Methodisches Arbeiten in der Sozialen Arbeit. Bearbeitung einer Fallvignette


Hausarbeit, 2021

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Auftragsklärung
1.2 Arbeitshypothesen

2. Handlungs- und Interventionsplanung
2.1 Arbeit mit Einzelpersonen
2.3 Zugang: Soziale Arbeit im Gemeinwesen/Sozialraumorientierung

3. Handlungs- und Interventionsplan
3.1 Arbeit mit Einzelpersonen
3.2 : Sozialraumorientierung

Quellenverzeichnis

Anhang A: Genogramm Familie W

Anhang B: Konzept: Ehrenamtsbörse im Quartier.

Adressatinnen

Ziele

Organisationelle Einbindung

Finanzierung

Rolle der Koordination

Ablauf des Ehrenamts - Rolle der Ehrenamtler:innen

Erfolgskriterien

Blinde Flecken

1. Einleitung

Für die Prüfungsleistung innerhalb des Moduls "Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit" haben wir uns für die Fallbearbeitung der Fallvignette "Max Mustermann" entschieden. In dem vorliegenden Fall dreht es sich hauptsächlich um Herrn L. (45) und seine ehemalige Lebensgefährtin Frau W. (30), welche sich in einer hochstrittigen Trennungssituation befinden (vgl. Keil de Ballon 2018, S. 1 ff.). Diese wirkt sich negativ auf das sozialemotionale Verhalten des gemeinsamen Sohnes T. (4) aus (vgl. Liel 2018, S. 11 f.; Kindler 2007, S. 37 ff.). Die Falldarstellung wird hier aus der Sicht des Sozialarbeiters des Jugendamtes in Kirchberg, Max Mustermann, vorgenommen. Ausgang der Falldarstellung ist eine Helferkonferenz zwischen verschiedenen Akteur*innen. In dieser Hausarbeit werden wir zunächst durch Hypothesenbildung die vorgegebene Situation genauer analysieren, um dann im nächsten Schritt eine Handlungs- und Interventionsplanung zu gestalten. Abschließend werden von uns, anhand der Einzelfallhilfe und der Sozialraumarbeit, weitere Schritte für geeignete Hilfsangebote detailliert beschrieben.

1.1 Auftragsklärung

Anhand der Fallvignette lässt sich annehmen, dass Frau W. zum ersten Mal auf Max Mustermann innerhalb einer einberufenen Helferkonferenz im Jugendamt trifft, während sich ihr ehemaliger Lebensgefährte Herr L. bereits nach einer Umgangsregelung für Sohn T. bei Herrn Mustermann erkundigt hat. Man kann dadurch annehmen, dass Herr L. und Herr Mustermann bereits ein Erstgespräch geführt haben, in welchem es zu einer ersten Klärung der aktuellen Trennungssituation zwischen den Eltern gekommen ist, sodass Max Mustermann ein bisheriges Bild des Falles festhalten konnte (vgl. Widulle, 2020, S. 155-157). Ihm ist die im Fall beschriebene Familiensituation von Familie W., Herr L.s Gewaltausbrüche und T.s aggressives Verhalten, innerhalb der Kindertageseinrichtung, bekannt.

Nach einem Gespräch mit der Kita-Leitung von T. wurde durch Herrn Mustermann eine Helferkonferenz mit der Kindesmutter Frau W., der Kita-Leitung Frau Mosbach, sowie der für T. zuständigen Heilpädagogin Frau Husemann einberufen, da es zu einer Häufung an aggressivem Verhalten bei T. in der Kita gekommen ist. Bei der Helferkonferenz gilt es herauszufinden, welche Wünsche und Zustände gerade innerhalb und außerhalb der Familie herrschen und wie man diese durch eine geeignete Unterstützung für alle Beteiligten erreichen kann (vgl. ebd., S. 165 f.). Das Verhältnis zwischen Frau W.s Familie und Herr L. wird als konfliktgeladen, besonders in Bezug auf ihren Bruder und ihre Mutter, beschrieben. Zudem verfügt Frau W. nur über ein limitiertes außerfamiliäres Netzwerk. Dieser Zustand könnte auf eine vorsätzlich von Herrn L. forcierte soziale Isolation von Frau W. hinweisen, was ein Merkmal für Partnergewalt sein kann (vgl. Brzank 2011, S. 100 f.).T.s aggressives

Verhalten kann auf Spannungen und offen ausgetragene Konflikte innerhalb der Familie deuten (vgl. Schlippe und Schweitzer, 2003, S.102 f.).

Für eine umfassendere Fallbearbeitung müssen im nächsten Schritt einige Aspekte geklärt werden. Dazu gehört der Hintergrund von Herrn L.s Gewaltausbrüchen und ob ein Umgang mit T. dem Kindeswohl entspricht. Gleichzeitig gilt die finanzielle Situation der erwerbslosen Frau W. zu beachten, da sie als Alleinerziehende nach §20 Abs. 2 SGB II einen veränderten Anspruch auf Arbeitslosengeld II hat und zugleich der Unterhaltsanspruch für T. geregelt werden muss. Um die Situation in der Kita einschätzen zu können, könnten die Ergebnisse der vorherigen Gesprächstermine geprüft werden, sowie die bisherige Umgangsweise der Erzieher*innen aus der KiTa mit T.s Verhalten. Hierbei sollte auch Frau W.s Sicht auf das Verhalten ihres Sohnes geklärt werden und weshalb sie die Termine der Frühförderung nicht regelmäßig wahrnimmt. Abschließend muss geklärt werden, ob bei T. eine Diagnostik zur Frühförderung stattgefunden hat oder unter welchen Voraussetzungen eine heilpädagogische Begleitung aufgenommen wurde. Im Kontext des Jugendamtes wird die zentrale Aufgabe sein, den Fokus auf Frau W. zu setzen und sie bei der Bewältigung ihrer aktuellen Lebenslage zu unterstützen und gleichzeitig Herrn L. einen geeigneten Umgang mit Sohn T. zu ermöglichen, um eine angemessene Hilfe zu evaluieren (vgl. Böhnisch, 2019).

1.2 Arbeitshypothesen

1. Arbeitshypothese

Herr L. wird von Familie W., insbesondere von der Mutter und dem Bruder, gemieden und gilt als unbeliebt bei ihnen. Dies kann zum einen durch den großen Altersunterschied von 15 Jahren bedingt sein, womit die Familie nicht einverstanden war und dies offen kommuniziert, haben. Dadurch meidet die, sonst stark miteinander verbundene, Familie Herrn L. und sieht ihn nicht als Teil ihrer Gemeinschaft an. Dies kann zu einem Kontrollverlust bei Herrn L. geführt haben, welches er mit Gewalt gegenüber Frau W. kompensiert hat (vgl. Kaiser, 2012, S. 37).

2. Arbeitshypothese

T.s auffälliges Verhalten in der KiTa ist durch die aktuelle Familiensituation bedingt. Durch das angespannte Verhältnis zwischen seinen Eltern, welches durch mehrere Konflikte und Gewalt gekennzeichnet ist, erfährt T. mehrere Stressfaktoren, welche er nicht angemessen verarbeiten kann. Dies führt zu dem im Fall beschriebenen oppositionellem und aggressivem Verhalten, welches er durch Beobachtungen übernommen hat und dieses gegenüber anderen ausübt (vgl. Petermann und Koglin, 2013, S. 47ft). Durch die Abschirmung zu seinem Vater, durch die negative Einstellung seiner Familie, leidet T. unter dieser Trennung (vgl. Barth-Richartz, 2012, S. 144).

3. Arbeitshypothese

Frau W. hat trotz des großen Familienbezuges, wenig andere soziale Kontakte in ihrem näheren Umfeld. Dies kann besonders durch die starke emotionale Bindung zu ihrem ehemaligen Lebensgefährten Herrn L. entstanden sein, der sie von externen Beziehungen (z.B. Freunden, Familie) abgeschirmt hat. Dies kann ein weiteres Indiz für einen innerfamiliären Konflikt zwischen Herrn L. und der Familie W. geführt haben. Durch die Trennung von Herrn L. konnte Frau W. ein neues Kapitel in ihrem Leben aufschlagen, in dem es unabdingbar ist, sich ein stabiles sozial-emotionales Umfeld aufzubauen und gleichzeitig neue Ressourcen zur Lebensbewältigung zu entwickeln. Durch die Trennung von Herrn L. ist Frau W. gleichzeitig in Bezug auf die Kindererziehung auf sich selbst gestellt und muss diese selbst bewältigen, welches zu einer Überforderung und Neukonstruktion ihres Alltags schließen lässt, welche zur nicht-Einhaltung von Terminen mit der KiTa und der Frühförderung geführt hat (vgl. Jurczyk, 2014, S. 124).

4. Arbeitshypothese

Im Quartier, in dem Frau W. noch lebt, scheinen sie die Angebote der Sozialen Arbeit noch nicht erreicht zu haben. Das Quartier, in dem ihre Familie lebt, scheint darüber hinaus über ein aktiveres Quartiersmanagement und Ressourcen verfügen, die sie in ihrer Lebenslage als Alleinerziehende unterstützen können. Ein Umzug würde Frau W. deswegen zugutekommen.

5. Arbeitshypothese

Aufgrund der gewaltbelasteten Familienkonstruktion besteht ein Risiko für eine schlechtere Mutter­Kind-Bindung. Dadurch ist Frau W.s Erziehungspotential gehemmt und sie kann nur bedingt Einfluss auf T.s Verhalten ausüben (vgl. Liel 2018, S. 13). Dies könnte ein Grund sein, weshalb die heilpädagogische Behandlung noch nicht zum Erfolg geführt hat.

6. Arbeitshypothese

Die Familie W. wird als sehr verbunden beschrieben, einerseits durch die räumliche Nähe und andererseits, weil die Mutter von Frau W. ihre Schwester im Haushalt unterstützt. Im Falle eines Umzugs könnte ihre Mutter auch Frau W. mehr unterstützen. Auch das gute Verhältnis zwischen T. und seinem Onkel deutet auf diesen Punkt hin. Somit kann T.s Onkel ihm als positives männliches Vorbild dienen, was T. in seiner sozial-emotionalen Entwicklung fördert.

2. Handlungs- und Interventionsplanung

Um das Verhalten von Frau W. bewerten und ihre Unsicherheiten und Probleme aufklären zu können, muss erarbeitet werden, warum sie sich in den vergangenen Jahren sozial zurückgezogen hat und welche Wünsche und Ziele sie in Bezug auf T. verwirklichen möchte. Aus der vorliegenden Fallbeschreibung geht hervor, dass Max Mustermann und Frau W. bereits einen Erstkontakt, durch die Einladung der einberufene Helferkonferenz, gehabt haben. Aus dieser soll der aktuelle Hilfebedarf von Frau W. herausgearbeitet und gemeinsame Lösungsstrategien gefunden werden (vgl. Widulle, 2020, S. 164 ff.). Hierfür möchten wir anhand der Helferkonferenz mit dem Zugang der Einzelfallhilfe eine Sozialpädagogische Familienhilfe für Frau W. und Sohn T. einsetzen, welche im dritten Teil durch ein gemeinsam erstelltes Genogramm, zur Klärung der Familienverhältnisse, ergänzt wird. Zudem werden wir in einem weiteren Schritt den Zugang der Sozialraum- und Gemeinwesenarbeit durch den Einbezug der Angebote des Quartiersmanagement erläutern, um Frau W. weitere Hilfeleistungen anbieten zu können. Dafür wird der Entstehungsprozess einer Ehrenamtsbörse geschildert.

2.1 Arbeit mit Einzelpersonen

In der Arbeit mit Einzelpersonen geht man als sozialpädagogische Fachkraft mit Adressat*innen in eine professionelle Gesprächsführung. Jene dient dazu sich einen genaueren Überblick über die Problemlagen des Individuums zu verschaffen, sowie bereits vorhandene Ressourcen herauszuarbeiten und geeignete Hilfemaßnahmen anzubieten. Durch die Gesprächsführung soll das Individuum dazu befähigt werden, eine andere Perspektive einzunehmen und in den Hilfeprozess partizipativ eingebunden zu werden (vgl Widulle, 2012, S. 39). Da bei Frau W. in fast allen Bereichen der Ausstattungsebene Probleme festzustellen sind, sollte sie nach einer Einschätzung der Dringlichkeit der einzelnen Probleme befragt werden. Zum einen sind bei Frau W. körperliche und psychische Einschränkungen zu beobachten. Darunter fällt die gewaltvolle Beziehung mit Herrn L., die wahrscheinlich körperliche und seelische Verletzungen mit sich getragen hat. Frau W. berichtet in der Fallvignette das sie die Beziehung hinter sich lassen möchte. Dafür ist zu klären, wie sie dies erreichen kann und wann sie dieses Ziel als erreicht betrachtet. Ein erster Schritt hierbei war die emotionale und räumliche Trennung vor zehn Wochen von Herrn L.. Eine weitere Problematik lässt sich auf der sozioökonomischen Ebene feststellen, die durch die mehrjährige Erwerbslosigkeit aufgrund der Kündigung des Ausbildungsverhältnisses benannt werden kann. Hierbei ist zu klären, ob Herr L. für den Unterhalt des gemeinsamen Sohnes aufkommt und inwieweit Frau W. Sozialleistungen bezieht. Durch die Erwerbslosigkeit erlebt Frau W. ein vermindertes Konsumverhalten und dadurch einen niedrigen Komfort, welcher zu einer schlechteren Lebensqualität führen kann. Betrachtet man die mitgebrachten Ressourcen von Frau W., zeigen sich Defizite in der Bildung (z.B. keine abgeschlossene Ausbildung und mehrjährige Erwerbslosigkeit), Kultur (z.B. keine Hobbys, denen sie nachgeht), dem Sozialleben (z.B. wenig soziale Kontakte), sowie der Verspätung zu wichtigen Terminen (z.B. zur Ausbildungsstätte, sowie zur Kindertagesbetreuung und heilpädagogischen Frühförderung von T.) und der Unterstützung bei der Kinderbetreuung (z.B. durch die Trennung von Herrn L. und die Entfernung zur eigenen Familie). Aus diesen Vorkenntnissen können bei Frau W. mehrere negative Lebenserfahrungen geschlossen werden, die aus Gewalterfahrungen und vielseitigen Konfliktsituationen durch Herrn L., möglicher Ausländer*innenfeindlichkeit, der unerwartet frühe Tod ihres Vaters, innerfamiliäre Spannungen aufgrund von Herrn L., wenig soziale Kontakte, sowie die Kündigung ihrer Ausbildungsstelle und die damit verbundene Erwerbslosigkeit bestehen (vgl. ebd. 38-42)

In weiteren Gesprächen mit Herrn Mustermann, im Anschluss an die Helferkonferenz wurde das Steuerungsinstrument nach §31 des Achten Sozialgesetzbuches, welches der Heranziehung einer Sozialpädagogischen Familienhilfe (im Weiteren durch SPFH abgekürzt) entspricht, vorgeschlagen. Diese kann:

„durch intensive Betreuung und Begleitung Familien in ihren Erziehungsaufgaben, bei der Bewältigung von Alltagsproblemen, der Lösung von Konflikten und Krisen sowie im Kontakt mit Ämtern und Institutionen unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe geben. Sie ist in der Regel auf längere Dauer angelegt und erfordert die Mitarbeit der Familie." §31 SGB Vill

Die Ursachen für das Einsetzen einer SPFH sind oft komplex und können sich von einer geminderten Erziehungskompetenz und Alltagsbewältigung über innerfamiliäre Konflikte (z.B. Gewalt, schwere Konflikte oder Krisen), sowie die Vernachlässigung des Kindeswohls erstrecken (vgl. Fröhlich - Gildhoff in Macsenaer et al. 2014, S. 111). Zu den Aufgaben der SPFH gehört unteranderem der regelmäßige Besuch der Familie oder Alleinerziehenden, die Begleitung, Unterstützung, sowie Entlastung und Beratung in verschiedenen Angelegenheiten. Die Familien sollen durch die Unterstützung der SPFH dazu befähigt werden, Hilfe zur Selbsthilfe anwenden zu können, um sich und ihren Kindern ein Umfeld bieten zu können, in welchem man sich entfalten und angemessen entwickeln kann. Hingegen andere Hilfsmaßnahmen, bezieht sich die SPFH auf das gesamte Familienkonstrukt und orientiert sich an dessen ständigen Wandel (vgl. ebd. S. 112ff.)

Bei der Bewältigung der einzelnen Probleme kann Frau W. durch eme Sozialpädagogische Familienhilfe Unterstützung zur Bewältigung ihres Alltags und der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt erhalten. Zudem kann die SPFH Unterstützung zur Stabilisierung des Familiensystems beitragen, welches besonders für T.s weitere Entwicklung notwendig ist (vgl. Rothe, 2017, S. 28). Dafür ist zu klären, wie die aktuellen Familienverhältnisse aussehen, was durch die Erstellung eines Genogramms (Punkt 3.1) herausgestellt werden kann. Des Weiteren kann die SPFH Frau W. an das in 3.2 beschriebene Quartiersmanagement weiterleiten, sodass sie weitere soziale Hilfeleistungen in Anspruch nehmen kann und gleichzeitig als alleinerziehende Mutter zusätzlich entlastet wird. Durch den Einbezug der SPFH kann eine weitere Vernetzung und Kooperation mit der Kindertageseinrichtung und dem Frühförderzentrum von T. stattfinden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Vermittlung zwischen Frau W. und Herrn L., die durch die SPFH geregelt und begleitet werden kann (vgl. ebd. S. 107).

2.3 Zugang: Soziale Arbeit im Gemeinwesen/Sozialraumorientierung

Um den klassischen Dreiklang der Zugänge der Sozialen Arbeit in Deutschland, bestehend aus der Arbeit mit Einzelpersonen, mit Gruppen beziehungsweise Familien, und der Gemeinwesenarbeit zu vollenden, wird in diesem Kapitel zunächst die Gemeinwesenarbeit kurz erläutert. Danach wird die Sozialraumorientierung, in der diese Unterscheidung transzendiert wird, näher als Zugang für den hier vorliegenden Fall erläutert.

Der Gemeinwesenarbeit liegt die Annahme zugrunde, dass sich individuell erfahrene Problemlagen aus strukturellen Missständen ergeben. Die Arbeit erfolgt deswegen fallunspezifisch im sozialen Raum, um die dort vorhandenen Ressourcen und Netzwerke aufzubauen und präventiv zu stärken und so eine Verbesserung der Lebensbedingungen für die Menschen in der Region, Gemeinde oder dem Sozialraum zu erzielen (vgl. Früchte!, Cyprian, Budde 2013, S. 23, S. 34).

Die Sozialraumorientierung hingegen differenziert weniger in Bezug auf die Adressatinnen des Falls; die gesamte Arbeit wird vielmehr gleichzeitig fallspezifisch, also problembezogen, und fallunspezifisch und damit umweltbezogen ausgerichtet. Wenn die Methoden der klassischen Zugänge auch relevant sind, geht es, wie das SONI-Modell (vgl. Früchte!, Cyprian, Budde 2013, S. 34 ff.) veranschaulicht, darum, umwelt- und problembezogen sowohl mit den gesellschaftlichen, politischen, organisatorischen und helfenden Systemen, als auch mit dem Individuum innerhalb seiner Lebenswelt und mit seinem Netzwerk integriert zu arbeiten (vgl. ebd.). Auf der Ebene der fallunspezifischen Arbeit stehen für die Sozialarbeiter:innen nach Walfang Hinte der Beziehungsaufbau und -pflege mit professionellen Institutionen und Bewohner:innen im Vordergrund (vgl. ebd. S. 37 f.). Von diesen Netzwerken aus kann sich eine „Kultur des Helfens" (vgl. ebd. S. 38) etablieren, von der wiederum allgemein alle Bewohner:innen des Sozialraums profitieren, und auch spezifisch die Klientinnen, die soziale Probleme erfahren (vgl. ebd.). In Bezug auf die Kita könnte das Quartiersmanagement fallunspezifisch abklären, wie die beschäftigten Erzieher:innen bei der Arbeit mit Kindern wie T. besser unterstützt werden können, beispielsweise indem es sich bei den Trägern der Kindertagesstätten für Fortbildungen, Coachings oder Supervisionen einsetzt.

In den hier bearbeiteten Fall sind neben dem Jugendamt bezogen auf T. der Kindergarten und die Frühförderstelle als Institutionen bereits involviert. Entsprechend der Fallvignette bestehen Kooperationen zwischen der Frühförderstelle und dem Quartiersmanagement. Fallunspezifisch könnte an einer verstärkten Einbindung der Kitas in die Kooperationen gearbeitet werden. Auf diese Weise kann die Frühförderung normalisiert werden und damit das Vertrauen sowie die Bereitschaft zur Kooperation seitens der Eltern, die eventuell eine Stigmatisierung ihrer Kinder oder von sich selbst befürchten, erhöht werden. Zusätzlich würde der Austausch zwischen den Institutionen gestärkt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Methodisches Arbeiten in der Sozialen Arbeit. Bearbeitung einer Fallvignette
Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln
Veranstaltung
Methodisches Handeln
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
17
Katalognummer
V1235912
ISBN (Buch)
9783346679475
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Methodisches Handeln, Einzelfallhilfe, Soziale Arbeit, SPFH, Sozialpädagogische Familienhilfe, Einzelfallarbeit, Soziale Gruppenarbeit, Beratung
Arbeit zitieren
Nele-Marie Schrader (Autor:in), 2021, Methodisches Arbeiten in der Sozialen Arbeit. Bearbeitung einer Fallvignette, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1235912

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