Skandale wie der Fall Wirecard schädigen das Vertrauen der Anleger in die Finanzmärkte, es handelt sich um negative Spill-Over-Effekte auf den Asset-Allokation-Prozess. Sie schaden nicht nur dem Wirtschaftswachstum, sondern hindern auch nicht betrügerische Unternehmen daran, Kapital aufzunehmen, denn Investoren sind nicht mehr bereit, das Risiko
einzugehen. Daher ist es wichtig, dem Fehlverhalten an den Kapitalmärkten genügend Aufmerksamkeit zu schenken. Die Ursachen und mögliche Maßnahmen zur Verhinderung zukünftiger Skandale müssen in gleicher Weise ausführlich besprochen werden. Dies ist auch der Zweck des folgenden Beitrags. Dazu liefert die Arbeit zunächst Hintergrundinformationen zu den Abläufen bei Wirecard und eine kurze Zusammenfassung des Verlaufs des Skandals. Zweitens werden mehrere Corporate-Governance-Themen im Zusammenhang mit der Katastrophe abgeleitet. Darauf folgt eine Beschreibung möglicher und bereits aufgestellter Maßnahmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Chronologie des Wirecard-Unternehmens
3. Der Wirecard-Skandal
4. Das Geschäftsmodell und die Bilanz von Wirecard
5. Relevante Corporate-Governance-Themen
5.1 Wirtschafts-/Abschlussprüfung
5.2 Aufsichtsrat
5.3 BaFin
6. Erkenntnisse und Lösungen
6.1 Vorgeschlagene Lösungen
6.2 Gesetzliche und politische Reaktion
7. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert den Wirecard-Skandal mit dem Ziel, die zugrunde liegenden Ursachen für das behördliche und regulatorische Versagen offenzulegen und daraus Erkenntnisse für die künftige Gestaltung der Corporate Governance sowie der Finanzmarktaufsicht abzuleiten.
- Chronologischer Ablauf der Unternehmensentwicklung und des Skandals
- Analyse des Geschäftsmodells und der Bilanzmanipulationen
- Untersuchung von Mängeln in der Abschlussprüfung und der Kontrollfunktion des Aufsichtsrats
- Bewertung des Agierens der Finanzaufsicht (BaFin)
- Diskussion regulatorischer Lösungsansätze und Gesetzesschritte (FISG)
Auszug aus dem Buch
3. Der Wirecard-Skandal
Mit einer Marktkapitalisierung von fast 13 Milliarden EUR und ausstehenden Aktien im Jahr 2019 galt Wirecard als wertvolle Investitionsmöglichkeit. Für viele Aktionäre und Shareholder kam die Insolvenz von Wirecard wie ein Schock. Andere würden jedoch behaupten, dass es bereits seit Jahren Hinweise auf unseriöse Tätigkeiten des Unternehmens gab. Neben anderen teilweise anonymen Reportern hatte vor allem die Financial Times (FT) eine Reihe von Vorwürfen gegen die Wirecard AG mit dem Titel "House of Wirecard" veröffentlicht. Bereits 2015 wiesen die Reporter auf Unstimmigkeiten in der Bilanz hin. Zunehmend kamen auch Fragen zu diversen überteuerten Firmenübernahmen in den kommenden Jahren im asiatischen Raum auf.
Die Ermittlungen der BaFin führten jedoch bei keinem Fall zu Ergebnissen. Daher wurden die Vorwürfe zurückgewiesen und als versuchte Marktmanipulation bewertet. 2019 veröffentlichte die FT weitere Bedenken wegen betrügerisch überhöhter Gewinne, die zu erneuten Vorwürfen der BaFin führten. Aufkommende Zweifel an einem möglichen Fehlverhalten von Wirecard hatten bereits eine steigende Anzahl von Short-Positionen hinsichtlich der zugrunde liegenden Aktien zur Folge. Als der Aktienkurs kam, erließ die BaFin ein zweimonatiges Verbot von Leerverkäufen im Februar 2019. Das Verbot, interpretiert als Hinweis auf die unbegründete Position von Leerverkäufen, hatte nur einen geringen Einfluss auf den volatilen Aktienkurs.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Wirecard-Insolvenz ein und erläutert die negativen Auswirkungen von Unternehmensskandalen auf die Finanzmärkte sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Chronologie des Wirecard-Unternehmens: Das Kapitel beschreibt den Aufstieg von Wirecard vom Zahlungsabwickler der Dotcom-Ära zum DAX-Konzern und zeichnet die Entwicklung bis hin zum drohenden Zusammenbruch nach.
3. Der Wirecard-Skandal: Hier werden die medialen Enthüllungen vor allem durch die Financial Times und das ausbleibende Eingreifen der Finanzaufsicht thematisiert.
4. Das Geschäftsmodell und die Bilanz von Wirecard: Dieses Kapitel erläutert die Kernbereiche Payment Processing sowie Acquiring & Issuing und die Rolle von Treuhandkonten bei der Bilanzierung.
5. Relevante Corporate-Governance-Themen: Eine detaillierte Auseinandersetzung mit Versäumnissen bei der Abschlussprüfung durch E&Y, der Kontrollschwäche des Aufsichtsrats und dem Agieren der BaFin.
6. Erkenntnisse und Lösungen: Dieses Segment diskutiert Reformvorschläge von Institutionen wie ECON und IDW sowie die gesetzlichen Reaktionen, insbesondere durch das FISG.
7. Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zur Governance-Problematik zusammen und bewertet die bereits eingeleiteten regulatorischen Maßnahmen zur Vermeidung künftiger Skandale.
Schlüsselwörter
Wirecard, Finanzskandal, Corporate Governance, Abschlussprüfung, BaFin, Bilanzbetrug, FISG, Zahlungsverkehr, Treuhandkonten, Aufsichtsrat, Marktmanipulation, Finanzaufsicht, Wirtschaftsprüfung, Insolvenz, Compliance
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenbruch des ehemaligen DAX-Konzerns Wirecard und analysiert die dabei zutage getretenen Schwächen in der Unternehmensführung und der staatlichen Aufsicht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Der Fokus liegt auf der Corporate Governance, der Rolle der externen Wirtschaftsprüfung (speziell E&Y), der Funktion des Aufsichtsrats sowie der Effektivität der Finanzmarktaufsicht durch BaFin und DPR.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Ursachen für das Scheitern interner und externer Kontrollinstanzen zu identifizieren und daraus allgemeine Lehren sowie politische Reformbedarfe abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Aufarbeitung des Falls, die auf der Auswertung von Fachliteratur, Berichten von Forschungsinstituten (wie dem IDW und SAFE), offiziellen Stellungnahmen der Aufsichtsbehörden sowie medialer Berichterstattung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der Unternehmenschronik, die Analyse des Geschäftsmodells, eine detaillierte Kritik der Kontrollmechanismen (Abschlussprüfung, Aufsichtsrat, BaFin) und die Diskussion von Lösungsansätzen zur Transparenzsteigerung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Wirecard, Bilanzbetrug, Corporate Governance, Wirtschaftsprüfung und das Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz (FISG).
Welche spezifische Rolle spielten die Treuhandkonten?
Die Treuhandkonten dienten Wirecard als Vehikel zur Bilanzierung von Forderungen als liquide Mittel in der Bilanz, um ein starkes Wachstum vorzutäuschen, obwohl die entsprechenden Guthaben in Wahrheit nicht existierten.
Warum blieb die BaFin so lange inaktiv?
Die BaFin interpretierte Hinweise auf Unregelmäßigkeiten vorab als versuchte Marktmanipulation durch Short-Seller und Journalisten, statt die zugrunde liegende Bilanzführung kritisch zu prüfen, was zu einer verzögerten Reaktion führte.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Ernst & Young (E&Y)?
Die Arbeit kritisiert E&Y scharf für das jahrelange uneingeschränkte Testat trotz fehlender Originalbelege für massive Guthaben auf Treuhandkonten, was wesentliche Zweifel an der Prüfqualität aufwirft.
Welchen Zweck verfolgt das FISG?
Das Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz (FISG) soll die Bilanzkontrolle zentralisieren, die Unabhängigkeit von Wirtschaftsprüfern stärken und der BaFin mehr Kompetenzen sowie Durchgriffsrechte einräumen, um Bilanzbetrug effektiver zu bekämpfen.
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- Anonym (Autor:in), 2022, Der Fall Wirecard, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1239348