Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle und der Funktion einer stellvertretenden Kita-Leitung.
Sie beantwortet die Frage, indem zuerst eng mit der Thematik zusammenhängende Begrifflichkeiten geklärt werden, um eine Verständnisgrundlage zu schaffen. Daran anschließend erfolgt die Einordnung der Position in das Personalmanagement, bevor danach die formal an die stellvertretende Kita-Leitung gerichteten Aufgabenprofile sowie notwendige damit einhergehende Kompetenzen ausgeführt werden.
Der Hauptteil ordnet jene im Kontext gestellten Ansprüche, auch im Hinblick auf etwaige Belastungsfaktoren, ein. Das vorletzte Kapitel gibt darauf aufbauend konkrete Handlungsempfehlungen zu einer besseren Ausgestaltung des Stellenprofils sowie Hinweise zu unterstützenden Maßnahmen, bevor im Fazit die Ergebnisse zusammengefasst und kritisch bewertet werden.
Bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Führung in sozialen Einrichtungen und insbesondere Kindertagesstätten wird in erster Linie an die Beziehung zwischen der Leitung als direkte Vorgesetzte und den Mitarbeitenden in Person der pädagogischen Fachkräfte sowie betriebsrelevanten Dienstleistern gedacht. Die Hierarchieebene muss jedoch um die Zwischenebene der stellvertretenden Kita-Leitung erweitert werden.
Obwohl deren Position aus Organisationssicht und aus der Sicht des Teams wichtig, sinnvoll und notwendig ist, wird sie zumeist unzureichend beachtet und die Ausgestaltung der Aufgabenbereiche ist von Unsicherheit gekennzeichnet. Darüber hinaus wurde auch innerhalb der Führungsforschung die Stellung der stellvertretenden Vorgesetzten bisher unzureichend gewürdigt. Dies wird dem Berufsstand insofern nicht gerecht, als nach derzeitigem Stand ein größerer Anteil von circa (ca.) 17% größerer Kita-Einrichtungen in Deutschland von Leitungsteams aus Kita-Leitung und Stellvertretungen geführt wird.
Die fehlende Beachtung dieser besonderen Position hängt einerseits mit den insgesamt von diffusen und schnellen Veränderungen geprägten Lage der Beteiligten im Kita-System zusammen und betrifft vor allem wechselnde Rahmenbedingungen, Herausforderungen und Diversität der Aufgaben. Auf der anderen Seite stellt sich die Rolle der stellvertretenden Leitung als wenig geklärt und standardisiert dar. Ihr Platz liegt irgendwo zwischen Leitung und Team, die Anforderungen sind individuell unterschiedlich.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begrifflichkeiten
3. Einordnung in das Personalmanagement
4. Formale Aufgabenprofile
5. Formale Kompetenzen
6. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
6.1. Belastungsfaktoren
7. Handlungsempfehlungen
8. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Funktion der stellvertretenden Kita-Leitung, um das Spannungsfeld zwischen den an die Position gestellten Erwartungen und der gelebten Realität aufzuzeigen und Lösungsansätze zu formulieren.
- Analyse der Aufgabenprofile und Kompetenzanforderungen für stellvertretende Kita-Leitungen.
- Einordnung der Stellvertretung in das System des Personalmanagements in Kindertageseinrichtungen.
- Untersuchung der strukturellen Belastungsfaktoren in der Führungsrolle.
- Ableitung von Handlungsempfehlungen zur professionellen Gestaltung und Aufwertung der Stelle.
- Reflexion der "Sandwich-Position" zwischen Team, Kita-Leitung und Träger.
Auszug aus dem Buch
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Aus den in den vorherigen Kapiteln formulierten Kompetenzen und Aufgabenprofilen wird deutlich, dass die stellvertretende Kita-Leitung eine Zwitterstellung charakterisiert (vgl. Thurmann/ Weiher 2012, o.S.). Sie befindet sich in einer doppelten Sandwich Position und agiert zwischen Team und Leitung und darüber hinaus in leitender Funktion zwischen Team und Träger. Einerseits ist die Person stark in das Team der Fachkräfte eingebunden und andererseits in organisatorische Tätigkeiten wie zum Beispiel Bürotätigkeiten, Stundenabrechnungen, Konzeptionierung, Personaleinsatzplanung oder Teambesprechungen als eigene und differente Arbeitsbereiche. Dadurch ergeben sich gleichermaßen Chancen und Risiken.
Der stellvertretenden Leitung fällt insofern eine entscheidende Rolle zu, dass eine Gesamtverantwortung der Kita-Leitung bei gänzlicher Befreiung vom pädagogischen Dienst für alle ihr untergeordneten Instanzen, also ausführende Fachkräfte im pädagogischen Alltag, mit zunehmender hierarchischer Entfernung praktisch begrenzt ist. Die zielgerichtete Einflussnahme gestaltet sich dabei durch eine individuell begrenzte Informationsbeschaffung schwierig und potenziert sich durch fehlende Verarbeitungskapazitäten und einem limitierten Zeitbudget aufgrund der Fülle der Aufgaben (vgl. Weibler 2020, S.343). Die Effektivitäts- und Effizienzechancen vergrößern sich dort, wo eine möglichst geringe Distanz zum Beeinflussenden besteht (ebd., S.343). Dabei stellt sich die stellvertretende Leitung, die im Kitakontext dem Team zumeist nähersteht, als das entscheidende Bindeglied dar. Sie ist am ehesten dazu in der Lage und daran interessiert, einen moderierenden Einfluss auf die Führungsbeziehung Kita-Leitung - Mitarbeiter*innen zu besitzen bzw. einen ergänzenden und konstruktiven Einfluss auf die Mitarbeitenden auszuüben (ebd., S.343).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass die Rolle der stellvertretenden Kita-Leitung in der Führungspraxis bisher unzureichend beachtet und definiert wird.
2. Begrifflichkeiten: Hier werden zentrale Begriffe wie Kindertageseinrichtung und das spezifische Verständnis von Vertretungsfunktionen im organisationalen Kontext geklärt.
3. Einordnung in das Personalmanagement: Das Kapitel betrachtet die Leitungsebene als Teil eines triadischen Systems und ordnet die Funktion in die bestehenden Personalstrukturen ein.
4. Formale Aufgabenprofile: Es werden die spezifischen Aufgabenbereiche der stellvertretenden Leitung auf Basis von Qualitätsdimensionen und Führungsmodellen dargestellt.
5. Formale Kompetenzen: Hier werden die gesetzlichen Voraussetzungen sowie die persönlichen Kompetenzen, die eine stellvertretende Leitung mitbringen sollte, systematisiert.
6. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Dieses Kapitel beleuchtet die Zwitterstellung der Rolle und die damit verbundenen Herausforderungen hinsichtlich Erwartungsdruck und Rollenkonflikten.
6.1. Belastungsfaktoren: Es werden exogene und endogene Faktoren analysiert, die zu psychischen Belastungen und Stress bei den Leitungskräften führen können.
7. Handlungsempfehlungen: Das Kapitel bietet konkrete Ansätze zur Aufwertung des Stellenprofils, zur besseren Integration und zum Schutz der Leitungsperson.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über die Bedeutung der Stellvertretung und die Notwendigkeit einer paritätischen Zusammenarbeit, um Kongruenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu schaffen.
Schlüsselwörter
Kindertagesstätte, Kita-Leitung, stellvertretende Leitung, Personalführung, Personalmanagement, Rollenprofil, Kompetenzen, Arbeitsbelastung, Sandwich-Position, Teamentwicklung, Organisationsentwicklung, Führungsverantwortung, pädagogische Fachkräfte, Betriebsorganisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle und Funktion der stellvertretenden Kita-Leitung und untersucht das Spannungsfeld zwischen der offiziellen Erwartung an diese Position und der praktischen Umsetzung im Kita-Alltag.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den Aufgabenprofilen, den formalen Voraussetzungen, den Belastungsfaktoren in der Führung sowie den Möglichkeiten zur Professionalisierung und Unterstützung der Stellvertretung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, welche Aufgaben und Kompetenzen eine stellvertretende Kita-Leitung benötigt, um den formellen Ansprüchen einerseits und den realen Arbeitsbedingungen andererseits gerecht zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit einschlägiger Literatur, Leitungs- und Führungstheorien sowie der Einordnung aktueller gesetzlicher und organisatorischer Rahmenbedingen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung im Personalmanagement, die Analyse der formalen Aufgaben und Kompetenzen, die Reflexion des "Sandwich-Dilemmas" sowie die kritische Betrachtung von Belastungsfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Kita-Leitung, Stellvertretung, Führungsrolle, Sandwich-Position, Personalmanagement, Arbeitsbelastung und Organisationsentwicklung.
Welche Belastungsfaktoren erschweren laut der Arbeit die Tätigkeit?
Die Autorin hebt Fachkräftemangel, hohe emotionale Anforderungen, Rollenunklarheit, zeitliche Engpässe sowie ein mitunter konfliktbehaftetes Arbeitsklima als wesentliche endogene und exogene Belastungsfaktoren hervor.
Welche konkrete Handlungsempfehlung gibt die Autorin für die Praxis?
Empfohlen werden u.a. die Einbindung der Stellvertretung in Entscheidungsprozesse, eine klare schriftliche Fixierung des Aufgabenprofils, ausreichende Leitungszeit außerhalb des Gruppendienstes sowie der Zugang zu Supervision und Coaching.
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- Anonym (Autor:in), 2022, Die Rolle und Funktion einer stellvertretenden Kita-Leitung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1239329