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Ist die verfassungsmäßige Verankerung der „Schutzfunktion für Südtirol“ auch für den internationalen Minderheitenschutz von Bedeutung?

Title: Ist die verfassungsmäßige Verankerung der „Schutzfunktion für Südtirol“ auch für den internationalen Minderheitenschutz von Bedeutung?

Seminar Paper , 2008 , 18 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Orkun Aktuna (Author)

Politics - Region: Western Europe
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Summary Excerpt Details

Die derzeitige Diskussion um die Reform der österreichischen Bundesverfassung weist ein Element auf, das für Südtirol – und damit auch für die internationale Minderheitenproblematik – von besonderer Bedeutung ist. Es geht um die Frage, ob in die novellierte österreichische Bundesverfassung ein offizielles Bekenntnis zur Schutzfunktion Österreichs gegenüber den Minderheiten in Südtirol (bzw. den „österreichischen Minderheiten“ in diesem Lande) aufgenommen werden soll. Diese Diskussion weist verschiedene Zweige auf. Sie ruft einmal in Erinnerung, dass eine völkerrechtliche Schutzfunktion Österreichs gegenüber Südtirol ohnehin schon seit 1946, also seit dem Abschluss des „Gruber-De Gasperi-Abkommens“ (auch Pariser Abkommen genannt), besteht und fragt gleichzeitig, ob eine Schutzfunktion des Mutterstaates gegenüber „seinen“ Minderheiten im Ausland vielleicht auch unabhängig vom Völkerrecht existiert. Sollte dies der Fall sein, so wäre auch ein heikles Problem gelöst, das die erwähnte Diskussion aufgeworfen hat: Darf ein Staat unilateral eine Schutzfunktion gegenüber Gruppierungen in anderen Staaten proklamieren? Zwar sind innerstaatliche Regelungen, um die es sich bei einer Verfassungsregelung handelt, völkerrechtlich grundsätzlich unwichtig, erlangen aber bei einer eventuellen Außenwirkung durchaus völkerrechtliches Konflikt-potenzial. Nach der hier vertretenen Auffassung ist dies im vorliegenden Zusammenhang allerdings nicht der Fall, weil das moderne internationale Minderheitenrecht eine generelle Interessensbekundung oder Förderung der Minderheiten im Ausland nicht verbietet.
Eine andere Frage ist die, ob der Versuch einer solchen Einflussnahme politisch opportun und für die betreffenden Minderheiten auch von Vorteil ist. Warum also ist diese Schutzfunktion für die neue Bundesverfassung – und auch international gesehen – von Bedeutung? Dieser Frage soll im Folgenden nachgegangen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Begriffsbestimmungen

3 Der Pariser Vertrag und Österreichs Schutzfunktion

4 Vorschläge zur Einleitung einseitiger Schutzmaßnahmen

5 Beurteilung der österreichischen Möglichkeiten vor dem Hintergrund und Wertung der geplanten Verfassungsreform

5.1 Die Schutzfunktion als rein deklaratorische Maßnahme

5.2 Die unilaterale Erlassung von Durchführungsmaßnahmen

5.3 Die Schutzfunktion als Ausfluss neuerer Entwicklungen im internationalen Minderheitenrecht

6 Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die völkerrechtliche und politische Bedeutung einer geplanten verfassungsrechtlichen Verankerung der „Schutzfunktion für Südtirol“ durch Österreich und bewertet, inwieweit diese Maßnahme den internationalen Minderheitenschutz stärken kann, ohne dabei bestehende völkerrechtliche Rahmenbedingungen zu gefährden.

  • Völkerrechtliche Grundlage der österreichischen Schutzfunktion
  • Analyse verfassungsrechtlicher Initiativen und Vorschläge zur Schutzfunktion
  • Diskussion über das Selbstbestimmungsrecht und den Vorwurf der Sezessionsförderung
  • Die Rolle der konsensuellen Lösungsansätze im Minderheitenschutz
  • Internationale Perspektiven und neue Entwicklungen im Minderheitenrecht

Auszug aus dem Buch

3 Der Pariser Vertrag und Österreichs Schutzfunktion

Zweifellos verfügt Österreich eine fest im Völkerrecht verankerte Schutzfunktion gegenüber der deutschsprachigen Volksgruppe in Südtirol, denn auf der Grundlage dieses Vertrages wurde Italien u. a. dazu verpflichtet, deutschsprachigen Volks- und Mittelschulunterricht zu gewährleisten, die deutsche Sprache in öffentlichen Ämtern, amtlichen Urkunden und in der zweisprachigen Ortsnamengebung gleichzustellen, Gleichberechtigung bei der Zulassung zu öffentlichen Ämtern zu garantieren und eine autonome Gesetzgebungs- und Vollzuggewalt zu gewähren.

Die Umsetzung dieses Abkommens war sehr konfliktreich. Der erste Versuch in dieser Richtung, das sog. „Erste Autonomiestatut“ aus dem Jahr 1948, erwies sich als unzureichend. Nachdem Österreich diese Frage vor die Generalversammlung der UNO gebracht, diese 1960/61 Italien und Österreich aufgefordert hatte, Verhandlungen aufzunehmen, und nachdem sich die Unzufriedenheit in Südtirol mit Sprengstoffanschlägen geäußert hatte, war Italien schließlich zu einem Einlenken und weiteren Zugeständnissen bereit. Der diesbezügliche Verhandlungsprozess mündete schließlich im Autonomiestatut von 1972. Dieses Autonomiestatut führte letztendlich zu einer Ordnung, die international als beispielhaft für ein gelungenes Minderheitenschutzmodell gilt.

Italien hatte stets erklärt, all diese in einem sog. „Paket“ zusammengefassten Maßnahmen freiwillig zu setzen, international also dazu nicht verpflichtet zu sein oder sich auf die Pariser Verträge zu stützen; es ging nämlich um die völkerrechtliche Verankerung der Südtirol-Autonomie. Diese war lange Zeit strittig, und man behalf sich mit einem Rückgriff auf technische Konstrukte wie das „Estoppel-Prinzip“ bzw. die spätere Vertragspraxis. Ob man damit vor dem IGH weiterkommen würde, war aber unklar.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Debatte um die Aufnahme eines Bekenntnisses zur Schutzfunktion für Südtirol in die österreichische Bundesverfassung und fragt nach deren völkerrechtlicher Relevanz.

2 Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel klärt die terminologische Abgrenzung zwischen den Konzepten „Schutzmacht“ und „Schutzfunktion“ vor dem Hintergrund des humanitären Völkerrechts.

3 Der Pariser Vertrag und Österreichs Schutzfunktion: Hier wird der historische Entstehungskontext des Pariser Abkommens von 1946 und das daraus resultierende völkerrechtlich verankerte Schutzverhältnis Österreichs zu Südtirol analysiert.

4 Vorschläge zur Einleitung einseitiger Schutzmaßnahmen: Der Autor stellt verschiedene politische Entwürfe und Petitionen zur verfassungsrechtlichen Implementierung der Schutzfunktion vor.

5 Beurteilung der österreichischen Möglichkeiten vor dem Hintergrund und Wertung der geplanten Verfassungsreform: Dieses Kapitel prüft die rechtlichen und politischen Folgen unterschiedlicher Ausformungen der Schutzfunktion, von rein deklaratorischen Akten bis hin zu unilateralen Maßnahmen.

5.1 Die Schutzfunktion als rein deklaratorische Maßnahme: Untersuchung des Potenzials einer symbolischen Verfassungsbestimmung als bloße Bekundung des bestehenden Schutzanspruchs.

5.2 Die unilaterale Erlassung von Durchführungsmaßnahmen: Diskussion der Risiken und der Bedeutung des konsensuellen Ansatzes bei der Ausgestaltung konkreter Schutzmaßnahmen.

5.3 Die Schutzfunktion als Ausfluss neuerer Entwicklungen im internationalen Minderheitenrecht: Erläuterung, wie sich der Schutzanspruch des Mutterstaates im modernen Völkerrecht in ein breiteres, systemisches Konzept einfügt.

6 Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Einschätzung, dass die verfassungsrechtliche Verankerung einen positiven, innerstaatlichen Impuls setzt und zur Fortentwicklung des internationalen Minderheitenschutzsystems beitragen kann.

Schlüsselwörter

Südtirol, Schutzfunktion, Minderheitenschutz, Österreich, Verfassung, Völkerrecht, Pariser Abkommen, Autonomie, Selbstbestimmung, Souveränität, Volksgruppe, Menschenrechte, Minderheitenrecht, Staatszielbestimmung, Diplomatie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die verfassungsrechtliche Debatte in Österreich über die explizite Aufnahme einer Schutzfunktion für die Südtiroler Minderheit und untersucht deren völkerrechtliche Tragweite.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Themenfelder sind die völkerrechtliche Fundierung der Südtirol-Autonomie, die Analyse unterschiedlicher verfassungsrechtlicher Implementierungsvorschläge und die politische Einordnung der Mutterstaatsfunktion im internationalen Vergleich.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, zu klären, ob eine verfassungsrechtliche Verankerung der Schutzfunktion sinnvoll und völkerrechtlich unbedenklich ist und ob sie als Vorbild für eine neue internationale Schutzphilosophie dienen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine völkerrechtliche und politologische Analyse, die auf einer Auswertung von Verträgen, nationalen Verfassungsdiskursen und fachwissenschaftlicher Literatur basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden der Pariser Vertrag, konkrete politische Entwürfe zur Verfassungsreform, die Abgrenzung von „Schutzmacht“ zu „Schutzfunktion“ und die Auswirkungen auf das internationale Minderheitenrecht analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Südtirol, Schutzfunktion, Minderheitenschutz, Völkerrecht, Verfassungsreform und Selbstbestimmung charakterisieren.

Wie unterscheidet der Autor zwischen der deklaratorischen und der aktiven Schutzfunktion?

Der Autor unterscheidet dahingehend, dass eine rein deklaratorische Verankerung rechtlich unproblematisch ist, während konkrete unilaterale Durchführungsmaßnahmen den konsensuellen Ansatz gefährden könnten, der für die Südtirol-Lösung essenziell war.

Welche Bedeutung hat das „Pariser Abkommen“ für die Argumentation?

Das Abkommen dient als unverzichtbare völkerrechtliche Basis, auf der die aktuelle Schutzfunktion ruht und vor der jede neue verfassungsrechtliche Bestimmung legitimiert werden muss.

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Details

Title
Ist die verfassungsmäßige Verankerung der „Schutzfunktion für Südtirol“ auch für den internationalen Minderheitenschutz von Bedeutung?
College
University of Innsbruck  (Politikwissenschaften)
Course
Das politische System Österreichs
Grade
sehr gut
Author
Orkun Aktuna (Author)
Publication Year
2008
Pages
18
Catalog Number
V123884
ISBN (eBook)
9783640287703
ISBN (Book)
9783640287895
Language
German
Tags
Verankerung Südtirol“ Minderheitenschutz Bedeutung System
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Orkun Aktuna (Author), 2008, Ist die verfassungsmäßige Verankerung der „Schutzfunktion für Südtirol“ auch für den internationalen Minderheitenschutz von Bedeutung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123884
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