In seinem Gedicht "Über die Bezeichnung Emigranten" offenbart Bertolt Brecht nicht nur die absichtliche sprachliche Differenzierung von Emigration und Exil, sondern er entwickelt zugleich eine explizite Charakterisierung der Exilsituation. Er definierte in dem Gedicht den Begriff Emigrant als Fremdzuschreibung, da mit dem Begriff Emigration das Schicksal der von dem Nationalsozialismus verstoßenen Menschen verharmlost wurde.
In der vorliegenden Arbeit soll zunächst eine knappe Begriffsklärung erfolgen. Daran anschließend wird das Gedicht "Über die Bezeichnung Emigranten" analysiert und somit ein differenziertes Bild gegenüber den Begriffen Emigrant und Exilant erzeugt. Darüber hinaus werden Bezüge zur außertextlichen Wirklichkeit und somit zur Exilsituation Brechts hergestellt. Im Anschluss erfolgt ein Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärungen
3. Gedichtanalyse des Exilgedichts Über die Bezeichnung Emigranten
3.1 Inhalt des Gedichts
3.2 Aufbau, Form und Sprache des Gedichts
3.3 Interpretation und Spiegelung außertextlicher Wirklichkeit
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Bertolt Brechts Gedicht „Über die Bezeichnung Emigranten“, um die Differenz zwischen den Begriffen „Emigrant“ und „Exilant“ zu analysieren und die Kritik des Autors an der Fremdzuschreibung sowie die Auswirkungen der Exilsituation auf die Betroffenen aufzuzeigen.
- Analyse der sprachlichen Gestaltung des Gedichts „Über die Bezeichnung Emigranten“
- Definition und begriffliche Unterscheidung von Emigration und Exil
- Untersuchung der politischen Hintergründe und von Brechts Exilbiografie
- Reflexion der Solidarität des lyrischen Ichs mit anderen Vertriebenen
- Betrachtung der Exilsituation als prekärer, temporärer Zustand
Auszug aus dem Buch
3. Gedichtanalyse des Exilgedichts Über die Bezeichnung Emigranten
Der erste Vers des Gedichts „Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab: Emigranten.“ (Brecht / Knopf / Hecht 1988, S. 81, V. 2)² beschreibt bereits die Positionierung des lyrischen Ichs gegenüber dem Begriff dar. Es bemängelt, dass der wahre Grund des Auslandaufenthaltes durch die falsche Bezeichnung Emigranten verleugnet werde.
Diese Terminologiekritik zeigt er in den darauffolgenden Versen durch diverse Argumente. Das lyrische Ich beginnt zunächst mit der Begriffserklärung: „Das heißt doch Auswanderer.“ (V. 3). Das Motiv des Auswanderers wird in den nächsten Versen des Gedichts mehrfach thematisiert, um den Kontrast zu Exilanten herzustellen. Zum Beispiel heißt es an einer Stelle: „Sondern wir flohen! Vertriebene sind wir, Verbannte.“ (V. 7). Das lyrische Ich konkretisiert, dass es selbst und die anderen, die sein Schicksal teilen müssen, nicht freiwillig ihr Heimatland verlassen haben, sondern aus dieser Heimat ausgestoßen sind. Außerdem betont es, dass das Exil kein Heim sei, sondern nur ein Land, welches sie aufnehme (vgl. V. 8). Beginnend in der ersten Strophe verwendet das lyrische Ich das Pronomen „wir“ (V. 3), welches im gesamten Gedicht fortlaufend genutzt wird. Die häufige Verwendung des Pronomens unterstreicht die Solidarität des lyrischen Ichs mit seinen Schicksalsgenossen.
Die zweite Strophe befasst sich mit der Hoffnung des lyrischen Ichs auf die baldige Rückkehr in die Heimat, wie z. B. hier: „Wartend des Tags der Rückkehr, [...]“ (V. 10), „[...] wartend [...]“ (V. 10), „[...] beobachtend, jeden Ankömmling“ (V. 11) und „[...]nichts vergessend“ (V. 12) charakterisiert das lyrische Ich die Lage des Exilaufenthalts als einen vorübergehenden und erzwungenen Aufenthaltsort.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Begriffe Emigrant und Exilant ein und stellt Brechts kritische Haltung gegenüber der Fremdzuschreibung durch den Begriff „Emigrant“ dar.
2. Begriffserklärungen: Dieses Kapitel liefert eine definitorische Unterscheidung zwischen Emigrant und Exilant unter Berücksichtigung ihrer etymologischen Hintergründe im Kontext des Dritten Reiches.
3. Gedichtanalyse des Exilgedichts Über die Bezeichnung Emigranten: In diesem Hauptteil wird das Gedicht inhaltlich analysiert, formal untersucht und in Bezug zur Biografie Brechts sowie zur politischen Realität gesetzt.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont erneut die Bedeutung von Brechts Exillyrik als Mahnung und Zeugnis der Exilerfahrung.
5. Literaturverzeichnis: Hier werden alle verwendeten Quellen und Referenzen aufgelistet, die der theoretischen und inhaltlichen Fundierung der Arbeit dienen.
Schlüsselwörter
Bertolt Brecht, Über die Bezeichnung Emigranten, Exillyrik, Nationalsozialismus, Fremdzuschreibung, Emigrant, Exilant, Exilsituation, Vertreibung, Solidarität, Heimat, Exil, Widerstand, Lyrisches Ich, Terminologiekritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit Bertolt Brechts Gedicht „Über die Bezeichnung Emigranten“ auseinander, um die bewusste Unterscheidung zwischen den Begriffen Emigrant und Exilant zu untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Terminologiekritik, die Auswirkungen der nationalsozialistischen Verfolgung auf das Exilanten-Selbstverständnis und die Rolle der Lyrik als politisches Ausdrucksmittel.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Brecht durch sprachliche Differenzierung gegen die Verharmlosung der Exilsituation vorging und die Notlage der Vertriebenen thematisierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Gedichttextes, ergänzt durch biographische und historische Kontextualisierung der Zeit des Exils.
Was umfasst der Hauptteil der Publikation?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Exegese, eine formale Untersuchung des Gedichtbaus und eine Interpretation der außertextlichen Wirklichkeit.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt am besten beschreiben?
Die wichtigsten Aspekte umfassen Begriffe wie Exillyrik, Fremdzuschreibung, NS-Regime, politische Identität und die spezifische Sprachwahl Brechts.
Warum wehrt sich das lyrische Ich im Gedicht gegen die Bezeichnung „Emigrant“?
Weil der Begriff „Emigrant“ im Nationalsozialismus zur Abwertung und Verharmlosung des Schicksals der Vertriebenen verwendet wurde, um sie als Freiwillige statt als politisch Verfolgte darzustellen.
Welche Bedeutung hat das Symbol der „zerrissenen Schuhe“?
Es dient als Metapher für die prekäre, oft illegale und finanzielle Notlage der Exilanten, die ihre materielle Existenz in der Heimat zurücklassen mussten.
Wie bewertet der Autor die politische Aktualität des Gedichts?
Die Exilsituation wird als zeitloses Problem verstanden, da auch heute Menschen aufgrund von politischer oder religiöser Verfolgung ihr Heimatland unter Zwang verlassen müssen.
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- Meleknur Mercan (Author), 2021, Eine differenzierte Betrachtung der Begriffe Emigranten und Exilanten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1236492