Bjørnstjerne Bjørnson und Ibsen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Ziel dieser Arbeit

2. Literatur und Drama in Norwegen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

3. Stationen im Leben Bjørnsons und Verhältnis zu Ibsen
3.1 Kindheit und Jugend
3.2 Christiania
3.3 Das Debüt als Dichter
3.4 Bergen
3.5 Rückkehr nach Christiania
3.6 Italien
3.7 Zurück in Norwegen
3.8 Ende der 1860-er und Anfang der 1870-er Jahre
3.9 Die Zeit des Wandels
3.10 Abfall vom Kinderglauben
3.11 Die 1880-er Jahre
3.12 Die 1890-er Jahre
3.13 Die letzten Jahre

4. Wesensverschiedenheit

5. Bedeutung des Werks Bjørnsons

6. Parallelen zum Werk Ibsens

7. Unterschiede zum Werk Ibsens

8. Resümee

1. Ziel dieser Arbeit

Ziel dieser Arbeit ist eine kurze Darstellung der wichtigsten Stationen im Leben und Werk Bjørnstjerne Bjørnsons, der als „Volkserzieher und Dichter, Politiker und Sänger, Redner, Journalist und Theaterregisseur, Patriot und Kosmopolit“[1] die überragende „Kulturpersönlichkeit“ im Norwegen des ausgehenden 19. Jahrhunderts genannt werden kann[2]. Insbesondere soll dabei der Beziehung Bjørnsons zu seinem berühmten Landsmann, Zeitgenossen, Rivalen und Freund Henrik Ibsen nachgespürt werden. Es werden außerdem Unterschiede in der Persönlichkeit sowie einige Differenzen und Parallelen im (literarischen) Werk der beiden norwegischen Dichter aufgezeigt.

Zunächst werden jedoch einleitend – in äußerst knapper Form – die Literatur und das Drama in Norwegen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, vor allen Dingen ab etwa 1830, dargestellt, der Zeit also, welche dem Beginn des literarischen Schaffens der beiden herausragenden norwegischen Dichter der Folgezeit unmittelbar vorausging.

2. Literatur und Drama in Norwegen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Nach der kurzen Unabhängigkeit Norwegens und dem erzwungenen Zusammenschluss mit Schweden im Jahre 1814 begann man sich in Norwegen wieder für die Zeit der Sagas, als Norwegen unabhängig war, zu interessieren.[3] Bis etwa 1830 ist für die noch unsichere norwegische Dichtung „die kraftpatriotische Lyrik, ein Strom mittelmäßiger, aber umso prahlerischer poetischer Erzeugnisse“[4] charakteristisch.

Die 1830-er Jahre sind unter anderem durch die Fehde zwischen den Dichtern Wergeland und Welhaven gekennzeichnet. Vor allem durch Wergeland schaffte die norwegische Literatur nun den Durchbruch.[5] So schrieb er 1837 mit seinem Stück Campbellerne auch das Drama, durch das „zum erstenmal norwegische Sprache und spezifisch norwegisches Denken, spezifisch norwegische Lebensformen“ in Christiania, namentlich im Christiania-Theater, auf die Bühne kamen. Das mit zwei norwegischen Stücken eröffnete Christiania-Theater musste allerdings bald zur dänischen Sprache und zu dänischen Schauspielern zurückkehren.[6]

Im folgenden Jahrzehnt erwachte in Norwegen „das Bedürfnis, eine neue historische und kulturelle Grundlage zu schaffen“[7]. Es entstand die nationalromantische Epoche, mit der das Interesse an Volkskunst, Volksleben und der Volkssprache wie auch an Natur und Geschichte aufkam.[8] Nach dem Vorbild der Gebrüder Grimm brachten nun Asbjørnsen und Moe Sammlungen norwegischer Volksmärchen heraus, die in der Folge sehr große Bedeutung gewannen.[9] Erwähnenswert sind die stark realistischen Tendenzen, wie beispielsweise der Versuch einer Annäherung an die Sprache und Ausdrucksweise des Volkes, wodurch die beiden einen eigenen norwegischen Erzählstil und nicht zuletzt das „Riksmål“ schufen.[10] In diese Zeit fiel auch der Beginn der Sprachforschung Aasens, der im Bemühen um eine „echte norwegische Sprache“ auf der Grundlage westnorwegischer Dialekte das „Landsmål“ kreierte.[11] Im Jahre 1849 wurde in Bergen das Norwegische Theater gegründet und somit der Forderung nach einer Bühne mit norwegischen Schauspielern Genüge geleistet. Christiania zog mit einem neuen Theater drei Jahre später nach.[12]

Das Genre des Romans war bis dato in der norwegischen Literatur kaum verwendet worden. Die Schwester Wergelands, Camilla Collett, schrieb mit Amtmandens Døttre (1854-55) alsdann den ersten modernen Roman Norwegens. Mit diesem Werk bahnte sie den Weg für die realistische Problemdichtung wie auch für die Diskussion über die gesellschaftliche Position der Frau.[13]

3. Stationen im Leben Bjørnsons und Verhältnis zu Ibsen

3.1 Kindheit und Jugend

Bjørnson wurde am 8. Dezember 1832 als Bjørnstjerne Martinius Bjørnson in Kvikne, einer Gebirgsgegend im nördlichen Norwegen zwischen dem Østerdal und dem Gudbrandsdal, geboren. Er war das älteste Kind des Pastors Peder Bjørnson, der vor Ablegung seines theologischen Examens den väterlichen Hof bewirtschaftet hatte und zeit seines Lebens gleichermaßen Bauer wie Priester war.[14]

Im sechsten Lebensjahr Bjørnsons wurde sein Vater nach Nesset im Romsdal versetzt, wo der Junge den größten Teil seiner Kindheit und Jugend verbrachte. Die Natureindrücke, die gewaltigen Gegensätze zwischen Berg und Fjord, prägten sich ihm für immer ein und den Menschen dort fühlte er sich auf ewig verbunden. „Der ble jeg til, av det land og det folkeferd er jeg særpreget“[15], schrieb er im Alter von siebzig Jahren an Kielland.[16]

Zwischen seinem zwölften und seinem siebzehnten Lebensjahr wohnte Bjørnson in Molde, wo er die Molde Middelskole besuchte. Nach einem anfänglichen Gefühl der Einsamkeit gründete er bald allerlei Vereine und wurde zum selbstverständlichen Anführer und auch Unruhestifter.[17]

3.2 Christiania

Siebzehnjährig kam Bjørnson dann 1850 in die Hauptstadt Christiania, um in Heltbergs „studentfabrikk“ sein Abitur zu machen, was ihm zwei Jahre später auch gelang.[18] Dort lernte er neben Vinje und Lie auch schon Ibsen kennen.[19] Eine Freundschaft zum vier Jahre älteren Ibsen entwickelte sich indes erst durch die Distanz, die entstand, als Ibsen 1851 als Dramaturg an das oben erwähnte Norwegische Theater in Bergen berufen wurde.[20]

Bereits unmittelbar nach Erreichen seiner Hochschulreife war Bjørnson entschlossen, „vom Ertrag seiner Feder zu leben“.[21] Als Journalist und Theaterkritiker machte er sich bald einen Namen und weckte unter anderem 1854 Aufsehen mit einem Zeitungsartikel, der mit Welhaven und den Nachklängen der dänischen und deutschen Spätromantik abrechnet und Wergeland preist, als dessen Erbe sich Bjørnson fühlte.[22]

Gleichzeitig begann er seinen Kampf für norwegische Schauspieler auf norwegischen Bühnen.[23]

3.3 Das Debüt als Dichter

Der nordische Studentenzug nach Uppsala und Stockholm im Jahre 1856, an dem er als Berichterstatter teilnahm[24] und der den Höhepunkt in der Geschichte des studentischen Skan­di­navismus markierte, sowie insbesondere die Eindrücke bedeutender Andenken aus der Geschichte Schwedens gaben Bjørnson den Anstoß zu seinem dramatischen Debüt.[25]

Ob der Konfrontation mit der glorreichen Vergangenheit des Nachbarlandes wollte er zeigen, dass auch Norwegen große Tage gesehen hatte. So schrieb er kurz nach seiner Rückkehr binnen vierzehn Tagen, wie er später erzählte[26], den Historieneinakter Mellem Slagene.[27]

Zu diesem Zeitpunkt hatte er jedoch sein wahres literarisches Debüt mit einigen Bauernerzählungen in dem von ihm redigierten „Illustreret Folkeblad“ bereits gegeben.[28] Mit diesem – von ihm geschaffenen – neuen Genre, das eine Brücke zwischen volkstümlicher Erzähltradition und moderner Prosa schlug[29], namentlich mit Synnøve Solbakken, gelang ihm im darauf folgenden Jahr auch sogleich der literarische Durchbruch, während Ibsen nun schon einige Jahre auf seinen Durchbruch wartete. Infolgedessen traten Konkurrenz, Rivalität und Missgunst in das bis dahin freundschaftliche Verhältnis der beiden.[30]

Mehr als zehn Jahre lang blieb Bjørnson bei der gewählten Konstellation von Dramen aus der Sagazeit einerseits und Erzählungen aus dem Bauernleben der Gegenwart andererseits, die oft sogar paarweise konzipiert waren.[31]

[...]


[1] Hallberg, P.: 1860-1890. Norwegen. In: Mogens Brøndsted (Hg.): Nordische Literaturgeschichte. Band II. Von 1860 bis zur Gegenwart. München 1984, S. 20

[2] Vgl. Butt, W.: Der moderne Durchbruch und die Zeit bis zur Jahrhundertwende. Norwegen. In: Fritz Paul (Hg.): Grundzüge der neueren skandinavischen Literaturen. Darmstadt 1982, S. 185

[3] Vgl. Beyer, E.: Utsyn over norsk litteratur. Lund 1966, S. 44

[4] Houm, P.: 1830-1860. Norwegen. In: Mogens Brøndsted (Hg.): Nordische Literaturgeschichte. Band I. Von den Anfängen bis zum Jahre 1860. München 1982, S. 408

[5] Vgl. ebd., S. 408-411

[6] Vgl. Kindermann, H.: Theatergeschichte Europas. VI. Band. Romantik. Salzburg 1964, S. 233-234

[7] Rossel, S. H.: Skandinavische Literatur. 1870-1970. Stuttgart 1973, S. 22

[8] Vgl. Beyer (1966), S. 47

[9] Vgl. Houm, S. 422-423

[10] Vgl. Beyer (1966), S. 45

[11] Vgl. Christiansen, H.: Norwegische Literaturgeschichte. Von der Edda bis zur Gegenwart. Berlin 1953, S. 29

[12] Vgl. Kindermann (1964), S. 234

[13] Vgl. Rossel, S. 23

[14] Vgl. Beyer, E.: Norges litteraturhistorie. Bind 3. Fra Ibsen til Garborg. Oslo 1975, S. 96 und Hallberg, S. 21

[15] Beyer (1975), S. 96

[16] Vgl. ebd. und Hallberg, S. 21

[17] Vgl. Amdam, P.: Bjørnstjerne Bjørnson. Kunstneren og samfunnsmennesket. 1832-1880. Oslo 1993, S. 57-62

[18] Vgl. Beyer (1975), S. 97 und Hallberg, S. 21

[19] Vgl. Beyer (1975), S. 97-98

[20] Vgl. Amdam, S. 358

[21] Hallberg, S. 21

[22] Vgl. Beyer (1975), S. 97-99 und Hallberg, S. 21-22

[23] Vgl. Beyer (1975), S. 99

[24] Vgl. Tesmer, H.: Björnson und seine 5 besten Bühnenwerke. Berlin 1921, S. 4

[25] Vgl. Beyer (1975), S. 100 und Hallberg, S. 22

[26] Vgl. Amdam, S. 143

[27] Vgl. Hallberg, S. 23

Anm. d. Verfassers: Werke Bjørnsons werden in der vorliegenden Arbeit mit dem Originaltitel, die

Ibsens – aufgrund der größeren Bekanntheit hierzulande – mit ihrem deutschen Titel genannt.

[28] Vgl. Nitschke, R. K.: Der Figurenaufbau in Björnstjerne Björnsons Dramen. Poznan 1980, S. 10

[29] Vgl. Beyer (1975), S. 225

[30] Vgl. Amdam, S. 358-359

[31] Vgl. Hallberg, S. 23

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Bjørnstjerne Bjørnson und Ibsen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Henrik Ibsen als Dramatiker
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V123853
ISBN (eBook)
9783640294190
ISBN (Buch)
9783640295043
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bjørnstjerne, Bjørnson, Ibsen, Henrik, Dramatiker
Arbeit zitieren
Magister Artium Björn Kohlhepp (Autor), 2006, Bjørnstjerne Bjørnson und Ibsen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123853

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