Der Zwischenbuchhandel wird von den anderen beiden Partnern des Buchhandels, besonders aber von den Verlagen, schon immer als ungeliebtes und nur bedingt notwendiges Stiefkind behandelt. Trotzdem hat er sich bis heute als Dritter im Bunde gehalten und geht seit einigen Jahren sogar forsch in die Offensive, nachdem er durch den Beginn des elektronischen Zeitalters in den 80er Jahren zunächst ins Hintertreffen geriet. Das führt zu neuen Konflikten und dem altbekannten Lied der Schlange an der eigenen Brust, dass der Verleger Wilhelm Ruprecht schon vor über 100 Jahren gesungen hat. Der Vormarsch der Zwischenbuchhändler ist logisch, geht man von der Umgewichtung aus, wie sie die einschlägigen Branchenmagazine seit einiger Zeit durch den Begriff des „Strukturwandels“ diagnostizieren - Konzentration, Konzernwachstum, Sortimentssterben und Zweiklassengesellschaft im Buchhandel – ökonomische Gesichtspunkte regieren. Das Barsortiment, in seiner Funktion ja bereits Rationalisierer von Beginn an, gibt da einen perfekten Buhmann für die Beschleunigung oder gar Inszenierung des momentanen Wandels ab, vor allem wenn man - wie es vor allem die Verlagsseite immer wieder forciert – von einem zunehmenden Machtungleichgewicht zugunsten der Absatzmittler ausgeht. Doch entspricht das auch den Tatsachen? Auch der Zwischenbuchhandel muss ums Überleben kämpfen und unterliegt denselben Marktdynamiken wie die beiden anderen Branchenzweige. Welche Strategien haben die Unternehmen des Zwischenbuchhandels also entwickelt, um konkurrenzfähig zu bleiben? Und kann man wirklich von der Marktmacht, vom „Leviathan“ Barsortiment sprechen? Am Beispiel des Unternehmenskonzerns KNV sollen diese Fragen exemplarisch geklärt werden. Dabei wird der theoretische und historische Teil sehr knapp gehalten, da der Schwerpunkt der Arbeit auf der intensiven Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation liegen soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Buchhandelsdistribution
2.1. Kurzer Geschichtsüberblick
3. Die KNV - Unternehmensgruppe
3.1. Die Unternehmensstruktur
3.2. Fit für die Zukunft I – das Programm im Barsortiment
3.3. Fit für die Zukunft II – Neue Module in der Verlagsauslieferung
3.4. Fit für die Zukunft III – Neue Wege, neue Märkte
4. Die Sicht der Anderen
4.1. Die Sortimenter – Hilfe oder Abhängigkeit?
4.2. Die Verlage – Partnerschaft oder Konkurrenz?
5. Marktmacht KNV? Ein Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die strategische Neuausrichtung und die Rolle des Zwischenbuchhandels im Kontext des Strukturwandels der Branche, exemplarisch dargestellt an der Unternehmensgruppe KNV. Dabei wird insbesondere analysiert, ob das Dienstleistungsprogramm „Fit für die Zukunft“ eine echte Unterstützung für den Buchhandel darstellt oder zu einer einseitigen Abhängigkeit führt.
- Strukturwandel und Marktdynamiken im Buchhandel
- Analyse des Dienstleistungspakets „Fit für die Zukunft“ von KNV
- Einfluss von Rationalisierungsmaßnahmen auf Buchhändler und Verlage
- Diskussion der Marktmacht von Zwischenbuchhändlern
- Diversifizierung als Überlebensstrategie (z.B. Logistik und PBS-Handel)
Auszug aus dem Buch
3.2. Fit für die Zukunft I – das Programm im Barsortiment
KNV stellte 2004 unter dem Namen „Fit für die Zukunft“ ein neu entwickeltes Einkaufsmodell zur Rationalisierung und Optimierung der Prozesse im Bücherbetrieb, vor allem für Buchhändler, aber auch für Verlage vor. Das Modell besteht aus insgesamt 7 (6) Modulen, die einzeln (6) oder im Gesamtpacket (7.) genutzt werden können.
Die Kern-Module gestalten sich im Einzelnen wie folgt:
1. Die Bezugsoptimierung ist vor allem für kleine und mittlere Sortimentsbuchhandlungen gedacht. „ Die Grundlage [zur Optimierung, d. V.] liefert eine genaue Analyse des Lagerbestands sowie die Klassifizierung der Lieferanten nach dem ABC – Modell.“14 Dabei werden die Umschlagsgeschwindigkeit, der aktuelle Bestand und das Alter des Lagers geprüft. Dadurch wird deutlich, wo Kapital gebunden ist und wo die laufenden Prozesskosten zu hoch sind, z. B. in Form von zu vielen Kleinsendungen. Nach der Analyse können dann die Einkaufsstrukturen individuell angepasst und so auch die Lagerstruktur dem Abverkauf gemäß gestaltet werden, das heißt der Buchhändler entscheidet, „welche (A-) Titel welcher Verlage für sein Zentrallager gekauft, und welche (B und C-) Titel nur noch über das Barsortiment bezogen werden.“15 Diese Optimierung soll für mehr Effizienz und im besten Fall eine steigende Rendite sorgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Zwischenbuchhandels und dessen Rolle im Branchenstrukturwandel ein und definiert die Untersuchung der Strategien des KNV-Konzerns als Forschungsgegenstand.
2. Buchhandelsdistribution: Das Kapitel erläutert die Grundlagen und Prozesse der Distribution sowie die historische Entwicklung des Barsortiments als Hintergrundlager des Buchhandels.
3. Die KNV - Unternehmensgruppe: Hier wird die Unternehmensstruktur von KNV dargestellt, wobei die verschiedenen Geschäftsbereiche und das Programm „Fit für die Zukunft“ detailliert erläutert werden.
4. Die Sicht der Anderen: Dieses Kapitel analysiert kritisch die Wahrnehmung und die Auswirkungen der KNV-Dienstleistungen aus der Perspektive der Sortimentsbuchhandlungen und Verlage.
5. Marktmacht KNV? Ein Fazit: Das Fazit bewertet die Marktmacht von KNV im Kontext des Strukturwandels und ordnet die Strategien des Unternehmens als notwendige Maßnahmen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit ein.
Schlüsselwörter
Zwischenbuchhandel, KNV, Barsortiment, Verlagsauslieferung, Buchhandelsdistribution, Fit für die Zukunft, Strukturwandel, Marktmacht, Prozessoptimierung, Unternehmensstrategie, Sortimenter, Verlage, Logistik, PBS-Handel, Rationalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle des Zwischenbuchhandels, insbesondere des Barsortiments, im aktuellen Strukturwandel des Buchhandels am Beispiel des Unternehmens KNV.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Distributionslogistik, die Diversifizierung von Geschäftsfeldern, das Machtverhältnis zwischen Zwischenbuchhändlern, Verlagen und Sortimentern sowie die Auswirkungen von Rationalisierungsprogrammen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, welche Strategien der Zwischenbuchhandel zur Sicherung seiner Wettbewerbsfähigkeit entwickelt hat und ob diese zu einem bedenklichen Machtungleichgewicht führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse der aktuellen Marktsituation und der Unternehmensstrategie der KNV-Gruppe, gestützt durch Branchenpublikationen und Expertenmeinungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Unternehmensstruktur, das Programm „Fit für die Zukunft“ mit seinen sieben Modulen, die Geschäftsbereiche KNV, KNO VA, KNO Logistik und Schreyer sowie die kritischen Rückmeldungen der Marktpartner.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Zwischenbuchhandel, Barsortiment, Marktmacht, KNV, Strukturwandel und Prozessoptimierung.
Was umfasst das „Fit für die Zukunft“-Modell konkret?
Es ist ein Dienstleistungspaket aus Modulen wie Bezugsoptimierung, Management Report, Warengruppen-Paketen, Star Rating, einem Buchhandelsportal, einem Partnermodell sowie dem IT-Programm fitbis.de.
Welche Kritik äußern Sortimenter gegenüber dem Modell?
Kritiker wie Manfred Keiper bemängeln eine drohende „Entmündigung“ der Buchhändler, da standardisierte Warengruppenpakete die eigenständige Einkaufskompetenz und die Profilbildung des Sortiments schwächen könnten.
Wie reagieren Verlage auf die Strategie von KNV?
Verlage stehen dem Modell zwiegespalten gegenüber; sie profitieren teils von verbesserten Prozessen, fürchten aber eine Abhängigkeit durch die Informationsmacht des Zwischenbuchhändlers und eine Beeinflussung ihres eigenen Marketings.
- Quote paper
- Michaela Rhino (Author), 2007, KNV mit KNO Logistik auf neuen Wegen: Zukunftsperspektiven des Barsortiments, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123706