Die Kinder der Täter und deren Umgang mit der NS-Beteiligung der Eltern


Seminararbeit, 2001

11 Seiten, Note: gut


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

I . Die 2. Generation
I.1. Begriffserklärung
I.2. Die Nachkriegsfamilie

II . Die Kinder der Täter und deren Umgang mit dem geschichtlichen Erbe
II.1. Die Integration ambivalenter Väterbilder
II.2. Rehabilitierung und Rechtfertigung
II.3. Die anklagende Haltung
II.3.1. Die Opferidentifikation
II.3.2. Die Wiederkehr der Verfolgermentalität

III . Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Generation und Gedächtnis in Hinblick auf den Nationalsozialismus am Beispiel der zweiten Generation. Im Blickpunkt stehen jene Kinder, deren Eltern im Nationalsozialismus eine eindeutig aktive Rolle als Täter spielten und sich von der Masse der „kleinen Rädchen im Getriebe“ abhoben. Gefragt wird nach den unterschiedlichen Umgangsformen der Nachgeborenen mit der NS-Vergangenheit der Eltern. Das heißt welche Identifikationsmöglichkeiten boten sich, fand eine Entidentifizierung mit der Geschichte der Eltern statt bzw. welche Abwehrmechanismen sind in diesem Generationszusammenhang zu finden. Dazu muß anfangs untersucht werden, wie sich das Leben der Kinder der Täter in der Nachkriegsfamilie darstellte, und vor allem wie in den Familien über die NS-Zeit kommuniziert wurde. Einleitend folgt eine Definition des Begriffes „2. Generation“.

I. Die 2. Generation

I.1. Begriffserklärung

Der Terminus „Zweite Generation“ ist dem Dreigenerationenmodell entnommen. Die erste Generation umfaßt die Großeltern, die zweite deren Kinder, und die dritte Generation die Enkelkinder beziehungsweise die Kinder der zweiten Generation. Dieses Modell wird nun in Relation zum Nationalsozialismus des Zweiten Weltkrieges gesetzt. Die erste Generation ist somit die „Kriegsgeneration“, die bewußt den Nationalsozialismus miterlebte und „-gestaltete“. In dieser Arbeit ist von den Tätern dieser Generation die Rede. Folglich wird die zweite Generation gebildet von deren Kindern, die auch als „Nachgeborene“ bezeichnet werden. Das sind jene Jahrgänge, die sowohl während des Krieges als auch in der Nachkriegszeit bis etwa 1950 geboren wurden.

Durch die Zugehörigkeit zu derselben Generation haben die Geburtenjahrgänge im sozialen Raum eine verwandte Lagerung. Um eine konkrete Verbindung innerhalb dieser Lagerung herzustellen, bedarf es aber der Klärung des „Generationszusammenhangs“. Dieser wird gebildet durch die Partizipation der betroffenen Individuen an gemeinsamen Schicksalen.[1] Der für diese Forschungsfrage relevante Generationszusammenhang ist die konkrete Täterschaft der Eltern in der NS-Zeit. Die daraus resultierenden Schicksale dieser „Kinder der Täter“ werden im folgenden beleuchtet, wobei es zuerst gilt, deren Kindheit in der Nachkriegsfamilie zu untersuchen.

I.2. Die Nachkriegsfamilie

„Der in den 50er Jahren vielstrapazierte Terminus »Bewältigung der NS-Vergangenheit« ist symptomatisch für den Umgang mit dem geschichtlichen Nazierbe in der deutschen Nachkriegsgesellschaft: In ihm schwingt die Vorstellung mit, dem nationalsozialistischen Gewalterbe sei selber nur mit einer gewaltigen Anstrengung, einem gesellschaftlichen Kraftakt zu begegnen, der weniger eine Sache der einzelnen als die eines Kollektivs sei.“[2]

Die Zeit nach 1945 ist – vor allem in Deutschland und weniger in Österreich - gekennzeichnet durch das Bestreben, die NS-Vergangenheit zu „bewältigen“, um durch „Entnazifizierung“ und „Wiedergutmachung“ eine demokratische politische Ordnung aufzubauen. Hierbei herrschte aber eine Diskrepanz zwischen der öffentlichen und der privaten Sphäre. Während die offizielle Politik versuchte, die Schuld durch Zeichensetzung zu bewältigen, so fand innerhalb der familialen Beziehungen keine aktive Aufarbeitung des geschichtlichen Erbes statt. Vielmehr wurde um das Thema „Nationalsozialismus“ eine „Mauer des Schweigens“ aufgebaut.

In der Nachkriegszeit war für die Familie die unmittelbare Existenzsicherung oberstes Gebot. Nur im familialen Zusammenhalt konnte das Überleben des einzelnen gesichert werden. Dabei mußten etwaige Differenzen unausgetragen bleiben. Eines der Hauptprobleme war die Erfahrungsdifferenz zwischen den Geschlechtern. Die Frau hatte während des Krieges gelernt, das Leben ohne einen Mann zu meistern. Der Mann wiederum kam als Verlierer aus dem Krieg oder der Kriegsgefangenschaft zurück und hatte seinen angestammten Platz in der Familie verloren. Die Erlebnisse und Taten des Mannes in der Zeit des Nationalsozialismus waren geschichtliche Schandflecken, die es schnell zu vergessen galt.

[...]


[1] Vgl. Mannheim, 1928, S. 526 f.

[2] Schneider, 1998, S. 29.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Kinder der Täter und deren Umgang mit der NS-Beteiligung der Eltern
Hochschule
Universität Wien  (FB Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar Generation und Gedächtnis
Note
gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
11
Katalognummer
V12375
ISBN (eBook)
9783638182775
ISBN (Buch)
9783638746700
Dateigröße
373 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinder, Täter, Umgang, NS-Beteiligung, Eltern, Proseminar, Generation, Gedächtnis
Arbeit zitieren
Mag.phil. Verena Brunner (Autor), 2001, Die Kinder der Täter und deren Umgang mit der NS-Beteiligung der Eltern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12375

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