Diese Arbeit stellt sich die Frage, inwiefern der Online-Unterricht in Corona- Pandemie den schulischen Erfolg von Migrantenkindern beeinflusst. Um diese Frage zu beantworten, wird im ersten Kapitel die Theorie „Soziale Ungleichheit“ von Esser und theoretische relevante Forschungen von Gogolin sowie Eickelmann & Gerick über Besonderheiten und Zielsetzungen des Fernunterrichts und der Nutzung digitaler Medien für Kinder mit Migrationshintergrund vorgestellt. Im zweiten Kapitel wird als empirische Studie eine Online-Befragung von Eltern mit Kindern in der Grundschule zum Fernunterricht und ihre Auswirkung auf den Bildungserfolg der Kinder in Coronazeiten von Lampert präsentiert.
Damit ist der Rahmen gesetzt für die Entwicklung eines Interviewleitfadens für Eltern mit Migrationshintergrund über die Effekte des Fernunterrichtes auf den Bildungserfolg ihrer Kinder, der als Vorschlag für eine weiterführende Forschung fungiert. Im dritten Kapitel werden die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit diskutiert. Im vierten Kapitel umfasst das Fazit. In neueren Publikationen der Migrations- und empirischen Bildungsforschung wird der Frage nachgegangen, welche Faktoren für den geringen Bildungserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund verantwortlich sind. Teilweise wird er damit erklärt, dass sich der Migrationshintergrund indirekt über erhöhte soziale und familiäre Belastungen auf das Verhalten der Kinder auswirkt.
Zudem sind Migrantenkinder in geringerem Maße sozialisiert und bedürfen der Sprachförderung, damit sie die Sprachkenntnisse erwerben, die ein „normales deutsches“ Kind hat. Die genannten Studien haben die Benachteiligung von Migrantenkindern in schulischen Belangen vor der Corona-Pandemie untersucht. Im Jahr 2020 wurden nun Schulschließungen angeordnet, um die Ausbreitung von Covid-19 zu verlangsamen. Diese Maßnahme stellte die Schulen sowie Familien mit und ohne Migrationshintergrund vor große Herausforderungen, da sie (online-)Unterricht zu Hause gestalten mussten. Ausgehend von aktuellen Forschungen zur Corona-Pandemie ergibt sich, dass die spezifischen Effekte des Fernunterrichts auf Kinder mit Migrationshintergrund eingehender betrachtet werden müssen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theorietische Grundlagen
1.1 Soziale Ungleichheit
1.2 Lernen im Online-Unterricht in Zeiten von Corona und unter Berücksichtigung von sozialen Ungleichheit für Migrantenkinder
2. Empirische Methodik
2.1 Die Onlinebefragung von 10- bis- 18-Jährigen in Deutschland (2020) zum Fernunterricht und dessen Auswirkung
2.2 Interviewleitfaden für Eltern mit Migrationshintergrund
2.2.1 Ablauf der Interviews
2.2.2 Interviewleitfaden
3. Diskussion
4. Fazit
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des Online-Unterrichts während der Corona-Pandemie auf den schulischen Erfolg von Kindern mit Migrationshintergrund, wobei insbesondere die Rolle sozialer Ungleichheiten und familiärer Belastungen beleuchtet wird.
- Soziale Ungleichheit als soziologischer Erklärungsrahmen
- Herausforderungen des Fernunterrichts für Migrantenkinder
- Nutzung digitaler Medien und technische Kompetenzen im Bildungskontext
- Elterliche Unterstützung und Sprachförderung im häuslichen Lernumfeld
- Entwicklung eines qualitativen Forschungsdesigns (Interviewleitfaden)
Auszug aus dem Buch
1. Theorietische Grundlagen
Da die Kinder und ihre Familien mit Migrationshintergrund als ethnische Minderheit in der deutschen Aufnahmegesellschaft gelten, wird die Theorie „Soziale Ungleichheit“ von Esser (2000) im Folgenden kurz zusammengefasst und präsentiert. Im Rahmen dieser Theorie werden relevante theoretische Forschungen von Gogolin (2020) sowie von Eickelmann & Gerick (2020), die sich mit dem Fernunterricht in Corona-Pandemie unter besonderer Berücksichtigung von sozialen Ungleichheiten beschäftigen, ebenfalls vorgestellt:
1.1 Soziale Ungleichheit
Die soziale Ungleichheit bezeichnet das Ausmaß und die Art der Unterschiedlichkeiten, die es in der gesellschaftlichen Lage der Akteure der Bevölkerung einer Gesellschaft gibt (vgl. Esser 2000: 113). Die Relevanz der gesellschaftlichen Lage der Akteure wird durch bestimmte Eigenschaften ebendieser Akteure in einer Gesellschaft spezialisiert. Darunter fällt z.B. die Unterteilung in Einheimische und Ausländer in der deutschen Gesellschaft (vgl. ebd.: 119). Akteure in einer ähnlichen gesellschaftlichen Lage verfolgen gemeinsam das Interesse, ihre gesellschaftliche Lage zu verbessern (vgl. ebd.: 122). Die soziale Ungleichheit sorgt zugleich für ein Verständnis von den sozialen Vorgängen in einer Gesellschaft (vgl. ebd.). Die Ungleichheitsstruktur einer Gesellschaft besteht aus zwei Dimensionen: horizontale soziale Ungleichheit und vertikale soziale Ungleichheit (vgl. ebd.: 130). Die horizontale Ungleichheit beschreibt unterschiedliche Situationen der Akteure in einer Gesellschaft. Darüber hinaus lässt sie sich selbst in verschiedenen Dimensionen wie biographische, kulturelle und normative Ungleichheit unterteilen (vgl. ebd.: 128).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problemstellung des schulischen Erfolgs von Migrantenkindern und Darstellung der zentralen Forschungsfrage im Kontext der Corona-Pandemie.
1. Theorietische Grundlagen: Erläuterung soziologischer Konzepte zur sozialen Ungleichheit und deren Übertragung auf die Situation von Migrantenkindern im Fernunterricht.
2. Empirische Methodik: Präsentation der Studienergebnisse von Lampert (2021) und Entwurf eines qualitativen Interviewleitfadens für Eltern mit Migrationshintergrund.
3. Diskussion: Kritische Reflexion der theoretischen und empirischen Befunde hinsichtlich des erhöhten Bildungsrisikos für Kinder mit Migrationshintergrund.
4. Fazit: Zusammenfassung der Kernergebnisse und Plädoyer für notwendige weiterführende empirische Studien zur Unterstützung von Migrantenkindern.
Schlüsselwörter
Soziale Ungleichheit, Migrationshintergrund, Fernunterricht, Corona-Pandemie, Bildungserfolg, Mediennutzung, Digitale Kompetenz, Schulschließung, Sprachförderung, Elternbeteiligung, Qualitatives Interview, Bildungsbenachteiligung, Digitale Medien, Lernprozesse, Bildungschancen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen des während der Corona-Pandemie notwendigen Online-Unterrichts auf den Bildungserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind soziale Ungleichheit, die Nutzung digitaler Medien im Lernprozess, die Herausforderungen der Sprachförderung sowie die Rolle des familiären Umfelds bei der Unterstützung in schulischen Belangen.
Wie lautet die primäre Forschungsfrage?
Die Autorin untersucht, inwiefern der durch die Pandemie forcierte Online-Unterricht den schulischen Erfolg oder Misserfolg von Migrantenkindern beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Arbeit, die auf Literaturanalyse sowie der Auswertung bestehender empirischer Daten (Onlinebefragung nach Lampert, 2021) basiert und einen Vorschlag für eine eigene qualitative Forschungsmethode (Experteninterviews) entwickelt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu sozialer Ungleichheit, die Analyse digitaler Unterrichtsformate sowie die methodische Vorbereitung einer eigenen Befragung bei Eltern mit Migrationshintergrund.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Migrationshintergrund, digitale Kompetenz, Fernunterricht, soziologische Ungleichheit und Bildungsrisiko in der Krise.
Welche Bedenken äußern Eltern laut der zitierten Onlinebefragung?
Ein signifikanter Teil der Eltern fürchtet negative Auswirkungen auf die Bildung ihrer Kinder, etwa durch Wissenslücken, das Scheitern an Prüfungen oder eine Überforderung bei der Bewältigung digitaler Schulaufgaben.
Warum schlägt die Autorin eine qualitative Befragung mittels Interviewleitfaden vor?
Die Autorin argumentiert, dass bestehende Studien zwar allgemeine Trends aufzeigen, aber die spezifischen Herausforderungen und Bewältigungsstrategien von Migrantenfamilien in der Pandemie mittels qualitativer Interviews detaillierter erforscht werden müssen.
- Arbeit zitieren
- Hend Ahmed (Autor:in), 2022, Online-Unterricht während der Pandemie. Soziale Ungleichheit für Kinder mit Migrationshintergrund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1239690