Liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen?

Frauen bei Xenophon und in Vasendarstellungen – Ein Vergleich


Hausarbeit, 2008
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenlage und Forschungsstand

3. Informationen über Frauen bei Xenophon

4. Darstellungen von Frauen auf Vasenbildern

5. Erklärung für die Gegensätzlichkeit der Quellen
5.1. Adressaten und Funktion der Quellen
5.2. Bedeutung der einzelnen Unterschiede

6. Fazit

7. Literaturangaben
7.1. Quelle
7.2. Sekundärliteratur
7.3. Bildnachweis

8. Ehrenwörtliche Erklärung

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit wird ein Vergleich zwischen dem Inhalt der literarischen Quellen und den nicht literarischen Quellen angestellt. Dabei möchte ich mich thematisch auf die Situation der Frauen in Athen des 5. bis 4. Jahrhunderts v.Chr. konzentrieren. Der Vergleich von Xenophons Oikonomikos und attischen Vasenbildern derselben Entstehungszeit, soll Schwierigkeiten aufzeigen, die bei der Erforschung des genannten Themengebietes aufkommen. Denn obwohl beide Quellenarten dasselbe thematisieren, scheinen sie zwei gegensätzliche Realitäten wieder zu spiegeln. Wichtig ist mir bei dieser Arbeit herauszufinden, warum es zu diesen Unstimmigkeiten kommt und wie sich das auf unsere Informationen über die Frauen Athens auswirkt.

Für die Ausführungen diesbezüglich, soll zunächst einer kurze Darstellung der Quellenlage und des Forschungsstands als Basis dienen. Im zweiten Schritt wird die Frage geklärt, wie uns die Situation der Frau in Xenophons Oikonomikos und in den Vasenbildern geschildert wird. Weiterhin ist es wichtig, sich über die Intention des Verfassers beziehungsweise der Maler klar zu werden. Abschließend ist auch die Verwendung der genannten Quellen im Alltag der Menschen in Athen einer genaueren Betrachtung wert.

Da das Themenfeld zur Situation der Frau in Athen sehr weit zu umfassen ist und im Rahmen dieser Arbeit nur oberflächlich behandelt werden könnte, konzentriere ich mich auf die Aspekte, die Xenophon in seinem Oikonomikos anspricht, um somit diesem Thema gerecht zu werden.1

2. Quellenlage und Forschungsstand

Informationen über die Frauen in Athen erhalten wir aus unterschiedlichsten Quellenarten, sowohl literarischer wie nichtliterarischer Art. Zu den literarischen Quellen zählen unter anderem Tragödien, Reden, ökonomische Abhandlungen, Epen und Hymnen. Diese Quellen wurden in überwiegender Zahl von Männern geschrieben, welche meistens den höheren Gesellschaftsschichten und den gebildeten Kreisen angehörten. Daraus resultiert, dass es überwiegend Berichte über Frauen aus diesen Kreisen gab und man beispielsweise kaum Auskunft über Sklavinnen hat. Diskussionen über den Wahrheitsgehalt dieser Quellen sind nicht zu umgehen. Schließlich ist nicht sicher, inwieweit die Autoren die Realität widerspiegelten und nicht nur ihr eigenes Frauenbild wiedergaben.2

Zu diesen vielfältigen literarischen Quellen kommen die nichtliterarische Quellen, wie beispielsweise Vasenbilder, Wandmalerei, Skulptur und Grabmäler. Diese zeigen uns die verschiedensten Bilder von Frauen fast aller Epochen. Doch auch bei diesen Quellen müssen wir uns fragen, wie weit die Realitätswiedergabe geht, und wo wir uns außerhalb dieser begeben.3

Beim Betrachten der Sekundärliteratur zur Situation der Frauen in Athen fällt auf, dass es kaum eindeutige Aussagen gibt. Allein bei politischen und rechtlichen Angelegenheiten scheint man sich sicher zu sein, dass die Frauen kaum Rechte besaßen. Die soziale Position führt jedoch zu zahlreichen Kontroversen. So werden gegensätzliche Extrempositionen vertreten. Während die ersten davon ausgehen, dass die Frauen verachtet und resultierend daraus isoliert von der Aussenwelt leben mussten, vertritt das zweite Lager eher die Meinung, dass Frauen durchaus geehrt wurden und sich nur zu ihrem Schutz vor fremden Männern im Haus aufhielten.4 Diese zwei völlig gegensätzlichen Thesen erklärt Sarah B. Pomeroy damit, dass man erstens die Frauen als eine homogene Masse ansieht und überhaupt keine Differenzierungen durchführt. Zweitens verweist Pomeroy auf die Interpretation der Quellen. Diese werden immer nur isoliert von einander betrachtet und selten in Bezug zueinander gesetzt. Sie spricht sowohl die isolierte Betrachtung der einzelnen literarischen Quellenarten an, als auch die Vernachlässigung der archäologischen Funde.5 Spezifischer für diese Hausarbeit ist ein Aufsatz von Susanne Moraw über die Gegensätze der Frauenbilder und der literarischen Überlieferungen über das Ideal der bürgerlichen Frau.6 Dabei greift Moraw die Aussagen Xenophons über die Tugenden und Aufgaben der Frauen auf und vergleicht diese mit den Darstellungen von Frauen auf Vasen.

Zwar nicht direkt ein Vergleich wie bei Moraw, jedoch auch von Interesse für dieses Thema, ist die Dissertation von Heike Killet.7 Diese hat die vielfältige Ikonographie der Frauen auf attischen Vasen untersucht und aufgezeigt, dass die Frauen nicht, wie bei Xenophons Ideal beschrieben, ihren Platz nur im Haus hatten, sondern auch außerhäuslichen Tätigkeiten nachgingen und nicht immer dem keuschen Idealbild der Frau entsprachen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang noch ein Aufsatz von Adrian Stähli, welcher sich mit den sozialen Räumen von Frauen und Männern in bildlicher Konstruktion beschäftigt und eine weitere Perspektive auf dieses Thema schafft.8

3. Informationen über Frauen bei Xenophon

Xenophon beschreibt in seinem Oikonomikos unteranderem die Aufgaben und Pflichten der Ehefrau. Den Ausführungen ist zu entnehmen, dass die Frau als ein wichtiger Bestandteil des oikos angesehen wurde. Es wird klar gesagt, dass es zu den Tätigkeiten der Frau gehörte, die Kinder zu versorgen, das Essen zuzubereiten und die Wolle zu Kleidung zu verarbeiten. Weiterhin war sie für die Aufsicht der arbeitenden Sklaven verantwortlich und musste diese im Fall einer Krankheit auch pflegen.9

Zu den wichtigen Aspekten bei Xenophon gehören die Ausführungen über die Kinder der Eheleute. Im Dialog zwischen Sokrates und Ischomachus erinnert sich der letztere was er zu diesem Thema seiner jungen Frau gesagt hat:

„Wenn uns Gott Kinder beschehren (sic!) sollte, alsdenn (sic!) wollen wir davon reden, wie wir sie am besten werden aufziehen können. Denn auch dieses Gut werden wir sodann gemeinschaftlich miteinander haben, daß (sic!) wir gute Mitgehülfen (sic!) und Stützen unsers Alters an ihnen finden mögen.“10

So ist davon die Rede, dass die Erziehung der Kinder in den Händen beider Elternteile lag. Kinder wurden als wichtig erachtet, da sie als eine Art

„Altersabsicherung“ für die Eltern galten.11

Der Begriff der Isolierung oder Isolation der Frau von der Aussenwelt, wird von Xenophon keineswegs verwendet, wie es in der Forschung geschieht.12 Vielmehr unterscheidet Xenophon grundlegend die Arbeitsund Lebensbereiche der Frauen und Männer. Die Männer sollen außerhalb des Hauses arbeiten. Zu den Frauen wird jedoch folgendes gesagt:

„[...] so hat Gott, wie mich deucht, die Weiber selbst nach ihrer Natur so zubereitet, daß (sic!) sie verrichten müssen, was im Hause zu thun (sic!) und zu besorgen ist; [...] In denen er aber denen Weiber nicht Körper von so harter Natur gegeben, dergleichen auszustehen, so scheine es ihm daß (sic) Gott dadurch die Verrichtung innerhalb des Hauses denselbigen anbefolen (sic) hat.“13

Die Arbeit wird bei Xenophon nicht nur als wichtiger erachtet, um den oikos zu erhalten, sondern wird auch als ein Mittel zu Erlangung der wahren Schönheit beschrieben. Ischomachus erklärt, dass die Hausarbeit:

[...]


1 Dem hinzuzufügen wäre noch, dass es in der Antike nicht die typische Frau gab. Die Situation der Frauen hing von mehreren Faktoren wie beispielsweise vom sozialen oder rechtlichen Status ab. Weiterhin ist es in diesem Arbeit nicht gewährleistet, eine vollständige Interpretation zur Situation der Frauen zu liefern. Um ein umfassenderes Bild zu diesem Thema zu erhalten, bedarf es der Ausweitung des gesamten Quellenmaterials, was allerdings im Rahmen dieser Hausarbeit nicht möglich ist.

2 vgl.: Pomeroy, Sarah B.: Frauenleben im klassischen Athen, Stuttgart 1985, S.X–XII.

3 vgl.: Killet, Heike: Zur Ikonographie der Frau auf attischen Vasen archaischer und klassischer Zeit, Berlin 1994, S. 2-3.

4 vgl.: Pomeroy (1985:86–88).

5 vgl.: Pomeroy (1985:88–90). Aufgrund dieser Diskurse, die keine eindeutige Antwort auf die Fragen liefern, ist es immer noch von Interesse direkt mit den verschiedenen Quellen zu arbeiten. Diese Hausarbeit setzt sich nur eingeschränkt mit zwei Quellenarten auseinander und gewährleistet keine vollständige Interpretation, da anderen Quellenarten aufgrund von Platzmangel vernachlässigt werden müssen.

6 Moraw, Susanne.: „Unvereinbare Gegensätze? Frauengemachbilder des 4. Jahrhunderts

v. Chr. und das Ideal der bürgerlichen Frau“. In: von den Hoff, Rolf/Schmidt, Stefan (Hrsg.), Konstruktion von Wirklichkeit, Bilder im Griechenland des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr., Stuttgart 2001, S. 211–223.

7 Killet (1994).

8 Stähli, Adrian: „Die Konstruktion sozialer Räume von Frauen und Männern in Bildern“. In: Harich-Schwarzbauer, Henriette/Späth, Thomas (Hrsg.) Gender Studies in den Altertumswissenschaften, Räume und Geschlechter in der Antike, Bnd.3, Trier 2005 S. 83–110.

9 vgl.: Xen. oic. 7,20–24

10 Xen. oic. 7,12

11 vgl.: Xen. oic. 7,12. Xen oic. 7,19.

12 vgl.: Pomeroy (1985:86).

13 Xen. oic. 7,22–23.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen?
Untertitel
Frauen bei Xenophon und in Vasendarstellungen – Ein Vergleich
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Platons Politeia im historischen Kontext
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V123814
ISBN (eBook)
9783640293414
ISBN (Buch)
9783640293650
Dateigröße
8226 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
mit Bildanhang
Schlagworte
Antike, Alte Geschichte, Xenophon, Frauen, Vasendarstellungen von Frauen, Kunst, antike Quellen, Athen, Idealbild einer Frau, Geschlechterrollen, Vergleich Vasenbilder und schriftliche Quellen
Arbeit zitieren
Olessja Bojko (Autor), 2008, Liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123814

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