Politikvermittlung durch das Fernsehen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

20 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Politikvermittlung durch Massenmedien

3. Fernsehen als Instrument der Politikvermittlung
3.1. Wahlwerbespots
3.2. Politische Magazine
3.3. Politiker in Unterhaltungsformaten
3.4. Kanzlerkandidaten im Fernsehen
3.4.1. Nachrichtensendungen
3.4.2. TV-Duelle

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Einer zunehmenden Politisierung moderner Gesellschaften – im Sinne einer Einschränkung der individuellen Wahl- und Handlungsmöglichkeiten zugunsten kollektiver und kollektiv verbindlicher Entscheidungen mit den Mitteln des Rechts – steht eine abnehmende Nachvollziehbarkeit politischer Prozesse gegenüber. Dem einzelnen Bürger fällt es in wachsendem Maße schwer, die gesellschaftliche Umwelt als politisch geformte Welt zu erkennen. Dies aber wird als eine der Voraussetzungen eines demokratischen Systems verstanden. Die in normativer Hinsicht angestrebte größtmögliche Partizipation aller Mitglieder einer demokratischen Gesellschaft erfordert, dass politisierte Bereiche des Gemeinwesens erkennbar gemacht werden, um sie nötigenfalls zur Disposition stellen und verändern zu können (Marcinkowski 1998: 166f.). Zudem ist es in empirisch-analytischer Hinsicht für die Legitimation eines politischen Systems notwendig, über seine Absichten und Motive aufzuklären. Andernfalls werden ihm Missstände zugeschrieben, die andere gesellschaftliche Bereiche, z.B. die Wirtschaft, zu verantworten haben. Politisches Handeln, welches Unterstützung durch die Bürger erheischen möchte, muss in wesentlichen Teilen kommunikatives Handeln sein (Sarcinelli 1994: 35).

Die Vermittlung von Politik kann in von wachsender Komplexität gekennzeichneten Gesellschaften nicht ausschließlich durch direkten Kontakt zwischen Individuen oder die Mitgliedschaft in Organisationen geschehen, sondern wird vor allem durch Massenmedien gewährleistet, welche möglichst authentisch die langwierigen Prozesse, die komplexen Institutionen und vielschichtigen Interessen auf der politischen Ebene darstellen sollen (Bruns/Marcinkowski 1997: 19f.). Als weit verbreitetes, leicht zugängliches und zugleich meistbenutztes Medium vieler Menschen, dessen Konsumption gewöhnlich noch vor anderen Medien als Kleinkind einsetzt (Shanagan/Morgan 1999: 20f.), besitzt das Fernsehen die dominante Stellung unter den Massenmedien.

Die vorliegende Arbeit stellt es sich zur Aufgabe anhand verschiedener Genres mit politischem Inhalt und/oder politischen Akteuren die Form der Politikvermittlung durch das Fernsehen zu untersuchen. Zuvor wird die Beziehung der Politik zu den Massenmedien im Allgemeinen sowie zum Fernsehen im Besonderen beleuchtet und auf die Spezifika des Mediums Fernsehen hingewiesen.

2. Politikvermittlung durch Massenmedien

Zwar findet die Vermittlung von Botschaften politischer Akteure nicht ausschließlich durch Massenmedien statt, doch zeigen sich für die Beeinflussung der Wahrnehmung von Politik in modernen Gesellschaften im Wesentlichen die Massenmedien verantwortlich. Direkte, unmittelbare Eindrücke vom politischen Geschehen können sich die meisten Bürger in repräsentativen Demokratien westlichen Typs nur selten machen (Bruns/Marcinkowski 1997: 20). Während die Politik auf die Medien angewiesen ist, um die Öffentlichkeit zu erreichen, benötigen Journalisten Themen aus der Politik, um im wirtschaftlichen Sinne erfolgreich zu sein. Die Beziehung zwischen Politik und Medien als „paradoxe Mischung aus Symbiose und Antagonismus, aus Nähe und Distanz“ (Meckel 2002: 278) entwickle sich zu Lasten der Autonomie des politischen Feldes. Maßgeblich dafür verantwortlich sei die nachlassende gesellschaftliche Verpflichtung der Medienlandschaft infolge ihrer zunehmenden Ökonomisierung. Der Zutritt kommerzieller Akteure zum Rundfunksystem führte zur Orientierung der Medieninhalte an Werbemarkt- und Publikumsinteressen und zur Vernachlässigung kultureller Faktoren sowie der Vermittlungsinteressen gesellschaftlicher Organisationen und politischer Akteure (Jarren 1998: 79f.).

„All dies bewirkt, daß der unaufhörlich zunehmende Einfluß eines selbst einem wachsenden Einfluß der kommerziellen Logik unterliegenden journalistischen Feldes auf ein der ständigen Versuchung zur Demagogie […] ausgesetztes politisches Feld dazu beiträgt, die Autonomie dieses politischen Feldes zu schwächen und mit ihr zugleich die den (politischen oder sonstigen) Repräsentanten zuerkannte Befugnis, sich auf ihre Kompetenz als Experten oder auf ihre Autorität als Hüter kollektiver Werte zu berufen.“ (Bourdieu 1998: 119)

Unter den Bedingungen eines weitgehend ökonomisierten und an Einschalt- und Marktquoten orientierten Mediensystems, muss „demokratische Politik […] nicht mehr nur begründungspflichtig und zustimmungsabhängig […] sondern zudem medial – und das heißt vor allem fernsehgerecht – vermittlungsfähig sein“ (Tenscher/Geisler 2002: 171). In Konkurrenz zu anderen Sphären des Alltags kämpft Politik darum, wahrgenommen zu werden und dies bedeutet letztlich in den Massenmedien präsent zu sein. Diese „berichten nicht über das Geschehene, sie entscheiden vielmehr was, wann, wie geschehen ist. Sie bewerten und schaffen durch ihre Berichterstattung eigene Ereigniswelten“ (Machnig 2002: 148). Die Optimierung der kommunikativen Aktivitäten seitens politischer Akteure vor diesem Hintergrund schlägt sich nach Klaus Kamps in vier wesentlichen Entwicklungen nieder:

- Intensivierung der Politikberatung und zunehmende Abhängigkeit der Politik von dieser, da Politikberatung im günstigsten Fall Medien für die eigenen Zwecke einspannt und sich des Mediendrucks erwehrt
- steigendes Bewusstsein darüber, dass politische Kommunikation Bestandteil und Leistungsbereich moderner Politik darstellt
- institutionelle Einbindung von Medienstrategen und Kommunikationsexperten, welche dadurch engen Kontakt mit Politikern und politisches Gewicht erlangen
- zunehmendes Bemühen der Politik, ihre Ideen und Vorstellungen an den Medien vorbei an die Öffentlichkeit zu tragen (Kamps 2002: 108f.)

In der Diskussion um eine „Mediokratie“, in der sich Politik bewusst der Darstellungslogik der Medien anpasse, um mediale Selektions- und Wahrnehmungsfilter zu passieren, muss berücksichtigt werden, dass politische Akteure vergleichsweise wenig Kontrolle über das besitzen, was andere von ihnen wahrnehmen (Machnig 2002: 146). Auf Seiten der Medien gewinnen politische Themen bzw. Ereignisse in Abwägung der allgemeinen Nachrichtenfaktoren (Aktualität, Überraschung, Prominenz, Betroffenheit, Nähe etc.) Relevanz (Kreyher 2004: 20). Die darauf folgende mediale Bearbeitung führt nach Miriam Meckel im Verhältnis von Politik und Medien zu vier bedeutenden Mismatches, d.h. Missverhältnissen zwischen Angebot und Nachfrage. Zum ersten stehe einer zunehmend komplexer werdenden Politik ein medialer Trend zur Simplifizierung, Personalisierung, Einzelfallberichterstattung usw. gegenüber. Des Weiteren sei ein Mismatch zwischen Formalisierung und Funktionalität zu beobachten, welches dadurch gekennzeichnet sei, dass ein Beobachtungsschema von Siegern und Verlierern Raum greife und hinter formalen Kriterien inhaltliche Dimensionen zurückgestellt würden. Zum dritten sei die Berichterstattung der Massenmedien nicht immer auf eine Information der Öffentlichkeit gerichtet, sondern bestimme in selbstreferentieller Weise die eigene Position im jeweiligen medialen Wettbewerbskontext. Zum letzten weist Meckel darauf hin, dass die Abhängigkeit der Medien von Bildmaterial bisweilen zu in die Fiktionalität hineinreichende Darstellungen führe. Der auf die Medien wirkende Druck zur Visualisierung lasse Bilder zu Themen entstehen, die weniger Fakten als Fiktionen vermittelten (Meckel 2002: 281f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dynamisches Modell des Prozesses medialer Politikvermittlung (n. Knoche 2000: 177)

3. Fernsehen als Instrument der Politikvermittlung

Unter den Massenmedien fällt dem Fernsehen vor allem aufgrund seiner enormen Reichweite eine herausragende Rolle zu. Eine Versorgungsdichte von 95 bis 98 Prozent der Haushalte mit Fernsehgeräten wurde in den alten Bundesländern 1980, in den neuen Ländern 1990 erreicht (Bußkamp 2002: 20). Auch in zeitlicher Hinsicht ist die Reichweite des Fernsehens einzigartig. Es wird bereits im Kindesalter benutzt und begleitet Menschen in modernen Gesellschaften nahezu ihr Leben lang (Marcinkowski 1998: 167). Fernsehen wird im Vergleich zu allen anderen Massenmedien am häufigsten, am längsten und von den meisten Menschen genutzt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Politikvermittlung durch das Fernsehen
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Öffentlichkeitsarbeit in der politischen Bildung. Methoden und Effekte
Note
1,4
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V123896
ISBN (eBook)
9783640288335
ISBN (Buch)
9783640288557
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fernsehen, Politik, Bundeskanzler, Wahlwerbung, Wahlen, Fernsehduell, Medien, Massenmedien, Nachrichten, Nachrichtensendungen, Unterhaltung, Partizipation, Magazin, politisch, Werbespots
Arbeit zitieren
Jürgen Menze (Autor), 2005, Politikvermittlung durch das Fernsehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123896

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