Juan José Millás zählt mit seinen Romanen und aktuellen Stellungnahmen in Presseartikeln zu den bedeutendsten spanischen Autoren der 90er Jahre. Seine Werke beinhalten sowohl Reflexionen politischer und sozialer Hintergründe in Spanien, als auch autobiographische Elemente seiner eigenen Lebenserfahrung. Charakteristisch für diese Schriften sind die „obsesiones constantes del autor“, Schlüsselbegriffe, die konstant sein Schreiben begleiten und immer wieder in der einen oder anderen Form auftreten. Für das Verständnis der Erzählungen und Romane sind sie von entscheidender Bedeutung, demnach nicht zu unterbewerten. Zu dieser Gruppe von Elementen gehört der Begriff der Symmetrie, Hauptgegenstand dieser Arbeit, die aufzeigen soll in welchem Maße Millás mit diesem Thema arbeitet und welche Bedeutung es für sein Schreiben hat. Anhand ausgewählter Stücke soll dieses Merkmal millasinischen Arbeitens vorgestellt und eingehend erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Leben des Autors und autobiographische Elemente in seinem Werk
3. Symmetrie im literarischen Werk von Juan José Millás
3.1 La soledad era esto
3.2 El desorden de tu nombre
3.3 Tonto, muerto, bastardo e invisible
3.4 Volver a casa
3.5 Primavera de luto y otros cuentos
3.5.1 Trastornos de carácter
3.5.2 Simetría
3.5.3 Primavera de luto
4. Schlußbemerkung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff der Symmetrie als zentrales und wiederkehrendes Element im literarischen Schaffen des spanischen Autors Juan José Millás. Dabei soll aufgezeigt werden, wie der Autor durch die symmetrische Bearbeitung persönlicher Erfahrungen, autobiographischer Elemente und struktureller Motive seine Romane und Erzählungen konstruiert und welche Bedeutung diese Spiegelungen für die Metamorphose seiner Protagonisten haben.
- Die Wechselwirkung zwischen der Biografie des Autors und seinen fiktionalen Werken.
- Die Funktion des Schreibens als Ausweg aus sozialen und psychologischen Konflikten.
- Das Motiv der Symmetrie als strukturelles und thematisches Bindeglied in den untersuchten Romanen.
- Die Rolle von Identitätswechseln, Nachahmung und der Suche nach dem „Anderen“ (Antipoden).
- Die Analyse exemplarischer Texte wie „La soledad era esto“, „El desorden de tu nombre“ und „Tonto, muerto, bastardo e invisible“.
Auszug aus dem Buch
3.1 La soledad era esto
In diesem Roman von 1990 begleitet der Leser die Protagonistin Elena Rincón auf ihrer Suche nach einer neuen Identität. Ausgelöst wird ihre Metamorphose durch den Tod der Mutter, der sie zu deren Lebzeiten nur wenig verbunden war. Ihr Erbe jedoch, ein Sessel, eine Pendeluhr und das Tagebuch der Mutter, führen bei ihr zu profunden Veränderungen in ihrem Leben. Sie erkennt, wie ähnlich sie ihrer Mutter doch ist und, daß sie durch eine eigenartige Symmetrie verbunden sind. Während Elenas Ehemann, Enrique Acosta, mit seiner Geliebten eine Reise unternimmt, dies erfährt sie von einem beauftragten Privatdetektiv, vertieft sie sich in die Lektüre des Tagebuchs und lernt so die Gefühle und Gedanken ihrer Mutter kennen. Sie erkennt dabei auch negative Seiten an sich selbst, etwa ihren Haschischkonsum, der vermutlich auch ihre Magen – Darm - Probleme ausgelöst haben könnte. Durch die Entscheidung ihn einzuschränken geht sie bereits die ersten Schritte auf dem Weg zu ihrer neuen Identität. Beim Durchstöbern des Tagebuchs erfährt sie von der Krebserkrankung der Mutter, die auf einer Auslandsreise ein „bulto“, einen Knoten in der Brust, entdeckte. Sie hegte die Befürchtung, daß auch Elena, die von ihr als Antipode betrachtete Tochter, das gleiche Schicksal ereilen könnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Juan José Millás als spanischer Autor der 90er Jahre ein und definiert den Begriff der Symmetrie als einen der Schlüsselbegriffe seines Werks.
2. Leben des Autors und autobiographische Elemente in seinem Werk: Das Kapitel beleuchtet Millás' Werdegang von seiner Kindheit in Valencia bis hin zu seinem Studium und ersten schriftstellerischen Erfolgen, wobei besonders der Einfluss autobiographischer Details auf seine fiktionalen Charaktere untersucht wird.
3. Symmetrie im literarischen Werk von Juan José Millás: Dies ist der Hauptteil, der anhand einer Auswahl prominenter Romane und Erzählungen die verschiedenen Manifestationen der Symmetrie – von der Identitätssuche bis zur strukturellen Spiegelung – detailliert analysiert.
3.1 La soledad era esto: Untersuchung der Identitätsentwicklung von Elena Rincón, die nach dem Tod ihrer Mutter durch deren Tagebuch eine neue Perspektive auf ihre eigene Existenz und die Beziehung zu ihrer Mutter gewinnt.
3.2 El desorden de tu nombre: Analyse der Dreiecksbeziehung zwischen den Protagonisten, in der die Grenzen zwischen Realität, Fiktion und dem Spiegelbild der geliebten Person verschwimmen.
3.3 Tonto, muerto, bastardo e invisible: Betrachtung des Protagonisten Jesús und seines Alter Egos Olegario, wobei das Tragen eines Schnurrbarts als Auslöser für eine Persönlichkeitsspaltung und Identitätsfindung dient.
3.4 Volver a casa: Kurze Betrachtung des Doppelgängermotivs anhand der Zwillingsbrüder Juan und José in einem Werk, das stark von der Figur des Autors selbst geprägt ist.
3.5 Primavera de luto y otros cuentos: Überblick über diese Kurzgeschichtensammlung, in der verschiedene Protagonisten durch unerwartete Ereignisse gezwungen werden, ihr Leben neu zu bewerten.
3.5.1 Trastornos de carácter: Analyse der Einsamkeit zweier Nachbarn und ihrer simulierten Symmetrie, die durch den Wunsch nach einem reflektierten Spiegelbild ihres Lebens entsteht.
3.5.2 Simetría: Untersuchung einer Geschichte, in der die Verletzung festgefahrener Gewohnheiten und die daraus resultierende Asymmetrie den Untergang des Protagonisten einleitet.
3.5.3 Primavera de luto: Analyse der Metamorphose einer Witwe, die ihre Identität durch äußere Accessoires und die radikale Abkehr von ihrer Vergangenheit neu definiert.
4. Schlußbemerkung: Das Fazit fasst zusammen, dass Millás die Symmetrie systematisch nutzt, um Wandlungsprozesse seiner Protagonisten zu initiieren, die meist zu einem subjektiv verbesserten Leben führen.
Schlüsselwörter
Juan José Millás, Symmetrie, Identität, Autobiografie, Metamorphose, Spiegelung, Antipode, Literatur, Bewusstsein, Veränderung, Romananalyse, Protagonist, literarische Struktur, Spanien, 90er Jahre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Analyse des Werks von Juan José Millás mit einem speziellen Fokus auf das wiederkehrende Motiv der Symmetrie in seinen Romanen und Erzählungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Spiegelung zwischen dem Leben des Autors und seinen Romanfiguren, die Bedeutung des Schreibens als Rettung aus dem Alltag sowie die psychologische Wandlung der Protagonisten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, in welchem Maße Millás das Thema der Symmetrie in seinen Texten verwendet und welche grundlegende Funktion diese für das Verständnis der Identitätsentwicklung seiner Figuren hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der ausgewählte Texte von Millás auf inhaltliche Parallelen, strukturelle Symmetrien und biographische Bezüge untersucht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Einzeluntersuchung verschiedener Romane (wie "La soledad era esto") und Erzählungen, um die theoretisch hergeleiteten Symmetrie-Motive am Text zu belegen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Symmetrie, Identität, Metamorphose, autobiographische Elemente und Spiegelung charakterisiert.
Welche besondere Bedeutung hat das "bulto"-Motiv in "La soledad era esto"?
Das "bulto" (der Knoten) symbolisiert für die Figuren eine körperliche Manifestation von Tod, Krankheit und Schicksal, die sie jedoch gleichzeitig als Anstoß nutzen, um sich aus ihrer vorgegebenen Lebenslinie zu befreien.
Warum spielt der Schnurrbart in "Tonto, muerto, bastardo e invisible" eine solche Rolle?
Der Schnurrbart dient dem Protagonisten Jesús als äußeres Symbol der Veränderung und Identitätssimulation; er ermöglicht es ihm, in eine neue Rolle zu schlüpfen, die ihn von seinem tristen Alltag als arbeitsloser Manager distanziert.
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- Karin Alperth (Author), 2001, Das Thema der Symmetrie bei Juan José Millás, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12370