Ein übergeordnetes Ziel dieses Projektes war, die Vermittlung einer anthropozentrischen Auslegung der Bibel zu durchbrechen und über die in der Enzyklika Laudato si‘ zur Geltung kommende Position der Kirche zu dem Verhältnis zwischen dem Menschen und der Natur aufzuklären. Gleichzeitig soll dies aber auch ein Projekt zum Thema nachhaltigen Handelns und nachhaltiger Ernährung sein. Die Folgen bei einer Verfehlung des 1,5 Grad Ziels und der Einfluss des Ernährungssektors müssen offen dargelegt werden. Trotzdem soll das Projekt weder in religiöser Hinsicht noch im Kontext des nachhaltigen Lifestyles und der veganen Bewegung eine negative missionarische Wirkung auf die Teilnehmer*innen haben. Auch eine negative Moralisierung im Sinne von einer rein appellierenden und empörenden Behandlung von strukturellen Fragen und einer eindeutigen Schuldzuweisung und Undifferenziertheit im Hinblick auf die Klimakrise soll vermieden werden. Stattdessen wird gemeinsam darüber diskutiert werden, was Menschen davon abhalten könnte, nachhaltiger zu leben und welche strukturellen Veränderungen nötig wären, um in Deutschland nachhaltiger leben zu können. Durch das Konzentrieren auf das eigene Handeln, die eigene Verantwortung sowie auf die allgemeine gesellschaftliche Praxis und mögliche Lösungsansätze für nachhaltigere Strukturen, sollen negative Moralisierungen, persönliche Schuldzuweisungen und emotionsgeladene Diskurse vermieden werden. Zusätzlich wird der mind-behavior-gap mit seiner Wirkung und Ursache thematisiert und reflektiert werden, um gemeinsam zu überlegen, wie dieses psychologische Phänomen am besten durchbrochen werden könnte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Projektskizze: Ziele des Projekts
2.1. Umfeldanalyse und 100-Wort-Beschreibung
2.2. Projektverlaufsplan
2.3. Ressourcenplanung
2.4. Konkrete Gestaltung
2.5 Projektdokumentation
3 Projektreflexion
3.1 Reflexion der elementaren Strukturen und Wahrheiten
3.2 Didaktisch-methodische Reflexion
3.3 Persönliche Reflexion zur Lehrer*innenprofessionalität
4 Fazit
5 Literaturverzeichnis
Anhang
Zielsetzung & Themen
Das Projekt verfolgt das übergeordnete Ziel, die Vermittlung einer anthropozentrischen Bibelauslegung zu hinterfragen und mittels der Enzyklika Laudato siʼ ein Bewusstsein für ein nachhaltiges Verhältnis zwischen Mensch und Natur zu fördern. Dabei liegt der Fokus auf der theologischen Begründung nachhaltigen Handelns, verknüpft mit einer kritischen Auseinandersetzung mit der heutigen Ernährungsweise als einem zentralen Aspekt der Klimakrise.
- Theologische Neueinordnung des Mensch-Schöpfung-Verhältnisses (Vom Herrschafts- zum Hüteauftrag)
- Analyse und Überwindung des „mind-behavior-gap“ bei der Umsetzung nachhaltigen Handelns
- Kritische Reflexion des aktuellen Ernährungssystems aus ökologischer und christlich-ethischer Perspektive
- Förderung eines bereichernden Dialogs zwischen Theologie und Wissenschaft im schulischen Kontext
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Viele Jahre wurden über die Existenz und die Auswirkungen des Klimawandels diskutiert. Mittlerweile ist sich die Wissenschaft weitestgehend darüber einig, dass das Klima auf der Erde wärmer wird und dass der Mensch durch den Ausstoß, vor allem von Kohlendioxid auf unterschiedlichen Wegen, dazu entscheidend beiträgt. Die Klimakrise scheint auf den ersten Blick ein rein wissenschaftliches und politisches Problem zu sein. Carola Rackete, Klimaaktivistin und bekannt durch ihre Hilfe bei der Seenotrettung von Flüchtlingen, sieht aber auch die Theologie als Teil des Problems. So sagt sie in dem Podcast 1,5 Grad – dem Klimapodcast mit Luisa Neubauer in der Folge vom 22.12.20:
„Wir haben gerade in der westlichen Gesellschaft die Ansicht, dass der Mensch an sich von der Natur getrennt sei. Das wird auch in der Bibel, aber auch in vielen anderen Schriften, auf die unsere Kultur basiert, so herausgestellt. Und eben in der Bibel ganz krass: Der Mensch ist die Krone der Schöpfung, er steht über dem Rest der Natur, darf sie benutzen und ausbeuten.“1
Diesen, mit einer bestimmten Auslegung der Bibel begründeten, theologischen Anthropozentrismus sieht sie mit als Verursacher für das egoistische Ausnutzen des Ökosystems durch den Menschen. Diese Auslegung der Bibel, die so viele Jahrhunderte stattgefunden hat, wurde als Begründung und Legitimierung des menschlichen Handels benutzt. Seit mehreren Jahrzehnten werden die Stimmen von Exeget*innen und Theolog*innen allerdings lauter, die auf das theozentrische Weltbild in der Bibel verweisen, in der die Menschen, die Tiere und die Pflanzen miteinander in einer Schöpfungsgemeinschaft gedeutet werden.2 Dass die anthropozentrische Auslegung der Bibel eher veraltet ist und die Theologie neue Sichtweisen auf die Themen des Umweltschutzes, der Erschöpfung der natürlichen Ressourcen und die daraus bestehenden sozialen Ungerechtigkeiten hat, zeigt auch die Enzyklika Laudato si’ von Papst Franziskus, die am 24. Mai 2015 erschien.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle der Theologie im Kontext der Klimakrise, hinterfragt den traditionellen Anthropozentrismus und führt das Thema einer nachhaltigen, christlich fundierten Ernährung ein.
2 Die Projektskizze: Ziele des Projekts: Dieses Kapitel erläutert die Konzeption des Projekts, inklusive Umfeldanalyse, Zeitplanung und der inhaltlichen Ausgestaltung der einzelnen Sequenzen.
3 Projektreflexion: Dieser Teil wertet das durchgeführte Projekt aus, reflektiert die theologischen Materialien sowie die didaktisch-methodische Umsetzung und schließt mit einer persönlichen Einordnung der Autorin ab.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt das Erreichen der Projektziele und benennt Schwachstellen sowie Lerneffekte hinsichtlich der didaktischen Struktur und der Verknüpfung von Theologie und Nachhaltigkeit.
5 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen, Sekundärliteratur und Internetressourcen.
Anhang: Dokumentation der Umfrageergebnisse und Rückmeldungen der Teilnehmer*innen.
Schlüsselwörter
Klimawandel, Nachhaltige Ernährung, Theologie, Schöpfungstheologie, Laudato siʼ, Anthropozentrismus, Hüteauftrag, Schöpfungsgemeinschaft, Klimakrise, mind-behavior-gap, Religion und Wissenschaft, Christliches Handeln, Ökologische Ethik, Lehramtsstudium, Konsumkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert und reflektiert ein theologisches Projekt mit Studierenden zum Thema nachhaltige Ernährung und dessen Verankerung in der christlichen Schöpfungstheologie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Klimawandel aus theologischer Perspektive, die Kritik am anthropozentrischen Weltbild, nachhaltiger Konsum sowie die ökologische Verantwortung des Menschen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, ein Verständnis für nicht-anthropozentrische, zeitgemäße Interpretationen der Schöpfungserzählung zu vermitteln und Wege aufzuzeigen, wie theologische Positionen zu globalen ökologischen Fragen Stellung beziehen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Das Projekt kombiniert exegetische Bibelarbeit, die Analyse von Enzykliken (Laudato siʼ), Medienarbeit (Kurzfilme, Musik) und eine reflektierende Auswertung von Teilnehmerbefragungen im Rahmen einer Projektstudie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Planung, die Projektdokumentation und die anschließende Reflexion der inhaltlichen, didaktischen sowie persönlichen Aspekte der Projektleitung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselaspekte sind Schöpfungstheologie, Klimakrise, nachhaltiges Handeln, mind-behavior-gap sowie der Dialog zwischen christlicher Ethik und dem wissenschaftlichen Diskurs zum Klimaschutz.
Wie reagieren die Studierenden auf die theologischen Inhalte?
Die Studierenden zeigen sich durchaus neugierig und offen gegenüber den theologischen Texten, positionieren sich jedoch teilweise kritisch gegenüber der Institution Kirche und deren aktuellen Positionen zu sozialen Fragen.
Welche Schwachstelle im Projektdesign identifiziert die Autorin selbst?
Die Autorin erkennt, dass eine mangelnde inhaltliche Verknüpfung der einzelnen Projektblöcke sowie ein nicht ausreichend klar formuliertes Lernziel den Lernerfolg der Teilnehmenden beeinträchtigt haben.
Welchen Einfluss hat die „mind-behavior-gap“ Thematik auf das Projekt?
Das Thema dient als zentrales Instrument, um den Studierenden zu vermitteln, dass nachhaltiges Handeln nicht allein durch Wissen, sondern durch vielfältige strukturelle und soziale Faktoren beeinflusst wird.
- Citation du texte
- Franziska Schäfer (Auteur), 2021, Christliches Handeln angesichts der Klimakatastrophe. Bericht zu einem theologischen Projekt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1239847