Das Thema der Symmetrie bei Juan José Millás


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Leben des Autors und autobiographische Elemente in seinem Werk

3. Symmetrie im literarischen Werk von Juan José Millás
3.1 La soledad era esto
3.2 El desorden de tu nombre
3.3 Tonto, muerto, bastardo e invisible
3.4 Volver a casa
3.5 Primavera de luto y otros cuentos
3.5.1 Trastornos de carácter
3.5.2 Simetría
3.5.3 Primavera de luto

4. Schlußbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Juan José Millás zählt mit seinen Romanen und aktuellen Stellungnahmen in Presseartikeln zu den bedeutendsten spanischen Autoren der 90er Jahre. Seine Werke beinhalten sowohl Reflexionen politischer und sozialer Hintergründe in Spanien, als auch autobiographische Elemente seiner eigenen Lebenserfahrung. Charakteristisch für diese Schriften sind die „obsesiones constantes del autor“[1], Schlüsselbegriffe, die konstant sein Schreiben begleiten und immer wieder in der einen oder anderen Form auftreten. Für das Verständnis der Erzählungen und Romane sind sie von entscheidender Bedeutung, demnach nicht zu unterbewerten. Zu dieser Gruppe von Elementen gehört der Begriff der Symmetrie, Hauptgegenstand dieser Arbeit, die aufzeigen soll in welchem Maße Millás mit diesem Thema arbeitet und welche Bedeutung es für sein Schreiben hat. Anhand ausgewählter Stücke soll dieses Merkmal

millasinischen Arbeitens vorgestellt und eingehend erläutert werden.

2. Leben des Autors und autobiographische Elemente in seinem Werk

Eine Vielzahl von Autoren verwendet Erfahrungen und Empfindungen des eigenen Lebens für ihr schriftstellerisches Schaffen. Auch Juan José Millás fügt eine Reihe autobiographischer Elemente in seine Werke ein, beginnend mit ersten Kindheitserinnerungen. Er kreiert eine Symmetrie zwischen den Romanen und seinen persönlichen Eindrücken. Geboren wurde er am 31. Januar 1946 in Valencia als viertes von insgesamt neun Kindern.[2] Im Alter von sechs Jahren zog er mit seiner Familie nach Madrid. Zu jener Zeit setzte in Spanien eine Migrationsbewegung ein, welche die Menschen vom Lande in die Großstädte trieb, in der Hoffnung auf verbesserte Lebensbedingungen. Die Zugfahrt nach Madrid tritt in Millás erstem anerkannten und prämierten Roman Cerbero son las sombras aus dem Jahre 1974 auf. Bereits auf den ersten Seiten greift er diese Fahrt, die jener seiner Familie so ähnlich ist, auf und verarbeitet deren Eindrücke. „ [...] la memoria me traslada aaquel tren en el que viajamos juntos. Sé que pensé en el mar que abandonábamos [...].“[3] In Madrid verbringt er seine Kindheit in einem Viertel der Stadt, das seinem dritten Roman El jardín vacío als Schauplatz dient. Sein bachillerato beginnt er im Colegio de los Padres Claretianos, an das ihm nur negative Erinnerungen blieben: „Me sentía muy maltratado por los curas. Por eso el descubrimiento de la lectura en la adolescencia fue un escape...“[4] Diese Haltung der Literatur als Ausweg taucht in einigen seiner Romane erneut auf, doch darauf kommen wir im weiteren Verlauf der Arbeit. Seine Ausbildung beendete er in weiteren schulischen Einrichtungen des Stadtviertels um dann am Instituto Ramiro de Maetzu vor - universitäre Kurse zu belegen, die ihn in die Welt des Studiums einführten. Wiederum ein Element, das in einem seiner Werke aufgegriffen wird: „El mundo de las academias [...]« era un mundo muy raro (...) un mundo de decadencia, (...) un mundo que recojo en Visión del ahogado, de seres fantasmales...»“[5] Hier an diesem Institut erhält er durch seine Lehrer eine profunde Ausbildung in Latein, das er als Schlüssel zur spanischen Sprache versteht, Literatur und Philosophie. Schließlich widmet er sich dem Fach Filosofía Pura an der Facultad de Filosofía y Letras de la Universidad Complutense de Madrid und versucht nebenbei auch sein Auskommen durch verschiedene Arbeiten zu sichern. Die Studentenbewegungen von 1968 regten ihn zu ersten literarischen Schriften an, die sein Talent erkennen ließen. Nach einer Frankreichreise nimmt er die Leitung eines Colegio de Enseñanza Media in Miraflores de la Sierra an. Während dieser Zeit, 1968-70, wächst in ihm der Wunsch einen Roman zu schreiben, den er auch realisiert. „Y Millás escribe su primera novela, en la que reconoce estarían ya sus obsesiones fundamentales [...].“[6] Hierzu sagt er: „Era una novela ambientada en un pueblo, con alguien que da clase, es decir, estaba tomada de mi experiencia de profesor;“[7] Bereits zu diesem Zeitpunkt stellt er eine Symmetrie zwischen seinem Leben und dem fiktionalen Helden seines Romans her. Nach seiner Rückkehr nach Madrid verfaßt er den bereits erwähnten ersten veröffentlichten Roman Cerbero son las sombras (1974). Hier tauchen jene Schlüsselbegriffe auf, die sich durch Millás gesamtes literarisches Schaffen ziehen und so typisch für seine Werke sind.

Esta opera prima de J. J. Millás [...] es [...] el planteamiento acumulado [...] de una serie de temas-problemas no resueltos que el hombre ha tenido que afrontar desde siempre, pero que de modo específico acosan al hombre de hoy .[8]

Hierzu gehören la soledad, la otredad, la existencia, la memoria, el propio futuro, la locura, el conflicto. Solche Themen durchziehen das Werk des Autors, der sie geschickt einzusetzen weiß und so gezielt die gewünschte Atmosphäre gestalten kann. Es herrscht eine Gleichmäßigkeit in seinem Werk, ausgelöst durch die symmetrische Bearbeitung der Schlüsselbegriffe. Das Aufgreifen zwischenmenschlicher Beziehungen und der daraus resultierenden Konflikte charakterisieren seine Romane und Erzählungen. Darin wird, wie später beschrieben, auch oft das Thema der Autorenschaft angesprochen und vertieft. Millás betont bei vielen Gelegenheiten die Wichtigkeit des Schreibens, das er in seinen Werken zumeist als Ausweg aus schwierigen Situationen und als Mittel zur Selbsterfüllung darstellt. „Para mí, escribir fue la escapada perfecta.[...]Es un modo de escapar inteligente.“[9] Er projiziert seine Erfahrungen auf die Protagonisten seiner Schriften und bietet ihnen zur Lösung ihrer Konflikte die Möglichkeit des Schreibens an. Auffallend ist auch die Wahl der Orte für seine Romane und Erzählungen. Es überwiegt Madrid als Handlungsschauplatz, jene Stadt, in der er aufgewachsen ist und, die seine Persönlichkeit geprägt hat. Eine weitere Gemeinsamkeit seiner Werke ist das Alter der Protagonisten. Sie sind meist um die 40, ähnlich dem Alter des Autors. In diesem Zeitraum spielen sich die entscheidenden Ereignisse in ihrem Leben ab und bieten ihnen jeweils die Chance auf eine Veränderung. Doch anhand der gewählten Literatur wird auf diese Punkte später näher eingegangen.

3. Symmetrie im literarischen Werk von J.J.Millás

Symmetrie herrscht nicht nur zwischen Millás Leben und seinen Werken, sondern verstärkt auch innerhalb dieser Schriften selbst. Eine Auswahl einiger Romane und Erzählungen in diesem Zusammenhang wird im Folgenden vorgestellt.

3.1 La soledad era esto

In diesem Roman von 1990 begleitet der Leser die Protagonistin Elena Rincón auf ihrer Suche nach einer neuen Identität. Ausgelöst wird ihre Metamorphose durch den Tod der Mutter, der sie zu deren Lebzeiten nur wenig verbunden war. Ihr Erbe jedoch, ein Sessel, eine Pendeluhr und das Tagebuch der Mutter, führen bei ihr zu profunden Veränderungen in ihrem Leben. Sie erkennt, wie ähnlich sie ihrer Mutter doch ist und, daß sie durch eine eigenartige Symmetrie verbunden sind. Während Elenas Ehemann, Enrique Acosta, mit seiner Geliebten eine Reise unternimmt, dies erfährt sie von einem beauftragten Privatdetektiv, vertieft sie sich in die Lektüre des Tagebuchs und lernt so die Gefühle und Gedanken ihrer Mutter kennen. Sie erkennt dabei auch negative Seiten an sich selbst, etwa ihren Haschischkonsum, der vermutlich auch ihre Magen – Darm - Probleme ausgelöst haben könnte. Durch die Entscheidung ihn einzuschränken geht sie bereits die ersten Schritte auf dem Weg zu ihrer neuen Identität. Beim Durchstöbern des Tagebuchs erfährt sie von der Krebserkrankung der Mutter, die auf einer Auslandsreise ein „bulto “, einen Knoten in der Brust, entdeckte. Sie hegte die Befürchtung, daß auch Elena, die von ihr als Antipode betrachtete Tochter, das gleiche Schicksal ereilen könnte.

Im zweiten Teil des Romans beginnt nun auch Elena mit dem Schreiben des eigenen Tagebuchs, ein Wechsel der Perspektive. Sie ändert auch den Auftrag des Detektivs, der ihren Mann Enrique beobachten sollte, und hält ihn an sie selbst zu observieren. Dies ermöglicht ihr eine weitere Perspektive ihrer selbst; möglicherweise eine Art Kontrolle über die Fortschritte ihrer Verwandlung? Nach einer Auslandsreise schließlich fühlt sie sich bereit ihren Mann zu verlassen und in eine eigene Wohnung zu ziehen, wo ihre Metamorphose vollendet werden kann.

Die Symmetrie dieses Werks liegt in der Beziehung der Frauen zueinander, was Elena anfangs beschäftigt:

„Mi hermana también se llama Mercedes, como mi madre, como mi hija. Cómo quién soy yo? A quién de estas personas parezco? Cuál de estos rostros dolorosos se llama Elena y lleva una pierna sin depilar?“[10]

Dem Leser fällt zunächst die Symmetrie der Namen auf, die Elenas Schwester, Tochter und Mutter verbindet. Sie alle heißen Mercedes und weisen auf merkwürdige Art und Weise in erster Linie auf die jeweils distanzierten Beziehungen zwischen Mutter und Tochter hin. Elena stellt dies so dar:

„[...]no logré nunca alcanzar una adecuada comunicación con mi hija [Mercedes], que continúa percibiéndome como una madre fría, incapaz de llegar al núcleo de sus conflictos e incompetente para amarla. No me imoirta; también yo percibí a mi madre como un ser lejano y ahora resulta que es que era su antípoda.“[11]

[...]


[1] GUTIÈRREZ FLÒREZ, Fabián: Cómo leer a Juan José Millás, Barcelona 1992, S. 18.

[2] Biographie vgl. ibid. S. 10ff.

[3] MILLÀS, J.J.: Cerbero son las sombras, Madrid 1989, S. 11.

[4] ibid. S. 12.

[5] Ibid. S. 13.

[6] Ibid. S. 17

[7] ibid. S. 17.

[8] Ibid. S. 18.

[9] DÌEZ DE LA VARGA, Yolanda et al.: Juan José Millás: Obsesiones de un narrador. Zaragoza 1991, S. 36.

[10] MILLÀS, Juan José: La soledad era esto, Barcelona 1990, S. 19.

[11] Ibid. S. 109.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Thema der Symmetrie bei Juan José Millás
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar: Spanische und portugiesische Literatur der 90er Jahre
Note
1,7
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V12370
ISBN (eBook)
9783638182720
ISBN (Buch)
9783668323438
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thema, Symmetrie, Juan, José, Millás, Hauptseminar, Spanische, Literatur, Jahre
Arbeit zitieren
Karin Alperth (Autor), 2001, Das Thema der Symmetrie bei Juan José Millás, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12370

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