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Mauscheln, Mischpoke, zocken und koscher. Zur negativen Semantik jiddischer Lehnwörter im Deutschen

Title: Mauscheln, Mischpoke, zocken und koscher. Zur negativen Semantik jiddischer Lehnwörter im Deutschen

Academic Paper , 2022 , 41 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anonym (Author)

German Studies - Linguistics
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Die nachfolgende Arbeit untersucht insbesondere die „abgewandelte, negative“ Semantik der jiddischen Lehnwörter mauscheln, Mischpoke, zocken und koscher. Dabei soll der Fokus darauf gelegt werden, welche Bedeutungskomponenten für das jeweilige Lehnwort im Deutschen Referenz Korpus (DeReKo) gefunden werden können.

Mauscheln, zocken, malochen, pleite, Mischpoke. Alle diese Wörter wurden aus dem Jiddischen in die deutsche Sprache entlehnt und teilen eine auffällige Gemeinsamkeit: ihre negative, teils pejorative Semantik. Diese wurde ihnen durch die Entlehnung in die deutsche Sprache zugeschrieben.

Die ersten jiddischen Worte fanden Ende des 15. Jahrhunderts Einzug in deutsche Texte. Der Sprachkontakt betraf nicht nur die obere soziale Schicht sondern auch die vagantes, eine Bezeichnung für fahrende Studenten, die unter anderem Diebes- und Gauner-Kreisen angehörten. Jiddische Wörter wurden in deren Jargon und dadurch in das Rotwelsche aufgenommen. Der religiös motivierte Antisemitismus gegen Juden trug dazu bei, dass die Semantik der Wörter teilweise stark ins Negative verschoben wurde. Im 18. Jahrhundert wurden westjiddische Begriffe zudem von Christen in Parodien und Polemiken verwendet.

Die Propaganda der Nationalsozialisten verstärkte die negative Haltung gegenüber dem Jiddischen – sie sahen in den entlehnten jiddischen Wörtern des Rotwelschen einen Beweis für die Kriminalität der Juden. Nicht zuletzt glaubten sie an die Verhunzung und „Verstümmelung“ (Schleicher 2007) der deutschen Sprache durch den Einfluss der Juden. Sie bezeichneten den Klang des Jiddischen als mauscheln und als jüdeln/jiddeln.

Auch heute wird auf die problematische Verwendung von Wörtern jiddischen Ursprungs hingewiesen. In dem Artikel „Antisemitismus in der Sprache Mauscheln, Mischpoke, Semit*innen: Wie judenfeindlich ist unsere Sprache?“ (Die Zeit 2020) unterscheidet Ronen Steinke zwischen „guten“ und „unguten jiddischen Slangwörtern“. Der Unterschied bestehe darin, dass die Wörter so verwendet werden, wie sie Jiddischsprechende verwenden würden, oder dass sie „im Deutschen eine abgewandelte, negative Bedeutung haben.“ (Die Zeit 2020)

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Inhaltsverzeichnis

1. Einführende Überlegungen

2. Linguistische Analyse

2.1 Mauscheln

2.1.1 „Mauscheln in Hinterzimmern“

2.1.2 Betrügen und Tricksen

2.2 Mischpoke

2.2.1 „Wir sind keine Mischpoke, sondern das mündige Volk.“

2.3 Zocken

2.3.1 „Zocken im Netz“

2.3.2 Wortfeld „eine höllische Sucht“

2.3.3 „Gnadenloses“ Abzocken

2.4 Koscher

2.4.1 „Nicht ganz koscher“

3. Fazit

4. Bibliographie

5. Anhang

5.1 Korpustreffer

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die negative, teilweise pejorative Semantik der jiddischen Lehnwörter Mauscheln, Mischpoke, zocken und koscher im heutigen Sprachgebrauch. Ziel der wissenschaftlichen Analyse ist es, mittels qualitativer Auswertung und korpuslinguistischer Methoden (COSMAS II/DeReKo) die aktuellen Bedeutungskomponenten und den Kontext der Verwendung dieser Wörter im Deutschen aufzuzeigen.

  • Historische Herleitung jiddischer Entlehnungen in das Deutsche.
  • Die Entwicklung und der aktuelle Gebrauch des Wortes Mauscheln im Kontext von Intransparenz und Bestechlichkeit.
  • Die Verwendung von Mischpoke als abwertende Sammelbezeichnung und Schimpfwort.
  • Die inhaltliche Erweiterung von zocken und Abzocke in digitale und kriminelle Kontexte.
  • Die vom religiösen Ursprung losgelöste, metaphorische Bedeutung von nicht koscher als Ausdruck für dubiose Machenschaften.

Auszug aus dem Buch

2.1.1 „Mauscheln in Hinterzimmern“

Ein bedeutungstragender Aspekt von mauscheln ist das ‚Heimliche‘, das ‚Verborgene‘. Im Korpus finden sich die Ausdrücke „Mauscheln in Hinterzimmern“ (M19), das Mauscheln „hinter verschlossenen Türen“ (M1, M2, M6). Die Kookurenz-Analyse gibt verschlossenen, Hinterzimmern und Türen an.

Insbesondere im politischen Kontext, in Berichten über Politiker und deren Geschäfte, sowie über Geschäfte von Banken, wird mauscheln verwendet. Ebenso findet sich im Kontext der „Reichen und Mächtigen“ (M15) das Wort.

Was jahrzehntelang galt – das Mauscheln in Hinterzimmern, das Schmieden von Seilschaften zwischen Sparkassen, Landesbankern und Politikern, das solidarische Schweigen – das ist ihm nun zum Verhängnis geworden im politischen Geschäft. (M19)

Die bildlich-metaphorische Darstellung des ‚Hinterzimmers‘ als Räumlichkeit evoziert die ‚Absprache im Geheimen‘, bei der es nicht mit ‚rechten‘ Dingen zugeht. Umgekehrt findet sich im Korpus: „Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, braucht man nicht hinter verschlossenen Türen zu mauscheln“ (M2). Exemplarisch in Zusammenhang mit dem korrupten Politiker Silvio Berlusconi fällt die Aussage: „Mauscheln mit der Mafia.“ (M14) Mauscheln bedeutet hier demnach ‚geheime/undurchsichtige Geschäfte machen‘.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführende Überlegungen: Einführung in die jiddischen Lehnwörter und die historische Entwicklung ihrer oft negativen Konnotation im Deutschen.

2. Linguistische Analyse: Methodische Erläuterung der Kookkurrenz-Analyse unter Nutzung des Korpus (DeReKo) und Vorstellung der Datenbasis.

2.1 Mauscheln: Untersuchung der Semantik von Mauscheln als Begriff für geheime, oft unlautere Absprachen, vor allem in politischen und wirtschaftlichen Kontexten.

2.2 Mischpoke: Analyse der heute mehrheitlich abwertenden Verwendung des Begriffs als Schimpfwort oder pauschale Charakterisierung von Personengruppen.

2.3 Zocken: Darstellung der Bedeutungserweiterung von zocken auf Online-Glücksspiele, exzessive Computerspielnutzung und dessen Verbindung zu negativen Begriffen wie Sucht oder Abzocke.

2.4 Koscher: Erläuterung des Übergangs von der religiösen Bedeutung als Speisegebot hin zum allgemein gebräuchlichen Ausdruck für etwas, das „nicht mit rechten Dingen zugeht“.

3. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse: Alle untersuchten Wörter prägen eine negative Bedeutung, die häufig vom ursprünglichen jiddischen Kontext abgekoppelt ist.

4. Bibliographie: Auflistung der verwendeten linguistischen und historischen Referenzwerke.

5. Anhang: Auflistung der korpusbasierten Textbeispiele für die untersuchten Begriffe.

Schlüsselwörter

Jiddisch, Sprachwissenschaft, Lehnwörter, Semantik, DeReKo, Kookkurrenz, Mauscheln, Mischpoke, Zocken, Abzocke, koscher, Antisemitismus, Pejorativierung, Korpuslinguistik, Sprachkontakt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die negative Bedeutung und pejorative Verwendung von vier ausgewählten jiddischen Lehnwörtern in der deutschen Sprache.

Welche Wörter stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?

Die Begriffe Mauscheln, Mischpoke, zocken und koscher werden detailliert analysiert.

Was ist das primäre Ziel der Analyse?

Ziel ist es, zu identifizieren, in welche Bedeutungskomponenten sich die Wörter im modernen Sprachgebrauch (belegt durch Korpustreffer) entwickelt haben und wie sich der Fokus dabei verschoben hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?

Der Autor nutzt das "Deutsche Referenzkorpus" (DeReKo) des IDS Mannheim und verknüpft eine qualitative Analyse mit der quantitativen Auswertung von Kookkurrenzen mittels COSMAS II.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die einzelnen Begriffe jeweils einzeln analysiert, ihre Herkunft kurz skizziert und ihr aktueller Verwendungskontext anhand spezifischer Textstellen aus deutschsprachigen Medien belegt.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Neben den vier Lehnwörtern sind "Semantik", "Sprachkontakt" und "DeReKo" zentrale Begriffe für das Verständnis der Methodik.

Zeigt die Untersuchung, dass die ursprüngliche Bedeutung (jüdisch/jiddisch) noch vorhanden ist?

Die Arbeit zeigt, dass die ursprüngliche Bedeutung bei Wörtern wie koscher im Bereich der Speisegesetze zwar erhalten bleibt, aber von der losgelösten, negativen Verwendung (etwas ist „nicht koscher“) weitgehend überlagert oder ergänzt wurde.

Welche Rolle spielt die Politik im Zusammenhang mit dem Begriff „Mauscheln“?

Der Begriff Mauscheln ist im Korpus stark mit dem politischen Umfeld verbunden, insbesondere wenn es um „Hinterzimmerpolitik“, mangelnde Transparenz und dubiose Absprachen geht.

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Details

Title
Mauscheln, Mischpoke, zocken und koscher. Zur negativen Semantik jiddischer Lehnwörter im Deutschen
College
University of Copenhagen
Grade
1,0
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2022
Pages
41
Catalog Number
V1239225
ISBN (PDF)
9783346649423
ISBN (Book)
9783346649430
Language
German
Tags
Jiddisch Linguistik Lehnwörter Korpus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2022, Mauscheln, Mischpoke, zocken und koscher. Zur negativen Semantik jiddischer Lehnwörter im Deutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1239225
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