Ziel dieser Arbeit ist das Interpretieren der wichtigsten Symbolik in Theodor Storms Märchen "Die Regentrude". Zunächst wird jedoch kurz erörtert, inwieweit Storm mit diesem Werk in der Tradition der Märchen der Romantik steht.
Inhaltsverzeichnis
1. ZIEL DIESER ARBEIT
2. DIE REGENTRUDE IN DER TRADITION DES ROMANTISCHEN MÄRCHENS
3. DIE SYMBOLIK IN DIE REGENTRUDE
3.1 DIE BEGRIFFE ‚SYMBOL’ UND ‚SYMBOLIK’
3.2 DIE SYMBOLIK
3.2.1 Die Hauptvertreter des männlichen Prinzips
3.2.2 Die Hauptvertreter des weiblichen Prinzips
3.2.3 Die Dominanz des männlichen Prinzips
3.2.4 Die Mittlerfunktion von Maren und Andrees
3.2.5 Der phantastische Teil
3.2.6 Die Hochzeit
3.2.7 Weitere Textstellen
4. DER VORAUSWEISENDE CHARAKTER VON DIE REGENTRUDE
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit interpretiert die zentrale Symbolik in Theodor Storms Märchen "Die Regentrude". Dabei wird untersucht, wie Storm durch die Gegenüberstellung männlicher und weiblicher Prinzipien sowie durch phantastische Motive die gesellschaftlichen Spannungen und die Zerrissenheit seiner Zeit im Kontext des Realismus und der romantischen Tradition abbildet.
- Theodor Storms Märchen im Kontext der romantischen Tradition
- Analyse der Geschlechterrollen als männliche und weibliche Prinzipien
- Interpretation zentraler Symbole wie Feuermann und Regentrude
- Die Bedeutung des phantastischen Raums und der Mittlerfunktion von Maren und Andrees
- Der Einfluss von Mythologie und Naturmetaphorik in der Erzählung
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Die Hauptvertreter des männlichen Prinzips
Eckeneckepenn, der Feuermann, wird von Andrees beschrieben als „ein knorpsiges Männlein im feuerroten Rock und roter Zipfelmütze“. Sein Kopf wird umschrieben als „Kürbiskopf“ oder „dicker Kopf“, der „überzulaufen scheint“, und seine Beine als „dünne Stäbchen“; obendrein hat er einen „roten Bart“. Einmal berichtet Andrees, dass er „die großen braunroten Hände auf dem Rücken gefaltet“ habe „und dabei die krummen Finger wie Spinnenbeine in der Luft“ spielten. Und einmal „blähte“ sich Eckeneckepenn „wie eine Kröte“. Diese Umschreibungen lassen keinen Zweifel am phallischen Charakter des Feuermanns, worauf zum Beispiel Hansen hinweist. Dieses Aussehen dient natürlich der Unterstreichung des männlichen Prinzips, das der Feuermann auf der mythischen Ebene vertritt. Wie im Übrigen auch sein Name andeutet, der sich aus dem augenfälligen „Mann“ und dem zweiten Teil „Feuer“ zusammensetzt, zu dem Roebling bemerkt, dass Freud Feuer als „aggressives phallisches Symbol“ deutete.
Ansonsten wird der Feuermann mit durchweg schlechten und unsympathischen, aber auch leicht lächerlichen Zügen belegt. Er ist es, der der Welt diese Dürre beschert hat und der böswillig Wasserzuber umwirft, dass Tiere verdursten. Seine Gestalt wird als „arg und mißgeschaffen“, sein Körper als „klumpig“ beschrieben und mit dem einer Kröte verglichen, wobei er gleichzeitig eine seltsam „schnarrende, quäkende Stimme“ hat und „wiehernd“ lacht. Der „Kobold“ hat „böse kleine Augen“, die höhnisch starren, und ein „arglistiges Lächeln“ und kommt überheblich und böse daher. Diente das Aussehen von Eckeneckepenn einerseits zur Bestärkung, dass dieser das patriarchalische Prinzip vertritt, so verdeutlicht es andererseits gemeinsam mit seinem Gehabe, dass dieses Prinzip in der Regentrude kein positives ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. ZIEL DIESER ARBEIT: Definiert das Ziel der Untersuchung der Symbolik in Storms Märchen unter Berücksichtigung der romantischen Tradition.
2. DIE REGENTRUDE IN DER TRADITION DES ROMANTISCHEN MÄRCHENS: Erläutert Storms Bezug zur romantischen Literatur und die intertextuellen Verbindungen zu Werken wie "Frau Holle" oder "Der goldne Topf".
3. DIE SYMBOLIK IN DIE REGENTRUDE: Bildet den Hauptteil der Analyse, in dem die Dichte der Symbole und ihre Funktion für die Interpretation des Werkes untersucht werden.
3.1 DIE BEGRIFFE ‚SYMBOL’ UND ‚SYMBOLIK’: Klärt theoretisch, wie der Begriff des Symbols in dieser Arbeit literaturwissenschaftlich verstanden wird.
3.2 DIE SYMBOLIK: Untersucht systematisch die verschiedenen Symbole des Werkes.
3.2.1 Die Hauptvertreter des männlichen Prinzips: Analysiert den Feuermann und den Wiesenbauern als Träger negativer, phallischer und rationaler Attribute.
3.2.2 Die Hauptvertreter des weiblichen Prinzips: Untersucht die Regentrude und Mutter Stine als Verkörperung des Guten, der Natur und der Tradition.
3.2.3 Die Dominanz des männlichen Prinzips: Beschreibt das Ungleichgewicht zwischen den Prinzipien zu Beginn des Märchens und die daraus resultierende Dürre.
3.2.4 Die Mittlerfunktion von Maren und Andrees: Analysiert die Rolle des jungen Paares bei der Versöhnung der gegensätzlichen Prinzipien.
3.2.5 Der phantastische Teil: Beleuchtet die Symbolik des Abstiegs in die Unterwelt und die Initiation von Maren.
3.2.6 Die Hochzeit: Interpretiert die Eheschließung als Akt der Aussöhnung und Utopie einer befriedeten Gesellschaft.
3.2.7 Weitere Textstellen: Entschlüsselt mythologische und symbolische Details wie den Riesenhügel oder die Eiche.
4. DER VORAUSWEISENDE CHARAKTER VON DIE REGENTRUDE: Zeigt auf, wie das Märchen in seiner symbolischen Dichte bereits auf Storms spätere Novellen, insbesondere "Der Schimmelreiter", hindeutet.
Schlüsselwörter
Theodor Storm, Die Regentrude, Symbolik, romantisches Märchen, männliches Prinzip, weibliches Prinzip, Feuermann, Naturmetaphorik, Maren und Andrees, Bürgerlicher Realismus, Initiation, Mythologie, Jungfrau, Eheschließung, Literaturinterpretation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der literaturwissenschaftlichen Interpretation der Symbolik in Theodor Storms Kunstmärchen "Die Regentrude" und setzt das Werk in den Kontext der romantischen Märchen tradition.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?
Im Zentrum stehen die Geschlechterrollen, die Dualität von männlichen und weiblichen Prinzipien sowie die Verbindung zwischen der realen Welt und dem phantastischen Bereich.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Storm durch gezielten Symboleinsatz eine "vollständig gespaltene Welt" darstellt, die durch die Handlung der Protagonisten am Ende in eine harmonische Vereinigung überführt wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf eine hermeneutische Textanalyse, die durch intertextuelle Vergleiche und den Einbezug psychoanalytischer und mythologischer Deutungsansätze (unterstützt durch Forschungsliteratur) ergänzt wird.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte symbolische Analyse der Figuren (Feuermann, Regentrude, Mutter Stine, Maren, Andrees) sowie der räumlichen und symbolischen Elemente wie dem Brunnen, der Weide und der Hochzeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Publikation?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Symbolik, männliches/weibliches Prinzip, romantische Tradition, Initiation und Naturmetaphorik geprägt.
Wie deutet die Arbeit den Feuermann und den Wiesenbauern im Vergleich?
Beide werden als Repräsentanten eines negativen, patriarchalischen und rational-technokratischen Prinzips gesehen, das durch Gier und Kurzsichtigkeit die natürliche Ordnung und Fruchtbarkeit gefährdet.
Warum wird die Hochzeit am Ende des Märchens so hervorgehoben?
Die Hochzeit fungiert symbolisch als Höhepunkt der Versöhnung zwischen den gegensätzlichen Prinzipien (Mann/Frau, Realität/Phantasie, arm/reich) und wird als utopisches Bild einer befriedeten Gesellschaft gedeutet.
Welche Rolle spielt die Unterwelt in der Interpretation der Arbeit?
Der phantastische Bereich unter der Erde wird u.a. als Marens Seele sowie als Ort der Initiation und Regression in eine ursprünglichere, unschuldige Welt interpretiert.
Inwiefern weist "Die Regentrude" auf Storms Spätwerk hin?
Der Autor zeigt auf, dass die in diesem Märchen praktizierte hohe Dichte an Symbolik und der Einsatz mythischer Elemente wichtige Vorboten für Storms spätere, bedeutende Novellen, insbesondere "Der Schimmelreiter", darstellen.
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- Magister Artium Björn Kohlhepp (Author), 2006, Die Symbolik in Theodor Storms "Die Regentrude", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123856