Interkulturelle Kompetenzen und die Bedeutung für die Soziale Arbeit


Essay, 2020

9 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Interkulturelle Kompetenzen in der Sozialen Arbeit

3. Hindernisse und Handlungsempfehlungen für die Beratung

4. Einordnung interkultureller Kompetenzen in den Beratungskontext

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Entstanden ist die Debatte der interkulturellen Kompetenzen in den 1990er Jahren, nachdem immer mehr Aufmerksamkeit auf die Herausforderungen von Globalisierung und Multikulturalität gerichtet wurde. Heutzutage ist die Nachfrage nach interkultureller Kompetenz alltäglich geworden und eine angesehene und nicht nur im Beruf nachgefragte Fähigkeit. Moosmüller (2020) definiert die interkulturelle Kompetenz damit, dass durch den Erwerb der Kompetenzen erfolgreich und angemessen mit Menschen, die anders kulturell orientiert sind, umgegangen werden kann. Diese Definition spiegelt jedoch nur ein Auffassungsmerkmal der Kompetenz wider. In den Wissenschaften herrscht nach wie vor noch keine Einheitlichkeit darüber, wie es mit der praktischen Relevanz, sowie der theoretischen Konzeption weiter gehen soll. Und trotz der zunehmenden Bedeutsamkeit ist es auch noch zu keiner einheitlichen Begriffsbestimmung gekommen. Die interkulturelle Kompetenz wird deshalb auch von diversen Modellen unterschiedlich charakterisiert. Butcher (2011) legt zum Beispiel das Augenmerk der Begrifflichkeit da hin, dass der Mensch durch die interkulturelle Kompetenz in der Lage ist, sich an unterschiedlichen kulturellen Deutungsmustern zu bedienen. Andere Autoren wie u. A. Bolten (2012) präferieren personale Faktoren wie Offenheit, Veränderungsbereitschaft und die Kontaktfreudigkeit als Faktoren, die interkulturell kompetentes Verhalten ausmachen.1 In der nachfolgenden Arbeit wird auf eine gezielte Auswahl von interkulturellen Kompetenzen Bezug genommen, die im Hinblick auf die Soziale Arbeit als wichtig erscheinen. Anschließend werden die Kompetenzen in einen beratenden Kontext innerhalb des Arbeitsfeldes mit Migranten/Migrantinnen gesetzt. Auch wird auf mögliche Hindernisse, sowie Handlungsempfehlungen eingegangen. Die Methodik des Scientific Essays ergibt sich aus der FOM Online - Literaturrecherche und aus dem Online Katalog OPAC der FAU Bibliotheken. Zur Recherche des Themas wurden hauptsächlich Originalbücher und Sammelwerke verwendet. Außerdem handelt es sich ausschließlich um deutschsprachige Literatur, um dem Arbeitsumfang von 2000 Wörtern gerecht zu werden.

2. Interkulturelle Kompetenzen in der Sozialen Arbeit

Der Begriff der interkulturellen Kompetenz begegnet einem in vielen verschiedenen Bereichen. Ob als Qualifikationsvoraussetzung für einen Job, als Persönlichkeitsmerkmal oder als neues Anforderungsprofil für die Beschäftigten in der Sozialen Arbeit. Interkulturelle Kompetenzen sind gefragt wie nie zuvor, Kompetenztrainings und Coachings entstehen und auch für Firmen werden mittlerweile interkulturelle Kompetenzschulungen angeboten.2 So ist auch das Handlungsfeld, in dem interkulturelle Kompetenzen bedeutsam werden, demnach breit gefächert. Zum Beispiel richtet es sich an die „Begegnung, Interaktion, Kommunikation und Kooperation von Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft.“3 Auch nennt die Literatur, dass Personen interkulturell kompetent handeln, wenn sie in einer interkulturellen Situation in der Lage sind, die unterschiedlichen Orientierungssysteme der Akteure zu entschlüsseln. Das Hineinversetzen in die Gedanken- und Gefühlswelt seines Gegenübers ist ein weiterer Aspekt der interkulturellen Kompetenz. Ebenso ist bekannt, das interkulturelle Kompetenz multidimensional aufgebaut ist und eine notwendige Voraussetzung für eine angemessene Kommunikation darstellt.4 Doch wie verhält es sich im Bereich der Sozialen Arbeit? Welche Kompetenzen sind hier von wichtiger Bedeutung, um zum Beispiel im Beratungskontext von Migranten/Migrantinnen adäquat und fachlich professionell auftreten zu können? Um dies zu beantworten, wird ein kurzer Diskurs innerhalb der Migrationsdebatte genannt.

Von Migranten/Migrantinnen und Flüchtlingen wird eine Anpassung an die deutschen Werte, Verhaltensregeln, Sitten und Gebräuche abverlangt. Gelingt dies weniger gut, melden es die Nachrichten als gescheiterten Integrationsversuch. Doch nur selten wird berichtet, welche Anstrengungen von den Zuwanderern, als auch von der aufnehmenden Bevölkerung abverlangt werden.

Daraus kann abgeleitet werden, welche Faktoren zielführend sind, um mit den Herausforderungen beider Seiten umgehen zu können.5 Interkulturelle Kompetenzen spielen deshalb auch hier im Beratungskontext eine große Rolle.

Es stellt sich demnach die Frage, wie sich kompetentes Handeln von Beratern auf einen gelingenden Beratungskontext auswirken kann. Um die steigende Zahl an Zuwanderern im Beratungskontext professionell zu unterstützen, wird von den Haupt-, und Ehrenamtlichen der Sozialen Arbeit interkulturelle Kompetenzen als eine Art Grundvoraussetzung für die Bewältigung ihres Berufes vorausgesetzt. Doch die Berater und Beraterinnen handeln oftmals selbst aus den Erfahrungen heraus, die sie in ihrer Kultur gelernt und vermittelt bekommen haben. Sie geben Informationen an Zu-Beratende weiter, die sie aus deutscher Sicht essenziell für ein Leben in Deutschland halten. Auch die Art, wie der Berater die Informationen weitervermittelt, hängt von seinen eigenen, persönlich gemachten Erfahrungen ab. Von den Werten mit denen er/sie aufwuchs und mit dem, was der Berater/Beraterin als richtiges Verhalten erlernte.6 Um mit Menschen aus anderen Kulturen beratend umgehen zu können, ist es daher wichtig, sich ein Bewusstsein für die eigene kulturelle Prägung zu schaffen. Es ist auch notwendig, sich Wissen über andere Kulturen des Zu-Beratenden anzueignen. Diese Aspekte und noch viele weitere nennt auch Kammhuber (2000), die er in seinem Buch Interkulturelles Lernen und Lehren veröffentlichte.7

3. Hindernisse und Handlungsempfehlungen für die Beratung

Aus den genannten Faktoren können sich nun Handlungsempfehlungen ableiten, die hilfreich für den Umgang in der Beratung von Migranten/Migrantinnen sein können. Laut Thomas (2018) ist es für den Berater wichtig, konkrete Informationen durch Rückfragen bei seinem Gegenüber zu erlangen. Aufgrund von Hindernissen, z. B. durch das Nichtverstehen der deutschen Sprache, das Einordnen von Mimik und Gestik des Beraters, können wichtige Informationen verloren gehen.

Der Berater sollte deshalb erst einmal für eine angenehme, vertrauensvolle Gesprächsbasis sorgen und dann essenzielle Informationen ansprechen. Des Weiteren kann es sein, dass der Zu-Beratende das Gesagte des Beraters gehört, jedoch die Informationen daraus nicht verstanden hat. Dies kann aufgrund fremdsprachlicher Defizite entstehen oder weil er sie nicht in sein kulturspezifisches Orientierungssystem einordnen kann. Beispielsweise spricht der Berater in seinen Botschaften von „Selbstständigkeit, Selbstverwirklichung, Eigeninitiative, Eigenverantwortlichkeit, Autonomie etc.“8,der Ratsuchende kann mit seiner biografischen und kulturspezifischen Erziehung nichts damit anfangen. Gründe dafür können sein, dass der Ratsuchende aufgrund seiner Kultur gelernt hat, Gehorsam zu sein, Fremdbestimmt zu werden und er/sie abhängig von Anderen ist. Eine Handlungsempfehlung an den Berater kann deshalb sein, praxisnahe Fallbeispiele zu schildern. Diese lassen dem Ratsuchenden ein besseres Verständnis geben und es fällt ihm/ihr leichter sich etwas unter den genannten Faktoren des Beraters vorzustellen. Dadurch geht auch keine wertvolle Beratungszeit verloren, da zwar die Ausgestaltung der praktischen Fälle Zeit in Anspruch nimmt, sie sich jedoch im Gesamtverlauf der Beratung durch positivere Verläufe ausbezahlt machen wird. Generell ist es wichtig, sich gut in sein Gegenüber hineinversetzen zu können. Schon die drei Beziehungsfaktoren von Rogers (Empathie, Wertschätzung und Echtheit)9 machen deutlich, worauf es in der gelingenden Kommunikation ankommt. Je besser sich der Berater in die Lebenswelt des Gegenübers hineinversetzt, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass bei ihm dauerhafte Handlungsumstellungen und veränderbare Eigen - und Fremdwahrnehmungen erkennbar sind.10

4. Einordnung interkultureller Kompetenzen in den Beratungskontext

Ausgehend von den zuvor genannten Faktoren ist es also wichtig, sich anzuschauen in welchen Bereichen Sozialarbeiter/innen und Sozialpädagogen/innen mit der Beratung von Migranten und Migrantinnen zu tun haben und warum die interkulturellen Kompetenzen einen hohen Einfluss darauf nehmen.

Beratung in der Sozialen Arbeit durch Sozialpädagogen und Sozialarbeitern findet unter Anderem in Migrationsberatungsstellen für erwachsene Zuwanderer statt, in den Jugendmigrationsdiensten, in der Asylverfahrensberatung, sowie in psychosozialen Zentren. Aufgabe und Ziel dieser Stellen ist es unter Anderem, direkte Verknüpfungen zu der Wichtigkeit von interkulturellen Kompetenzen abzuleiten. So bieten zum Beispiel Migrationsberatungsstellen (MBE) zur Integration von Migranten und Migrantinnen, zeitlich befristete und persönlich individuelle Beratungsangebote für Personen mit Aufenthaltsgenehmigungen und/oder mit der Aussicht auf Anerkennung an. Sozialpädagogische Beratung und Begleitung wird als ein großes Hauptziel genannt und schließt die Durchführung von Integrationskursen, Orientierungskursen (Wissen über Kultur, Regeln etc.) mit ein. Die Jugendmigrationsdienste (für Kinder und Jugendliche bis zum 27.LJ) haben auch das Ziel, die Integrationschancen derjenigen zu verbessern und die Förderung von Partizipation im sozialen, kulturellen und politischen Leben zu ermöglichen. Ist das Asylverfahren hingegen noch nicht abgeschlossen oder leben die Betroffenen mit der Duldung in Deutschland, dann haben sie bislang keinen Anspruch auf die Leistungen der Jugendmigrationsdienste oder der Migrationsberatungsstellen. Sie fallen dann unter den Begriff der klassischen Flüchtlingssozialarbeit. Auch hier wird Begleitung und Beratung durch Sozialarbeiter wichtig. In der im Jahr 2016 verfassten Asylsozialberatungsrichtlinie steht geschrieben, dass es ein Ziel sein muss, Ausländer dahingehend zu beraten, „damit sie sich in dem für sie fremden Lebens,- und Kulturbereich für die Dauer ihres Aufenthaltes in Deutschland orientieren können.“11 Allein um diese Richtlinie umzusetzen wird erkennbar, wie wichtig die interkulturellen Kompetenzen des Fachpersonals sind, um zielführend dahingehend zu beraten.

[...]


1 Vgl. Moosmüller, A., Interkulturelle Kompetenz: Kritische Perspektiven, 2020, S.7ff.

2 Vgl. Witzenleiter, H., Quick Guide, Interkulturelle Kompetenz, 2020, S.4ff.

3 Thomas, A., Kulturelle Integration von Migranten und Flüchtlingen im Berufskontext, 2018, S.5.

4 Vgl. Thomas, A., Kulturelle Integration von Migranten und Flüchtlingen im Berufskontext, 2018, S.3-6.

5 Vgl. Thomas, A., Kulturelle Integration von Migranten und Flüchtlingen im Berufskontext, 2018, S.1ff.

6 Vgl. Thomas, A., Kulturelle Integration von Migranten und Flüchtlingen im Berufskontext, 2018, S.49ff.

7 Vgl. Kammhuber, S., Interkulturelles Lernen und Lehren, 2000, o. S.

8 Thomas, A., Kulturelle Integration von Migranten und Flüchtlingen im Berufskontext, 2018, S.50.

9 Vgl. https://www.iww.de/pp/praxisfuehrung/patientenkommunikation-nimm-drei-empathie-wertschaetzung-echtheit-f59674/ , Zugriff am 19.11.2020.

10 Vgl. Thomas, A., Kulturelle Integration von Migranten und Flüchtlingen im Berufskontext, 2018, S.49-54.

11 https://www.verkuendung-bayern.de/amtsblatt/dokument/allmbl-2016-5-1495-2/ , Zugriff am 19.11.2020.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Kompetenzen und die Bedeutung für die Soziale Arbeit
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Nürnberg früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
9
Katalognummer
V1239070
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interkulturelle Kompetenzen, Soziale Arbeit
Arbeit zitieren
Vanessa Barth (Autor:in), 2020, Interkulturelle Kompetenzen und die Bedeutung für die Soziale Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1239070

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