurch negativ zu titulieren.[3]

Die zunächst negativ auferlegte Bezeichnung impliziert die Auflehnung und Abspaltung der Puritaner gegenüber der Anglikanischen Kirche. Auch wurden die Puritaner oftmals als Dissidenten oder Nonkonformisten bezeichnet.[4]

Die Puritaner hingegen bezeichneten sich selbst nicht als solche, sondern als die „Frommen“[5] und „Gottesfürchtigen.“[6] Letztlich wurde der Begriff „Puritanismus“ allgemein anerkannt.

Ralph Barton Perry teilt die Ansicht über die Purität: “The Paulicians [… of] the fifth century [… have a] Greek name, Cathari (‘pure,’ ‘spotless,’ ‘clean’), [which] suggests a verbal analogy to puritanism” (66).

Der Puritanismus kann als „große kirchliche Reformbewegung“[7] verstanden werden. Perry beschreibt den Puritanismus als “[…] an effect of the peculiar history of the Reformation in England”[8], und räumt ein, dass eine bestimmte Gruppe von Puritanern zu den Reformatoren der Anglikanischen Kirche gehörte (vgl. Perry 66). Laut Perry ist der Puritanismus eine Gruppe von “certain Englishmen of the sixteenth and seventeenth centuries, some of whom migrated to America,[…]” (62), sowie eine Sekte, die aus einem “system of beliefs”, wie zum Bespiel “sin and prayer” (63), besteht und “theological and moral distinctions” (65) betont.

Immanente Vorläufer des Puritanismus waren Martin Butzer, John Hooper, Heinrich Bullinger, John Bradford, Huldreich Zwingli und John Calvin. Ihre weitgehend übereinstimmenden Doktrinen trugen zur Entwicklung des Puritanismus bei, doch Ansichten über Taufe, Buße, Kleiderrichtlinien, Abendmahl, Gottesliebe und zum Beispiel das Sakrament waren divergent.[9]

Butzer, wie Calvin, der in der Kirche „primär die Anzahl der Erwählten“ sah (95), ist bekannt für die „Erwählungslehre“ (Lang 13) und deklarierte den für den Puritanismus typischen „christlich-sittlichen Ernst“ (23) sowie „Liebe und Gemeinschaft [als] die grundlegenden Ordnungen […] für die Kirche“ (32).

Hooper, der „das erste Samenkorn des Puritanismus in den englischen Boden eingepflanzt hat“ (38), gilt als Begründer der „englischen Sabbatauffassung […]“ (49). Als „Tag der Ruhe“ sollen die „Gedanken von den Lüsten [… abgezogen] und […] auf Gott [gelenkt]“ (51) werden.

Bei Bradfords Doktrinen ging es zentral um „Buße“ (59), sittlichen Ernst, Taufe, „die doppelte Prädestination“ (61), „das selige Ende“ (66) und „die Rettung der eigenen und anderer Seelen“ (64), welche im Puritanismus Fuß fassten.

Die Puritaner können in folgende Gruppierungen unterteilt werden: die Reformer der Anglikanischen Kirche, 1559-1662, die Pilgrimväter von Neu England, 1620 und 1630, die Anhänger der Puritanischen Revolution, 1642-60, die Theokratie Neu Englands, 1650-90 sowie Jonathan Edwards “The Great Awakening”, 1730-50 (vgl. Perry 66-67).

Das England des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts bestand aus Monarchien, die von religiösen und politischen Unruhen geprägt waren. Bis zur “Glorious Revolution of 1688”, die religiöse Toleranz erbrachte, wurden Puritaner verfolgt und bestraft: “[…] the puritans […] were prosecuted and penalized […] until the Revolution of 1688, when religious toleration became an established policy […].”[10]

Eine Theokratie konnten die Puritaner in England zwar nicht durchsetzen, versuchten aber unabhängig von der dominanten Anglikanischen Kirche ihre eigenen Doktrinen auszuleben. Zu ihren Zielen gehörte die Transformation der Monarchie in ein göttliches Reich.[11] Wie Zakai besagt, strebten die Puritaner eine Unabhängigkeit der Kirchen sowie eine Reformation der Kirchenregierung an (vgl. 272, 277), um den Antichristen, der in der Anglikanischen Kirche präsent war, zu bekämpfen (vgl. 274, 275).

1620 und 1630 wurde der Puritanismus durch die Pilgrimväter auf der Mayflower von England nach Amerika, insbesondere Neu England, Massachusetts, gebracht.[12] Trotz grundlegender Übereinstimmungen mit den englischen Puritanern bezüglich Calvins Prädestinationslehre und der Purifizierung des Christentums, besteht ein wesentlicher Unterschied im Bestreben der amerikanischen Puritaner nach der Etablierung der Kirche in der Wildnis, welche Zakai als “errand into the wilderness” beschreibt (105). Durch die

Amerikaemigration erhofften sich die englischen Puritaner Zuflucht vor der korrupten Religion Englands mit der Intention der Gründung eines christlichen Commonwealth (vgl. 24).

Die Reformation bewirkte die Abspaltung der Puritaner von der Anglikanischen Kirche in eigene Glaubensgemeinschaften, so genannte Kongregationen, und machte die Errichtung einer Theokratie und die Gründung der “covenants” möglich, welche das spirituelle, politische und insbesondere das moralische Leben regelten (194, 19). Sie waren daher insofern radikaler als die Puritaner in England, da sie sich von der Anglikanischen Kirche völlig separierten.

[...]


[1] vgl. Perry, Ralph Barton. Puritanism and Democracy. (New York: The Vanguard Press, 1944) 82.

[2] „Puritanismus“, Duden – Das Fremdwörterbuch, 1997.

[3] vgl. “Puritan.” Wikipedia, the free encyclopedia. 25 Sept. 2006. http://en.wikipedia.org/wiki/Puritan, 1.

[4] vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Puritan, 3.

[5] “godly”, Collins Handwörterbuch Englisch, 1994.

[6] vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Puritan, 1.

[7] Lang, August. Puritanismus und Pietismus. Studien zu ihrer Entwicklung von M. Butzer bis zum Methodismus. (Darmstadt: Neukirchener Verlag Neukirchen-Vluyn, 1972) 72.

[8] Perry, 67.

[9] vgl. Lang, 1. Kapitel.

[10] Perry, 70.

[11] vgl. Zakai, Avihu. Theocracy in Massachusetts. Reformation and Separation in Early Puritan New England. (Lewiston, Queenston, Lampeter: Mellen University Press, 1994) 322, 324.

[12] vgl. Baym, Nina et al., The Norton Anthology of American Literature, ed. Nina Baym, 6th ed., 5 vols. (New York: W. W. Norton & Company, 2003) A: 12-13.

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Details

Titel
Puritanische versus moderne Sexualität
Untertitel
Inwiefern können die Sexualitätsvorstellungen der Puritaner heute wieder gefunden werden?
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Europäische Ethnologie und Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Ausbildung der modernen Sexualität und Protestantismus
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V123534
ISBN (eBook)
9783640281343
ISBN (Buch)
9783640284290
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Puritanische, Sexualität, Ausbildung, Protestantismus
Arbeit zitieren
Oliver Baum, M.A. (Autor), 2006, Puritanische versus moderne Sexualität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123534

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