Diese Hausarbeit soll sich in Anlehnung an McLuhans Überlegungen dem Thema der digitalen Medien als körperliche Erweiterung widmen. Um im begrenzten Rahmen einer Hausarbeit arbeiten zu können, sollen „digitale Medien“ reduziert werden auf soziale Medien des Internets und weiter auf die Timeline der sozialen Plattform Facebook.
Erforscht wird der Zusammenhang von Facebooks Timeline in Bezug auf das menschliche Gedächtnis und inwiefern dieses, nach Außen transportiert, für die Umwelt sichtbar gemacht werden kann. Die konkrete Fragestellung lautet demnach: Inwieweit lässt sich Facebooks Timeline in Anlehnung an Marshall McLuhans „Understanding Media“ (1964) als die Erweiterung des menschlichen Gedächtnisses beschreiben?
Soziale Plattformen wie Instagram, Facebook, Youtube, Tiktok und co. spiegeln die Realität der Personen hinter den einzelnen Accounts wider, geben aber dennoch nur so viel preis, wie es gewünscht ist. Mit dem Entstehen der Massenmedien ist eine direkte Kommunikation zwischen Sender und Empfänger nicht mehr möglich, denn es erfordert für eine Informationsübermittlung immer den Zwischenschritt über die Technik.
Als besonders gutes Informationsspeichermedium erweist sich seit vielen Jahren die individuelle Timeline von Facebook-Nutzern. Durch die Speicherung und Veröffentlichung diverser Lebensereignisse in Form von Bildern, Statusmeldungen, täglichen Stories und Profilinformationen ist eine Zurschaustellung der eigenen Identität auf vielfältige Art und Weise realisierbar. Facebooks Timeline dient als Gedächtnisstütze und Erinnerungshilfe an längst vergangene Ereignisse, die ohne die Speicherung im sozialen Netzwerk nach kürzester Zeit in Vergessenheit geraten wären – man könnte sagen, es ist ein modernes Tagebuch. Nur öffentlich. Nach Marshall McLuhans Annahme, Medien seien eine Erweiterung des menschlichen Körpers, stellt sich nun die Frage, ob Facebooks Timeline als die Erweiterung des menschlichen Gedächtnisses betrachtet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Motivation und Fragestellung
1.2 Moduleinordnung und Aufbau
2 Marshall McLuhans Understanding Media
2.1 Extensions of Man
2.2 Explosion und Implosion
3 Facebook
3.1 Soziale Medien
3.2 Facebook
3.3 Facebook Timeline
4 Gedächtnis und Erinnerung
4.1 Soziales und kulturelles Gedächtnis
4.2 Medien und Gedächtnis
5 Facebooks Timeline als Repräsentation des menschlichen Gedächtnisses
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis von Marshall McLuhans Medientheorie, inwieweit die "Timeline" von Facebook als eine moderne Erweiterung des menschlichen Gedächtnisses begriffen werden kann, die unsere Identitätsdarstellung und kollektive Erinnerung prägt.
- Medientheoretische Grundlagen nach Marshall McLuhan (Extensions of Man)
- Die Evolution digitaler Kommunikation und sozialer Medien
- Der Zusammenhang zwischen Identitätsdarstellung und Facebook Timeline
- Prozesse des sozialen und kulturellen Gedächtnisses durch digitale Speichermedien
Auszug aus dem Buch
3.3 Facebook Timeline
Mit „Timeline“ schafft es Facebook einen digitalen Abdruck der real gelebten Gegenwart zu erstellen. Anders als vorher ist bei der Timeline nun das Geburtsdatum des*der Nutzer*in, und nicht wie vorher das Eintrittsdatum in Facebook, Startdatum des Nutzerprofils. Die Idee ist, das Leben der Nutzer*innen in Echtzeitübertragung darzustellen und im Onlinearchiv zu speichern. „Der Facebook-Chef schafft damit ein nie da gewesenes Lebensarchiv für jede einzelne Person in seinem Netzwerk. […] Die Gleichzeitigkeit vom Leben und seinem Abbild im Netz ist möglich“.20 Es tritt eine Erweiterung des eigenen Lebens ein und wird zu einem Leben im „Live-Ticker-Modus“.21
Dieses Bedürfnis nach Erinnerungshilfen ist nicht neu, nur die Art des ausführenden Mediums hat sich geändert. Das „Album Amicorum“ beispielsweise ermöglicht „ab dem 16. Jahrhundert die Rekonstruktion eigenen und fremden Lebens aus Stammbüchern“.22 Daraufhin folgen im 19. Jahrhundert Fotografien, die Erlebnisse für eine spätere Betrachtung konservieren.23 Bücher und Briefe dienen ebenfalls zur Speicherung menschlicher Erinnerungen. Mit den digitalen und sozialen Medien werden Erlebnisse nicht mehr nur für die Zukunft gespeichert, sondern dienen bereits zum Zeitpunkt des Geschehens als Repräsentation des Lebens. Durch die Bündelung von Milliarden Menschen weltweit, die sich der Plattform widmen, finden sich auch ihre Momentaufnahmen gebündelt an einem einzigen Ort wieder. Sie haben einen gemeinsamen Nenner, der sich Facebook nennt und verschmelzen zu einer großen Gemeinschaft. Ein kollektives Gedächtnis in der Jetzt-Zeit entsteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hier wird das Thema in den medienwissenschaftlichen Kontext eingebettet und die zentrale Fragestellung zur Rolle von Facebook als Gedächtniserweiterung formuliert.
2 Marshall McLuhans Understanding Media: Dieses Kapitel erläutert McLuhans Konzepte der "Extensions of Man" sowie die Prozesse der "Explosion und Implosion" im Kontext von Medien.
3 Facebook: Es erfolgt eine Definition des Begriffs "Soziale Medien" sowie eine historische Einordnung der Plattform Facebook und der spezifischen Funktion der Timeline.
4 Gedächtnis und Erinnerung: Die theoretischen Grundlagen des sozialen und kulturellen Gedächtnisses werden diskutiert, insbesondere unter Berücksichtigung von Medien als Speichermedien.
5 Facebooks Timeline als Repräsentation des menschlichen Gedächtnisses: Das abschließende Kapitel führt die Medientheorie McLuhans mit den Befunden zur Timeline zusammen und bewertet deren Rolle als Repräsentation unseres Gedächtnisses.
Schlüsselwörter
Facebook Timeline, Marshall McLuhan, Verständnis der Medien, menschliches Gedächtnis, soziales Gedächtnis, kulturelles Gedächtnis, Medienwissenschaften, Identitätsdarstellung, digitale Kommunikation, Lebensarchiv, Medienzeitalter, Extension of Man, soziale Medien, Mediatisierung, Erinnerungskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Funktion der Facebook Timeline als digitales Speichermedium, das menschliche Erinnerungsprozesse erweitert und verändert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Medientheorie nach McLuhan, Funktionen sozialer Netzwerke, kognitive Gedächtnisprozesse und deren digitale Medialisierung.
Was ist die Forschungsfrage?
Die Frage lautet: Inwieweit lässt sich Facebooks Timeline in Anlehnung an Marshall McLuhans "Understanding Media" (1964) als die Erweiterung des menschlichen Gedächtnisses beschreiben?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine medienanalytische Herangehensweise, bei der Theorien der 60er Jahre auf aktuelle digitale Phänomene appliziert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Theorie von McLuhan, eine Begriffsdefinition von Social Media, die Entstehungsgeschichte von Facebook sowie eine tiefgehende Analyse von Gedächtnismodellen im digitalen Kontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie Medientheorie, digitale Erinnerung, Facebook Timeline, Extension of Man und Soziales Gedächtnis charakterisieren.
Inwiefern beeinflusst die Facebook Timeline laut Autorin die Identitätsbildung?
Die Timeline ermöglicht eine kuratierte Selbstdarstellung, bei der Nutzer positive Aspekte hervorheben und eine virtuelle Identität konstruieren können, die vom tatsächlichen Erleben abweichen kann.
Wie unterscheidet sich die Speicherung in der Timeline von klassischen Medien?
Im Gegensatz zu klassischen Speichermedien ermöglicht die Timeline eine Echtzeit-Dokumentation und eine sofortige globale Vernetzung, die ein "kollektives Gedächtnis in der Jetzt-Zeit" erzeugt.
- Arbeit zitieren
- Julia Kippes (Autor:in), 2021, Inwieweit lässt sich Facebooks Timeline in Anlehnung an Marshall McLuhans "Understanding Media" als Erweiterung des menschlichen Gedächtnisses beschreiben?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1237004