Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Theaterwissenschaft, Tanz

Reenactment als neue Wiederholungsstrategie am Beispiel der "Moskauer Prozesse" von Milo Rau. Ereignis, Dokumentation und Neuverhandlung

Titel: Reenactment als neue Wiederholungsstrategie am Beispiel der "Moskauer Prozesse" von Milo Rau. Ereignis, Dokumentation und Neuverhandlung

Hausarbeit , 2022 , 18 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Felix Straub (Autor:in)

Theaterwissenschaft, Tanz
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Um zu klären, ob das Reenactment tatsächlich eine eigenständige künstlerische Strategie ist und sich damit von anderen künstlerischen Formaten abgrenzen kann, beschäftigt sich die folgende Arbeit mit verschiedenen künstlerischen Wiederholungsstrategien sowie deren Funktion und Wirkung. Zudem ordnet die Arbeit das Reenactment in die Entwicklung der aktuellen Performancekunst ein. Abschließend wird untersucht, inwiefern sich Milo Raus "Moskauer Prozesse" in diese einordnen lässt, und ob sich seine Herangehensweise von anderen Reenactments unterscheidet.

Nur wenige Sekunden protestieren vier junge Frauen unmittelbar vor den russischen Präsidentschaftswahlen in der Erlöser-Kirche in Moskau. Mit einem "Punk-Gebet" demonstrieren sie gegen Wladimir Putins Wiederwahl sowie die enge Verbindung zwischen ihm, Staat und Kirche. Obwohl die Künstlerinnen bei ihrem Protest keinerlei Gewalt anwendeten und auch keinen Schaden an der Erlöser-Kirche angerichtet haben, folgten harte Urteile mit mehrjährigen Lagerhaftstrafen, die sowohl in Russland als auch in der Welt Diskussionen über Kunst, Religion und Politik auslösten. Es stellte sich die elementare Frage was Kunstfreiheit ausmacht und wie die Gesellschaft sowie das russische Recht in einem unabhängigen Prozess entschieden hätten.

Milo Rau versucht auf diese Fragen Antworten zu finden. Er ist ein Schweizer Theater- und Filmregisseur und für seine Vielzahl an politischer Theaterprojekte bekannt. Seine Arbeiten, zu denen auch die "Moskauer Prozesse" zählen, spielen insbesondere mit den Grenzen des Dokumentarischen, indem er die künstlerische Strategie des Reenactments für seine Performances nutzt. Diese künstlerische Strategie scheint sich insbesondere in der gegenwärtigen Medien- und Performancekunst als eine unabhängige Kunstform durchzusetzen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Zum Ereignis und dessen Spur

III. Exkurs: Wiederholungsstrategien der bildenden Kunst

IV. Performancekunst und Reenactment

V. Die Moskauer Prozesse von Milo Rau

VI. Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die künstlerische Strategie des Reenactments als Mittel der Neuverhandlung historischer Ereignisse, wobei sie insbesondere die Abgrenzung zwischen reiner Dokumentation und eigenständiger performativer Kunst beleuchtet. Dabei dient das Projekt "Die Moskauer Prozesse" von Milo Rau als Fallbeispiel, um zu analysieren, wie durch die Wiederaufführung von Gerichtsprozessen gesellschaftliche Diskurse innerhalb eines künstlerischen Rahmens transformiert werden können.

  • Grundlagen der Flüchtigkeit performativer Ereignisse und deren Spuren
  • Wiederholungsstrategien innerhalb der bildenden Kunst
  • Die Entwicklung und Definition des Reenactments in der Performancekunst
  • Die Rolle der künstlerischen Intervention bei politischen Scheinprozessen
  • Analyse der Moskauer Prozesse von Milo Rau als "Neuverhandlung"

Auszug aus dem Buch

V. Die Moskauer Prozesse von Milo Rau

Nachdem nun einige Beispiele für ein „einfaches“ Reenactment vorgestellt wurden, scheint dieses ausschließlich für eine Konservierung von Performances zu stehen. Dass ein Reenactment jedoch auch deutlich weiter gefasst werden kann und nicht nur einer möglichst genauen Wiederholung und Dokumentation einer Performance dient, zeigt sich, wenn man sich mit Milo Raus Moskauer Prozessen genauer beschäftigt.

Grundsätzlich handelt es sich bei seiner Arbeit auch um eine Wiederholung, indem er sich auf Gerichtsprozesse bezieht, die in Folge der religionskritischen Ausstellungen "Achtung, Religion", „Verbotene Kunst 2006“ sowie dem in der Einleitung beschriebenen „Punk-Gebet“ verhandelt wurden. „Auch Milo Raus Moskauer Gerichts-Performance handelt [damit] auf unterschiedlichen Ebenen mit Geschichtsbildern und produziert selbst wiederum solche, indem über vergangene, medial beschriebene Ereignisse und Diskurse reflektiert wird.“ Diese drei Gerichtsprozesse werden von ihm aufgegriffen und in einer Performance „mit/in der stilisierten Form eines Gerichtsprozesses […] diskutiert. Deren Ausgang ist bekannt: dreimal Schuldspruch im Sinne der Anklage. Im Gegensatz dazu soll im Performance-Projekt der Ausgang offen bleiben […].“

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Reenactment-Strategien ein und erläutert die Relevanz der "Moskauer Prozesse" von Milo Rau als künstlerische Auseinandersetzung mit Politik und Kunstfreiheit.

II. Zum Ereignis und dessen Spur: In diesem Kapitel wird das theoretische Spannungsfeld zwischen der Flüchtigkeit performativer Ereignisse und dem Wunsch nach deren Dokumentation in der Kunst analysiert.

III. Exkurs: Wiederholungsstrategien der bildenden Kunst: Dieses Kapitel betrachtet die historische Verwendung von Nachahmung und Wiederholung in der Malerei sowie deren Wandel durch die Rezeption des Betrachters.

IV. Performancekunst und Reenactment: Der Text erörtert hier die spezifische Anwendung von Reenactment als künstlerische Methode, um Aufführungen zu rekonstruieren und die Beziehung zwischen Original und Wiederholung zu hinterfragen.

V. Die Moskauer Prozesse von Milo Rau: Das Hauptkapitel widmet sich dem konkreten Fallbeispiel, wobei Rau das Reenactment als Mittel zur Neuverhandlung politischer Prozesse und zur Erzeugung eines transformativen Diskurses nutzt.

VI. Fazit: Das Fazit resümiert, dass das Reenactment weit mehr als eine bloße Dokumentationsform ist und durch Milo Raus Ansatz eine neue Qualität in der kritischen Auseinandersetzung mit Machtstrukturen erreicht.

Schlüsselwörter

Reenactment, Performancekunst, Milo Rau, Moskauer Prozesse, Wiederholungsstrategie, Ereignisspur, Kunstfreiheit, Politische Kunst, Gerichtsprozess, Dokumentation, Performativität, Metadiskurs, Zeitgenössische Kunst, Transformation, Authentizität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?

Die Hausarbeit untersucht die künstlerische Strategie des Reenactments und analysiert, wie diese über die reine Wiederholung hinaus als Mittel zur Neuverhandlung und Diskussion von Geschichte und Politik eingesetzt werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Flüchtigkeit von Performancekunst, der Umgang mit Ereignisspuren, die Abgrenzung von authentischen zu interpretativen Wiederholungen sowie die Rolle der Kunst in autokratisch geprägten Gesellschaften.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, ob Reenactment eine eigenständige, von anderen Kunstformen abgrenzbare Strategie ist, die es ermöglicht, gesellschaftspolitische Diskurse zu führen, die im realen Kontext unterdrückt werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine methodische Analyse künstlerischer Fallbeispiele sowie eine theoretische Einordnung, unter anderem durch Rückgriff auf die Performancetheorie und Werke bedeutender Kunsttheoretiker.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden nach einem Exkurs zu Wiederholungsstrategien der bildenden Kunst das Verhältnis von Performancekunst und Reenactment sowie die spezielle künstlerische Herangehensweise von Milo Rau erörtert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Reenactment, Performativität, Ereignisspur, Moskauer Prozesse und Meta-Diskurs wesentlich charakterisiert.

Wie unterscheidet sich Raus Ansatz vom "einfachen" Reenactment?

Im Gegensatz zum dokumentarischen Reenactment, etwa nach Marina Abramović, zielt Milo Rau nicht auf die bloße Konservierung einer Aufführung ab, sondern nutzt die Inszenierung als aktiv gestalteten Raum zur Neuverhandlung aktueller politischer Spannungsfelder.

Welche Bedeutung kommt dem Gerichtsprozess im Werk bei?

Der stilisierte Gerichtsprozess dient Rau als performativer Rahmen, der es widerstreitenden Stimmen ermöglicht, trotz tiefer gesellschaftlicher Spaltung gleichberechtigt aufzutreten und einen Metadiskurs zu bilden, der in der russischen Realität verunmöglicht wurde.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Reenactment als neue Wiederholungsstrategie am Beispiel der "Moskauer Prozesse" von Milo Rau. Ereignis, Dokumentation und Neuverhandlung
Hochschule
Universität zu Köln  (Department Kunst und Musik)
Note
1,3
Autor
Felix Straub (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
18
Katalognummer
V1236495
ISBN (PDF)
9783346658692
ISBN (Buch)
9783346658708
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reenactment Wiederholungsstrategien Moskauer Prozesse Milo Rau Neuverhandlung Dokumentation Lehramt Master Performance Performancekunst Ereignis Spur Prozess Pussy Riot Ereignishaft Flüchtigkeit Wirklichkeit Wirklichkeitsbezug künstlerische Autonomie Autonomie Ereignisspur künstlerische Strategie Fiktiv Russland Machtstruktur Kunstfreiheit Umsetzungsform Unwiederholbarkeit Transformation künstlerische Formate Erlöser-Kirche Moskau Punk-Gebet Wladimir Putin Schweizer Theater- und Filmregisseur politische Theaterprojekte Dokumentarisch
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Felix Straub (Autor:in), 2022, Reenactment als neue Wiederholungsstrategie am Beispiel der "Moskauer Prozesse" von Milo Rau. Ereignis, Dokumentation und Neuverhandlung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1236495
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  18  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum