Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich dem Glauben und der Religion der Wikinger, die vor allem zwischen dem achten und elften Jahrhundert mit dem Christentum in Berührung kamen. Die Christianisierung Skandinaviens zog sich über mehrere Jahrhunderte hin und selbst heute gibt es in Island oder Norwegen noch Gemeinschaften, die heidnische Kulte ausüben und die alten Götter des Nordens verehren. Es soll daher erörtert werden, wie viele Informationen man aus den vorhandenen Quellen ziehen kann, die Aufschlüsse über die Glaubensvorstellungen der Wikinger geben können und ob diese nachvollziehbar sind oder rein spekulativ. Kann man aufgrund der vorhandenen Quellen und Informationen eine Glaubens- oder Religionsgeschichte der Wikinger aufzeigen? Ist das Heidentum wirklich vom christlichen Glauben verdrängt worden oder konnten sich einige Insignien und Rituale des Heidentums im Christentum manifestieren?
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Begriffserläuterungen
1.1. Religion
1.2. Wikinger
2. Quellenlage / Quellenproblematik
2.1. Archäologische Quellen
2.1.1. Kultplätze
2.2. Runen
2.3. Altnordische Überlieferungen
2.3.1. Edda des Snorri Sturluson
2.3.2. Skaldendichtung
3. Religiöse und gesellschaftliche Grundlagen der Wikinger
3.1. Sippe bzw. Familie der Wikinger
3.2. Menschliches Zusammenleben
3.3. Gesellschaftsordnung
4. Vorchristliche Religion im Norden
4.1. Wikingerzeitliches Weltbild
4.1.1. Entstehung der Welt
4.1.2. Ragnarök
4.1.3. Schicksal
4.2. Götter und Gottheiten
4.2.1. Odin
4.2.2. Thor
4.2.3. Balder
4.2.4. Loki
4.2.5. Freyr und Freyja
4.3. Mythische Wesen und Erscheinungen
4.3.1. Riesen
4.3.2. Alben
4.3.3. Zwerge
4.3.4. Disen
4.3.5. Walküren
4.4. Kulte und Riten der vorchristlichen Wikinger
5. Das Leben nach dem Tod
5.1. Grabformen
5.2. Grabbeigaben
5.2.1. Waffen als Grabbeigabe
5.2.2. Pferdegräber
5.2.3. Bedeutung der Schiffe als Grabbeigabe
5.3. Bestattungsriten
5.4. Totenreiche im wikingischen Heidentum
5.4.1. Walhalla
5.4.2. Hel
5.4.3. Ran
6. Frühe Kontakte mit dem Christentum
6.1. Mögliche Ursachen der wikingischen Expansion
6.2. Frühe Handelszentren in Skandinavien
6.2.1. Haithabu
6.3. Erste Raubzüge
6.4. Wikingische Expansionsvorhaben
7. Der Einzug des Christentums im Norden
7.1. Missionstätigkeiten im Norden
7.2. Missionierungen in Dänemark und Schweden
7.2.1. Ansgar – der Apostel des Nordens
7.3. Integration der Wikinger in England
7.4. Wikinger werden zu Normannen
8. Christianisierung Skandinaviens
8.1. Dänemarks Christianisierung
8.2. Norwegens Christianisierung
8.2.1. Bekehrung Islands
8.3. Schwedens Christianisierung
9. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Glauben und die Religion der Wikinger während der Zeit ihrer Berührung mit dem Christentum zwischen dem achten und elften Jahrhundert. Das primäre Ziel der Arbeit ist es, die Glaubensvorstellungen der Wikinger auf Basis vorhandener archäologischer Funde sowie altnordischer Überlieferungen zu rekonstruieren und zu analysieren, ob sich heidnische Riten im Christentum manifestierten oder vom christlichen Glauben verdrängt wurden.
- Quellenkritische Untersuchung archäologischer Funde und schriftlicher Überlieferungen
- Analyse der religiösen und gesellschaftlichen Grundlagen der Wikingergesellschaft
- Detaillierte Betrachtung des nordischen Weltbildes, der Götterwelt und mythischer Wesen
- Untersuchung der Jenseitsvorstellungen anhand von Bestattungsriten und Grabbeigaben
- Beleuchtung der Christianisierungsprozesse in Skandinavien
Auszug aus dem Buch
4.1.1. Entstehung der Welt
Wie schon mehrmals erwähnt, stellen die verschiedenen Edda-Schriften und Überlieferungen die ausgiebigsten Quellen für die nordischen Glaubensvorstellungen dar. Dies bezieht sich auch auf die Schöpfungsmythen, die jedoch in einem unterschiedlichen Umfang vom Christentum beeinflusst sind. Ich beziehe mich hier vor allem auf die Snorra-Edda, die zwar erst im 13. Jahrhundert entstand, deren Inhalte aber vorwiegend auf der Völuspá und der Lieder-Edda beruhen.
Snorri erzählt in der Gylfaginning von der Entstehung der Welt und zitiert dabei bereits aus der Völuspá. Demnach gab es zu Beginn nichts, nur eine Schlucht zwischen Niflheim, der Eiswelt im Norden mit der Quelle Hvergelmir und Muspellsheim, der Feuerwelt im Süden, die man Ginnungagap nannte. Durch die Vermischung des Eises mit den Feuerfunken entstand ein Wesen in Menschengestalt, das Ymir oder Aurgelmir hieß. Ymir ernährte sich von der Milch einer mythischen Kuh, die das Salz von bereiften Steinen leckte und einen Mann, Búri, zum Vorschein brachte. Dessen Sohn Borr hatte mit Bestla die Söhne Odin, Vili und Vé, die ersten Götter. Durch das Schwitzen wuchsen unter Ymirs linker Achsel ein Mann und eine Frau, und seine Füße zeugten einen Sohn. Es waren die Vorfahren der Reifriesen. Die Söhne Borrs töteten Ymir und schleppten ihn in den Ginnungagap. In dem Blut des Urriesen ertranken alle anderen Reifriesen, mit Ausnahme von Bergelmir. Aus dem toten Körper gestalteten die ersten Götter die Welt und schufen „aus dem Blut das Meer, aus dem Fleisch die Erde, aus den Knochen die Berge und aus den Zähnen und Knochensplittern das Steingeröll“. Den Himmel formten sie aus dem Schädel und erschufen aus den Funken von Muspellzheim Sonne, Mond und Sterne. Anschließend brachten sie aus zwei Baumstämmen die ersten Menschen hervor, Askr und Embla. Am Ende erbauten sie die Burg Asgard.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Arbeit ab, definiert das Forschungsziel und erläutert die Problematik der Quellenlage zur Wikingerreligion.
1. Begriffserläuterungen: In diesem Kapitel werden grundlegende Begrifflichkeiten wie „Religion“ und „Wikinger“ definiert und in den historischen Kontext eingeordnet.
2. Quellenlage / Quellenproblematik: Das Kapitel befasst sich kritisch mit den archäologischen und schriftlichen Quellen, die für die Erforschung der Wikingerzeit zur Verfügung stehen.
3. Religiöse und gesellschaftliche Grundlagen der Wikinger: Hier werden die sozialen Strukturen wie Sippe und Gesellschaftsordnung analysiert, die das Leben und den Glauben der Wikinger prägten.
4. Vorchristliche Religion im Norden: Dieser Hauptteil behandelt das wikingerzeitliche Weltbild, die polytheistische Götterwelt sowie mythische Wesen und Riten.
5. Das Leben nach dem Tod: Das Kapitel untersucht die Jenseitsvorstellungen der Wikinger anhand von Grabformen, Beigaben und Bestattungsriten.
6. Frühe Kontakte mit dem Christentum: Hier werden die Ursachen der wikingischen Expansion und die ersten Begegnungen mit dem christlichen Glauben durch Handel und Raubzüge beleuchtet.
7. Der Einzug des Christentums im Norden: Dieses Kapitel widmet sich den missionarischen Bemühungen und der schrittweisen Ausbreitung des Christentums in Skandinavien.
8. Christianisierung Skandinaviens: Es wird die spezifische Christianisierung der skandinavischen Kernländer Dänemark, Norwegen und Schweden sowie Islands detailliert dargestellt.
9. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Erkenntnisse und einer abschließenden Reflexion über das Heidentum und den Wandel zum Christentum.
Schlüsselwörter
Wikinger, nordische Mythologie, Edda, Christianisierung, Weltbild, Jenseits, Grabbeigaben, Snorri Sturluson, Götter, Heidentum, Quellenproblematik, Skandinavien, Religion, Runen, Kulturwandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit dem Glauben und der Religion der Wikinger im Zeitraum zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert und untersucht den Wandel durch den Kontakt mit dem Christentum.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Rekonstruktion des heidnischen Weltbildes, die Rolle der Götter und mythischen Wesen, sowie die Analyse der Totenriten und der Christianisierung als gesellschaftlicher Prozess.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, inwieweit Informationen aus archäologischen Funden und schriftlichen Überlieferungen für eine Glaubensgeschichte der Wikinger verwertbar sind und wie diese Religion mit dem Christentum interagierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse. Es werden archäologische Fundberichte mit zeitgenössischen schriftlichen Quellen und mittelalterlichen literarischen Texten wie der Edda in Beziehung gesetzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die gesellschaftlichen Grundlagen, das wikingerzeitliche Weltbild, die Götter- und Mythenlehre sowie die Jenseitsvorstellungen und die detaillierten Phasen der Christianisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Wikinger, nordische Mythologie, Christianisierung, Heidentum, Snorri Sturluson und archäologische Quellen.
Wie unterscheidet sich die Bewertung des Schicksalsglaubens in der heidnischen und christlichen Sicht?
Während heidnische Wikinger an ein unabänderliches Schicksal glaubten, das sogar die Götter betraf, lehnte das Christentum diesen Schicksalsglauben als unvereinbar mit dem Gottesurteil ab.
Warum ist das Oseberggrab für die Forschung von so großer Bedeutung?
Das Oseberggrab stellt einen bedeutenden archäologischen Fund aus dem Jahr 834 dar, der mit seiner reichen Ausstattung ein detailliertes Bild der Bestattungspraktiken und des sozialen Status' der Verstorbenen liefert.
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- Mag. Katja Kuster (Autor:in), 2019, Die Wikinger und ihr Glaube, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1240004