Vergleich der Anforderungen an die Person des Machthabers/Herrschers in der Ideengeschichte bei (Platon)/Aristoteles und Machiavelli

Welche Rolle spielen die Führercharakter in der jeweiligen `Idee` von Politik, der Polis und dem Staat?


Hausarbeit, 2008

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

Die ursprüngliche Fragestellung:

Einleitung:

Erläuterungen zum Thema
1. Zur Fragestellung
1.1. Warum habe ich mich für Platon/Aristoteles und Machiavelli entschieden?
1.2. Die Staatsphilosophie und die Fragestellung: Max Weber als objektiver Bezugspunkt?
2. Der Historische Hintergrund
2.1. Historischer Hintergrund bei Platon/Aristoteles- die Vorgeschichte
2.2.Historischer Hintergrund bei Machiavelli: Neuzeit Renaissance/Reformation
2.2.1. Das Menschenbild Machiavellis
3. Die Polis/der Staat
3.1. Der „Staat“ die Polis bei Platon und Aristoteles
3.2 Der Staat bei Machiavelli
4. Die Staatsführer/Herrscher
4.1.Der Staatsführer bei Platon und Aristoteles
4.2. Der Machthaber bei Machiavelli
5.Vergleich der Anforderungen an die jeweiligen Herrscher/Machthaber
5.1 Die Institution Herrscher/Machthaber

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Die ursprüngliche Fragestellung:

Vergleich der Persönlichen Anforderungen an Führer in der Staatsphilosophie bei Platon/Aristoteles und Machiavelli – Welche Rolle spielen die Führercharakter in der jeweiligen Staatstheorie?

Nach dem Lesen der entsprechenden Literatur, verbunden mit der Absicht Begriffe möglichst genau zu werden habe ich mich entschieden Staatsphilosophie durch Ideengeschichte und Staatstheorie durch Idee von Politik zu ersetzen. Überzeugend hierbei war die Argumentation Ottmanns.[1]

Einleitung:

Wir alle kennen Max Webers Werke und der heute als Standardwerk verwendete Vortrag „Politik als Beruf“, gilt zu recht als klassische Literatur im Grundstudium der Politikwissenschaft. Max Weber definiert den Staat: „Staat ist diejenige menschliche Gemeinschaft, welche innerhalb eines bestimmten Gebietes – dies: das ´Gebiet`, gehört zum Merkmal – das Monopol legitimer physischer Gewaltsamkeit für sich (mit Erfolg) beansprucht.“[2] und die Politik als „… die Leitung oder Beeinflussung der Leitung eines politischen Verbandes, heute also: eines Staates.“[3] Des Weiteren verweist er auf den Gegenstand der Herrschaft welcher immer eine Rolle spielt. Politik als Kampf um Macht.[4]

Diese Sätze gelten heute als zeitlos, sprich klassisch, doch Weber befasst sich inhaltlich schon mit einem modernen politischen System von Parteien etc. Als Bezugspunkt, wenn auch nur gedanklich, sollen die Anforderungen an einen „Berufspolitiker“ stehen. Max Webers Definitionen von Politik, Politiker und Beamtentum, sind auch ein Grund dafür, dass im Verlauf der Arbeit immer von „Führern“ und „Führungseliten“ gesprochen wird. `Politiker` zu der Zeit von Platon/Aristoteles und Machiavelli passen definitorisch nur unzulänglich in den modernen Kontext. Um inhaltliche Verwirrungen und Missverständnisse zu vermeiden, werde ich mich auf eben erwähnte Begriffe beziehen. Die genaue Definition von politischen Personen zu Zeiten der Antike und Renaissance/Humanismus würde den Rahmen der Arbeit sprengen.

Anmerkung: Ich habe mich für die Verwendung der Begriffe „Führer“, „Herrscher“ und „Machthaber“ entschieden, weil diese am besten zutreffen. Führen ist hier im tatsächlichen Sinne des Wortes, heute oft Leadership zu verstehen. Sämtliche Vergleiche zum Nationalsozialismus sind inhaltlich falsch und unzulässig.

Grade weil es hier auch um die Analyse und Verwendung zeitgebundener Begriffe geht, wäre die Verwendung von anderen Begriffen oder die jeweils konkrete Ämterbezeichnung irreführend, da Machiavelli, als auch Platon/Aristoteles verschieden Herrschaftssysteme einbeziehen.

Erläuterungen zum Thema

1. Zur Fragestellung

Im Laufe des Seminars mit dem Titel „Politikbegriffe in der Ideengeschichte“, welches einen Streifzug durch ca. 2500 Jahre Staatsphilosophie darstellte, viel mir auf, dass die Anforderungen an die politischen Führer\ Machthaber, je nach Zeit und Autor sehr unterschiedlich ausfallen. Ein zweiter Eindruck entstand, der Eindruck, dass es in bestimmten Staatsphilosophien oder Ideen zur Politik mehr auf den Führercharakter und den Menschen als solches ankommt, als wir es heute aus der modernen, westlichen Staatstheorie kennen.

Heute ist die Fragestellung häufig eine andere: „Wie können wir politische Institutionen so organisieren, dass es schlechten oder inkompetenten Herrschern unmöglich ist, allzu großen Schaden anzurichten?“[5]

1.1. Warum habe ich mich für Platon/Aristoteles und Machiavelli entschieden?

Nach Hoerster ist die Geschichte der Staatsphilosophie als ein Ablauf bestimmter Fragestellungen und Theorien zu verstehen, welches sich auf einander beziehen und sich beeinflussen. In diesem Falle war Platon der Lehrer Aristoteles` und Machiavelli, welcher von Aristoteles (zumindest seinen Schriften) beeinflusst wurde zu untersuchen passt genau in die Herangehensweise von Hoerster.[6] Zum einen ist es sehr interessant, wie alles begann, sprich Platon (427- 347 v. Chr.) und Aristoteles als Begründer der Staatsphilosophie (Politikwissenschaft?) zu untersuchen und zu vergleichen wie 1800 Jahre später über die gleiche Frage (die immer gleichen Fragen in der Staatsphilosophie) gedacht wird. Sicherlich hätte man auch nur 1000 Jahre später oder auch 2000 Jahre nach Aristoteles (384-322 v. Chr.) Vergleiche anstellen können, aber Machiavelli (1469 – 1527 n. Chr.) lebte in der Neuzeit geprägt von Humanismus und Renaissance und war vertraut, als auch inspiriert von Aristoteles. Somit entsteht ein gewisser Spannungsbogen.

Auch der Zweite Aspekt nach Hoerster die Geschichte als „integrierten Bestandteil der Gesamtgeschichte“ zu sehen ist zu erkennen, denn mit der Weiterentwicklung der Staatsmodelle, haben sich auch die Anforderungen an Staatsführer in der Theorie, als auch in der Praxis verändert (und werden es sicherlich auch noch tun).Die Fragestellung provoziert es geradezu auch Staatstheoretiker wie Tocqueville, Lenin, Hobbes oder andere mit in den Verglich einzubeziehen, aber auch das lässt der Umfang der Arbeit leider nicht zu.

Es soll ganz klar, um einen Vergleich der Anforderungen an politische Führer bei Platon/Aristoteles und Machiavelli gehen. Die charakterliche Seite, also die moralische Komponente, bezogen auf das Innere Sein und das äußere Sein/Scheinen der Führer soll hier im Mittelpunkt stehen.

1.2. Die Staatsphilosophie und die Fragestellung: Max Weber als objektiver Bezugspunkt?

Die Geschichte der Staatsphilosophie ist nach Ottmann die „Geschichte des politischen Denkens“[7] „Neben dem Klassisch-Zeitlosen steht das Zeitgebundene.“[8] Wir beschäftigen uns hier mit zwei Klassikern der Ideengeschichte und bezogen auf die Fragestellung, ist es sicherlich interessant zusehen, welche Anforderungen an Führer von Staaten klassisch zeitlos und welche zeitgebunden sind?

Es soll der Versuch unternommen werden Max Weber als `neutralen` Bezugspunkt zur Hilfe zu nehmen. Max Weber hat in seinem Werk „Politik als Beruf“ einen Standard für die Eigenschaften eines Berufspolitikers gesetzt. Grundlage seines Denkens ist jedoch die moderne Staatskonzeption. Weber spricht von Parteien, Verwaltung, Entlohnung, Rekrutierung und vergleicht verschiedene politische Systeme. Weber lebt in einer Zeit in der die Qualität als auch die Ausbildung der Politiker zunimmt und eine gewisse Professionalisierung stattfindet. Interessant für die hier relevante Fragestellung sind die Unterteilung der Herrschaftsformen in „traditionale Herrschaft“ z.B. Fürst, Patriarch, die „charismatische Herrschaft“ Prophet, Kriegsführer, Demagoge oder die „Herrschaft kraft Legalität“ im modernen Staat[9] Der Reiz der Fragestellung liegt vor allem auch darin, zu sehen wie die `Max Weber` (bezogen auf Klassiker, nicht inhaltlich) ihrer Zeit Aristoteles und Machiavelli die Anforderungen an Politiker oder besser Staatsführer formulierten und warum. In der Folge stellt Max Weber das Verhältnis von Ethik und Politik dar.[10]

Setzt man Ethik mit Moral gleich und Politik mit Legalität so hat man auch Weber das klassische Verhältnis von Legalität und Moralität, welches die Staatsphilosophie seit Anbeginn prägt und begleitet. Abschließend ein Zitat welches vor allem mit Blick auf Platon zu lesen ist:

„Nur wer sicher ist, daß er daran nicht zerbricht, wenn die Welt, von seinem Standpunkt aus gesehen, zu dumm oder zu gemein ist für das, was er ihr bieten will, dass er all dem gegenüber: `dennoch` zu sagen vermag, nur der hat den `Beruf` zur Politik.“[11]

Grade die Moral, welche mit der Legalität das `Paar`(im Sinne von Gebiet) der Staatsphilosophie bildet spielt heute (2008) noch eine wichtige Rolle. Das eine gewisse ´Grundlegalität` in westlichen Demokratien vorhanden ist, ist schwer zu bestreiten, doch das Verhältnis von Moral Politik bleibt ein gespanntes und umstrittenes Feld. Vor wenigen Tagen sagte Hillary Clinton die USA müsse wieder (einige Fragen sich sicherlich warum wieder) die moralische Führung in der Welt übernehmen. Auch die drei zu untersuchenden Autoren geben Ihren Führercharakteren spezifische Moralvorstellungen auf den Weg.

2. Der Historische Hintergrund

2.1. Historischer Hintergrund bei Platon/Aristoteles- die Vorgeschichte

Das Ende der attischen Demokratie (direkte Demokratie von 508/07 bis 322 v. Chr.) und die darauf folgende „Herrschaft der 30“, so wie der Tod Sokrates` und dessen Umstände haben Platon in seinen Werken maßgeblich beeinflusst. Die in Athen herrschende Korruption will Platon durch Gerechtigkeit ersetzen. Der Bruch mit der direkten Demokratie bleibt in fast allen Werken Platons spürbar. In Platons Philosophie entwickelt er die Idee vom Staat. Aristoteles ist zwar Schüler Platons und übernimmt inhaltlich auch die Skepsis gegenüber der Demokratie, doch er möchte sich dem Problem der Politik über Erfahrung nähern, nicht nur über Theorie. Auf Grund seines methodischen Ansatzes gilt Aristoteles bei einigen Autoren als `Erfinder` der Politikwissenschaft. In der Zeit Platons und Aristoteles hielt man das politisches System oder das was politisch ist noch für leichter durchschaubar und genau genommen, hat man politischen und nicht politischen Bereich gar nicht getrennt. (Das politische als eigenen geschlossen Bereich zu sehen, geht auf Machiavelli zurück.)[12]

Da im Laufe der Arbeit ein Vergleich mit Machiavelli ansteht, sei der Hinweis nach Ottmann erlaubt, dass die griechische Politik nicht mit heutigem Staatsbegriff gemessen werden kann. Es handele sich eher um Bürgerpolitik und dementsprechend auch nicht um Staatsphilosophie sondern um Bürgerphilosophie.[13]

[...]


[1] Vgl. Ottmann, Henning; Geschichte des politischen Denkens – Von den Anfängen bei den Griechen bis auf unsere Zeit, Band 1: Die Griechen, Teilband 1: Von Homer bis Sokrates, Verlag J.B. Metzler Stuttgart/Weimar 2001

[2] Weber Max; Politik als Beruf, Stuttgart 1997, S. 6

[3] Ebenda S. 5

[4] Vgl. Ebenda S. 7

[5] Karl R. Popper: Die offenen Gesellschaft und Ihre Feinde Bd. 1, München 6. Aufl. 1980, S. 170 in Reese -Schäfer; Klassiker der polit. Ideengeschichte: Von Platon bis Marx, Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, 2007, S. 18

[6] Hoerster Norbert (Hrsg.); Klassische Texte der Staatsphilosophie, Deutsche Taschenbuch Verlag GmbH & Co KG, München, 13. Auflage November 2006

[7] Ottmann, Henning; Geschichte des politischen Denkens – Von den Anfängen bei den Griechen bis auf unsere Zeit, Band 1:Die Griechen, Teilband 1:Von Homer bis Sokrates, Verlag J.B. Metzler Stuttgart/Weimar 2001, S.2

[8] Ebenda S. 2

[9] Weber Max; Politik als Beruf, Stuttgart 1997, S.8

[10] Ebenda S. 68ff

[11] Ebenda S. 89

[12] Vgl. Reese -Schäfer; Klassiker der polit. Ideengeschichte: Von Platon bis Marx, Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, 2007, S. 13

[13] Ottmann, Henning; Geschichte des politischen Denkens – Von den Anfängen bei den Griechen bis auf unsere Zeit, Band 1: Die Griechen, Teilband 1: Von Homer bis Sokrates, Verlag J.B. Metzler Stuttgart/Weimar 2001

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Vergleich der Anforderungen an die Person des Machthabers/Herrschers in der Ideengeschichte bei (Platon)/Aristoteles und Machiavelli
Untertitel
Welche Rolle spielen die Führercharakter in der jeweiligen `Idee` von Politik, der Polis und dem Staat?
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Politikwissenschaft und Japanologie)
Veranstaltung
Proseminar: Politikbegriffe in der Ideengeschichte
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V123858
ISBN (eBook)
9783640295722
ISBN (Buch)
9783640301676
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Laut Dozenten handelt es sich um eine "interessante Fragestellung und sehr gelungene Arbeit". Der Anhang enthält eine Reihe wichtiger Standardwerke zu diesem Thema.
Schlagworte
Vergleich, Anforderungen, Person, Machthabers/Herrschers, Ideengeschichte, Machiavelli, Proseminar, Politikbegriffe, Ideengeschichte
Arbeit zitieren
Saltan Gindulin (Autor), 2008, Vergleich der Anforderungen an die Person des Machthabers/Herrschers in der Ideengeschichte bei (Platon)/Aristoteles und Machiavelli, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123858

Kommentare

  • Gast am 25.2.2018

    Fehlkauf. Die Arbeit ist ziemlich flach.

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Titel: Vergleich der Anforderungen an die Person des Machthabers/Herrschers in der Ideengeschichte bei (Platon)/Aristoteles und Machiavelli



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