Die Funktion des amerikanischen Südens in den Dramen 'The Glass Menagerie' und 'A Streetcar Named Desire' von Tennessee Williams


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Der Autor und die Südstaatenrenaissance
2.2 The Glass Menagerie
2.2.1 Die Handlung und deren Verbindung zum amerikanischen Süden
2.2.2 Die Charaktere und deren Verbindung zum amerikanischen Süden
2.2.3 Der Ort und dessen Verbindung zum amerikanischen Süden
2.3 A Streetcar Named Desire
2.3.1 Die Handlung und deren Verbindung zum amerikanischen Süden
2.3.2 Die Charaktere und deren Verbindung zum amerikanischen Süden
2.3.3 Der Ort und dessen Verbindung zum amerikanischen Süden

3. Schlussteil

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Well, in the South we had so many servants. Gone, gone, gone. All vestige of gracious living! Gone completely! I wasn’t prepared for what the future brought me.[1]

Tennessee, geboren als Thomas Lanier Williams in Columbus, Mississippi, im Jahre 1911, war einer der führenden amerikanischen Dramatiker seit dem zweiten Weltkrieg. Sein internationaler Ruhm basiert besonders auf dem Erfolg der beiden Stücke The Glass Menagerie und A Streetcar Named Desire. Sie wurden aufgeführt, verfilmt und sogar im Fernsehen ausgestrahlt. Nach der Aufführung dieser beiden Stücke waren Kritiker der Meinung, dass der Erfolg Williams zurückgegangen war. Seine letzten Stücke galten unter ihnen als Misserfolge. Zusammen mit den Werken von Autoren wie William Faulkner, Carson McCullers und Thomas Wolf wurden Tennessee Williams Stücke von den Traditionen und Legenden des „Old South“ und der Realität eines aggressiven „New South“ beeinflusst.[2] In den beiden Stücken ist der amerikanische Süden der Ort der Handlung, und die Charaktere werden von der Geschichte und Kultur des Südens direkt beeinflusst. In der folgenden Arbeit sollen die beiden Stücke The Glass Menagerie und A Streetcar Named Desire von Tennessee Williams mit Hinblick auf die Handlung, die Charaktere, den Ort und deren Verbindung zum amerikanischen Süden analysiert werden. Hierbei soll die Frage beleuchtet werden, welchen Stellenwert der amerikanische Süden in den beiden Theaterstücken hat. Im ersten Teil der Arbeit werde ich zunächst auf den Autor und den Begriff der Südstaatenrenaissance eingehen. Danach werden beide Stücke im Hinblick auf die bereits erwähnten Kriterien untersucht. Im letzten Teil der Arbeit möchte ich beide Stücke einem Vergleich unterziehen. Zusätzlich zu den beiden Werken selbst dienen als Literaturbasis für die Arbeit unter anderem Roger Boxills „Tennessee Williams[3], „The Glass Menagerie- A Collection Of Critical Essays[4], Christian Jauslins „Williams[5] oder auch George Crandells „The critical response to Tennessee Williams[6]

2. Hauptteil

2.1 Der Autor und die Südstaatenrenaissance

Am 16. März 1911 wurde Thomas Lanier Williams in Columbus, Mississippi geboren.

Er war der Sohn von Cornelius Coffin Williams, Vertreter bei einer Schuhfirma, und seiner Frau Edwina Dakin Williams. Seine frühe Kindheit verbrachte er im Pastorat seiner Großeltern mütterlicherseits. Die Kindheit war geprägt von dem problematischen Verhältnis zu seinem Vater, der den Jungen wegen seines weiblichen Verhaltens hänselte, häufigen Wohnortswechseln und von Konflikten der Eltern. Williams’ begann früh sich mit Literatur zu beschäftigen. Bereits als Achtjähriger las er Dickens und Shakespeare, und noch vor der Pubertät fing er an selber zu schreiben. Ab dem Jahre 1923 hat Tennessee Williams an verschiedenen Universitäten in Amerika studiert. Nachdem seine Komödie Cairo! Shanghai! Bombay! 1935 in Memphis erfolgreich aufgeführt worden war, schrieb er fortan überwiegend Dramen. Im Jahre 1940 kam es zur Aufführung seines Stückes Battle of Angels. Trotz prominenter Besetzung erreichte es das Publikum, sowie die Kritiker nicht. Zuvor hatte er sich das Pseudonym Tennessee, das die Verbundenheit mit dem Süden ausdrücken sollte, zugelegt. Der große Durchbruch als Dramatiker gelang Williams schließlich mit The Glass Menagerie im Jahre 1944. Einen weiteren großen Erfolg erlangte er mit dem Bühnenstück A Streetcar Named Desire im Jahre 1947, für welches er seinen ersten Pulitzer Preis erhielt. Seine Produktivität nahm in den fünfziger Jahren nicht ab, jedoch waren die folgenden Kurzgeschichten, Romane und Theaterstücke nur mäßig erfolgreich. Mit Cat on a Hot Tin Roof (1955), für welches er einen zweiten Pulitzer Preis erhielt, und Sweet Bird of Youth (1959) gelang ihm hingegen erneut ein großer Erfolg. In den sechziger Jahren besaß Williams zwar internationalen Ruhm, doch private Probleme verursachten bei ihm Depressionen.

Im Jahre 1970 bekannte Williams sich erstmalig öffentlich zu seiner Homosexualität. Am 25. Februar 1983 starb Tennessee Williams in einem New Yorker Hotel, weil er sich an der Verschlusskappe einer Medizinflasche verschluckt hatte.[7]

Tennessee Williams literarisches Schaffen steht in enger Verbindung mit der so genannten Südstaaten-Renaissance, welche als eine der bedeutsamsten Erscheinungen der amerikanischen Kultur gilt.[8] Den Anfang dieser Bewegung stellte die um John Crowe Ramson versammelte Gruppe von Autoren, the fugitives, dar.

Ihr Name leitete sich von der von ihnen herausgegebenen Literaturzeitschrift The Fugitive ab. Mit ihren literaturwissenschaftlichen Beiträgen bildete die Zeitschrift den Ausgangspunkt zur Schule des New Criticism.[9] Im Jahre 1930 publizierte die Gruppe eine Sammlung von Essays mit dem Titel „I’ll Take My Stand, a manifesto of American Southern agrarianism.“ Sie brachten die Idee ein, dass der Süden mit seinen altmodischen sozialen und politischen Traditionen ein Gegenstück zum Materialismus und zur kulturellen Barbarei des Nordens, der im Begriff sei das Beste der Südstaatentraditionen zu zerstören, darstellen solle.[10] Vor allen Dingen wandten sie sich gegen den urbanisierten Materialismus der Neuengland- Staaten.

Zudem betonte man die Eigenständigkeit, was jedoch nicht einem Nationalismus entsprach. Diesen warfen sie im Gegenteil dem Norden vor, der eine völlig unabhängige Literatur schaffen wolle. Die Auffassung der Gruppe war es, sich der gesamten Kultur von Amerika und auch von Europa anzuschließen. In den größeren Rahmen der Südstaatenrenaissance, aber nicht direkt mit der zuvor erwähnten Gruppe verbunden, gehörten zudem weltbekannte Autoren wie Truman Capote, Thomas Wolf, Carson Mc Cullers und William Faulkner, der als die wichtigste Person der Südstaatenrenaissance gilt. Alle Autoren fangen in ihren Werken die exotische Atmosphäre und die Dekadenz der Südstaaten ein, und aus diesem Milieu heraus entstand auch Tennessee Williams Werk. Er dramatisiert ein bestimmtes Thema modernen Lebens, das sich zunächst als Südstaatenproblem definieren ließe.

In A Streetcar Named Desire thematisiert er die tragische Auflösung der Südstaatengesellschaft. Auch Amanda Wingfield in The Glass Menagerie tritt als Vertreterin des Südens auf. Es wäre jedoch zu einfach zu sagen, dass Williams ausschließlich inneramerikanische Probleme thematisiere. Die Wunschträume des Menschen im Gegensatz zu der Realität, mit der ihn das Leben konfrontiert, sind ein Thema, dass auch außerhalb des amerikanischen Südens von Bedeutung ist.[11]

2.2 The Glass Menagerie

2.2.1 Die Handlung und deren Verbindung zum amerikanischen Süden

Bereits in der ersten Szene des Stückes schafft Williams, mit Hilfe der Beschreibung des Bühnenbildes, die Vorraussetzungen zum Verständnis des Kernproblems, nämlich die Spannung zwischen seinen Figuren.[12] Tom Wingfield, ein umherziehender Träumer, ist ein Charakter des Stückes und der Erzähler.

Er führt durch das Stück hindurch und betont gleich zu Beginn, dass das Stück ein Spiel der Erinnerung sei. „the play is memory Beeing a memory play it is dimly lighted, it is sentimental, it is not realistic.“[13] Er schildert die wichtigsten Ereignisse des Stückes, dreht gleich zu Beginn die Zeit zurück und datiert das Schauspiel auf die dreißiger Jahre. Die folgende Anspielung auf die Blindenschrift dient als Symbolik, die das Verhalten des amerikanischen Volkes angesichts der Wirtschaftskrise im eigenen Land und der Entwicklung in Europa andeuten soll. „Their Eyes had failed them, or they had failed their eyes, and so they were having their fingers pressed forcibly down on the fiery Braille alphabet of a dissolving economy. In Spain there was revolution. Here there was only shouting and confusion.“[14] In diesem zeitlichen Raum lässt der Autor die Handlung spielen, und zwar in sieben Szenen. Amanda, die Mutter von Tom, besinnt sich bereits in der ersten Szene auf ihre soziale Herkunft des Südens und entwickelt das Bild einer wohlhabenden Pflanzertochter. „My callers were gentlemen – all! Among my callers were some of the most prominent young planters of the Mississippi Delta – planters and sons of planter![15] Dem Leser wird es nun möglich, das zuvor genannte Bühnenbild als ein Kontrastmittel zu sehen. Es dient als Gegensatz zu der irrealen Welt Amandas, welche die agrarische Welt der südlichen Pflanzeraristokratie darstellt, und der realen Welt, die der Innenraum einer urbanisierten unteren Mittelschicht des neuen Südens ist.[16] Williams erzeugt gleich zu Beginn eine Spannung zwischen Amanda und ihren Kindern indem er Amanda von einer Rückkehr in den alten aristokratischen Süden träumen lässt. Damit ist der entscheidende Handlungsträger des Stückes geschaffen, nämlich die Unfähigkeit Amandas sich innerlich von ihrer aristokratischen sozialen Herkunft zu lösen. Der alte Süden wird somit zu einer Begründung der Spannung zwischen den Protagonisten. Von diesem großartigen Leben im alten Süden mit zahlreichen Herrenbesuchen aus guter Gesellschaft ist jedoch nicht viel geblieben. Amanda heiratete letztlich einen Telefonisten, der sie nach wenigen Jahren verließ.[17] In Laura, ihrer Tochter, sieht Amanda nun die einzige Rettung der Situation. Sie projiziert die Welt des alten Südens auf ihre Tochter. Die einzige Chance besteht darin, Laura, nachdem sie heimlich die Handelsschule verließ, so bald wie möglich mit einem Mann zu verheiraten. „After the fiasco at Rubicam’s Business College, the idea of getting a gentleman caller for Laura began to play a more and more important part in Mother’s calculations. It became an obsession.[18] In der fünften Szene des Stückes kündigt Tom den lang ersehnten Herrenbesuch für den nächsten Tag an. Amanda scheint in dieser Szene außer sich. „What? A gentleman caller! You mean you have asked some nice young man to come over? Well, well – well, well! That’s lovely![19]

[...]


[1] Williams, Tennessee. The Glass Menagerie. Reclam (Stuttgart, 1984) 90.

[2] Bock, Hedwig. Tennessee Williams, Southern Playwright, in: Hedwig, Bock und Albert Wertheim. Essays On Contemporary American Drama. 1. Auflage (1981) 5.

[3] Boxill, Roger. Tennessee Williams. (New York: St. Martin’s, 1987).

[4] Parker, R.B., et al., ed. The Glass Menagerie- A Collection Of Critical Essays. (New Jersey, 1983).

[5] Jauslin, Christian. Williams. (München, 1978).

[6] Crandell, George W, ed. The critical response to Tennessee Williams. (Greenwood, 1996).

[7] Berlin, Thomas. Tennessee Williams – Leben und Werk, in: Becker, Jens Peter, et al., Workbook zu Tennessee WilliamsCat on a Hot Tin Roof „.(Kiel, 1988)10-15.

[8] Falk, Signi. Tennessee Williams. ed. Bowman, Sylvia E., 2. Auflage. ( Boston, 1978) 17.

[9] Jauslin, C. Williams. 15.

[10] Falk, S. Tennessee. 18.

[11] Jauslin, C. Williams. 16.

[12] Koepsel, Jürgen. Der amerikanische Süden und seine Funktionen im dramatischen Werk von Tennessee Williams. (Frankfurt, 1974). 192.

[13] Williams, T. The Glass. 18.

[14] Williams, T. The Glass. 17-18.

[15] Williams, T. The Glass. 23.

[16] Koepsel, J. Der amerikanische. 192.

[17] Jauslin, C. Williams. 54.

[18] Williams, T. The Glass. 36.

[19] Williams, T. The Glass. 64.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Funktion des amerikanischen Südens in den Dramen 'The Glass Menagerie' und 'A Streetcar Named Desire' von Tennessee Williams
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Englisches Seminar)
Veranstaltung
Der amerikanische Süden: Antebellum und Bürgerkrieg
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V123570
ISBN (eBook)
9783640620999
ISBN (Buch)
9783640621484
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funktion, Südens, Dramen, Glass, Menagerie, Streetcar, Named, Desire, Tennessee, Williams
Arbeit zitieren
Tobias Hahn (Autor), 2008, Die Funktion des amerikanischen Südens in den Dramen 'The Glass Menagerie' und 'A Streetcar Named Desire' von Tennessee Williams, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123570

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