Mandel’štams Auseinandersetzung mit Europa in „Kamen'“ am Beispiel des Gedichts „Evropa“


Seminararbeit, 2007

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Methoden

3. Formale Analyse des Gedichts
3. 1. Aufbau
3. 2. Metrisch-rhythmische Analyse
3. 3. Thematische Motivationen der Reime
3. 4. Stilmittel, sprachliche Bilder

4. Lyrische Analyse
4.1. Europa - Mandel'štams geistige Landkarte
4. 2. Die Bedeutung der Antike bei der Darstellung Europas
4. 3. Betrachtungen über Veränderungen in Europa

5. Schlussfolgerung

6. Literaturangaben

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Analyse des Gedichts „Evropa“ von Osip Mandel'štam. Die Arbeit ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil hat die metrisch – rhythmische Analyse sowie die Untersuchung der thematischen Motivation der Reime zum Gegenstand. Der zweite Teil soll die lyrische Analyse darstellen.

Das Gedicht „Evropa“ schildert die Empfindungen des Dichters über das europäische Festland. Osip Mandel'štam war von der Weltkarte, die als ein Konzentrat des Raumes und seiner Distanzen für ihn fungierte, fasziniert[1]. Für den Dichter, der in Warschau geboren wurde und im Osten gelebt hat, war die geistige Landkarte die Europas. Diese Karte wird von dem Dichter durch ihre Veränderungen charakterisiert. Der Erdteil befindet sich in ständiger Bewegung, als ob er immer nach anderer Gestaltung seiner Grenzen gestrebt hätte.

Die Darstellung der Veränderungen Europas im Wandel der Zeiten wird in der Hausarbeit ausführlich besprochen. Es wird untersucht, welche Bedeutung der Kontinent für den Dichter hatte und welche Einstellung er zu der Modifikation des Kontinents hatte.

Die Umgestaltung wird auf verschiedene Weise in dem Gedicht beschrieben. In den ersten beiden Strophen wird ein Porträt des idealen Europas dargestellt. In der Analyse dieses Teils wird die Schilderung der geographischen Lage des Kontinents enthüllt sowie seine Verbundenheit mit der Antike erklärt. In den zwei nachfolgenden Strophen nimmt der Kontinent einen anderen Charakter an und verliert seine Heiterkeit. Hier können weitere Veränderungen Europas beobachtet werden, in denen die politischen Probleme Europas und ihre historischen Grundlagen auftauchen. Dieser Teil der Hausarbeit stellt den geschichtlichen Kontext dar, um Reflexionen Mandel'štams und seine Einstellung im Zusammenhang mit den Ereignissen des 19. und 20. Jahrhundert zu erläutern.

Das Gedicht ist im Jahr 1914 entstanden und verweist auf den Ausbruch des ersten Weltkrieges. In dem Gedicht vertritt Mandel'štam die Gefühle der Intellektuellen seiner Zeit, er kritisiert die Aufteilung Europas und sieht den Weltkrieg als internationale Katastrophe.

2. Methoden

Die Grundlagen und Methoden, die zur Erarbeitung der formalen Analyse des Gedichts verwendet werden, sind aus folgender Literatur entnommen: „Wie interpretiere ich ein Gedicht?“ von H.J. Frank sowie „Einführung in die Gedichtanalyse“ von D. Burdorf, deren Inhalt an die Anfänger in der Literaturwissenschaft gerichtet ist und ganz detailliert die Grundprobleme und Methoden der Gedichtinterpretation vorstellt.

Die lyrische Analyse stützt sich u.a. auf den Essay von Osip Mandel'štam „Menschenweizen“, der in hohem Maße die Haltung des Dichters zu Europa verdeutlicht und mit anderen prosaischen Werken als richtungweisender Kommentar seiner Lyrik angesehen wird. Dieses Werk ermöglichte es, die nicht eindeutigen Stellen des Gedichts und die Meinung des Dichters in Hinblick auf die Politik zu entschlüsseln.

3. Formale Analyse des Gedichts

3.1. Aufbau

Mandel'štams Gedicht besteht aus 16 sich reimenden, alternierenden Versen, die in vier Strophen gegliedert sind. Bei allen Strophen handelt es sich um Quartette.

Die erste Strophe beschreibt die Herausbildung des europäischen Festlandes, die zweite befasst sich mit seiner äußeren Gestalt und geographischen Lage.

In den zwei nachfolgenden Strophen setzt sich der Autor mit der politischen Ordnung auf dem Kontinent, sowie mit allgemeinen Veränderungen Europas auseinander.

3.2. Metrisch-rhythmische Analyse

Das Gedicht hat als Versmaß einen sechsfüßigen Jambus. Die Verse 1,4,6,7,10,11,13,16 haben eine überzählige Silbe und werden als hyperkatalektisch bezeichnet. Die anderen Verse sind akatalektisch.

Der sechshebige Jambus enthält 32 Pyrrhichien, also nicht aufgelöste Hebungen. Im ersten Fuß befinden sich zwei Pyrrhichien (1,9 Zeile). Der zweite Fuß enthält sieben Pyrrhichien (Zeile 2, 5-6,14-16). Im dritten Fuß sind zahlreiche Pyrrhichien (3. 7.-13. Zeile) zu sehen. Der vierte Fuß ist fast regelmäßig, enthält nur einen Pyrrhichius (15. Zeile). Der fünfte Fuß beinhaltet 14 Pyrrhichien (2.-14.,16. Zeile). Der letzte, sechste Fuß ist regelmäßig. Das Gedicht enthält in der 15. Zeile des dritten Fußes einen Anakrusis, dem Versfuß, in dem Senkung und Hebung betont sind.

Mandel'štam verwendet dreimal ein Enjambement, zunächst in Strophe drei, dann noch zweimal in der Strophe vier.

Die Verse 2,3,5,8,9,12,14,15 werden mit einer betonten Silbe geschlossen (Hebung) und bilden dementsprechend einen männlichen Reim, der gelegentlich als „stumpf“ bezeichnet wird[2]. Die Verse 1,4,6,7,10,11,13,16 schließen mit einer Senkung, also mit der unbetonten Silbe und enthalten den weiblichen, „klingenden“[3] Reim.

Alle Verse schließen mit dem Endreim. In allen Strophen handelt es sich um den umarmenden Reim, deren Schema AbbA cDDc eFFe GhhG lautet (hierbei bedeuten die großen Buchstaben den weiblichen Reim und die kleinen den männlichen). Innerhalb der Verse 6-7, 9-12, 14-15 lassen sich die schwachen Binnenreime bemerken.

[...]


[1] Vgl. R. Dutli (1993-1994), S. 140.

[2] Vgl. H.J. Frank (1991), S.30.

[3] Vgl. H.J. Frank (1991), S.30.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Mandel’štams Auseinandersetzung mit Europa in „Kamen'“ am Beispiel des Gedichts „Evropa“
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Slavistik)
Veranstaltung
Die Methodik der Lyrikanalyse. Am Beispiel des Zyklus „Kamen'“ von O. Mandel'štam
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V123822
ISBN (eBook)
9783640294107
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mandel’štams, Auseinandersetzung, Europa, Beispiel, Gedichts, Methodik, Lyrikanalyse, Beispiel, Zyklus, Mandel
Arbeit zitieren
Ewa Zawistowska (Autor), 2007, Mandel’štams Auseinandersetzung mit Europa in „Kamen'“ am Beispiel des Gedichts „Evropa“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123822

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