Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem praxis- und fallorientierten Einsatz eines Standby Letter of Credit (Standby LC). Beim Standby LC handelt es sich um ein aus dem anglo-amerikanischen Wirtschaftsraum stammenden Zahlungssicherungsinstrument, das einen Lieferanten gegen die fehlende Zahlungsfähigkeit oder -willigkeit eines Importeurs schützt. Verkürzt dargestellt ist der Standby LC eine Garantie, welche sich unter dem Mantel eines Dokumentenakkreditivs befindet.
Nachdem zunächst eine praxisorientierte Fallgestaltung wiedergegeben und kurz das zugehörige wirtschaftliche Umfeld umrissen wird, wird der Standby LC hinsichtlich seiner Teilkomponenten -Garantie und Dokumentenakkreditiv- sowie seiner eigenen spezifischen Besonderheiten dargestellt. Im Anschluss daran wird auf die typischen Inhalte sowie deren Bedeutung eingegangen. Abschließend werden einige wichtige Formulierungen des Standby LC erläutert und deren praktische Bedeutung herausgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Fallgestaltung
2. Der Standby Letter of Credit:
Grundlegendes Verständnis und Einordnung
3. Inhaltlicher Aussagegehalt des Standby Letter of Credit
im vorliegenden Fall
4. Typische Formulierungen und deren Bedeutung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, eine praxisorientierte Lösung für die Beratung eines Importhandelshauses zu entwickeln, das mit der Anforderung eines Standby Letter of Credit durch einen amerikanischen Exporteur konfrontiert ist. Dabei wird die Rolle eines Firmenkundenberaters eingenommen, um das Instrument in seiner rechtlichen Struktur zu erläutern und den Kunden über Risiken sowie notwendige inhaltliche Gestaltungsparameter aufzuklären.
- Grundlagen des Standby Letter of Credit und dessen Einordnung
- Abgrenzung von ähnlichen Zahlungssicherungsinstrumenten wie Akkreditiven und Garantien
- Analyse des inhaltlichen Aussagegehalts für die Praxis
- Bedeutung typischer englischsprachiger Standardklauseln
- Bewertung aus Sicht des Kreditinstituts (Risikomanagement und Bonitätsprüfung)
Auszug aus dem Buch
4. Typische Formulierungen und deren Bedeutung
Ein vollständiges Beispiel für einen Standby LC ist in der Literatur enthalten. Auf Basis der Standardformulierungen einer Schweizer Großbank sollen im Folgenden wichtige Formulierungen und deren Bedeutung vorgestellt werden. Zunächst wird jeweils der englische Originaltext zitiert und übersetzt. Anschließend wird die aus kunden- beziehungsweise bankensicht praxisrelevante Bedeutung der Formulierungen herausgearbeitet:
„We hereby issue our irrevocable Standby Letter of Credit as per following spcifications“
„Wir stellen hiermit einen unwiderruflichen Standby Letter of Credit mit den folgenden Angaben aus.“
Bedeutsam ist hier die Festlegung, dass der Standby LC unwiderruflich ist. Es kann davon ausgegangen werden, dass dies ist eine zwingende Voraussetzung für den amerikanischen Exporteur ist, da eine widerrufliche Zahlungssicherung für ihn wertlos wäre. Dem Importeur ist zu verdeutlichen, dass er keine Möglichkeit hat, ohne das Einverständnis des Exporteurs, den Standby LC durch seine Hausbank widerrufen zu lassen.
„Date and place of expiry“
„Datum und Ort des Verfalls“
Das Verfall- beziehungsweise Befristungsdatum ist für den Kunden in zweierlei Hinsicht von Bedeutung. Zum einen ist das Datum in Anlehnung an das Fälligkeitsdatum der Kaufpreiszahlung des deutschen Importeurs zu wählen. Der Importeur muss sich im Klaren darüber sein, dass eine (nicht gewollte) Inanspruchnahme zu erwarten ist, wenn er nicht rechtzeitig vor Ablauf des Standby LC die Zahlung vornimmt. Insofern ist die Befristung nicht zu knapp zu bemessen. Zum anderen ist das Befristungsdatum die Grundlage für die Vereinnahmung der Avalprovision durch die Bank. Dieser Umstand spricht aus Kundensicht dafür, das Befristungsdatum auch nicht zu großzügig zu bemessen. In jedem Fall sollte das Datum präzise mit dem Exporteur abgestimmt und möglichst in den Kaufvertrag (Grundgeschäft) aufgenommen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fallgestaltung: Dieses Kapitel erläutert die Ausgangssituation eines deutschen Importhandelshauses, das von einem US-Exporteur einen Standby Letter of Credit verlangt bekommt, und definiert das Ziel der Arbeit, hierfür eine adäquate Beratungslösung zu finden.
2. Der Standby Letter of Credit: Grundlegendes Verständnis und Einordnung: Das Kapitel ordnet den Standby LC als Mischform aus Garantie und Akkreditiv ein und beleuchtet die rechtlichen sowie bankwirtschaftlichen Rahmenbedingungen dieser Instrumente.
3. Inhaltlicher Aussagegehalt des Standby Letter of Credit im vorliegenden Fall: Hier werden die notwendigen inhaltlichen Vereinbarungen wie Betrag, Fristen und Dokumentenanforderungen detailliert besprochen, die in die Gestaltung des Instruments einfließen müssen.
4. Typische Formulierungen und deren Bedeutung: Dieses Kapitel analysiert konkrete englische Standardklauseln eines Standby LC und arbeitet deren praktische Relevanz für den Importeur sowie die Bank heraus.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass eine kompetente Beratung zu Zahlungssicherungsinstrumenten ein wesentlicher Erfolgsfaktor in der langfristigen Kunden-Bank-Beziehung im Firmenkundengeschäft ist.
Schlüsselwörter
Standby Letter of Credit, Außenhandelsfinanzierung, Dokumentenakkreditiv, Bankgarantie, Zahlungssicherung, Importgeschäft, Bonitätsprüfung, Avalverbindlichkeit, ISP98, ICC, unwiderruflich, Risikomanagement, Firmenkundenberatung, Zahlungsverpflichtung, internationale Handelsgeschäfte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der praxisnahen Beratung eines deutschen Importeurs, der von einem amerikanischen Geschäftspartner zur Absicherung einer Forderung die Stellung eines Standby Letter of Credit verlangt bekommt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die rechtliche Einordnung des Standby LC, seine Abgrenzung zu klassischen Garantien und Akkreditiven sowie die praktische Gestaltung und Bedeutung spezifischer Vertragsklauseln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, dem Firmenkundenberater ein fundiertes Verständnis über den Standby LC zu vermitteln, damit er seinen Kunden in Bezug auf die Risiken und notwendigen vertraglichen Vereinbarungen kompetent beraten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine praxis- und fallorientierte Analyse, die auf einer Auswertung bankfachlicher Literatur und standardisierter internationaler Regelwerke wie der ISP98 basiert.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die notwendigen inhaltlichen Mindestanforderungen des Standby LC, wie etwa die genaue Dokumentendefinition, das Verfallsdatum und die Einbeziehung internationaler Richtlinien.
Welche Schlüsselbegriffe sind für die Arbeit charakteristisch?
Wichtige Begriffe sind insbesondere der Standby Letter of Credit, die Abgrenzung zum Dokumentenakkreditiv, die Rolle der Bank als Garant sowie die Bedeutung der ISP98 für die internationale Abwicklung.
Warum ist die Wahl der „Unwiderruflichkeit“ so entscheidend?
Für den Exporteur ist eine widerrufliche Absicherung meist wertlos. Das Kapitel zur Formulierung macht deutlich, dass der Importeur verstehen muss, dass ein einmal gestellter, unwiderruflicher Standby LC nicht einseitig zurückgenommen werden kann.
Welche Rolle spielt die Bonitätsprüfung durch die deutsche Bank?
Da die Stellung eines Standby LC eine Avalverbindlichkeit darstellt, muss die Bank sicherstellen, dass das Kundenobligo gedeckt ist, da die Bank bei einer Inanspruchnahme durch den Begünstigten zur Zahlung verpflichtet ist.
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- Bachelor of Science Matthias Beckers (Author), 2008, Der Standby Letter of Credit in Theorie und Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123949