Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Theater Studies, Dance

Doping als logische Konsequenz einer wachstumsgläubigen Gesellschaft

Title: Doping als logische Konsequenz einer wachstumsgläubigen Gesellschaft

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Viktor Witte (Author)

Theater Studies, Dance
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit widmet sich der Untersuchung der Dopingproblematik im Hochleistungssport. Allerdings soll es nicht Aufgabe sein, kommerzielle Interessen, die Athleten dazu verleiten, ihre Leistung künstlich zu steigern, oder gar das Dopingsystem, das von nationalen und internationalen Sportverbänden, Ärzten, der Pharmaindustrie und schlussendlich den Spitzensportlern getragen wird, in seiner ganzen Struktur zu durchleuchten. Vielmehr soll hier von Interesse sein, welche gesellschaftlichen Mechanismen Doping überhaupt zu einer so fundamentalen Bedeutung haben anwachsen lassen.
Die Olympischen Spiele im südkoreanischen Seoul im Jahr 1988 gelten allgemein hin als Zeitenwende in der Geschichte der Olympischen Spiele. Warum aber hat sich der Dopingskandal um den kanadischen Sprinter Ben Johnson, der in Seoul sowohl seine Goldmedaille als auch seinen gerade errungenen Weltrekord nach kurzer Phase des Triumphes verlor, mit einer solchen Nachträglichkeit in das kollektive Geschichtsgedächtnis der Welt eingebrannt, zumal Johnson beileibe nicht der erste und erst recht nicht der letzte Dopingfall in der langen Geschichte der Olympischen Spiele ist?
Um dieser Frage nachzugehen, soll eingangs ein Rückblick auf die Ereignisse während der Spiele in Seoul gegeben werden.
Im weiteren Verlauf widmet sich die vorliegende Arbeit der These, dass die Symbiose zwischen Hochleistungsathleten und dem sportinteressierten Publikum in nicht unbeträchtlicher Weise ursächlich für das Phänomen Doping im Leistungssport ist.
Abschließend soll das Verhältnis der modernen westlichen Zivilisation zum menschlichen Körper hinterfragt werden, um zu belegen, dass sich auch hier ganz entscheidende Ansätze finden lassen, warum Doping in einem solchen Ausmaß überhaupt Einzug in den Hochleistungssport und im weiteren Verlauf in die Alltagswelt halten konnte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die symbolische Entweihung der Olympischen Spiele

2.1 Der 100 Meter Lauf – Olympische Königsdisziplin und Menschheitsrennen

2.2 Die wunderschöne Illusion der unbegrenzten menschlichen Leistungssteigerung

2.3 Olympische Spiele Seoul 1988 – Eine „olympische Zäsur“

3 Das Publikum als Wegbereiter des Dopings

3.1 Sportlicher Wettkampf als dramatisches Theater – Das Spannungserlebnis beim Zuschauer

3.2 Der Athlet als Held

3.3 Der Moment der Desillusionierung

4 Doping als Symptom einer sich verändernden Körperlichkeit

4.1 Der säkularisierte Körper

4.2 Gedopte Athleten als die Avantgarde der Verwirklichung einer Körperutopie

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die gesellschaftlichen Mechanismen, die Doping im Hochleistungssport zu einer fundamentalen Bedeutung haben anwachsen lassen. Dabei wird die These vertreten, dass die Symbiose zwischen Athleten und dem sportinteressierten Publikum sowie ein modernes, technokratisches Körperverständnis maßgeblich für die Verbreitung von Doping verantwortlich sind.

  • Die symbolische Bedeutung der Olympischen Spiele und der Fall Ben Johnson
  • Die Rolle des Publikums als Antreiber für Leistungsdruck und Doping
  • Die Inszenierung von Sport als dramatisches Theater und Heldenverehrung
  • Das moderne Körperverständnis und der Übergang zum technologisierten Körper
  • Die gesellschaftliche Standardisierung und Optimierung des Individuums

Auszug aus dem Buch

3.1 Sportlicher Wettkampf als dramatisches Theater – Das Spannungserlebnis beim Zuschauer

Die Frage, ob das sportinteressierte Publikum nicht längst Teil des Dopingsystems, ja unter Umständen sogar ursächlich dafür ist, mag im ersten Augenblick befremden, ist aber bei genauerer Betrachtung durchaus gerechtfertigt. Um diese These zu erläutern, bedarf es der Untersuchung der einzelnen Motive des Sportpublikums.

Die Zuschauerzahlen bei Sportveranstaltungen sind in der Vergangenheit stetig gewachsen, sei es bei Wettkämpfen und Spielen in den Stadien oder lediglich bei deren Fernsehübertragungen, was sich an deutlich steigenden Einschaltquoten der besagten Sportsendungen belegen lässt. Die Medienpräsenz und die Popularität von sportlichen Großveranstaltungen wie Fußballweltmeisterschaften und den Olympischen Spielen haben in den vergangenen Jahren eindeutig und nachvollziehbar zugenommen.

Im Verlauf des letzten Jahrhunderts ist der Hochleistungssport zur populärsten dramatischen Darstellung menschlicher Leistung geworden. Selbst im Zeitalter der Raumfahrt ist der Sportler eine charismatischere Persönlichkeit als der Astronaut, obwohl der letztgenannte das anspruchsvollere Trainingsprogramm erträgt und auf eine Weise Geschichte macht, der kein Sportler jemals hoffen kann nachzueifern.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Dopingproblematik ein und stellt die These auf, dass gesellschaftliche Mechanismen und das Publikumsinteresse ursächlich für den Dopingkonsum sind.

2 Die symbolische Entweihung der Olympischen Spiele: Dieses Kapitel analysiert die Ereignisse von Seoul 1988 als Zäsur, welche die Endlichkeit sportlicher Leistungssteigerung und die damit verbundene Illusion des "natürlichen" Athleten entlarvte.

3 Das Publikum als Wegbereiter des Dopings: Es wird untersucht, wie die lustvoll erlebte Spannung des Publikums und der Wunsch nach Heldenfiguren einen enormen Druck auf Athleten ausüben, der in Doping mündet.

4 Doping als Symptom einer sich verändernden Körperlichkeit: Hier wird Doping als Ausdruck eines modernen westlichen Körperverständnisses gedeutet, in dem der Körper zur verfügbaren, technologisch optimierbaren Materie wird.

5 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Doping die logische Konsequenz einer wachstumsgläubigen Gesellschaft ist, welche den Sport als Versuchslabor für zukünftige Körpertechnologien nutzt.

Schlüsselwörter

Doping, Hochleistungssport, Olympische Spiele, Seoul 1988, Ben Johnson, Publikum, Heldenverehrung, Leistungssteigerung, Körperbild, Körperutopie, Säkularisierung, Sportethik, Gesellschaftsstruktur, Körpertechnologie, Wettkampfdramatik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht Doping im Hochleistungssport nicht als reines individuelles Fehlverhalten, sondern als notwendige Konsequenz gesellschaftlicher Strukturen und Erwartungshaltungen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der symbolischen Bedeutung von Sportgroßereignissen, der Psychologie des Publikums sowie dem philosophischen Wandel des menschlichen Körperverständnisses.

Was ist die primäre Forschungsfrage oder das Ziel der Arbeit?

Ziel ist es zu belegen, dass das symbiotische Verhältnis zwischen dem Publikum und den Athleten sowie ein technologisches Körperideal die treibenden Kräfte hinter der Dopingproblematik sind.

Welche wissenschaftliche Perspektive bzw. Methode wird verwendet?

Die Arbeit bedient sich vorwiegend theaterwissenschaftlicher und kulturphilosophischer Ansätze, um den Sport als theatrales Spiegelbild der Gesellschaft zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert den Fall Ben Johnson, die Dramaturgie sportlicher Wettkämpfe, die Heldenverehrung durch das Publikum und die Transformation des Menschen zum "optimierbaren Körper".

Welche Schlüsselbegriffe definieren den Kern der Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Körperutopie, Hochleistungssport, Zuschauererwartung, technologische Manipulation und das Menschheitsrennen charakterisiert.

Warum wird der Fall Ben Johnson als so entscheidend für die Dopinggeschichte bewertet?

Der Fall gilt als Zeitenwende, weil er erstmals die Unmöglichkeit natürlicher, unbegrenzter Leistungssteigerung weltweit öffentlich und unwiderruflich als Illusion demaskierte.

Inwiefern beeinflusst das Publikum die Doping-Entscheidungen der Athleten?

Das Publikum fordert ständige neue Rekorde und Siege, was Sportler unter den existenziellen Druck setzt, ihre biologischen Grenzen mithilfe pharmazeutischer Mittel zu überschreiten, um ihre öffentliche Rolle als Helden aufrechtzuerhalten.

Excerpt out of 18 pages  - scroll top

Details

Title
Doping als logische Konsequenz einer wachstumsgläubigen Gesellschaft
College
Free University of Berlin  (Institut für Theaterwissenschaft)
Course
Theatralität des Sports-Olympische Spiele II
Grade
1,3
Author
Viktor Witte (Author)
Publication Year
2008
Pages
18
Catalog Number
V123788
ISBN (eBook)
9783640293308
ISBN (Book)
9783640293568
Language
German
Tags
Olympische Spiele Ben Johnson Seoul 1988
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Viktor Witte (Author), 2008, Doping als logische Konsequenz einer wachstumsgläubigen Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123788
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  18  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint